Nicole Fessel trifft Viola Bauer

Nicole Fessel am 26.05.2004 - 12:05 Uhr

Interview mit Viola:


Nicole: Wie geht’s dir und bist du schon wieder fleißig am Trainieren?


Viola: Mir geht’s gut. Nach 3 erholsamen Wochen im April in Griechenland hat das Training Anfang Mai wieder begonnen.


Nicole: Hast du die zurückliegende Saison schon mit deinem Trainer Holger Bauroth analysiert und daraus Schlüsse gezogen? Wie sehen deine Ziele für die bevorstehende WM- Saison aus?


Viola: Ja, wir haben die zurückliegende Saison noch vor dem Urlaub besprochen. Wir haben versucht, die Ursachen zu finden, warum es nicht so gut lief und uns einige Dinge überlegt, wie wir es in dieser Saison besser machen können.


Nicole: Wann hast du eigentlich mit dem Langlaufen angefangen und dich dann für eine Profilaufbahn entschieden?


Viola: Mit dem Langlaufen habe ich im Alter von 8 Jahren im Trainingszentrum in meinem Heimatort Neudorf bei Übungsleiter Joachim Gerstenberger begonnen. Wie es damals in der DDR üblich war, wenn man die entsprechenden Leistungen erbrachte, so kam auch ich 1989 mit 13 Jahren an die Kinder-und Jugendsportschule in Oberwiesenthal. Es war eigentlich schon immer mein Ziel, einmal an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilzunehmen. Deshalb ging ich nach Beendigung der Schule und des Studiums dann auch zur Sportfördergruppe der Bundeswehr, um mich ganz dem Sport widmen zu können.


Nicole: Du warst nicht nur im Sport sehr erfolgreich, sondern hast auch das Studium der Sozialpädagogik abgeschlossen. Wie konntest du Leistungssport und Studium miteinander vereinbaren und welchen Einfluß nimmt das Studium auf deine Zeit nach dem Sport?


Viola: Ich wollte mir unbedingt neben dem Sport auch ein berufliches Standbein schaffen. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt, als ich mit dem Studieren begann, im Sport auch nicht besonders erfolgreich. Ich hatte nicht einmal die Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaften geschafft. Es bot sich mir die Möglichkeit, an der Staatlichen Studienakademie in Breitenbrunn, etwa 25 min von meinem Trainingsort Oberwiesenthal entfernt, ein Studium zu beginnen. Sicherlich war es alles andere als leicht, Studium und Sport mit einander zu verbinden. Manchmal war es maßloser Stress.  Aber sowohl die Studienakademie als auch mein Praxisbetrieb, das Lebenshilfewerk in Annaberg-Buchholz, haben mir sehr geholfen. Heute bin ich sehr froh darüber, es geschafft zu haben, und mich nun vom Kopf her irgendwie gelassener den Skilanglauf widmen zu können. Außerdem hat mir mein Studium, ich habe größtenteils mit geistig behinderten Menschen gearbeitet, viel Freude bereitet und mir einiges für’s Leben mitgegeben. Und ich denke, es war sicher auch nicht schlecht, schon mal ins Berufsleben rein geschnuppert zu haben.


Nicole: Wie bewertest du deine größten Erfolge, Staffelolympiasieger sowie Weltmeister und vor allem deine nachträglich verliehene Bronzemedaille in der Verfolgung der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, einer Russin wurde diese zu Recht auf Grund Dopings aberkannt. Veränderten sie dich, oder dein Leben?


Viola: Der Olympiasieg und der Weltmeistertitel mit der Staffel, wie auch die Bronzemedaille in der Verfolgung bei Olympia sind schon großartige Sachen, die mich Stolz machen. Und obwohl gerade die Erfolge bei Olympia recht überraschend kamen und durch die Disqualifikation von Sportlerinnen, die mit unlauteren Mitteln gearbeitet haben, natürlich noch begünstigt wurden, sind sie doch alle der Lohn und das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit des gesamten Teams.
Über die nachträglich zuerkannte Olympische Bronzemedaille freue ich mich natürlich sehr, obwohl es doch sehr schade ist, sie nicht direkt in Salt Lake bekommen zu haben. Sie ist mir jedoch gerade jetzt, wo es in der vergangenen Saison nicht so gut lief, ein großer Ansporn für alles kommende.


