Doppelstart beim Koasalauf: Von zu wenig bis zuviel Schnee in 24 Stunden
Mario Felgenhauer am 09.02.2009 - 17:55 Uhr

© Andrea Felgenhauer
EIN Wochenende! Es gibt genau EIN Wochenende in dieser Saison an dem weder eine Biathlon- noch eine Langlauf-Weltcup- beziehungsweise WM-Entscheidung auf dem Programm steht. Wie es der Zufall so will, war es das Wochenende des Koasalaufs in St. Johann (Österreich).
Da ich schon immer mal unterhalb des Kaisergebirges, dem Namensgeber des Rennens (Koasa=Kaiser), an den Start gehen wollte, habe ich mich natürlich frühzeitig angemeldet. Entgegengekommen ist mir dabei auch, dass in diesem Jahr zum ersten Mal Klassik- und Skatingwettbewerbe an zwei getrennten Tagen stattfinden sollten. Das ermöglichte mir einen Doppelstart und einen ersten ernsthaften Test für meinen Saisonhöhepunkt Ende März beim Arctic Circle Race in Grönland. Über die Belastung und, dass ich im letzten Jahr keinen einzigen Volkslauf bestritten hatte, machte ich mir zunächst keine Gedanken. Wozu auch, in Grönland erwartet mich schließlich fast das Dreifache an Kilometern. Trainiert habe ich schon, allerdings bei weitem nicht soviel wie ich mir vorgenommen hatte. Wer trainiert schon gerne nach der Arbeit im Dunkeln und ganz allein? Lediglich mein Kumpel und Marathonspezialist Tom hat mich immer wieder motiviert, doch ein paar Kilometer mit ihm zu laufen. Dieses Training, das für ihn lediglich ein „Auslaufen“ war, sollte mir noch zu gute kommen.
Zusammen mit meiner Frau bin ich dann Freitagmittag nach St. Johann aufgebrochen, wo wir uns in der Pension Ortner einquartiert haben. Lange hat es mich jedoch nicht drinnen gehalten, schließlich wollte ich noch einen Teil der Strecke besichtigen. Also habe ich mir meine Klassik-Ski geschnappt und habe noch eine kleine Runde gedreht, während meine Frau sich mit meinem Bruder, der wieder einmal als Fotograf vor Ort war, einige Fotopositionen angeschaut hat. Die kleine Runde hatte es gleich mal in sich. Der erste Anstieg kurz nach dem Start hält 90 Höhenmeter bereit. Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Auch das Wachsen versprach nicht einfach zu werden. Glasige Spur, aber immer wieder leicht grieselige Abschnitte sind nicht das, wofür ich sofort ein Patentrezept parat habe. Naja was soll’s, jedenfalls habe ich meine Ski abends noch gleitgewachst und beim Italiener noch ein paar Kohlenhydrate gebunkert.
Am Samstagmorgen hieß es dann um 7:00 Uhr raus aus dem Bett. Okay es wurde 7:15 Uhr bis ich am Frühstückstisch eintrudelte und mir mein Müsli und eine Marmeladensemmel genehmigte. Dann standen die letzten Vorbereitungen an: Bekleidung anziehen, Startnummer umbinden, Trinkflasche füllen. Vor Ort im Koasastadion schaute ich mich erstmal um und entdeckte sofort das HWK-Zelt von Reini Kronbichler. Der wollte mich anscheinend nicht völlig untergehen lassen und wachste mir die Steigzone. Er hat auch noch extra gefragt, ob der Ski denn für mich eher weicher oder härter sei, worauf ich nur die Schultern zucken konnte. Beim Einlaufen hat der Ski jedenfalls perfekt gehalten und schnell war er auch. 15 Minuten vor dem Start habe ich mich dann in meine Reihe gestellt. Ganz vorne standen die schnellen Läufer (naja und auch ein paar die sich dafür halten), im zweiten Block stand ich mit hundert Anderen. Kurz vor dem Startschuss durften wir dann auch aufrücken, so dass der Startrückstand wirklich minimal gewesen ist. Pünktlich um 10 Uhr fiel der Schuss, doch da waren wir schon mindestens fünf Sekunden in Bewegung, weil es vorne natürlich keinen mehr hinter der Linie gehalten hat. Dicht gedrängt geht es also in der Doppelstockschubtechnik auf den ersten Kilometer bevor auch schon der erste Anstieg wartet. Noch sehe ich die Spitze des Feldes vor mir, mein Ski steigt gut und ich finde langsam meinen Rhythmus. Aber die Steigung ist lang und im oberen Bereich muss ich immer öfter Ausrutscher nach hinten hinnehmen. Anscheinend ist der Ski doch nicht so weich wie ich gedacht hatte und das Steigwachs zu wenig. Das kann ja heiter werden. Über