Nordische Ski-WM Liberec 2009: Silberne Rekord-Titelkämpfe in Tschechien

XC-Ski Redaktion am 02.03.2009 - 14:16 Uhr

Vom 18. Februar bis 1. März 2009 haben in Liberec (Tschechien) die 47. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften stattgefunden. Nach verhaltenem Beginn konnte auch das deutsche Team am Ende zufrieden mit dem Abschneiden sein.

Rekorde, Rekorde, Rekorde
Bereits vor Beginn der Wettbewerbe in Liberec stand ein Rekord fest. 62 Nationen hatten für die WM gemeldet, 59 davon waren dann auch vor Ort vertreten. Damit konnte man den alten Rekord von Oberstdorf 2005 deutlich überbieten. 660 Sportler kämpften in den drei Sportarten Skilanglauf, Nordische Kombination und Skisprung um die Medaillen. Zu Beginn der Wettbewerbe hatte es dann fast den Anschein, dass die Athleten vor mäßig besetzten Tribünen laufen und springen würden, aber an den Wochenenden war der Andrang dann groß. Zwischen 180.000 und 200.000 Zuschauer sollen nach Angaben der FIS die Wettbewerbe vor Ort verfolgt haben.

Das Schneewunder
Im Vorfeld der WM wurde viel diskutiert. Würden es die Veranstalter schaffen, nach der missglückten Generalprobe 2008 eine Weltmeisterschaft reibungslos abzuwickeln? Das Team um Katherina Neumannova schaffte es. Zumindest nach außen hin lief organisatorisch alles glatt und der Wettergott meinte es gut mit Liberec. Nachdem man dank verstärkter Produktion von Kunstschnee die Wettbewerbe bereits abgesicherte hatte, fing es an zu schneien. Und so fanden Besucher, Sportler und Betreuer eine weiße Winterlandschaft vor. Zwar ließ sich die Sonne in den WM-Tagen nur wenig sehen und die Temperaturen lagen meist im Plusbereich, aber der Stimmung an der Strecke tat das keinen Abbruch.

Diskussionen und Wachslotterie
Dass Diskussionen nicht ausblieben, dafür sorgte schließlich Jochen Behle. Der deutsche Bundestrainer übte nach den ersten erfolglosen Tagen Kritik an Damentrainer Ismo Hämäläinen und zog sich damit den Unmut der Athletinnen zu. Schließlich einigte man sich mit Sportdirektor Thomas Pfüller darauf, die Diskussion erst nach der Saison fortzusetzen. Auch bei der Materialwahl lief nicht alles rund. Null Grad Schnee stellte alle Athleten in den Klassik-Rennen vor die Entscheidung: Wachs- oder No-Wachs-Ski? So zerplatzten so manche Medaillenträume bereits auf den ersten Kilometern, auf denen die Läufer feststellen mussten, dass sie sich für die falsche Alternative entschieden hatten.


Sportliche Höhepunkte durch Northug und Saarinen
Die überragenden Athleten der WM 2009 heißen Aino Kaisa Saarinen und Petter Northug. Beide gewannen je dreimal Gold, Saarinen zusätzlich noch Bronze in der Verfolgung. Seinem unnachahmlichen Antritt kurz vor dem Ziel hat es der erst 23-jährige Norweger Northug zu verdanken, dass er bereits jetzt als legitimer Nachfolger von Bjoern Daehli gehandelt wird. Im Verfolgungsrennen konnte er so Anders Soedergren und Giorgio Di Centa bezwingen, im Staffelrennen ließ er Axel Teichmann stehen und im Verfolgungsrennen hatten Maxim Vylegzhanin und Tobi Angerer das Nachsehen. Die Gesamtweltcupführende Saarinen gewann das klassische Einzelrennen, mit Virpi Kuitunen im Teamsprint und mit der finnischen Staffel.

Gewohntes und Überraschendes
Die weiteren Entscheidungen in Liberec boten Gewohntes und Überraschendes. So gewann der Este Andrus Veerpalu nach zwei Olympiasiegen auch einen Weltmeistertitel über seine Lieblingsdistanz von 15 Kilometern Klassik. Lokalmatador Lukas Bauer hatte das Nachsehen, freute sich jedoch auch über Silber. Überraschend war dagegen das Abschneiden des jungen Finnen Matti Heikkinen. In seinem ersten WM-Rennen holte er seine erste Medaille. Ola Vigen Hattestad krönte sich indessen zum Sprint-König, nachdem er als Topfavorit in die Konkurrenz gestartet war. Zusammen mit dem zweitplatzierten Johan Kjoelstad entschied er zudem den Teamsprint für das norwegische Team. Bei den Damen sicherte sich Arianna Follis (Italien) den Titel, nachdem Topfavoritin Petra Majdic bereits frühzeitig ausgeschieden war. Hätte sie bessere Teamkolleginnen, wäre wohl auch Justyna Kowalczyk aus Polen für den Titel "Erfolgreichste Athletin der WM" in Frage gekommen. So reiste sie jedoch mit zwei Goldmedaillen aus der Verfolgung und dem 30 Kilometer Massenstart, sowie einer Bronzemedaille im Einzelrennen, als beste Einzelathletin nach Hause.

Silbernes Abschneiden der Deutschen
Die Fans mussten lange warten und bangen. Bis zur Halbzeit nach den Sprintrennen waren die deutschen Athleten ohne Medaille geblieben. Falsches Material und Formschwäche nagten am Selbstbewusstsein der Athleten. Dann gelang Tobi Angerer und Axel Teichmann der Befreiungsschlag im Teamsprint. Silber hinter Norwegen sollte die Wende bedeuten. Bereits am nächsten Tag lief die Damenstaffel dank sensationeller Leistungen von Nachwuchsbiathletin Miriam Gössner und Schlussläuferin Claudia Nystad zu Silber. Einen Tag später scheiterten die Herren nach grandioser Leistung in der Staffel nur an Petter Northug und gewannen ebenfalls Silber. Zum Abschluss folgte noch eine hart erkämpfte Bronzemedaille durch Tobi Angerer im 50 Kilometer Massenstartrennen. Mit vier Medaillen konnte am Ende dann doch noch das Soll erfüllt und ein positiver Blick in Richtung Olympische Spiele im nächsten Jahr geworfen werden.

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