Nicole: Dein Freund ist ebenfalls Skilangläufer, er ist Grieche und war schon Fackelträger bei Olympia, können wir dich bei den Sommerspielen in Athen bewundern, vielleicht beim Marathon


Viola: Ja, mein Freund Lefteris ist der beste Skilangläufer Griechenlands. Er hat die Fackel damals vor den Olympischen Spielen in Salt Lake City getragen und wird auch in diesem Sommer  vor den Spielen in Athen beteiligt sein, wenn die Flamme in seinem Heimatort Metsovo Station macht. Ich denke, dass auch ich dabei sein kann und freue mich schon sehr darauf. Zu den Spielen in Athen würde ich zu gern ein paar Tage als Zuschauer fahren. Doch es wird wahrscheinlich eher schwierig mit dem Trainings- und Wettkampfkalender zu vereinbaren sein.


Nicole: Wie würdest du die Faszination Skilanglauf beschreiben?


Viola: Ich denke, die Faszination Skilanglauf ist schwer in Worte zu fassen. Es ist irgendwie die Bewegung an der frischen Luft in der Art und Weise, die man am besten beherrscht, weil man sie jahrelang geübt hat. Perfektioniert wird das ganze natürlich bei herrlichem Wetter, wunderschöner Landschaft und super präparierten Strecken.
Es ist aber auch der Wettkampf. Zu spüren, wie man dann, wenn es wirklich drauf ankommt, über sich hinaus wachsen und schier unmögliches erreichen kann. Und das wunderbare Gefühl nach einem erfolgreichen Rennen, es geschafft zu haben.


Nicole: Wir kommen ja viel rum in der Langlaufwelt und den Skiregionen, wo kann man deine Lieblingsstrecken finden und welche magst du nicht so gerne?


Viola: Sehr gern laufe ich natürlich auf den heimischen Strecken in Oberwiesenthal. Weiterhin gehören die Weltcup-Strecken in Lahti und Nove Mesto zu meinen Lieblingsstrecken. Auch mit der Strecke in Umea und der Sprintstrecke am Passo Lavazze, wo ich dieses Jahr jeweils zum ersten Mal gelaufen bin, kam ich gut zurecht. Die künftigen WM-Loipen in Oberstdorf finde ich, wie wahrscheinlich die meisten Läuferinnen und Läufer, sehr anspruchsvoll, doch zur Vor-WM im Februar konnte ich dort ein gutes Rennen machen.
Überhaupt nicht mag ich die Weltcup-Strecke in St.Caterina. Doch diese ist zum Glück auch schon seit ein paar Jahren nicht mehr im Weltcup gelaufen worden.


Nicole: Könntest du abschließend den xc-ski- Besuchern noch einige Trainings- und Motivationstipps mit in die langen Sommermonate geben?


Viola: Pauschale Trainingstipps zu geben ist natürlich schwierig, weil die xc-Ski-Besucher sicher auf sehr unterschiedlichem Niveau und mit ganz verschiedenen Zielstellungen Skilanglauf bzw. Sport treiben.
Wichtig ist aber sicher für alle, dass man sich ein Ziel stellt, dieses konsequent verfolgt, aber vor allem auch den Spaß an der Sache dabei nicht verliert. Und auf seinen Körper sollte man gut hören und nichts erzwingen. Denn der eigene Körper sagt einem eigentlich ziemlich gut, wo das richtige Trainingsmaß liegt.


Ich wünsche allen xc-Ski-Lesern einen schönen Sommer und dann eine erfolgreiche Saison!


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