Interview mit Dr. Großhauser - Erhöhter Mineralstoffbedarf im Winter

2b-Sportredaktion am 04.12.2008 - 08:56 Uhr
Zum Abschluss unseres Themenspecials geht es noch einmal speziell um den Aspekt der Ernährung. Wie kann die richtige Ernährung unser Immunsystem stärken und unterstützen? Worauf muss man in der kalten Jahreszeit achten? Fragen, die wir unserer Expertin Dr. Mareike Großhauser gestellt haben. Die Diplom-Oecotrophologin weiß, wie man dem erhöhten Mineralstoffbedarf durch regelmäßiges Training in Herbst und Winter begegnen kann.

Frage: Im Herbst und Winter braucht unser Körper ein besonders starkes Immunsystem. Wie kann eine gesunde Ernährung dazu beitragen?
Dr. Mareike Großhauser: Eine abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung gibt dem Körper viele lebensnotwendige Nährstoffe. Unsere Immunabwehr ist auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen (z.B. Vitamin C, E, Folsäure usw.) und Mineralstoffen (Zink, Eisen, Selen usw.) angewiesen. Wichtige Nährstofflieferanten sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und –Backwaren, Nüsse sowie auch Fleisch, Fisch und Eier.

Frage: Zudem locken in der kalten Jahreszeit an vielen Orten Punsch, Glühwein, Weihnachtsgebäck und vieles mehr. Wie schädlich ist ihr Konsum und inwieweit beeinflusst er auch unser Immunsystem negativ?
Dr. Großhauser: "Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren!" Diese alte Weisheit hat recht, denn ein Alkoholkonsum in Maßen hat keinen negativen Einfluss auf das Immunsystem. Wer allerdings zu viel trinkt, verliert wichtige Mineralien und schwächt damit seine Immunabwehr. Schleckereien enthalten neben Zucker auch viel ungesundes Fett, welches nicht nur dick macht, sondern in großen Mengen auch gesundheitsschädigend ist. Aber auch hier ist die Menge entscheidend.

Frage: Wer den inneren Schweinehund besiegt und in Herbst und Winter draußen Sport treibt, fordert seinen Organismus besonders. Was benötigt unser Körper, um mit diesen speziellen Belastungen zurecht zu kommen? Spielen hier gewisse Nahrungsbestandteile wie Vitamine oder Mineralstoffe eine besondere Rolle?
Dr. Großhauser: Bei gleicher körperlicher Belastung verbraucht der Körper mehr Energie in kalten Jahreszeiten als in warmen. Deshalb sollte auf eine ausreichende Kohlenhydrat- und Flüssigkeitsversorgung insbesondere während Belastungen von mehr als 90 Minuten geachtet werden (empfohlene Zufuhr: 60 g Kohlenhydrate pro Stunde und pro Liter Flüssigkeit). Richtige Ernährungsstrategien während der Belastung reduzieren Stressreaktionen im Körper nach Belastungsende, welche als Folge eines geschwächten Immunsystems insbesondere zu Atemwegsinfekten führen können. In diesem Zusammenhang ist auch eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen wichtig. Wissenschaftliche Studien (Nieman DC, 2008) belegen den positiven Einfluss einer gezielten Supplementierung zur Stärkung der Immunabwehr. Während Zink die Aktivität der Natürlichen Killerzellen, also der ersten Immunabwehr, erhöht, sind Vitamin E, ß-Carotin (Vorstufe von Vitamin A) und Vitamin C wichtige Radikalfänger. Viele sekundäre Pflanzenstoffe, zum Beispiel Saponine in Erbsen, Sulfide in Zwiebeln oder Knoblauch oder auch Polyphenole in Rotkohl wirken keimstoppend und unterstützen so wirkungsvoll unser Immunsystem. Nicht zu vergessen ist natürlich auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Wasserverluste, insbesondere über die Atmung wieder auszugleichen.

Frage: Hängt eine individuell richtige Ernährung auch von der betriebenen Sportart ab?
Dr. Großhauser: In erster Linie unterscheidet sich die Ernährung einzelner Sportarten in der Höhe des jeweiligen Energiebedarfs. Je höher der Kalorienbedarf, umso wichtiger wird die Fettzufuhr, um einen hohen Kalorienbedarf überhaupt decken zu können. In Abhängigkeit von der Belastung (Umfang, Dauer, mit oder ohne Pause) gibt es weitere Unterschiede bezüglich Timing der Nährstoffzufuhr und Zusammensetzung der Speisen. Grundsätzlich ist zu beachten, wer körperlich sehr aktiv ist, das heißt mindestens fünf Stunden pro Woche Sport treibt, sollte seinen Körper gut rüsten und sich an Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten. In der Realität sind unsere Ernährungsgewohnheiten – laut Ernährungsbericht der DGE – leider verbesserungswürdig. Das betrifft sowohl die Makronährstoff- (Fette, Kohlenhydrate usw.) als auch die Mikronährstoffzufuhr (z.B. Calcium, Folsäure usw.).

Frage: Wo und wann braucht der Körper besondere Unterstützung?
Dr. Großhauser: Wer regelmäßig trainiert, erhöht seinen Energiebedarf und sollte in diesem Zusammenhang auch mehr Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen. Zum einen sind bestimmte Vitamine notwendig, um mehr anfallende Nährstoffe zur Energiegewinnung abzubauen, zum anderen treten Verluste durch Schweißbildung und so weiter auf, die wieder ausgeglichen werden müssen. Suboptimale Versorgungszustände sollten vermieden werden, da neben der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, die Regenerationsfähigkeit und die Immunabwehr negativ beeinflusst werden.
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