Axel Teichmann behält Ruhe im spannenden Weltcup

Peter Hagen am 18.01.2004 - 06:01 Uhr
Beim Klettern findet Ski-Weltmeister aus Lobenstein Ausgleich   

Von OTZ-Redakteur Peter Hagen

Oberhof. "Man steht vor einer Aufgabe, die man bewältigen muss, um nach oben zu kommen."

So beschreibt Axel Teichmann den Reiz seines neuesten Hobbys - das Klettern. Als im letzten Sommer die Skilanglaufausrüstung in der Ecke stand, griff der Lobensteiner zu Kletterseil, Haken und Ösen, um mit einem ehemaligen Schulkameraden den Finkenstein und andere Felsen um Oberhof zu erklimmen.

Diese Woche übte er an einer Kletterwand das Fallen aus fünf bis sechs Metern Höhe. Denn wer nach oben will, muss mit Abstürzen rechnen. Auch das sollte trainiert sein, damit nichts schief geht. Es ist die Woche zwischen zwei Weltcuprennen. Hinter Axel Teichmann liegt der Massenstart über 30 km vergangenen Sonnabend in Otepää mit dem 44. Platz als Ergebnis, gefolgt vom Staffelsieg am Sonntag. Vor dem Athleten liegen die 15 km klassisch und der Sprint an diesem Wochenende in Nov- Mesto.

Wie verbringt Axel Teichmann einen gewöhnlichen Trainingstag zwischen den Wettkämpfen in Estland und Tschechien?

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker in der Oberhofer Wohnung. Axel macht sich auf den Weg zur Kaserne am Grenzadler, wo gefrühstückt wird. Müsli, frische Brötchen, viel Obst und Gemüse lässt sich der Athlet schmecken. Von 7 bis 8 Uhr muss der Feldwebel bundeswehrtypische Dinge erledigen. Diesmal ist es der Klamottenwechsel. "Alle zwei Jahre erhalten wir neue Kleidung", erzählt Axel Teichmann beim Sortieren der Winterwäsche. Gegen 8 Uhr zieht die Morgendämmerung herauf, Axel geht zum Skiwachsen. Das erledigen die Sportler beim Training selbst. Nur zu den Wettkämpfen sorgen Techniker dafür, dass alles sprichwörtlich bestens glatt geht.

Eineinhalb Stunden lockeres Training steht für den Vormittag auf dem Plan. Unter "lockerem Training" verstehen die Langlaufprofis 20 bis 25 km mit schnellen Einlagen. Trainer Cuno Schreyl gibt seine Anweisungen, beobachtet die Lauftechnik. Beim Nachmittagstraining wird er selbst nicht anwesend sein, kann sich aber darauf verlassen, dass seine Schützlinge diszipliniert die Trainingsaufgaben absolvieren.

Gegen 11 Uhr geht´s zur Massage, drei Physiotherapeuten betreuen die Athleten der Bundeswehr-Sportfördergruppe in der Kaserne. Nach dem Mittagessen pünktlich 12 Uhr bleibt eine gute Stunde Zeit zum Ausruhen. Axel Teichmann greift zu einem Handbuch mit Tipps für richtiges Klettern. Ihn fasziniert die Herausforderung, den sicheren Weg nach oben zu finden. Ruhe ist dabei eine wichtige Voraussetzung.

Diese Ruhe zeigt er auch im Weltcup-Geschehen. Dass inzwischen um das Gelbe Trikot ein heißer Kampf entbrannt ist und der Lobensteiner selbst schon zwei Mal mit dem Leibchen des Führenden in die Loipe ging, ändert nichts an seiner Zielstellung zu Saisonbeginn: "Drei Mal aufs Podest und ein Platz unter den ersten Fünf in der Gesamtwertung." Die Zwischenbilanz nach neun von 20 Wettkampf-Orten: Als Einzelläufer ein Sieg, ein erster und ein zweiter Platz, hinzu kommen drei Podestplätze mit der Staffel. In der Gesamtwertung steht Axel Teichmann mit 358 Punkten auf Rang 4 hinter Ren- Sommerfeldt (474 Punkte), Tobias Angerer (389) und dem Schweden Mathias Fredriksson (382 Punkte).

Das sind nur knappe Abstände, denn für einen Sieg gibt es 100 Punkte, für den zweiten Platz 80 und für den Dritten noch 60. "In diesem Jahr konzentriert sich die Leistungsdichte noch stärker", erklärt Axel Teichmann, "weil sämtliche acht Sprintwettkämpfe in die Wertung gehen. In der vorigen Saison wurden nur die besten drei Ergebnisse dieser Disziplin berücksichtigt."

Kurz nach 14 Uhr beginnt das einstündige Nachmittagstraining. Gemeinsam mit Andreas Schlütter zieht der Athlet des WSV Lobenstein im Oberhofer Skistadion seine Bahn. Dabei ist es gar nicht so einfach, im schnellen Skating-Schritt eine freie Spur zu finden, denn es wimmelt nur so von Nachwuchsläufern in jenem Alter, in dem auch Axel Teichmann 1993 an das Oberhofer Sportgymnasium delegiert worden war.

Schon zehn Jahre später sollte die sportliche Laufbahn des Lobensteiners mit WM-Gold gekrönt werden. Den Gipfel seiner sportlichen Karriere hat der 24-Jährige damit aber längst nicht erreicht. "Die WM ist noch ein Stück hin, da denkt man jetzt noch nicht so dran", bremst er zwar den Ausblick auf die kommende Skisaison. Doch von Kletterern ist bekannt, dass sie ihren nächsten Aufstieg gründlich vorbereiten.

Anzeige

Anzeige

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Langlauf finden Sie auf www.sportlerfrage.net

www.sportlerfrage.net: Die große Ratgeber-Community für gute Fragen und hilfreiche Antworten

Anzeige