Saisonrückblick 2006/2007

XC-Ski/Redaktion am 03.04.2007 - 09:21 Uhr
Mit dem letzten Weltcup des Winters 2006/2007 im schwedischen Falun ging für das deutsche Team eine äußerst erfolgreiche Saison zu Ende. Tobias Angerers Sieg im Verfolgungsrennen des schwedischen Langlaufmekkas war die Krönung einer für ihn perfekten Saison. Doch auch andere Mitglieder des DSV-Teams wuchsen über sich hinaus.

Saisonbeginn
An den ersten Rennwochenenden in Skandinavien schienen die deutschen Damen nicht ihr maximales Leistungspotential abrufen zu können. Kein Wunder, setzte man doch in der Saisonvorbereitung neue Akzente, um zu den Saisonhöhepunkten bei der WM in Japan und der neu inszenierten Tour de Ski fit zu sein. Entsprechend zäh verlief der Saisonauftakt und die Athletinnen blieben hinter den Erwartungen zurück. Umso besser verlief der Auftakt im Männerbereich. Franz Göring sorgte gleich im ersten Distanzrennen im schwedischen Gällivare über 15 Kilometer in der freien Technik mit Rang drei für die erste deutsche Podiumsplatzierung, nachdem Tobias Angerer zum Weltcup-Auftakt am Rheinufer mit Platz vier knapp am Podest vorbei sprintete. Nur einen Tag später sorgten die deutschen Herren mit einer überlegenen Teamleistung in der Staffel von Gällivare für das nächste Erfolgserlebnis zum Auftakt der Saison. Die erste Weltcup-Periode wurde jedoch klar vom Norweger Eldar Roenning dominiert, der mit drei Weltcupsiegen zu Beginn überlegen im Gesamtklassement führte. Im Laufe der Zeit kam auch Tobias Angerer immer näher an seinen ersten Sieg der Saison heran. Im französischen La Clusaz war es dann soweit, als der die beiden Russen Alexander Legkov und Evgeni Dementiev im Zielsprint auf die weiteren Ränge verwies. Beim letzten Weltcup vor Weihnachten und kurz vor der Premiere der Tour de Ski zeichnete sich ab, dass Legkov und Angerer sich in guter Form befinden. Im Damenbereich galt die Finnin Virpi Kuitunen nach einem überlegenen Saisonbeginn klar als Favoritin.

Tour de Ski
Das Münchener Olympiastadion war Austragungsort des Auftakts zur ersten Tour de Ski, nachdem die Wettkämpfe im tschechischen Nove Mesto auf Grund mangelnden Schnees nicht wie geplant durchgeführt werden konnten. Allgemein war die Langlaufsaison 2006/2007 geprägt von viel zu milden Temperaturen, Verschiebungen und Absagen diverser Wettkämpfe. Für den „Silvester-Sprint“ in der bayrischen Hauptstadt hätte der Austragungsort im Münchner Olympiastadion aber nicht besser präpariert werden können, nur die Zuschauerzahl ließ zu wünschen übrig. Marit Bjoergen aus Norwegen und der Schweizer Christoph Eigenmann gingen als erste Etappensieger der Geschichte der Tour de Ski in die Memoiren ein. Nach einem Ruhetag wurde die Tour de Ski dann am 2. und 3. Januar in Oberstdorf fortgesetzt. Trotz der schlechten Nachricht von Axel Teichmanns krankheitsbedingter Abreise, liefen die deutschen Herren am dritten Renntag der Tour zur Höchstform auf und sorgten in einem denkwürdigen Rennen über 15 Kilometer in der klassischen Technik für ein Novum in der Geschichte des Skilanglaufs. Mit Angerer, Sommerfeldt und Franz Göring standen erstmals drei deutsche Athleten in einem Klassik-Rennen auf dem Podest. Dank seines dritten Platzes übernahm Tobias Angerer bereits zur Halbzeit die Führung im Gesamtklassement. Nach einem weiteren Ruhetag wurde die Tour im italienischen Asiago fortgesetzt, wo bei milden Temperaturen und mangelnden Schnee zwei hochklassige Freistilsprints ausgetragen werden konnten. Mit ihrem Sieg beim Sprint auf den Golfplatz von Asiago übernahm Kuitunen erstmals die Führung in der Tour de Ski Gesamtwertung bei den Damen. Auch auf der mit Spannung erwarteten Schlussetappe hinauf zur Mittelstation der Alpe Cermis verteidigten die beiden Führenden Kuitunen und Angerer ihr goldenes Trikot und gingen als erste Gesamtsieger der Tour in die Langlaufhistorie ein. Während Virpi Kuitunen einen ungefährdeten Sieg vor Marit Björgen und Valentina Shevchenko feierte, beendete Evi Sachenbacher-Stehle mit Platz acht als beste Deutsche die Tour. Auch auf der Schlussetappe der Herren war für Spannung pur gesorgt. Erst am finalen Schlussanstieg über vier Kilometer hinauf zur Alpe Cermis verschärfte Angerer das Tempo und zog dem bis dahin zweitplatzierten Norweger Simen Oestensen davon, der auf der Zielgarde noch vom überragenden Russen Alexander Legkov abgefangen wurde. Angerer, der mit einer deutschen Fahne in der Hand erschöpft ins Ziel fiel, konnte wenig später seine Mannschaftskameraden Franz Göring und Jens Filbrich in Empfang nehmen. Ein Grund für Angerers Triumph war die taktische Unterstützung aus der eigenen Mannschaft, die sich des Öfteren in seine Dienste stellte.


