Im Takt des Tons

2b-Sportredaktion am 01.09.2006 - 12:51 Uhr
Viele Videografen werden ihren Clip mit Musik unterlegen wollen. Musik ist kein Muss, kann aber doch die Qualität des Beitrages stark verbessern. Der richtige Titel untermalt das Geschehen und verstärkt die Wirkung der Bilder - wenn es richtig gemacht wird.

Geschmackssache: Die richtige Titelwahl
Beim Videoschnitt geht es auch um die Verbindung von Ton und Bild. Ein guter Editor wird seine Bildfolge zum Takt der unterliegenden Musik schneiden. Bevor also die endgültige Bildabfolge bestimmt wird, sollte ausgewählt werden, wo Musik und O-Töne vorgesehen sind. Zur Verwendung von Musiktiteln gibt es einige einfache Tipps. Nicht immer ideal ist eine durchgehende Musikspur - etwa ein Titel, der den gesamten Beitrag untermalt, die beste Lösung. Ein solcher 'Musikteppich' kann auch langweilig wirken und gibt wenig gestalterischen Spielraum. Es spricht nichts dagegen, die Musik durch O-Töne, wie Umgebungsgeräusche der Veranstaltung, oder Interviewstimmen zu unterbrechen. Auch sehr bekannte Musiktitel können eine nachteilige Wirkung erzielen - sie lenken den Zuschauer vom eigentlichen Geschehen ab und wecken Assoziationen, die mit dem Film nichts zu tun haben. Gute Filmmusik untermalt das Geschehen und drängt sich nicht auf. Sie sollte aber auch zum Gegenstand des Videos passen. Bei Sportvideos, in denen es um Geschwindigkeit, Dynamik und Athetik geht, werden sehr langsame Stücke wie ein Fremdkörper wirken. Letztlich ist die Musik aber wie Vieles vor allem eine Frage des Geschmacks.

Keyframes nutzen
Welches musikalische Thema auch gewählt wird, es sollte technisch sauber eingefügt werden. Ist das Stück in die Projektbox importiert, kann es per Drag und Drop in eine freie Musikspur des Schnittfensters gezogen werden. Dort erscheint es als Kurve mit teils hohen, teils niedrigen Ausschlägen. Hohe Ausschläge stehen dabei für Ton - niedrige oder fehlende Ausschläge signalisieren Pausen. Mittels dieser Kurve lässt sich jedes Einzelgeräusch präzise abgrenzen - und im Zweifelsfall ausschneiden. An diesen Werten kann man sich orientieren: Zu den Tonpausen sollte jeweils auch der optische Szenenwechsel erfolgen. Dann laufen die Bilder im Takt der Musik durch den Film und werden den Zuschauer fesseln. Ebenfalls wichtig ist ein sauberer Ein- und Ausstieg von musikalischen Elementen. In der Regel wird ein Video mit von Musik untermalten allgemeinen Bildern beginnen, hierfür drängt sich die Startsequenz des gewählten Liedes regelrecht auf. Wenn das Stück aber unterbrochen wird, muss die Musik an dieser Stelle ein logisches Ende haben. Sie kann auch ausgefadet werden, dazu nutzt man sogenannte Keyframes. Links neben jeder Audio-Spur bietet sich die Möglichkeit, solche Kontrollpunkte zu setzen. Mit ihnen wird die Lautstärke der jeweiligen Tonspur verändert. Dazu setzt man zunächst einen Keyframe am Beginn des Fade-Outs - ab hier soll die Musik leiser werden. Ein zweiter Punkt wird dort gesetzt, wo sie den niedrigsten Lautstärkepegel erreicht. Die absinkende Lautstärke wird durch eine fallende Linie symbolisiert. Je leichter sie abfällt, desto sanfter erfolgt das Ausfaden. Mit zwei weiteren Keyframes kann für diese Audiospur der Ton wieder auf das Ausgangsniveau angehoben werden. Natürlich kann man die Musik oder die Lautstärke der Stimmen auch über das normale Ausgangsniveau erhöht werden. Dies ist sinnvoll, wenn der Interviewpartner im Vergleich zum restlichen Ton leiser und nur schwer zu hören ist. Hierfür empfiehlt sich die Funktion 'Normalisieren', die über einen Rechtsklick auf die Tonspur erreicht wird.

Synchronität erhalten
Premiere Pro erlaubt dem Anwender die gleichzeitige Verwendung mehrerer Tonspuren. Natürlich ist zu jeder Bildsequenz auch automatisch eine Tonspur vorhanden. Die beim Dreh gefilmten Originaltöne sind fest mit den jeweiligen Bildern verbunden. Durch einen Rechtsklick auf die Tonspur kann der Befehl 'Verbindung zwischen Audio und Video aufheben' ausgeführt werden. Danach lässt sich der Originalton verschieben oder auch löschen. Lediglich bei Interviewsituationen ist von einem solchen Vorgehen strikt abzuraten: Es ist schwer möglich, rückwirkend beide Spuren wieder so zu verbinden, dass die Lippenbewegung des Sprechers sychron zum Ton verläuft. Wer nur gelegentlich etwas Hintergrundgeräusch einfügen möchte, kann natürlich auch mit den Keyframes arbeiten und damit nur an den Stellen den Ton 'andrehen', wo er gewünscht wird.

Der Kommentar: Vorbild Fernsehen
Eine weitere Möglichkeit, den Videofilm interessanter und informativer zugestalten, ist die Kommentierung. Natürlich kann schon beim Dreh vor Ort ein Kommentar aufgesprochen werden. Jedoch wird sich für eine bessere Tonqualität die Nachvertonung anbieten. Der Text wird dabei vorgeschrieben und einfach im Anschluss aufgenommen. Anfängerfehler gilt es dabei zu vermeiden: Den besten Effekt erreicht man durch natürliches Sprechen. Affektierte Wortwahl und komplizierter Satzbau führen nur zu Unverständnis bei den Zuschauern. Kurze und prägnante Sätze mit wichtigen Informationen helfen dagegen dabei, die Bilder richtig einzuordnen. Dabei geht es nicht darum, die Szenen noch einmal zu beschreiben. Informationen, die aus den Bildern hervorgehen, können vorausgesetzt werden. Vielleicht bedarf es einiger Übung, um ein Gefühl für das richtige Sprechtempo und die geeignete Wortwahl zu bekommen. Hier hilft immer die Meinung Außenstehender. Schließlich ist fast jeder Mensch durch das Fernsehen genügend geschult, um Fehler oder ungewöhnliche Ausdrücke zu bemerken. Eine gute Übung in diesem Zusammenhang sind Fernsehbeiträge, wie sie in Nachrichtensendungen oder in der Sportschau üblich sind. Um Kommentare einzuüben lohnt es, einen normalen Bericht aufzuzeichnen und sich in Bezug auf Textwahl und Betonung genau anzusehen. Dieser Tipp gilt natürlich auch für den Schnitt einzelner Szenen und deren Übergänge, auf die wir im Folgenden näher eingehen.
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