Kontinuität und Bildauswahl

2b-Sportredaktion am 24.08.2006 - 13:25 Uhr
Jede Sportart erzeugt ihre eigenen Bilder. Der Fahrradsport lebt von den Aufnahmen sich quälender Fahrer am Anstieg, wie auch von den schnellen und gefährlichen Abfahrten. Ein Hundert-Meter-Läufer muss dagegen in wenigen Sekunden seine Leistung bringen, er ist beim Start extrem gespannt, explodiert auf der Strecke und reißt vielleicht im Ziel die Arme in die Luft. Beim Skifahren geht es um Geschwindigkeit auf steilen und vereisten Hängen. In diesen Zusammenhängen will auch das Publikum ihre Sportler sehen. Radsportler, die sich bei einer langen Flachetappe bei der Fahrt miteinander unterhalten, belegen nicht den harten Wettkampfcharakter ihrer Disziplin. Ski Alpin oder der Sprint in der Leichtathletik kommt ohne das der Sportart innewohnende Tempo nicht aus. Außerdem wollen die Zuschauer die Aktiven aus unterschiedlichen Perspektiven sehen.

Vielfalt statt Langeweile
Mit mehreren verschiedenen Einstellungen gewinnt das Video an Vielfalt und wird interessanter. Auch Aufnahmen vom selben Ort in verschiedenen Einstellungsgrößen lassen sich gut nutzen, denn für unser Auge sind solche Übergänge normal. Eine weitere Möglichkeit, für Abwechslung zu sorgen, sind Aufnahmen aus gegenüberliegenden Positionen. 'Schuss und Gegenschuss' werden bei einer schnellen Sportart nur für Landschafts- und Umgebungsszenen möglich sein, doch diese Möglichkeit gilt es zu nutzen.

Klischees können helfen
Es zählen nicht nur die Action-Sequenzen - um eine komplette Veranstaltung abzudecken, werden auch ortsspezifische Bilder benötigt. Fahnen, Ortsschilder, architektonische Wahrzeichen oder Veranstaltungsplakate eignen sich - in der Totalen gedreht - für einen guten Einstieg. Symbolhafte Aufnahmen machen dem Zuseher verständlich, was gerade passiert. So steht das Bild eines sich aufwärmenden Sportlers für die Vorbereitungsphase, die Jubelrunde für die Momente nach der Entscheidung - diese Aufnahmen werden richtig verstanden werden. Klischees erleichtern dem Publikum die Orientierung im Film und fesseln damit ihre Aufmerksamkeit.

Ereignis-Abfolge beibehalten
Jede Szene sollte ohne Zoom oder Schwenk für sieben bis zehn Sekunden festgehalten werden, um für den Schnitt optimales Material abzuliefern. Außerdem muss die Kontinuität des zeitlichen Ablaufes gewahrt bleiben. Ein sportliches Ereignis weist in der Regel die Abfolge verschiedener Elemente auf. Beim Schwimmen beispielsweise wärmen sich die Sportler auf, laufen dann zu ihren Startblöcken, starten, schwimmen und beenden schließlich den Wettkampf, danach werden die Sieger geehrt. Diese Reihenfolge sollte auch beim Video erkennbar sein - alles andere wäre sehr verwirrend und erklärungsbedürftig. Hält der Filmer sich dagegen an diesen Ablauf, hat der Zuschauer keine Mühe, die Handlung zu verfolgen.

Schnittbilder verwenden
Um die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen der Veranstaltung für den Zuschauer klar zu gestalten, empfehlen sich so genannte Schnittbilder. Dies sind Aufnahmen, die allgemein für das Ereignis stehen. Das jubelnde Publikum, die Umgebung, Detailaufnahmen von Athleten und ihrem Sportgerät können später zwischen den Handlungsphasen als Trenner eingebaut werden. Sie kaschieren schlechtere Übergänge oder fehlendes Material. Sie lassen sich auch zwischen mehrere Einstellungen aus der gleichen Perspektive schneiden, die alleine langweilig wirken würden.


Großaufnahmen wählen
Wer sich ein Sportvideo ansieht, will am Geschehen teilhaben. Er möchte den Athleten so nahe wie möglich kommen - deshalb sollte auch der Sportfilmer dies versuchen. Großaufnahmen bringen Emotion, Schweiß, Tränen und Freude in die Wohnzimmer der Sportfans. Ist ein Motiv zu groß, wird es in mehreren Einstellungen gefilmt. Bei Gebäuden, Menschenansammlungen oder Landschaften ergibt diese Technik bessere Aufnahmen, als der Zoom oder Schwenk. Auch die Aneinanderreihung von unbelebten Bildern ist kein Problem. Richtig zusammengeschnitten ergibt sich das Leben durch kurze Bildabfolgen auf musikalische Wechsel. Darüber werden wir aber erst im nächsten Teil näher berichten.

Komplexe Szenen auflösen
Interessant werden Situationen im Film, wenn man Szenen in mehreren Einstellungen auflösen kann. Dabei sollte man Perspektive und Einstellungsgröße variieren. Bei Sportaufnahmen ist dies manchmal schwierig - schließlich haben die wenigsten Videofilmer mehrere Kameras zur Verfügung, um den Start eines Rennens in der Totalen aufzunehmen, und gleichzeitig halbnah einzelne Athleten festzuhalten. Dennoch gilt es, ein Auge für solche Möglichkeiten zu entwickeln und sie dann umzusetzen.
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