Olympia 2010 in Vancouver: Thomas Bach sieht Spiele als grandiosen Erfolg

sid/xc-ski am 01.03.2010 - 10:37 Uhr
Blick über Vancouver
Thomas Bach hat die Olympischen Winterspiele in Vancouver als "grandiosen Erfolg" eingestuft. Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees lobte die Stimmung und die Organisation.

Kein Plus, aber auch keine roten Zahlen
Die 1,15 Milliarden Euro teuren Olympischen Winterspiele von Vancouver werden kein Plus machen, aber auch keine roten Zahlen. "Normalerweise werfen Olympische Spiele Gewinn ab. Vancouver hat aber darunter gelitten, in der unmittelbaren Vorbereitung in die weltweite Finanzkrise geraten zu sein. Deshalb wird es wohl nur mit einer schwarzen Null abschließen", sagte Thomas Bach, Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), in der ARD. Insgesamt stufte Bach die Spiele als "grandiosen Erfolg" ein: "Von der Stimmung wie von der Organisation her - von den sportlichen Leistungen ganz zu schweigen."

Sympathische Botschafter für Deutschland
Dies gelte, so der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), auch und insbesondere für die deutschen Athleten. "Wir können stolz sein, wie sich unsere Athleten hier präsentiert haben", sagte Bach: "Sie waren sympathische Botschafter für Deutschland und auch für Münchens Olympia-Bewerbung 2018. Es waren tolle Typen, erfolgreich und sympathisch - da kommt alles zusammen."

"Das war gelebtes Fair-Play"
Sympathisch seien auch die Kanadier als Gastgeber gewesen, so der Fecht-Olympiasieger von Montreal 1976. "Wenn das Feuer brennt, brennt auch die Leidenschaft der Bevölkerung. Das ist hier in besonderem Maße gelungen. Wenn man die Schlange vor der Flamme sieht, geht einem das olympische Herz auf", sagte er: "Die Kanadier haben patriotisch ihre Leute angefeuert, aber auch alle anderen Sportler. Das war gelebtes Fair-Play."

Bisher keine Dopingfälle
Dass die Spiele bisher ohne Dopingfall geblieben sind, ist für Bach "ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Abschreckung wirkt. Bei denen, die mit dem Gedanken gespielt haben, haben wir die Hemmschwelle sicher deutlich nach oben gelegt, da wir die Proben acht Jahre einfrieren". Die durchweg negativen Proben bedeuteten aber nicht automatisch, dass es keine Betrüger gäbe. "Wenn wir glauben würden, es gebe keine Doper, bräuchten wir die Proben nicht einzufrieren", meinte der IOC-Vize: "Solange Menschen miteinander im Wettbewerb stehen, wird es immer welche geben, die sich einen unrechtmäßigen Vorteil verschaffen wollen."

"Im Mittelpunkt steht der Wettkampf der Athleten"
Der traurige Schatten der Spiele war auch für Bach zweifelsohne der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der Stunden vor dem Auftakt im Training verunglückte. "Dieser Tod wird immer mit diesen Spielen verbunden sein", meinte Bach: "Nicht nur in den Büchern, sondern mit den Emotionen aller Teilnehmer. Das ist heute immer noch schwer zu fassen und packt einen immer noch emotional."

"Rekorde sind nur die Abfallprodukte"
Aus dem Unglück müssten in jedem Fall Konsequenzen gezogen werden, erklärte der DOSB-Präsident: "Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass das ewige Rekordstreben nicht erstrebenswert ist", meinte Bach: "Im Mittelpunkt steht der Wettkampf der Athleten, Rekorde sind nur die Abfallprodukte."
Gast no am 01.03.10 13:20 Uhr
Herr Dr. Bach hat bei seinen Versuchen, skandalöse Zustände zu verschleiern, zum Glück die Eigenschaft, zwischen den Zeilen die Wahrheit durchschimmern zu lassen. Man muss nur genau genug hinsehen:
Eine "schwarze Null" ist gemeinhin ein Synonym für verfehlte finanzielle Ziele. Hier schwingt die Hoffnung mit, das zu erwartende Defizit noch irgendwie verschleiern zu können. Wie er schon jetzt eine Bilanz ziehen kann, kaum dass der letzte Fanfarenstoß verhallt ist, bleibt allerdings sein Geheimnis.
Natürlich wird es keine Dopingfälle geben, wenn hauptsächlich Urinproben untersucht werden und alle wissen, auf was getestet wird. Die berühmte "Hemmschwelle" ist ein Propagandamärchen, das uns Herr Dr. Bach immer wieder mal auftischt. Und wenn man Proben einfriert, Herr Dr. Bach, muss man auch bereit sein, sie wieder aufzutauen, sobald neue Verfahren zur Verfügung stehen. Aber dann heißt es auch, gegebenenfalls Medaillen wieder einzusammeln und sie den wahren Siegern, auszuhändigen, auch wenn diese sich darüber dann nicht einmal mehr so richtig freuen können.
Der bedauerliche Tod des georgischen Rodlers ist kein "trauriger Schatten" sondern ein handfester Skandal. Ich hoffe, dass sich die Staatsanwaltschaft in Vancouver nicht mit solchen Phrasen zufrieden gibt, sondern den vermeidbaren Tod des Athleten sauber untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht. Vor Jahren gegen die Rekordsucht allgemein gewarnt zu haben reicht nicht - im konkreten Fall wäre rechtzeitiges Handeln erforderlich gewesen. Leider zieht sich das IOC in solchen Fällen aus jeglicher Verantwortung zurück und schiebt den Schwarzen Peter dem zuständigen Fachverband zu. Dieser hat sich im konkreten Fall jedoch nicht mit Ruhm bekleckert.

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