welliges Gelände schiebe ich mich langsam vorwärts. Immer wieder wechseln sich kurze steile Abfahrten mit Anstiegen ab. Ich sehne die Wende herbei, aber davor muss ich noch das eine oder andere Mal aus der Spur und im Grätenschritt die Anstiege hoch. An der Wende warten dann noch mehrere kurze Schleifen auf einer Wiese auf mich, ehe es endlich wieder in Richtung Ziel geht. An klassisch Laufen brauche ich nicht mehr zu denken, entweder ich grätsche oder ich schiebe. Ab Kilometer 25 kenne ich die Strecke von meiner Besichtigung am Vortag und weiß, dass sie nur noch bergab oder flach bis zum Ziel führt. Durch das viele Schieben sind meine Arme aber schon ganz schön müde und die letzten vier Kilometer bis nach St. Johann wollen fast nicht enden. Auf der Zielgeraden überholt mich dann noch ein Läufer, aber das stört mich zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig. Als 58. komme ich schließlich im Koasastadion an und bin froh es geschafft zu haben. Der Klister auf meinem Ski ist noch fast vollständig vorhanden. Es war wohl dann doch etwas zu wenig drauf oder ich einfach unterwegs zu müde für einen anständigen Klassik-Schritt. Eine Dusche und einen Besuch in der Läuferverpflegung später ist alles schon fast wieder vergessen und ich beschäftige mich langsam mit dem nächsten Tag. Insgesamt drei Paar Skating-Ski sind zu wachsen, da laut Wetterbericht am Sonntag so ziemlich alles möglich ist. Fön, Schnee oder Regen, welch eine Auswahl! Müde sinke ich dann um 22 Uhr ins Bett.
Bereits in der Woche vor dem Rennen hatte der Veranstalter angekündigt, dass die Freistil-Rennen nicht auf der Originalstrecke ausgetragen werden können. Bei unserer Anreise konnten wir uns dann davon überzeugen, dass in der Region um Kössen, das normalerweise als Zielort des 30 Kilometer Rennens und als Wende des 50ers dient, zu wenig Schnee liegt, um eine Loipe zu präparieren. Deswegen wurde festgelegt, dass auch die Skater nach einer Startschleife auf die anspruchsvolle Klassik-Runde in Richtung Going geschickt werden. Den Gedanken an das wellige Gelände im Hinterkopf krieche ich Sonntagmorgens um 7:00 Uhr aus dem Bett. Die Schiebemuskeln und die Muskulatur um die Bauchwirbel herum sind hart, meine Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt. 'Das wird schon noch, wenn ich mich erstmal warm laufe', denke ich mir. Ein Blick nach draußen verrät nichts Gutes. Es schneit. Grundsätzlich ist Schnee für Wintersportler ja essentiell, aber manchmal kann man auch auf ihn verzichten. So nass wie der vom Himmel fällt, wird das sicher harte Arbeit heute. Nach dem Frühstück geht es ins Stadion zum Skitesten. Ich finde meinen Rennski, bin aber mit der Geschwindigkeit noch nicht zufrieden. Wieder einmal schaue ich bei Reini vorbei und auch dieses Mal hilft er mir. Er trägt Flüssigwachs auf und verpasst meinem Ski noch eine gröbere Struktur. Damit kann’s eigentlich losgehen. Mein Startprozedere läuft genauso ab wie am Samstag, allerdings habe ich mir für das Skating-Rennen etwas mehr vorgenommen und will ein paar Plätze weiter vorne ankommen. Dieser Plan scheint 300 Meter nach dem Start erstmal undurchführbar. Die Piste ist aufgeweicht, es bilden sich tiefe Abdrücke der Ski und ich verhake mich bei einem meiner Kontrahenten. Eine Sekunde später liege ich im Schnee und um mich herum ziehen die Läufer vorbei. Ich rapple mich wieder auf, aber der Sturz hat mich ganz schön Plätze gekostet. Schnell will ich diese wieder gutmachen, was aber links oder rechts von der Läuferschlange aufgrund des dort frischen Nassschnees nahezu unmöglich ist. Immer wieder schere ich aus und sprinte ein paar Positionen nach vorne. Die Startrunde bis zum ersten Anstieg ist deutlich länger wie am Samstag und so streckt sich das Starterfeld deutlich in die Länge bis es die ersten Höhenmeter zu überwinden gilt. Aber auch im Anstieg ist das Vorankommen mühsam. Die Spur ist tief und wird langsam immer stumpfer. Ich hänge mich an eine Gruppe und folge ihr schließlich bis zur Wende der 30 Kilometer Distanz. Dort biege ich ab während ein