Der Bär, der Tourismus und die WM
Norbert Gütlein am 28.05.2006 - 22:18 Uhr
Als starke Region stellt sich das Allgäu im Tourismus dar: In Deutschland die Nr. 1 im Wintersport und führend im Wellness-Bereich, wie unlängst bei einem Fachgespräch mit der Spitze der CSU-Landtagsfraktion in Ofterschwang berichtet wurde. Nicht ohne Stolz blickt man auf das Werdenfelser Land herab, wo Übernachtungszahlen und touristische Infrastruktur dringend neuer Impulse bedürfen. Doch in der vergangenen Woche war plötzlich alles ganz anders. Was war geschehen? Ein Braunbär hat sich auf seinem Streifzug von Italien über Tirol ausgerechnet die Gegend um Garmisch-Partenkirchen ausgesucht, um dort für allerhand Furore zu sorgen. Bei Dickelschwaig riss er einige Schafe (Teilnehmer am König-Ludwig-Lauf also in Zukunft aufgepasst!) und mitten in Grainau räumte er einen Hühnerstall aus. Heerscharen von Journalisten und Schaulustigen strömten daraufhin nach Garmisch und brachten den Olympia-Ort früherer Tage wieder ins Gespräch. So groß war das Interesse am Bären, dass ein wichtiges Anliegen der Stadtoberen von GAP, nämlich die Bewerbung um die alpine Ski-WM 2011, völlig ins Hintertreffen geriet. Am Donnerstagabend hatten die Garmischer dann beides. Den Bären und ihre Ski-WM.
Argwöhnisch wurde das Geschehen aus dem Allgäu betrachtet. Zum einen neidete man den Nachbarn das neue Haustier, zum anderen hatte man sich gesorgt, so Thomas Weiß im Allgäuer Anzeigeblatt vom 25. Mai, die Garmischer könnten bei einem erneuten Scheitern der alpinen Bewerbung auf die nordischen Disziplinen umsatteln, um auf diesem Weg die dringend benötigten Investitionsmittel zu erzwingen. Tief sitzt das Misstrauen im Allgäu, denn schon einmal, bei der ersten Initiative für eine Olympia-Bewerbung Münchens, hatten die Oberbayern bekundet, die Sache unter sich ausmachen zu wollen und den Oberstdorfern trotz erwiesener Kompetenz und vorhandener nordischer Sportstätten die kalte Schulter gezeigt. Jetzt, mit dem Erfolg von Garmisch, müssen im Allgäu die Strategiepapiere umgeschrieben werden. Eine eigene WM-Bewerbung Oberstdorfs ist nun für frühestens 2015 oder 2017 drin. Noch besser käme es natürlich, als nordischer Partner bei einer Olympia-Bewerbung Münchens für 2018, wie sie von DSV-Präsident Alfons Hörmann postwendend angeregt wurde, dabei zu sein. Der Allgäuer Hörmann wird als Garant gesehen, dass Oberstdorf nicht wieder vom Zug gestoßen wird.
Den Bären ließ das alles kalt. Als hätte er erfahren, dass er unversehens ins Fadenkreuz des nervös gewordenen bayerischen Umweltministers Werner Schnappauf geraten war, verschwand er plötzlich spurlos von der Bildfläche. Auch wenn die Werdenfelser trotzig behaupteten, er habe sich unterhalb der Dreitorspitze versteckt, wie dies ein angeschossener Artgenosse bereits vor 150 Jahren getan hätte, wähnten ihn die Experten längst zurück in Österreich.
Wie aber könnte die touristische Szene im Allgäu belebt werden, wenn alle Initiativen in Richtung WM oder Olympia letztlich scheitern sollten? Ob sich der dauerhaft brodelnde Oberstdorfer Intrigenstadel, der erst vor kurzem den Tourismus- und Sportdirektor Ottmar Barbian zum Rückzug vom Amt veranlasste, für die Vermarktung eignet (etwa in Form einer Doku-Soap), wäre noch zu ergründen. Wenn alles nichts hilft, bliebe eine Wiederholung der Bärennummer. Vielleicht erbarmt sich ein Verwandter des verschwundenen „Beppo“ und macht sich auf den Weg, diesmal ins Oberallgäu.
Argwöhnisch wurde das Geschehen aus dem Allgäu betrachtet. Zum einen neidete man den Nachbarn das neue Haustier, zum anderen hatte man sich gesorgt, so Thomas Weiß im Allgäuer Anzeigeblatt vom 25. Mai, die Garmischer könnten bei einem erneuten Scheitern der alpinen Bewerbung auf die nordischen Disziplinen umsatteln, um auf diesem Weg die dringend benötigten Investitionsmittel zu erzwingen. Tief sitzt das Misstrauen im Allgäu, denn schon einmal, bei der ersten Initiative für eine Olympia-Bewerbung Münchens, hatten die Oberbayern bekundet, die Sache unter sich ausmachen zu wollen und den Oberstdorfern trotz erwiesener Kompetenz und vorhandener nordischer Sportstätten die kalte Schulter gezeigt. Jetzt, mit dem Erfolg von Garmisch, müssen im Allgäu die Strategiepapiere umgeschrieben werden. Eine eigene WM-Bewerbung Oberstdorfs ist nun für frühestens 2015 oder 2017 drin. Noch besser käme es natürlich, als nordischer Partner bei einer Olympia-Bewerbung Münchens für 2018, wie sie von DSV-Präsident Alfons Hörmann postwendend angeregt wurde, dabei zu sein. Der Allgäuer Hörmann wird als Garant gesehen, dass Oberstdorf nicht wieder vom Zug gestoßen wird.
Den Bären ließ das alles kalt. Als hätte er erfahren, dass er unversehens ins Fadenkreuz des nervös gewordenen bayerischen Umweltministers Werner Schnappauf geraten war, verschwand er plötzlich spurlos von der Bildfläche. Auch wenn die Werdenfelser trotzig behaupteten, er habe sich unterhalb der Dreitorspitze versteckt, wie dies ein angeschossener Artgenosse bereits vor 150 Jahren getan hätte, wähnten ihn die Experten längst zurück in Österreich.
Wie aber könnte die touristische Szene im Allgäu belebt werden, wenn alle Initiativen in Richtung WM oder Olympia letztlich scheitern sollten? Ob sich der dauerhaft brodelnde Oberstdorfer Intrigenstadel, der erst vor kurzem den Tourismus- und Sportdirektor Ottmar Barbian zum Rückzug vom Amt veranlasste, für die Vermarktung eignet (etwa in Form einer Doku-Soap), wäre noch zu ergründen. Wenn alles nichts hilft, bliebe eine Wiederholung der Bärennummer. Vielleicht erbarmt sich ein Verwandter des verschwundenen „Beppo“ und macht sich auf den Weg, diesmal ins Oberallgäu.
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