Weltmeisterschaft
Nach der Tour de Ski konzentrierte sich die Aufmerksamkeit im Langlaufbereich ausschließlich auf die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im japanischen Sapporo. Eine Premiere in der Langlaufgeschichte bildete dabei der Auftakt. Erstmals fanden die Entscheidungen der Langläufer unter einem Dach statt. Der Sapporo Dome, ein extra zur Fußball-WM 2002 errichteter Sportpalast, war Austragungsort der Sprint-Wettkämpfe. Gleich am ersten Tag bestätigten die Norweger mit den Siegen im Klassik-Sprint von Jens Arne Svartedal und Astrid Jacobsen ihre Favoritenrolle. Während die deutschen Athleten zum Auftakt noch leer ausgingen, befreiten Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Künzel-Nystad mit dem Gewinn der Silbermedaille im Teamsprint das deutsche Damenteam vom Erfolgsdruck. Bereits der erste Tag der Titelkämpfe sollte trotz der geschickten Einbettung des Langlauf-Sprints in die Eröffnungsfeier erahnen lassen wie gering das Interesse am nordischen Skisport über den gesamten Verlauf der Titelkämpfe in Japan sein wird. Am dritten Tag eröffneten die Herren die Jagd nach weiteren Medaillen. In der 30 Kilometer Verfolgung der Herren drückten die Deutschen dem Rennen über die gesamte Distanz ihren Stempel auf und wurden mit dem Sieg von Axel Teichmann vor Tobias Angerer, sowie dem vierten Platz von Jens Filbrich belohnt. Nach 2003 in Val di Fiemme wurde Teichmann bereits zum zweiten Mal Weltmeister. Die erfolgreichen Tage von Sapporo wurden von Jens Filbrichs hart erkämpfter Bronzemdaille in der Königsdisziplin, 50 Kilometer in der klassischen Technik, abgerundet. Das befürchtete Wetterchaos blieb dem schneereichen Sapporo erspart. Stattdessen regnete es Edelmetall für das deutsche Team. Zusätzlich zu den sechs Medaillen der Langläufer kam noch ein weiterer Medaillensatz aus dem Lager der Nordischen Kombinierer, weswegen der Deutsche Skiverband auf die erfolgreichste WM seit über 30 Jahren zurückblicken kann. Das Ziel von sieben Medaillen wie bei der Heim-WM vor zwei Jahren und den Olympischen Spielen von Turin wurde so um zwei Medaillen übertroffen und entlohnte Athleten, Trainer und Serviceleute für die jahrelange mühselige Arbeit.

