Das deutsche Team vor Tour-Beginn: Stimmen des Bundestrainers und der Aktiven

DSV-Pressestelle am 22.12.2008 - 15:08 Uhr

Von den insgesamt sechs DSV-Athletinnen werden voraussichtlich nur vier Sportlerinnen die komplette Tour de Ski bestreiten. Die beiden Sprintspezialistinnen Nicole Fessel und Manuela Henkel kommen voraussichtlich nur beim Auftakt-Wochenende in Oberhof und in Prag zum Einsatz.

Chance für Nachwuchs vor Heimpublikum
Bei den Herren gibt Bundestrainer Jochen Behle den beiden Nachwuchssportlern Tim Tscharnke und Phillipp Marschall die Chance, sich zum Auftakt in Oberhof zu präsentieren. Für die weiteren sieben Tage der Viessmann Tour de Ski plant Behle mit seinen bewährten fünf Stammkräften. Ob allerdings Tobias Angerer bei der Tour an den Start gehen kann, wird sich wahrscheinlich erst kurzfristig entscheiden. Der Sieger der Tour de Ski 2007 muss derzeit erneut wegen gesundheitlichen Problemen pausieren. Tom Reichelt, der zuletzt immer wieder mit guten Ergebnissen aufhorchen ließ, wird als Skatingspezialist definitiv nicht an der Tour teilnehmen, sondern sich mittelfristig auf einen WM-Einsatz im 50-Kilometerrennen vorbereiten. Sollte Tobias Angerer ausfallen, wird demnach kein weiterer DSV-Athlet nachnominiert.

Das Aufgebot
DAMEN
Stefanie Böhler (SC Ibach)
Claudia Nystad (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal)
Evi Sachenbacher-Stehle (WSV Reit im Winkl)
Katrin Zeller (SC Oberstdorf)
Nicole Fessel (SC Oberstdorf) nur Oberhof
Manuela Henkel (WSV Oberhof) nur Oberhof

HERREN
Tobias Angerer (SC Vachendorf)
Jens Filbrich (SV Eintracht Frankenhain)
Franz Göring (SCM Zella-Mehlis)
René Sommerfeldt (WSV Erzgebirge Oberwiesenthal)
Axel Teichmann (WSV Bad Lobenstein)
Phillipp Marschall (Rhöner WSV) nur Oberhof und Prag
Tim Tscharnke (SV Biberau) nur Oberhof und Prag


Einschätzung von Jochen Behle, Bundestrainer:
Wieder Podestplatz anstreben

„Nach dem Sieg von Tobi Angerer bei der Premiere der Tour de Ski und dem zweiten Platz von René Sommerfeldt im vergangenen Jahr streben wir natürlich auch in diesem Jahr wieder einen Podestplatz bei den Herren an. Leicht wird das allerdings sicher nicht. Denn ich gehe davon aus, dass es noch einmal wesentlich enger zugehen wird. Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr wieder einen echten Dominator sehen werden, wie zuletzt Tobi oder Lukas Bauer. Gut möglich, dass am Ende sogar die Bonussekunden den Ausschlag geben, wer am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen steht. Das heißt, wer im Gesamtklassement vorne sein möchte, kann eigentlich nie einen Gang zurückschalten, sondern muss bei jedem Wertungssprint versuchen, Sekunden zu gewinnen.

Weltelite eng zusammen
Einen echten Aussetzer kannst du dir ohnehin nicht leisten, dazu ist die Weltspitze einfach viel zu eng zusammengerückt. Entsprechend wichtig wird es sein, dass wir auch an allen sieben Wettkampftagen Top-Material haben! Es wird in der Tour-Woche also auch auf unsere sechs Techniker ankommen. Denn ohne gute Ski ist der Zug nach vorne ganz schnell abgefahren. Generell denke ich, dass die Tour de Ski in diesem Jahr etwas mehr auf diejenigen zugeschnitten ist, die lieber in der klassischen Technik unterwegs sind. Es wird also in jedem Fall wieder spannend.

Beste Aussichten aus deutscher Sicht: Axel Teichmann
Die größten Chancen auf eine Top-Platzierung in der Gesamtwertung dürfte Axel Teichmann haben. Axel ist in diesem Jahr in einer sehr guten Form. Er hatte anfangs ein wenig Pech und konnte im Wettkampf noch nicht ganz das zeigen, was er zur Zeit drauf hat. Mit dem zweiten Platz in Davos sollte der Knoten nun aber geplatzt sein. Bei ihm ist es besonders wichtig, dass er gesund bleibt, dann ist ihm eigentlich alles zuzutrauen.

Angerer: Entscheidung wegen Start erfolgt kurzfristig
Bei Tobi Angerer müssen wir abwarten, wie er nach seiner Erkrankung wieder zurückkommt. Mit Blick auf die Tour hatten wir bei ihm auf den ursprünglich geplanten Start beim Weltcup in Düsseldorf verzichtet. Stattdessen bestritt Tobi ein Vorbereitungsrennen im Alpencup in St.Johann in Tirol. Eigentlich hofften wir alle, dass er in Oberhof mit der Form in die Tour einsteigt, die er bis einschließlich des Vorbereitungslehrgangs in Muonio hatte. Tobi konnte den Sommer über gut trainieren und er hatte anschließend eine wirklich ausgezeichnete Verfassung. Leider musste er jetzt erneut einen gesundheitlichen Rückschlag hinnehmen. Wir müssen deshalb zunächst einmal abwarten und werden gegebenenfalls auch erst kurzfristig entscheiden, ob ein Start für ihn Sinn macht.

