Olympia Teamsprints Langlauf

Peter Schlickenrieder am 15.02.2006 - 09:46 Uhr
Heute haben wir einmal mehr die geballte Kraft der schwedischen Sprintspezialisten bewundern können. Ich bin noch ganz begeistert von dieser Dynamik und dieser ungeheuren Power, mit der da auf der Zielgeraden beim Schlusssprint gearbeitet wird.

Der Sprint und damit auch der Teamsprint hat sich in seiner vergleichsweise jungen Geschichte schon sehr stark zu einer ganz eigenen Disziplin im Langlaufbereich entwickelt. Ganz spezielle Athletentypen sind hier gefragt und da können gerade die Skandinavier aus einem viel größeren Pool an Läuferinnen und Läufern schöpfen als wir Deutsche. Große und sehr kräftige Athleten sind im Sprint klar im Vorteil. Diese Sportler profitieren dann von ihren besseren Hebelverhältnissen. Deshalb muss ich auch keine Tränen vergießen, dass es den Teamsprint 2002 in Salt Lake City noch nicht gegeben hat - ich wäre dafür nämlich wirklich nicht der geeignete Läufertyp, zumal der Teamsprint in der klassischen Disziplin ausgetragen wird und ich das Skating von jeher bevorzugt habe.

Aber zurück zu den Rennen. Ich finde, dass Evi Sachenbacher und Viola Bauer sich in den Vorläufen 'wacker' geschlagen haben, aber als im Finale die 'Post abging', da konnte man schon deutlich sehen, dass die Viola Probleme bekam. Evi hat dann durchaus noch einmal die 'Löcher' zulaufen können, allerdings war heute eine Medaille für dieses Duo einfach nicht im Bereich ihrer Möglichkeiten. Dennoch hat mich speziell die Evi überzeugt, die nach dem ganzen Trubel rund um ihre Blutwerte einen sehr ansprechenden Einstand bei Olympia 2006 gegeben hat - und dies in der ungeliebten klassischen Technik. Wirklich schade, dass sie auf das erste Rennen verzichten musste, denn dort hätte Evi sicherlich ein Wörtchen bei der Medaillenvergabe mitreden können. Dass die Schwedinnen sich dann am Ende Gold ersprintet haben, ist nun wirklich keine Sensation. Der Sprint ist ihre Domäne und dafür trainieren sie ganz spezifisch in eigenen Sprintertrainingsgruppen.

Eine ganz interessante taktische Vorstellung gab es anschließend im Herrenrennen. Und zwar von den Norwegern und ich hätte vorher auch darauf gewettet, dass Svartedal und Hetland gleich von Beginn an ihr Heil in der Flucht suchen würden. Daher gab es vom Startschuss weg nur noch norwegisches 'Vollgas' und alle anderen mussten notgedrungen hinterher sprinten. Dieses Tempo war für den 'Schlütti' irgendwann einfach zu hoch und auch Jens Filbrich konnte die Lücken nicht mehr schließen. Dabei haben die beiden sich mit ihrem vierten Platz sehr gut 'verkauft'. Mehr war für sie in diesem Finale aus meiner Sicht auch nicht möglich. Indes galt das norwegische Sprintfeuerwerk nicht unbedingt unserem deutschen Team, sondern das erklärte Ziel der Norweger war es vielmehr, die Schweden vor dem letzten Zielsprint abzuhängen. Die Angst vor dem gefürchteten Endspurt von Björn Lind saß da sicherlich in den Köpfen. Aber was nützt alle Taktik, wenn die Gegner sich nicht abschütteln lassen? - Nichts! Und so kam es dann ja auch: auf der Zielgerade spurtete Lind optimal aus dem Windschatten des Norwegers heraus und ließ sich dann von niemandem mehr aufhalten. So einen Speed aus dem Doppelarmschub herauszuholen, ist für mich einfach immer wieder faszinierend. Die Schweden, Norweger und Russen sind hier noch in einer anderen Liga unterwegs als die Deutschen.

Dabei meine ich schon, dass wir mit gezielten Trainingsmaßnahmen zukünftig viel Potenzial im DSV abrufen könnten. Immerhin haben wir im Sprint mit dem Junioren-Vizeweltmeister Daniel Heun und mit Josef Wenzl ,dem U23-Vizeweltmeister im Sprint, junge Kräfte in der Hinterhand. Schlütter und Jens 'Fibs' Filbrich sind keine Sprintspezialisten. Genau da geht die Reise aber hin. Hier muss der Aufbau der jungen Burschen konsequent weiter verfolgt werden. Tobi Angerer wäre heute sicher eine Teamverstärkung gewesen, doch die hohe Renndichte bei Olympia und unser kleines Team lassen solche Vielstart-Experimente einfach nicht zu. Tobi muss und soll sich für den 15 Kilometerlauf am Freitag schonen und dann werden wir da sicherlich etwas richtig 'kerniges' von Ihm geboten bekommen. Ich werde jedenfalls wieder an der Loipe sein und das Rennen verfolgen.

Euer Peter Schlickenrieder

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