Die Staffelrennen
Peter Schlickenrieder am 20.02.2006 - 13:32 Uhr
Das war mehr als ein Silberstreif am Horizont, denn mit zwei
Silbermedaillen in den Staffelrennen konnte das deutsche Langlauflager
noch vor wenigen Tagen nicht so ohne weiteres rechnen. Nach dem
turbulenten Auftakt der Olympischen Spiele mit den Diskussionen rund um
die hohen Blutwerte bei Evi Sachenbacher und der aufkommenden Kritik in
der Heimat an der möglicherweise falschen Vorbereitung war der Druck
auf dem Team gewaltig.
Natürlich möchte ich mich als Langlaufexperte ungern selber loben, aber es kam am Wochenende genau so, wie ich es nach der sensationellen Bronzemedaille von Tobi Angerer über die 15km klassisch vorhergesagt habe. Die nervliche Anspannung ist von der gesamten Mannschaft gewichen und wenn man wie ich den Aktiven vor Ort nahe sein kann, dann spürt man förmlich, wie heiß beide Mannschaften auf die Staffeln waren. Der Erfolg hängt eben oft am seiden Faden, gerade auch im psychischen Bereich.
Da sind wir auch schon beim Thema, denn zur Silbermedaille bei den Damen über die 4x5 Kilometer Distanz gibt es nur noch eines zu sagen ‚Wahnsinn’. Die Evi hat den entscheidenden Angriff auf Position drei laufend gemacht und Claudia Künzel, die generell an diesem Schlussanstieg gewisse Schwächen gegenüber den anderen Topläuferinnen aufwies, konnte ihre enormen Spurtqualitäten mit einem unwiderstehlichen ‚Konter’ auf der Zielgeraden im wahrsten Sinne des Wortes ‚versilbern’. Dazu gehört Selbstvertrauen. Danach gab es nur noch Emotionen pur.
Und diese Silbermedaille war ganz klar die Steilvorlage für den heutigen 4x10 Kilometer Staffelkampf der Herren. Bronze von Salt Lake City 2002 sollte unbedingt getoppt werden. Das ist Jochen Behles Mannschaft in der Besetzung Andreas Schlütter, Jens Filbrich, Rene Sommerfeldt und Tobias Angerer eindruckvoll geglückt. Gerade die Staffelrennen werden mehr und mehr zu taktischen Ereignissen, da die Leistungsdichte der Nationen zugenommen hat. Daher haben Schlütter, Filbrich und auch der Sommi genaue Anweisungen erhalten, damit der Tobi am Ende in einem möglichen Spurt die Ernte einfahren kann. Allerdings hatten die Italiener und die Schweden andere taktische Vorgaben, die möglichst nicht auf eine Spurtankunft ausgelegt waren. Beeindruckt hat mich der Antritt von Pietro Piller Cottrer in der dritten Runde, der zu einer Vorentscheidung geführt hat. Da wurden die Medaillen schon vorverteilt als die Franzosen, Russen und Norweger abreißen lassen mussten. Auch Sommi konnte den Italiener und den Schweden nicht ganz halten, aber er legte die Grundlage zur deutschen Medaille.
Die Schlussstrecke hat mir aber deutlich gezeigt, dass die schwere Strecke in der Höhe von 1550 Metern, der zunehmende Schneefall mit der extrem stumpfen Spur und die Tatsache, dass der Tobi am Freitag alles gegeben hatte, einfach einen Angriff auf Gold unmöglich gemacht haben. Tobi hat schon sehr hart arbeiten müssen, um auf den Schweden Mathias Fredriksson aufzulaufen und der Italiener Christian Zorzi hat vorne mit einem gewaltig schnellen Ski das Rennen seines Lebens gelaufen. Hut ab vor Tobi, wie er dann auf der Zielgeraden den Schweden abgezockt hat. Das war eine reine Energieleistung. Ich bin mir ganz sicher, dass die Jungs heute alle auch für Axel Teichmann gelaufen sind, der verletzungsbedingt nur an der Strecke als Zuschauer stehen konnte. Axel hat ihnen allen Moral eingehaucht. Das nenne ich Teamsprit.
Dagegen dürfte bei den Norwegern die ‚Hütte brennen’. Die Leistungen der ‚Nordmänner’ ist für die Langlaufnation Nummer eins schlicht als katastrophal einzustufen. Ich würde darauf wetten, dass der norwegische Langlauftrainer die Olympischen Spiele nicht mehr im Amt erleben wird. Platz fünf in der Staffel ist für Norwegen wie eine schallende Ohrfeige. Seit 1984 hat Norwegen nicht mehr auf dem Siegerpodest bei der Herrenstaffel gefehlt.
Katastrophal finde ich auch die Art und Weise wie mit den österreichischen Sportlern in der vergangenen Nacht umgegangen worden ist. Eine Razzia mitten in der Nacht wie bei den Radmannschaften bei der Tour de France ist bestimmt nicht die richtige Vorbereitung auf ein Staffelrennen. Kein Wunder, dass die Österreicher das Rennen heute entnervt abgebrochen haben. Dabei geht es mir vor allem um die Art und Weise – das sind Sportler, keine Kriminellen.