Sommerfeldt: Schwer, zweiten Platz zu wiederholen
Für Renè Sommerfeldt wird es sicher schwer, seinen herausragenden zweiten Platz vom Vorjahr zu wiederholen. Er ist aber ein Athlet, der über die Häufigkeit der Wettkämpfe normalerweise erst richtig in Form kommt. Von daher kommt ihm der Austragungsmodus der Tour de Ski entgegen. Und gerade am Schlussanstieg ist er immer in der Lage, ein Highlight zu setzen. Das hat er im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen.

Fehlende Konstanz wegen Trainingsausfall bei Göring
Bei Franz Göring fehlt – bedingt durch den Trainingsausfall, den er aufgrund seiner beruflichen Ausbildung zu verkraften hatte - noch die Konstanz. Bisher konnte er sich bei der Tour de Ski aber immer ordentlich verkaufen. Darauf setzen wir auch in diesem Jahr.

Top10 möglich für Filbrich
Jens Filbrich ist ebenfalls ein Athlet, der für eine Top-10-Platzierung in Frage kommt. Er ist in guter Form und müsste eigentlich in der Lage sein, in beiden Techniken vorne mitzulaufen. Seine Schwachstelle ist nach wie vor der Sprint. Hier werden ihm wahrscheinlich wieder einige wichtige Bonussekunden verloren gehen.

Tscharnke und Marschall: Zu jung für komplette Tour
Den beiden jungen Sportlern, Tim Tscharnke und Phillip Marschall, wollen wir in diesem Jahr die Möglichkeit geben, sich vor heimischem Publikum zu präsentieren. Es würde aber keinen Sinn machen, die beiden in die Tour zu schicken. Ihre Zeit kommt erst hoffentlich. Sie sollen ohne großen Druck weiter Erfahrung sammeln.

Finninnen topfavorisiert
Bei den Damen ist die Situation etwas anders als bei den Herren. Hier rechne ich damit, dass vor allem Virpi Kuitunen und Aino Kaisa Saarinnen ihre derzeitige Ausnahmestellung zu einer Machtdemonstration nutzen können. Dazu kommen mit Marit Bjoergen, Kristin Steira und Petra Majdic drei weitere heiße Kandidatinnen auf die Podestplätze. Aber natürlich wollen wir auch bei den Damen eine möglichst gute Rolle spielen. Nachdem wir im vergangenen Jahr drei Athletinnen unter den Top-10 hatten, wären wir diesmal mit zwei DSV-Sportlerinnen unter den besten Zehn absolut zufrieden.

Ziel für Nystad und Sachenbacher-Stehle: Top10
Erste Anwärterinnen auf eine solche Top-Platzierung sind wieder Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle. Claudia hat bislang einige recht ordentliche Rennen gamacht und wir gehen davon aus, dass ihre Formkurve – so wie zuletzt in Düsseldorf - weiter nach oben zeigt. Sie ist eine sehr gute Allrounderin und ist deshalb bei der Tour in der Lage, in jedem Wettkampf reichlich Punkte zu sammeln.
Auch bei Evi sind wir guter Dinge, dass sie sich nach einem etwas verhaltenen Start mit jedem weiteren Rennen steigern kann. Das hat sie eigentlich jedes Jahr bewiesen. Und gerade bei der Tour ist diese Belastbarkeit ein ganz entscheidendes Kriterium.

Auch Zeller und Böhler gut in Form
Mit Katrin Zeller und Steffi Böhler haben wir außerdem zwei weitere Läuferinnen, die in der Lage sind, bei der Tour de Ski im Vorderfeld anzukommen. Katrin, die im vergangenen Winter eine sehr gute Tour laufen konnte, zeigte sich zuletzt deutlich verbessert. Als Distanzspezialistin haben wir bei ihr auf einen Start beim Sprint in Düsseldorf verzichtet. Katrin hat stattdessen noch einmal zu Hause trainiert, um in Oberhof möglichst fit und ausgeruht an den Start zu gehen.
Steffi wiederum war in den ersten Wettkämpfen unsere stabilste Athletin und konnte in diesem Winter regelmäßig in den Top-15 punkten. Das sollte auch ihr Ziel bei der Tour sein.“



Evi Sachenbacher-Stehle:
"Für mich ist es noch etwas schwer einzuschätzen, was bei der Tour möglich ist. In den letzten Wochen habe ich immer wieder gekränkelt. Deshalb habe ich auch am Sonntag in Düsseldorf auf den Teamsprint verzichtet. Ich will einfach nichts mehr riskieren und schauen, dass ich in Oberhof dann wirklich hundertprozentig fit bin. Normalerweise liegt mir der Austragungsmodus der Tour. Aber ich weiß nicht, ob ich mich zwischen den Rennen so schnell erholen kann wie sonst."

