Portrait - Lukáš Bauer

Steckbrief
Name: Lukáš Bauer
Geburtstag: 18.08.1977
Geburtsort: Ostrov nad Ohrí (Schlackenwerth)/CZE
Wohnort: Boží Dar (Gottesgab)/CZE
Größe/Gewicht: 181 cm, 70 kg
Heimatverein: SKP Jablonex Jablonec n. N.
Beruf: Student, Sportlehrer
Familie: verheiratet, zwei Kinder
Hobbies: Familie, Mountain Bike, Musik
Homepage: www.lukas-bauer.cz
Grenznähe zu Deutschland bringt Trainingsvorteile
Lukáš Bauer wurde im tschechischen Ostrov nad Ohrí geboren, nahe der tschechisch-deutschen Grenze. Heute lebt er 10km nördlich seiner Geburtstadt in Boží Dar, was direkt am Grenzübergang nach Oberwiesenthal liegt. Durch die Grenznähe besteht für den Tschechen die Möglichkeit, sich der Oberwiesenthaler Trainingsgruppe anzuschließen, was er auch vor allem im Jahre 2006 tat. Bauer ist der Schwiegersohn von Helena Balatková-Šikolová, einer tschechischen Langläuferin, die in den 70ern eine olympische Bronzemedaille gewinnen konnte. Seine Schwägerin Helena Erbenová ist ebenfalls im Weltcup unterwegs.
Internationale Karriere seit 1996
Die internationale Skilanglauf-Karriere des Lukáš Bauer begann im Jahre 1996, als er als 18-Jähriger wenig erfolgreich an den Junioren-Weltmeisterschaften teilnahm. Nach vereinzelten FIS-Rennen in Tschechien lief es im Jahr darauf schon deutlich besser für ihn, als er den Vize-Junioren-Titel über 30km Freistil hinter einem damals übermächtigen Per Elofsson holte. Aufgrund dieser Silbermedaille erhielt der Tscheche wenig später seine Chance bei den Weltmeisterschaften in Trondheim, erst Ende 1997 startete er erstmals im Weltcup. Seine ersten Erfolge verzeichnete der damals 21-Jährige bei den Weltmeisterschaften 1999, wo er die Ränge 13 und 20 erreichte. Ähnliche Ergebnisse konnte er zunächst jedoch nur selten wiederholen.
Verbesserung zum olympischen Winter 2002
Eine deutliche Leistungsteigerung war dann pünktlich zu den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City zu bemerken. Er wurde dreimal Weltcup-Vierter und lief fast regelmäßig in die Top10. Seine erste Podestplatzierung gelang ihm auch bei den Olympischen Spielen nicht, als er als bestes Resultat Sechster über 30km Freistil im Massenstart wurde. Erstmals zu den besten Dreien zählte er zu Beginn der nacholympischen Saison, wo er als Zweiter nur knapp geschlagen wurde. Wenige Wochen später gelang ihm vor heimischem Publikum in Nove Mesto der erste Weltcupsieg. Nach durchwachsenen Jahren meldete er sich 2005 mit zwei Siegen zurück, außerdem wurde er in Turin Vize-Olympiasieger über 15km klassisch.
Gesamtweltcup, Tour de Ski-Siege und Olympische Spiele
Nachdem er stark in die Saison 2006/2007 gestartet war, verpasste Bauer wegen gesundheitlicher Probleme einen Großteil des Weltcup-Winters. Kurz vor der WM in Sapporo meldete er sich zurück und wurde dort Fünfter und Siebter. Doch der stärkste Winter des Lukas Bauer sollte noch folgen... Von Beginn an präsentierte sich der Tscheche im Winter 2007/2008 äußerst stark und feierte noch vor der Tour de Ski einen Saisonsieg. Erneut stellte er dann während der zweiten Auflage der Tour de Ski seine Form unter Beweis und siegte souverän mit fast drei Minuten Vorsprung. Auch anschließend hielt der Überflieger der Saison seine Form und sicherte sich drei weitere Saisonsiege sowie ungefährdet den Gesamtweltcup vor René Sommerfeldt. Auch in den Folgejahren konnte der Tscheche dieses Leistungsniveau halten und 2010 erneut die Tour de Ski sowie zwei Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen gewinnen.
