Mitfiebern bis zum Wahnsinn
Peter Schlickenrieder am 20.02.2006 - 13:30 Uhr
Da fielen aber heute im deutschen Langlauflager die Steine gleich tonnenweise von den Herzen der Verantwortlichen und der gesamten Mannschaft. Endlich gab es in Pragelato die erste Medaille zu bejubeln. Ich habe selber selten so mitgefiebert und bin ebenfalls noch ganz gefangen von den Emotionen, die sich im deutschen Team unmittelbar nach dem Gewinn der Bronzemedaille ungehemmt ihre Bahn gebrochen haben. Da flossen Tränen der Erleichterung, denn der Druck auf der Mannschaft und dem Betreuerstab war gewaltig. Schließlich stand der deutsche Langlauf bei den Medien nach den ersten Wettkämpfen und dem Hin und Her um Evi Sachenbacher bereits in der Kritik und wäre nach einem weiteren Misserfolg vermutlich von der Presse richtig in die Mangel genommen worden. Hätte, wenn und aber ... Tobi hat Bronze erkämpft und dies mit einer Energieleistung der Extraklasse.
Denn das war ein großer Kraftakt von Tobi Angerer, der als letzter Starter mit der Nummer 99 ins 15km Klassisch-Rennen gegangen war und bei durchweg dichtem Schneetreiben den Kampf um eine Medaille bis zum Zielstrich gegen den Russen Vassili Rotchev ausgefochten hat. Am liebsten wäre ich kurz vor dem Ende des Rennens von der Presenterplattform hinunter gesprungen und hätte dem Tobi die Spur eigenhändig vom Neuschnee freigespurt, damit er ja den Schwung beibehält.
Zum Glück sind die Bedingungen im Langlauf für die Besten immer gleich, denn bei uns geht es so zu, dass die Startreihenfolge festgelegt ist – und zwar auf der Basis der Weltcupplatzierung. Also startet die stärkste Gruppe immer zum Schluss. Angerer ist als momentaner Weltcupleader dann halt der letzte Starter des Feldes. Insgesamt waren die Verhältnisse für die letzten Starter noch etwas schwieriger als für die erste Startgruppe, der Schneefall war noch dichter, denn sonst hätte die Startnummer 21 – der Kasache Alexey Poltaranin –nicht die Bestzeit bei Kilometer drei bis zum Schluss halten können. Immerhin kann es wetterbedingte Favoritenstürze wie zuletzt beim Biathlon mit der freien Startnummernwahl in diesem Ausmaß beim Langlauf nicht geben. Da sind die Langläufer im Sinne der Fairness und Chancengleichheit den Biathleten ein Stück voraus.
Doch zurück zum Rennen, insbesondere möchte ich hier den steilen Anstieg hervorheben, der einen Kilometer nach oben geht und kein Ende zu nehmen scheint. Den bin ich in den letzten Tagen mindesten schon zehnmal selbst hinaufgestiefelt und der wird und wird nicht leichter. Ich kann sehr gut nachvollziehen wie die Burschen da mit 14, 15 Laktat in den Beinen hochschieben und leiden. Der Tobi hat dort rauf den inneren Schweinehund sicherlich mehrfach besiegen müssen. Wenn Dir dann Dein Trainer noch ins Ohr schreit, dass Du gerade auf dem vierten Platz liegst und Gas geben musst, damit Du noch Bronze holen kannst, dann muss Du schon aus einem besonderen Holz geschnitzt sein, um dann noch einmal zu beschleunigen. Der Tobi weiß ja in solch einem Moment auch, dass da eine ganze Sportart dranhängt und diesen mentalen Rucksack nimmt er mit in diesen brutalen Anstieg. Solche Gedanken schießen einem da schon durch den Kopf. Aber Tobi hat Nervenstärke bewiesen und sich beim Zielsprint bis in einen schwarzen Tunnel hinein verausgabt. Der wäre keine 50 Meter weiter gelaufen.
Eine ganz starke Leistung muss man natürlich dem Esten Andruss Veerpalu attestieren. Glückwunsch zum verdienten Goldmedaillengewinn. Auch der Silberplatz von Lukas Bauer aus Tschechien ist keine Senstation, denn immerhin hat er hier das Rennen bei den vorolympischen Wettkämpfen gewonnen. Aber Sieger werden auch in der Wachshütte gemacht – übrigens auch Verlierer und die kamen heute aus Norwegen. Das komplette Team war ohne Chance – die haben völlig verwachst und sind in der Loipe komplett ‚Baden gegangen’. Der 17. Platz von Frode Estil ist für ihn absolut indiskutabel.
Dagegen herrschte in der deutschen Wachshütte Hochstimmung. Ich bin anschließend auf ein Glas Sekt bei den Ski-Technikern gewesen, die gerade von der Mannschaft und auch von Jochen Behle gebührend für ihre tolle Arbeit gefeiert wurden. Überhaupt muss ich sagen, dass es vom Zusammenhalt her bei der Mannschaft passt. Da kommt der verletzte Axel Teichmann eigens zur Unterstützung der Mannschaft nach Turin und hilft sogar beim Skitesten. Er ist für mich der klare Leader im Team und der ruhende Pol, an dem sich die anderen aufbauen können.
