"Bist du gedopt?"

Mario Felgenhauer am 07.08.2008 - 09:14 Uhr
Es gibt viele Fragen die man als Sportler zu hören bekommt. Wie oft trainierst du pro Woche? Wie viele Kilometer machst du pro Jahr? Was isst du? Trinkst du Alkohol? An alle diese Fragen hat man sich gewöhnt, auch als Hobbysportler. Eine Frage hat mich allerdings kürzlich aus den Socken gehauen: Bist du gedopt?

Okay, wenn sie nun von einem Unwissenden gekommen wäre, hätte ich mir wohl nicht soviel dabei gedacht. Der Fragende war allerdings kein Unwissender, sondern mein Hausarzt! Ich war so verdutzt, dass ich erstmal kräftig gelacht habe und mir dann nur die Frage über die Lippen kam: "Für was sollte ich mich dopen?" Meine Leberwerte (für alle die mich nicht kennen, ich habe eine sportliche Figur und bin Antialkoholiker) ließen aber diesen Schluss zu, so mein Hausarzt weiter. Die seien dreifach überhöht. Wir haben das Thema dann nicht weiter vertieft und uns auf andere Ursachen konzentriert. Beschäftigt hat mich diese Frage allerdings noch länger.


Betrachtet man die Frage als Unwissender und aus einer etwas naiven Sichtweise, so kommt sie einem vollkommen absurd vor. Bedenkt man allerdings die unzähligen Bodybuilder im Freizeitsportbereich, die nachgewiesenermaßen mit unerlaubten und gesundheitsgefährdenden Mitteln versuchen, ihre Muskelmasse zu vergrößern, oder die Dunkelziffer der gedopten Radamateure, so verliert diese Frage schnell ihre Absurdität. Und dann kann es tatsächlich sein, dass ein Arzt aus unnormalen und ungesunden Leberwerten auf Doping folgert. In meinem Fall ist mir dabei zum ersten Mal so richtig klar geworden, dass Doping nicht nur Betrug gegenüber sich und den anderen darstellt, sondern tatsächlich im Leistungs- und Hobbysportbereich gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen hat. Dabei spreche ich nicht von Blutverdickung und der Gefahr eines möglichen Herzinfarkts. So was kennt man seit der EPO-Beichte im Radsport zur Genüge. Aber über eine Fettleber mit der Folge einer Leberzirrhose, die zu Leberversagen mit Todesfolge führen kann, wird nur wenig bis gar nicht berichtet. Dabei stehen Wachstumshormone und anabole Steroide noch immer auf der Einkaufsliste so mancher Hobbydoper. Aber nicht nur auf dieser Liste, sondern eben auch auf der, die leberschädliche Substanzen ausweist.

Wäre ich also nicht schon aus ethischen Gründen und aus Überzeugung gegen Doping, spätestens jetzt wäre ich es. Umso befremdlicher erscheint einem dann das Verhalten der tatsächlichen Doper. Okay, solange es um Geld geht und die Unwissenheit zum Thema "gesundheitliche Risiken" groß ist, kann man es sich vielleicht mit irgendwelchen Hypothesen erklären, warum Profisportler zu unerlaubten Mitteln greifen. Aber gerade für Doping im leistungsmäßigen Amateursport, wo keine Prämien winken sondern nur die Ehre und ein kleines bisschen Aufmerksamkeit, fehlt mir jedes Verständnis. Seine Gesundheit und sein Leben für kurzlebigen Ruhm aufs Spiel zu setzen, wird mir immer unerklärlich bleiben.

In meinem Fall hat sich schließlich herausgestellt, dass eine Muskelentzündung schuld an meinen hohen Leberwerten war. Tja, so ein 24 Stunden Rennen nimmt einen schon ganz schön mit und wenn man danach seine Muskeln aufgrund von Beruf und Krankheit für 1,5 Wochen komplett ruhig stellt, dann gefällt denen das gar nicht. Nach einem ersten Versuch auf Skirollern und 20 Minuten Rollefahren mit dem Rennrad war aber nach zwei Tagen wieder alles im Lot. Für Doper wird solch eine schnelle Heilung Wunschtraum bleiben.

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