Wie dem auch sei, für die nächsten Rennen bin ich weiterhin optimistisch. Im Sprint traue ich Claudia Künzel und auch Manu Henkel einiges zu. Claudia hat schon gezeigt, dass ihr die Ebene, die zum Sprint genutzt wird, liegt. Und der abschließende 50 Kilometer Skating-Herrenlauf als Massenstart wird ein Kracher. Bis dahin wird Tobi sicherlich den Akku noch einmal aufgeladen haben. Ich werde wieder an der Strecke sein und meine Eindrücke nachher schildern
Natürlich möchte ich mich als Langlaufexperte ungern selber loben, aber es kam am Wochenende genau so, wie ich es nach der sensationellen Bronzemedaille von Tobi Angerer über die 15km klassisch vorhergesagt habe. Die nervliche Anspannung ist von der gesamten Mannschaft gewichen und wenn man wie ich den Aktiven vor Ort nahe sein kann, dann spürt man förmlich, wie heiß beide Mannschaften auf die Staffeln waren. Der Erfolg hängt eben oft am seiden Faden, gerade auch im psychischen Bereich.
Da sind wir auch schon beim Thema, denn zur Silbermedaille bei den Damen über die 4x5 Kilometer Distanz gibt es nur noch eines zu sagen ‚Wahnsinn’. Die Evi hat den entscheidenden Angriff auf Position drei laufend gemacht und Claudia Künzel, die generell an diesem Schlussanstieg gewisse Schwächen gegenüber den anderen Topläuferinnen aufwies, konnte ihre enormen Spurtqualitäten mit einem unwiderstehlichen ‚Konter’ auf der Zielgeraden im wahrsten Sinne des Wortes ‚versilbern’. Dazu gehört Selbstvertrauen. Danach gab es nur noch Emotionen pur.
Und diese Silbermedaille war ganz klar die Steilvorlage für den heutigen 4x10 Kilometer Staffelkampf der Herren. Bronze von Salt Lake City 2002 sollte unbedingt getoppt werden. Das ist Jochen Behles Mannschaft in der Besetzung Andreas Schlütter, Jens Filbrich, Rene Sommerfeldt und Tobias Angerer eindruckvoll geglückt. Gerade die Staffelrennen werden mehr und mehr zu taktischen Ereignissen, da die Leistungsdichte der Nationen zugenommen hat. Daher haben Schlütter, Filbrich und auch der Sommi genaue Anweisungen erhalten, damit der Tobi am Ende in einem möglichen Spurt die Ernte einfahren kann. Allerdings hatten die Italiener und die Schweden andere taktische Vorgaben, die möglichst nicht auf eine Spurtankunft ausgelegt waren. Beeindruckt hat mich der Antritt von Pietro Piller Cottrer in der dritten Runde, der zu einer Vorentscheidung geführt hat. Da wurden die Medaillen schon vorverteilt als die Franzosen, Russen und Norweger abreißen lassen mussten. Auch Sommi konnte den Italiener und den Schweden nicht ganz halten, aber er legte die Grundlage zur deutschen Medaille.
Die Schlussstrecke hat mir aber deutlich gezeigt, dass die schwere Strecke in der Höhe von 1550 Metern, der zunehmende Schneefall mit der extrem stumpfen Spur und die Tatsache, dass der Tobi am Freitag alles gegeben hatte, einfach einen Angriff auf Gold unmöglich gemacht haben. Tobi hat schon sehr hart arbeiten müssen, um auf den Schweden Mathias Fredriksson aufzulaufen und der Italiener Christian Zorzi hat vorne mit einem gewaltig schnellen Ski das Rennen seines Lebens gelaufen. Hut ab vor Tobi, wie er dann auf der Zielgeraden den Schweden abgezockt hat. Das war eine reine Energieleistung. Ich bin mir ganz sicher, dass die Jungs heute alle auch für Axel Teichmann gelaufen sind, der verletzungsbedingt nur an der Strecke als Zuschauer stehen konnte. Axel hat ihnen allen Moral eingehaucht. Das nenne ich Teamsprit.
Dagegen dürfte bei den Norwegern die ‚Hütte brennen’. Die Leistungen der ‚Nordmänner’ ist für die Langlaufnation Nummer eins schlicht als katastrophal einzustufen. Ich würde darauf wetten, dass der norwegische Langlauftrainer die Olympischen Spiele nicht mehr im Amt erleben wird. Platz fünf in der Staffel ist für Norwegen wie eine schallende Ohrfeige. Seit 1984 hat Norwegen nicht mehr auf dem Siegerpodest bei der Herrenstaffel gefehlt.
Katastrophal finde ich auch die Art und Weise wie mit den österreichischen Sportlern in der vergangenen Nacht umgegangen worden ist. Eine Razzia mitten in der Nacht wie bei den Radmannschaften bei der Tour de France ist bestimmt nicht die richtige Vorbereitung auf ein Staffelrennen. Kein Wunder, dass die Österreicher das Rennen heute entnervt abgebrochen haben. Dabei geht es mir vor allem um die Art und Weise – das sind Sportler, keine Kriminellen.
Wie dem auch sei, für die nächsten Rennen bin ich weiterhin optimistisch. Im Sprint traue ich Claudia Künzel und auch Manu Henkel einiges zu. Claudia hat schon gezeigt, dass ihr die Ebene, die zum Sprint genutzt wird, liegt. Und der abschließende 50 Kilometer Skating-Herrenlauf als Massenstart wird ein Kracher. Bis dahin wird Tobi sicherlich den Akku noch einmal aufgeladen haben. Ich werde wieder an der Strecke sein und meine Eindrücke nachher schildern
Foto: Die Staffelrennen