Claudia Nystad:
"Die Tour ist in diesem Jahr – wenn man so will - ziemlich „klassisch“. Und eigentlich habe ich in letzter Zeit vor allem an meiner klassischen Technik gearbeitet, auch wenn sich die Bemühungen noch nicht wirklich in Ergebnissen niedergeschlagen haben. In Davos bin ich dann das erste Mal in der Technik gelaufen, wie wir uns das eigentlich vorstellen. Ich hatte anschließend zwar üblesten Muskelkater, aber grundsätzlich war das schon mal der Schritt in die richtige Richtung. Als Allrounderin will ich bei der Tour natürlich schon ein Wort mitreden. Ziel ist ein einstelliger Platz. Ich merke, dass es Schritt für Schritt aaufwärts geht."

Steffi Böhler:
„Im letzten Jahr lief es für mich bei der Tour vor allem im Skating super. Insgesamt konnte ich zweimal unter die Top-10 laufen. Ich hoffe natürlich, dass mir das in diesem Jahr wieder gelingt und ich auch in der klassischen Technik ordentliche Rennen abliefern kann. Mein Ziel ist ein Platz unter den besten Zehn im Gesamtklassement. Das wird sicher schwer, aber ich fühle mich gut und freue mich auf die Tour. Denn grundsätzlich mag ich es, wenn es richtig schwer ist. Von daher habe ich auch keine schlechten Erinnerungen an den Schlussanstieg.

Axel Teichmann:
"In den Tagen vor Weihnachten haben wir noch einmal etwas intensiver trainiert und deshalb auch schweren Herzens auf den Weltcup in Düsseldorf verzichtet. Aber ein paar Tage Ruhe müssen auch sein, denn schließlich gilt es, an den Weihnachtsfeiertagen das Reh zu vertilgen, das bei meinem gemeinsamen Jagdausflug mit Sven Fischer erlegt wurde. Geschossen hat natürlich Sven, der war schließlich Biathlet, ich habe ihm nur Glück gebracht."

Franz Göring:
"Weihnachten gehört traditionell der Familie, die Tage danach konzentriere ich mich auf die Tour de Ski. Ich hoffe, der Formaufbau hat gepasst und meine Krankheit zu Saisonbeginn schlägt nicht zu Buche. Schließlich bin ich in den vergangenen Jahren bei der Tour bisher immer auf Platz sechs eingekommen. Wenn das wieder gelingen würde, wäre ich hochzufrieden. Es darf aber auch durchaus das eine oder andere Top-Einzel-Resultat dabei sein."

Tobias Angerer:
"Nachdem ich in den vergangenen fünf Jahren praktisch gar nicht krank war, hat es mich in diesem Winter gleich ordentlich erwischt. Eigentlich dachte ich, dass ich nach meinem grippalen Infekt wieder auf einem guten Weg bin. Am vergangenen Dienstag und Mittwoch konnte ich erstmals wieder richtig gut trainieren. In der Nacht auf Donnerstag bekam ich dann aber wieder Schüttelfrost und Schnupfen. Dann wurde es besser und deshalb lief ich auch wie geplant den Alpencup in St. Johann, weil ich ganz einfach noch ein, zwei Wettkämpfe vor der Tour machen wollte. Aber es ging einfach nicht. Ganz offensichtlich habe ich mir wieder etwas eingefangen. Nach Rücksprache mit unserem Mannschaftsarzt und Jochen Behle werde ich jetzt erst einmal gar nicht trainieren und versuchen, mich vollständig auszukurieren. Natürlich möchte ich unbedingt bei der Tour de Ski dabei sein. Aber eines ist auch klar: Wenn ich nicht vollkommen gesund bin, dann macht das überhaupt keinen Sinn."

Renè Sommerfeldt:
"Seit Davos geht es bei mir wieder aufwärts. Ich bin ja gleich am Sonntag noch bei einem Volkslauf in Livigno über 40 Kilometer gestartet und konnte dort ganz gut das hohe Tempo von Södergren mitgehen. Das war schon mal wichtig für mich. Zu Hause habe ich die ersten Tage dann erst einmal relativ lange und ruhige Trainingseinheiten absolviert. Am Freitag bin ich als Spezialtraining für den Tour-Schlussanstieg in Oberwiesenthal die Skipiste hoch. Dabei habe ich mich ehrlich gesagt besser gefühlt als im vergangenen Jahr. Ich hoffe, das ist ein gutes Zeichen. Allerdings trainierte ich mit Lukas Baur am Sonntag noch einmal mit Wettkampfgeschwindigkeit und da habe ich schon gemerkt, dass noch ein bisschen was fehlt. Ich hoffe, die restlichen Prozente kommen dann über die ersten Rennen. Prognosen abzugeben, ist vor einer solchen Woche unglaublich schwer. Natürlich wäre es schön, wenn ich wieder an die Leistungen vom Vorjahr anknüpfen kann. Aber wir müssen die ersten Wettkämpfe der Tour abwarten."

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