Weltcup
Im Damenbereich wurde die gesamte Weltcup-Saison von Virpi Kuitunen bestimmt, während die Titelverteidigerin Marit Bjoergen meist hinter den Erwartungen zurück blieb. Für die deutschen Damen erzielte Viola Bauer in Lahti über 10 Kilometer in der klassischen Technik die einzige Podiumsplatzierung in einem Einzelrennen. Beim letzten Weltcup in Falun verpasste Evi Sachenbacher-Stehle mit Platz vier in der Verfolgung diesen denkbar knapp. Allgemein muss man sagen, dass die Erfolge von Sapporo auch bessere Ergebnisse in den letzten Weltcuprennen von Sachenbacher mit sich brachten. Claudia Künzel-Nystad blieb bis auf einen starken vierten Platz beim legendären Holmenkollenrennen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Mit Viola Bauer, die in Falun ihre letzten Weltcup-Rennen bestritt, verliert das deutsche Team eine wichtige Leistungsträgerin. Vor allem in der Staffelbesetzung wird die sympathische Sächsin eine Lücke hinterlassen. Neben Bauer haben auch weitere internationale Langlaufstars ein Ende ihrer Karriere zum Saisonende bekannt gegeben. Mit Platz zwei und sechs in ihren letzten Rennen konnten Katerina Neumannova und Frode Estil mit einem Erfolgserlebnis die Weltcup-Bühne verlassen. Beide sind in ihren Heimatländern wahre Langlaufidole und werden sicherlich nicht nur von ihren zahlreichen Fans im kommenden Winter vermisst werden. Bei den Herren kursierten nach seinem Triumph bei der WM in Japan auch Gerüchte um ein mögliches Karriere-Ende des norwegischen Altmeisters Odd-Bjoern Hjelmeset. Dass er aber noch lange nicht zu den alten Eisen gehört bewies er eindrucksvoll in der letzten Phase der Saison. Ein deutlicher Sieg in Lahti und ein erfolgreicher Kraftakt beim wohl wichtigsten Heimrennen am Holmenkollen überzeugten ihn letztendlich seine lange Karriere fortzusetzen. Auffällig war, wie konstant Tobias Angerer seine Leistungen über die gesamte Saison abrufen konnte. So gab es keinen Läufer der ihm über den gesamten Winter das Wasser reichen konnte. Im deutschen Herrenteam kann man trotz einiger kleinerer Erkrankungen oder Verletzungen auf eine äußerst erfolgreiche Saison zurückblicken. Teichmann, Filbrich, Göring, Sommerfeldt und Angerer verkörpern gemeinsam einen Teil der Weltspitze und glänzten ein ums andere Mal mit dem besten Mannschaftsresultat aller Nationen. Dazu kommen gute Ergebnisse von Tom Reichelt, Benjamin Seifert und Josef Wenzl die in diesem Winter viele wichtige Erfahrungen sammeln konnten und für die Zukunft hoffen lassen. Wenzl konnte als Einziger des neu gegründeten Sprintteams überzeugen.

Tobias Angerer
Tobias Angerer steigt dank seiner erfolgreichen Verteidigung des Gesamtweltcups zu den Großen des Skilanglaufs auf. Nur den beiden Schweden Gunde Svan und Per Eloffson sowie dem Norweger Bjoern Daehli ist dieses Meisterstück bisher gelungenen. Neben der großen Kristallkugel des Gesamtklassements sicherte sich der sympathische Traunsteiner auch die kleine Kugel des Distanz-Weltcups. Dreimal siegte Angerer bei einem Weltcup-Rennen, neben dem Erfolg bei der Tour de Ski. Dazu kommen zwei Einzelmedaillen bei den Titelkämpfen in Sapporo und ein zweiter Platz beim legendären Holmenkollenrennen. Nach dieser beeindruckenden Saisonbilanz geht es für Tobias Angerer um den Einzug in sein neues Haus und in den wohlverdienten Urlaub, bevor Anfang Mai der Traininsalltag wieder beginnt.

Virpi Kuitunen
Kaum eine Athletin hat den Weltcup-Zirkus in einer Saison so dominiert wie die Finnin Virpi Kuitunen. Schon früh schien ihr Vorsprung im Gesamtklassement uneinholbar. Rückblickend verkörperte sie den Maßstab im Distanz- und Sprintbereich und holte sich hochverdient alle drei Kristallkugeln. Wie auch Tobias Angerer schrieb sie als erste Siegerin der Tour de Ski Langlaufgeschichte. Bei der Weltmeisterschaft auf Hokkaido setzte sie ihre Erfolgsgeschichte fort und gewann drei Goldmedaillen und eine Bronzemedaille. Vor allem in ihrer favorisierten klassischen Technik deklassierte sie teilweise die Konkurrenz.

Ausblick 2007/2008
In der kommenden Saison wird neben dem Weltcup nur die zweite Tour de Ski einen Saisonhöhepunkt bilden. Logischerweise werden Athleten, Trainer und auch die Medien sich auf die Tour de Ski konzentrieren. Nach einer gelungenen Premiere in diesem Winter haben die Veranstalter nun Gelegenheit kleinere Kinderkrankheiten auszumerzen und Details zu verbessern. Eins steht fest, die äußerst spannende Saison 2006/2007 steigert die Vorfreude auf den kommenden Winter, der dann hoffentlich reicher an Schnee und genauso reich an Erfolgen ist. Freuen wir uns also auf die Weltcup-Saison 2007/2008.

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