Abenteuer Alaska (Teil 1)

Mandy Kämpf am 14.05.2008 - 09:12 Uhr
Der Rural Cap Ski-Go Club ist eine gemeinnützige Organisation, die vor sechs Jahren von drei Frauen - Jennifer Johnston, Marcy Baker und Mellen Shea - in Anchorage, Alaska, gegründet wurde.

Das Ziel der Organisation ist es Kindern im Nordwesten Alaskas und deren Familien das Skilanglaufen näher zu bringen. Durch diese Aktivität soll die Verständigung zwischen der Stadt-und Landbevölkerung sowie eine gesunde und aktive Lebensweise gefördert werden. Durch westliche Einflüsse die unter anderem zu einem Wechsel in der Esskultur führten, leiden viele Einheimische unter nahrungsbedingten Krankheiten wie z.B. Diabetes. Weiterhin hofft die Organisation Skilanglauf als sinnvolle Freizeitbeschäftignung aufzubauen, um sozialen Problemen wie z.B. Gewalt, Alkohol-und Drogenmissbrauch oder Selbstmord in diesen entlegenen Dörfern entgegenzuwirken. Jedes Frühjahr reist eine Gruppe von Freiwilligen zu unterschiedlichen Inupiat Eskimo Dörfern, die fernab vom herkömmlichen Strassennetz, nur mit dem Boot oder Kleinflugzeugen erreichbar sind.


Die Obere Kobuk Region befindet sich nur wenige Kilometer nördlich vom Arktischen Kreis. Es bedarf 2,5 Stunden Reisezeit und zwei Flüge, um von Anchorage nach Kobuk zu kommen. Dies gab mir eine bessere Vorstellung von der Flächengröße des größten U.S. Bundesstaates, in welches mein Heimatland Deutschland fünfmal hineinpassen würde. Die Landschaft um Kobuk ist von den Bergausläufern der Brooks Range und dem Fluss Kobuk geprägt. Kobuk, ein Wort aus der Sprache der Inupiat Eskimos, bedeutet "großer Fluss". Das heutige Kobuk wurde vor 10.000 Jahren als Herbst-und Wintersiedlung von den Inupiat Eskimos gegründet. Dies entsprach der traditionellen Lebens-und Kulturform der Inupiat Eskimos, welche von unterschiedlichen Sammel-und Jagdaktivitäten gemäß der Jahreszeiten bestimmt wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts, entwickelte sich Kobuk zu einer Goldgräberstadt in der aufgrund der wachsenden Anzahl von Minenarbeitern eine Kirche und Schule errichtet wurden. Letztere war unser Heim während unseres viertägigen Besuches in Kobuk, wo wir geschlafen, gemeinsam mit den ca. 35 Schülern Mittag gegessen und uns mit den Mitarbeitern der Schule ausgetauscht haben.

Natürlich stand tägliches Skilanglaufen auf dem Programm. Während des Sportunterrichtes aber auch nach der Schule erkundschafteten wir mit den unterschiedlichen Klassen die umliegenden Wälder, Tundra, Flüsse und Seen. Zu den Lieblingsbeschäftigungen der Kinder zählten Gruppenspiele oder einen Hügel zu finden, um von dort herunterzufahren. Aufgrund von Spenden und staatlichen Beihilfen konnte der Rural Cap Ski-Go Club den Kindern ausreichend Skiausrüstungen zur Verfügung stellen. Alle Beteiligten hatten so viel Spaß, dass man leicht vergessen konnte sich vor Erfrierungen sowie Wind-und Sonnenbrand zu schützen. Bei mehr als 13 Stunden in diesen nördlichen Breiten konnte man oft nicht glauben, dass das Thermometer nur minus 32 Grad Celsius anzeigte. Unsere Abende verbrachten wir meistens mit netten Gesprächen mit den Lehrern oder mit für uns ungewöhnliche Freizeitaktivitäten wie z.B. Hundeschlitten fahren in der Wildniss.

Der Höhepunkt für Schüler, Lehrer und den Rural Cap Ski-Go Club Helfern war das Skifest in dem 16 Kilometer flussabwärts von Kobuk befindlichen Shungnak. Die Schüler von beiden Schulen – Kobuk and Shungnak – konnten ihre neuerlernten Skilanglaufkenntnisse bei kurzen Wettkämpfen sowie Hindernissläufen und Schnitzeljagden unter Beweis stellen. Nach Stunden voller Aktivitäten und Spass hatten einige Kobuker Schüler noch genügend Energie, um auf Skiern zurück nach Hause zu laufen. Die zwölfjährige Eva hat an diesem Tag Dorfgeschichte geschrieben, da sie wahrscheinlich die jüngste Bewohnerin von Kobuk ist, die diese Strecke auf Skiern bewältigt hat. Am nächsten Tag hieß es dann für uns, Abschied von Kobuk zu nehmen. Während unser Gepäck auf einem Motorschlitten transportiert wurde, sind wir auf unseren Skatingskiern in Richtung Shungnak aufgebrochen.

Shungnak wurde ursprünglich von Dorfbewohnern aus Kobuk gegründet. Das Dorf wurde mehrmals in seiner Geschichte durch Überflutung des Kobuk Flusses weitgehend zerstört, was viele Dorfbewohner zum Umzug veranlasste. In Shungnak hatte ich die Möglichkeit das Haus des Ehepaars Ruth und Lance Cleveland zu besuchen. Ich war fasziniert von Ruths handwerklicher Kunst. Trotz ihrer über 80 Jahre und Parkinson-Krankheit, fertigt sie weiterhin in mühsamer Handarbeit wundervolle Körbe aus Birkenrinde, Parkas aus Wolf-und Karibufellen sowie Mukluks. Letztere sind traditionelle Winterstiefel, deren Sohlen teilweise aus getrockneter Seelöwenhaut bestehten, während der Beinbereich unter anderem aus Elch und Karibufellen gefertigt wird. Nach einer Nacht in Shungnak skateten wir bereits am nächsten Morgen zur nächsten Station auf unserer Reise.

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