Bauer weiter nicht zu unterschätzen
Wie in den Vorjahren gehörte Lukas Bauer auch im Jahr 2010/2011 zu den besten Distanzläufern der Szene. Bei allen Weltcups war er sehr konstant und kam mit Ausnahme der Sprints immer unter die besten 15. Speziell bei den Mehretappen-Rennen musste man ihn auf der Rechnung haben und er sammelte bei der Tour de Ski als Dritter wichtige Punkte für den Gesamtweltcup. Den beendete er als Gesamt-Vierter, im Distanzweltcup war er aber der Drittbeste. Bei den Weltmeisterschaften ging er diesmal drei Starts als Siebter, Achter (Staffel) und 13. leer aus. Nach der Saison trennte er sich von seinem langjährigen Trainer Mira Petrasek und schloss sich erneut den deutschen Team an. Seit Mitte Mai 2011 bildet er in Oberwiesenthal eine Trainingsgemeinschaft mit Tom Reichelt und Valentin Mättig.
Viel Pech bei der Tour de Ski und Ermüdungsbruch
Bei Lukas Bauer lief nur selten etwas zusammen in diesem Winter: Zwar kam der Tscheche in Davos und in Otepää zweimal aufs Podium, sonst agierte er aber auch mit viel Pech, zum Beispiel bei der Tour de Ski, wo er mehrfach stürzte und er am Ende Sechster wurde. Nach seinem Erfolg in Estland ging Bauer guter Dinge ins Höhentraining, um sich gut auf die nächsten Rennen wie nationale Meisterschaften und Heimweltcup vorzubereiten. Dort fühlte er sich auch noch in guter Form und topfit, wie er auf seiner Homepage erklärte, doch wenige Tage später machten sich Schmerzen in der Ferse bemerkbar, die er zunächst nach einigen Untersuchungen ohne Ergebnis einfach für eine wunde Ferse hielt. Doch anders als im letzten Jahr, wo er während der WM schon ähnliche Beschwerden hatte, verschwanden die Schmerzen diesmal nicht so schnell, wie sie gekommen waren. Unter Schmerzen lief er vor heimischem Publikum auf Rang 18, ließ dann die Staffel aus und widmete sich anschließend nur der Heilung. "Nachdem die Schmerzen beim Gehen einige Tage aufhörten, stärkte ich meinen Oberkörper und glaubte, bald wieder am Start stehen zu können. Letzten Montag stand ich wieder auf Ski und habe mich im Kopf bereits in Lahti gesehen. Am nächsten Tag habe ich versucht, klassisch zu laufen, aber vom ersten Schritt hatte ich wieder Schmerzen in der Ferse", erklärte Lukas Bauer Ende Februar auf seiner Homepage. "Ich wusste, dass es ein ernsteres Problem ist und dass ich dieses Jahr nicht mehr laufen werde. Obwohl ich keine genaue Diagnose hatte, wusste ich sofort, dass ich Lahti vergessen kann und auch keine Chance besteht, eine Woche später am Holmenkollen den 50er zu laufen." Wenige Tage später bekam der Tscheche endlich nach wochenlangen Schmerzen die genauso Diagnose für seine Probleme: Nach erneuten Röntgenaufnahmen, CT und Kernspin wurde ein Knochenbruch festgestellt - ein Ermüdungsbruch in der Ferse. Die Saison war damit vorbei und Lukas verfolgte die letzten Weltcups "auf dem Sofa" und in reger Interaktion mit anderen Athleten per Twitter.