Ich denke, dass der Knoten jetzt so richtig geplatzt ist, denn Andreas Schlütter hat mit seinem siebten Platz ebenso überzeugt, wie auch der ‚Sommi’ mit dem zwölften Rang. Ich kann nur jedem Langlauffan dringend raten, dass er am Sonntag vor dem Fernseher die Staffel der Herren verfolgt. Denn da geht es aus deutscher Sicht bestimmt wieder um Edelmetall. Ich werde wieder vor Ort mitfiebern.
Denn das war ein großer Kraftakt von Tobi Angerer, der als letzter Starter mit der Nummer 99 ins 15km Klassisch-Rennen gegangen war und bei durchweg dichtem Schneetreiben den Kampf um eine Medaille bis zum Zielstrich gegen den Russen Vassili Rotchev ausgefochten hat. Am liebsten wäre ich kurz vor dem Ende des Rennens von der Presenterplattform hinunter gesprungen und hätte dem Tobi die Spur eigenhändig vom Neuschnee freigespurt, damit er ja den Schwung beibehält.
Zum Glück sind die Bedingungen im Langlauf für die Besten immer gleich, denn bei uns geht es so zu, dass die Startreihenfolge festgelegt ist – und zwar auf der Basis der Weltcupplatzierung. Also startet die stärkste Gruppe immer zum Schluss. Angerer ist als momentaner Weltcupleader dann halt der letzte Starter des Feldes. Insgesamt waren die Verhältnisse für die letzten Starter noch etwas schwieriger als für die erste Startgruppe, der Schneefall war noch dichter, denn sonst hätte die Startnummer 21 – der Kasache Alexey Poltaranin –nicht die Bestzeit bei Kilometer drei bis zum Schluss halten können. Immerhin kann es wetterbedingte Favoritenstürze wie zuletzt beim Biathlon mit der freien Startnummernwahl in diesem Ausmaß beim Langlauf nicht geben. Da sind die Langläufer im Sinne der Fairness und Chancengleichheit den Biathleten ein Stück voraus.
Doch zurück zum Rennen, insbesondere möchte ich hier den steilen Anstieg hervorheben, der einen Kilometer nach oben geht und kein Ende zu nehmen scheint. Den bin ich in den letzten Tagen mindesten schon zehnmal selbst hinaufgestiefelt und der wird und wird nicht leichter. Ich kann sehr gut nachvollziehen wie die Burschen da mit 14, 15 Laktat in den Beinen hochschieben und leiden. Der Tobi hat dort rauf den inneren Schweinehund sicherlich mehrfach besiegen müssen. Wenn Dir dann Dein Trainer noch ins Ohr schreit, dass Du gerade auf dem vierten Platz liegst und Gas geben musst, damit Du noch Bronze holen kannst, dann muss Du schon aus einem besonderen Holz geschnitzt sein, um dann noch einmal zu beschleunigen. Der Tobi weiß ja in solch einem Moment auch, dass da eine ganze Sportart dranhängt und diesen mentalen Rucksack nimmt er mit in diesen brutalen Anstieg. Solche Gedanken schießen einem da schon durch den Kopf. Aber Tobi hat Nervenstärke bewiesen und sich beim Zielsprint bis in einen schwarzen Tunnel hinein verausgabt. Der wäre keine 50 Meter weiter gelaufen.
Eine ganz starke Leistung muss man natürlich dem Esten Andruss Veerpalu attestieren. Glückwunsch zum verdienten Goldmedaillengewinn. Auch der Silberplatz von Lukas Bauer aus Tschechien ist keine Senstation, denn immerhin hat er hier das Rennen bei den vorolympischen Wettkämpfen gewonnen. Aber Sieger werden auch in der Wachshütte gemacht – übrigens auch Verlierer und die kamen heute aus Norwegen. Das komplette Team war ohne Chance – die haben völlig verwachst und sind in der Loipe komplett ‚Baden gegangen’. Der 17. Platz von Frode Estil ist für ihn absolut indiskutabel.
Dagegen herrschte in der deutschen Wachshütte Hochstimmung. Ich bin anschließend auf ein Glas Sekt bei den Ski-Technikern gewesen, die gerade von der Mannschaft und auch von Jochen Behle gebührend für ihre tolle Arbeit gefeiert wurden. Überhaupt muss ich sagen, dass es vom Zusammenhalt her bei der Mannschaft passt. Da kommt der verletzte Axel Teichmann eigens zur Unterstützung der Mannschaft nach Turin und hilft sogar beim Skitesten. Er ist für mich der klare Leader im Team und der ruhende Pol, an dem sich die anderen aufbauen können.
Ich denke, dass der Knoten jetzt so richtig geplatzt ist, denn Andreas Schlütter hat mit seinem siebten Platz ebenso überzeugt, wie auch der ‚Sommi’ mit dem zwölften Rang. Ich kann nur jedem Langlauffan dringend raten, dass er am Sonntag vor dem Fernseher die Staffel der Herren verfolgt. Denn da geht es aus deutscher Sicht bestimmt wieder um Edelmetall. Ich werde wieder vor Ort mitfiebern.




