Nordische Ski-WM Liberec: Northug holt Gold, Angerer Bronze im Massenstart

XC-Ski Redaktion am 01.03.2009 - 16:06 Uhr

Petter Northug jr. hat sich die dritte Goldmedaille bei der Nordischen Ski-WM in Liberec gesichert. Nach der Doppelverfolgung und der Staffel stürmte der Norweger auch auf den letzten Metern des 50-Kilometer-Rennens zum Titel.

Stehversuche über 30 Kilometer
Der Höhepunkt der Skilanglauf-Weltmeisterschaften, das abschließende Rennen über 50 Kilometer bei den Herren in der freien Technik war wie erwartet ein völlig von Taktik geprägtes Rennen. Die Läufer bewegten sich über 30 Kilometer zunächst im Bummeltempo voran, immer wieder kam es zu Stehversuchen. Erst dann kam es bei einem Skiwechsel im Stadion zu einer eher zufälligen Attacke des Sprintspezialisten Cristian Zorzi, der trotz seines gemächlichen Tempos einige Minuten vorn blieb, da es hinten wieder Stehversuche gab. Kurz darauf stand die nächste Möglichkeit zum Skiwechsel auf dem Programm, wo Jean Marc Gaillard als einziger Athlet der Spitzengruppe durchlief und nach seiner ersten Überraschung das Tempo erhöhte und halbherzig eine Attacke startete. Zwar war er bald wieder gestellt, sein Landsmann Vincent Vittoz nutzte aber die Gelegenheit, sich gemeinsam mit Northug um einige Sekunden abzusetzen. Nur Tobias Angerer machte Anstalten, die Lücke wieder zuzulaufen, was auch gelang. "Diese Attacken tun sehr weh. Es dauert immer eine Weile bis man da wieder herankommt. Die Aufholarbeit hat Tobi sehr viele Körner gekostet. Petter Northug sieht sehr gut aus und hat einen hervorragenden Ski. Das Rennen wird durch die nächsten Attacken entschieden werden", mutmaßte Jochen Behle.

Perfektes Rennen für Northug
Doch diese Attacken sollten noch eine Weile auf sich warten lassen, zunächst wurde das Tempo wieder verschleppt und Tobias Angerer wie auch Petter Northug, der ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hatte, konnten sich wieder erholen. Insgesamt war es ein perfektes Rennen für den späteren Sieger Northug, der seine Konkurrenten bei geringer Geschwindigkeit immer im Blick behielt. Im letzten Anstieg startete dann Tobias Angerer durch: Erste Attacke - vereitelt. Dann noch ein Versuch und die Führungsgruppe fiel auseinander. Erwartungsgemäß ließ sich Topfavorit Northug nicht abschütteln, doch mit Giorgio Di Centa, dem während des gesamtes Rennens starke laufenden Russen Maxim Vylegzhanin und dem Weißrussen Dolidovich hatte sich ein Quintett ein paar Meter abgesetzt - das Stadion war bereits in Sicht.



Northug wieder nicht zu schlagen
Am Eingang des Stadions zog der Norweger seinen unwiderstehlichen Zielsprint an, dem nur der 26-Jährige aus Russland folgen konnte. Damit sicherte sich der 50km-Spezialist seine erste internationale Medaille. Doch auch bei dem dreimaligen Golmedaillen-Gewinner Northug hat das lange Rennen Spuren hinterlassen, wenn er sich auch nach dem Wettkampf gewohnt siegesgewiss zeigte: "Ich bin sehr glücklich und zufrieden. Das war ein toller Ort für mich, es war sehr schwierig das Rennen zu gewinnen. An einigen Streckenteilen hatte ich meine Schwierigkeiten, ich hatte immer wieder Krämpfe. Tobi ist sehr gefährlich, ich wusste das. Aber meine Beine waren gut genug, ich war als Erster auf der Zielgerade und wusste, dass ich mich auf meinen Zielspurt verlassen konnte."

Deutsche Mannschaft zufrieden
Mit der Bronzemedaille wurde Tobias Angerer für seinen Antritt belohnt, er fügte damit der achtfachen Silberserie des DSV bei der Nordischen-WM in Liberec noch eine Bronzene hinzu. "Ich habe einen inneren Antrieb gehabt. Normal ist nach der Staffel immer die Luft raus, aber ich habe gespürt, dass hier noch etwas möglich ist", so Angerer. "Ich war froh, dass ich, nachdem ich das Loch zu Vittoz und Northug geschlossen habe, wieder etwas in der Gruppe aufschließen konnte. Irgendwann knack ich den Northug!", kündigte der Bayer an. Sehr guter Sechster knapp hinter Di Centa und Dolidovich wurde René Sommerfeldt, der damit seine Nominierung rechtfertigte. Ohne seinen Stockbruch im letzten Anstieg wäre sogar noch mehr drin gewesen: "Ich könnte mich mehr freuen, wenn ich das Rennen ohne Probleme hätte absolvieren können. Auf der letzten Runde ist mir jemand auf den Stock gelatscht und es hat dann lange gedauert, bis ich neues Material bekommen habe." "Wir können insgesamt zufrieden sein, mit Tobis Bronzenen haben wir nun auch eine Einzelmedaille", äußerte sich Bundestrainer Jochen Behle nach dem Rennen. "Tom Reichelt hat sich recht gut verkauft, hinten heraus haben die Körner ein wenig gefehlt." Der Oberwiesenthaler, der sich speziell auf diese WM-Entscheidung vorbereitet hatte, hatte lange mit den Besten mithalten können und belegte am Ende den 24. Rang.

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