Großteil der Gruppe in Richtung 45 Kilometer Wende weiterläuft. Wenig später treffe ich die erste Dame. Sie sucht jemanden der die Führungsarbeit übernimmt und ich stelle mich in ihren Dienst. Genau in dem Moment bekomme ich jedoch meine zweite Luft und der vorletzte Anstieg motiviert mich zusätzlich. So muss ich sie zurücklassen, um eventuell noch ein paar Plätze gutmachen zu können. Schließlich erreiche ich das Ende der Steigungen und stürze mich in die letzte Abfahrt. Vor mir sehe ich zwei Läufer, hinter mir kommt erstmal nichts. Das beruhigt mich und ich gebe noch mal Gas. Im Flachstück vor dem Ziel sehe ich dann, dass einer der beiden vor mir zurückfällt, während der andere sich weiter von mir entfernt. Wenigstens den Einen will ich noch einholen. An der letzten Straßenquerung erreiche ich seinen Windschatten. Aber Überholen ist zunächst nicht drin. Der Schnee links und rechts bremst noch immer. Einen Kilometer vor dem Ziel ergreife ich dennoch die Initiative und schere aus. Mein Kontrahent scheint zu kaputt zu sein, um noch etwas entgegensetzen zu können und gibt den Kampf auf. Ich gebe aber weiter Gas, um nicht erneut noch auf der Zielgeraden von einem anderen Läufer überholt zu werden. Dieses Mal klappt es und ich erreiche das Stadion als 38. Zumindest das Minimalziel habe ich damit erfüllt. Vom ständigen Schneefall bin ich völlig durchnässt. Ich warte zwar noch den Zieleinlauf von Christian Hoffmann ab, der das 45 Kilometer Rennen gewinnt, aber dann geht es sofort unter die Dusche.
Zum Abschluss gibt es noch einmal Nudeln in der Läuferverpflegungsstelle, dann mache ich mich mit meiner Frau auf den Heimweg. Auf der Rückfahrt stellt sie mir wie sooft die Frage: „Wieso machst du das eigentlich?“ Eine konkrete Antwort darauf fällt mir wie immer nicht ein. Es muss wohl etwas damit zu tun haben, dass man hinterher etwas geschafft hat, was nicht jeder schafft. Außerdem ist, denke ich, der sportliche Ehrgeiz bei mir besonders ausgeprägt. Wie sonst könnte man sich erklären, dass ich nach dem Misserfolg vom ersten und dem unfreundlichen Wetter vom zweiten Tag bereits meine erneute Teilnahme am Koasalauf im nächsten Jahr plane?
Da ich schon immer mal unterhalb des Kaisergebirges, dem Namensgeber des Rennens (Koasa=Kaiser), an den Start gehen wollte, habe ich mich natürlich frühzeitig angemeldet. Entgegengekommen ist mir dabei auch, dass in diesem Jahr zum ersten Mal Klassik- und Skatingwettbewerbe an zwei getrennten Tagen stattfinden sollten. Das ermöglichte mir einen Doppelstart und einen ersten ernsthaften Test für meinen Saisonhöhepunkt Ende März beim Arctic Circle Race in Grönland. Über die Belastung und, dass ich im letzten Jahr keinen einzigen Volkslauf bestritten hatte, machte ich mir zunächst keine Gedanken. Wozu auch, in Grönland erwartet mich schließlich fast das Dreifache an Kilometern. Trainiert habe ich schon, allerdings bei weitem nicht soviel wie ich mir vorgenommen hatte. Wer trainiert schon gerne nach der Arbeit im Dunkeln und ganz allein? Lediglich mein Kumpel und Marathonspezialist Tom hat mich immer wieder motiviert, doch ein paar Kilometer mit ihm zu laufen. Dieses Training, das für ihn lediglich ein „Auslaufen“ war, sollte mir noch zu gute kommen.
Zusammen mit meiner Frau bin ich dann Freitagmittag nach St. Johann aufgebrochen, wo wir uns in der Pension Ortner einquartiert haben. Lange hat es mich jedoch nicht drinnen gehalten, schließlich wollte ich noch einen Teil der Strecke besichtigen. Also habe ich mir meine Klassik-Ski geschnappt und habe noch eine kleine Runde gedreht, während meine Frau sich mit meinem Bruder, der wieder einmal als Fotograf vor Ort war, einige Fotopositionen angeschaut hat. Die kleine Runde hatte es gleich mal in sich. Der erste Anstieg kurz nach dem Start hält 90 Höhenmeter bereit. Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Auch das Wachsen versprach nicht einfach zu werden. Glasige Spur, aber immer wieder leicht grieselige Abschnitte sind nicht das, wofür ich sofort ein Patentrezept parat habe. Naja was soll’s, jedenfalls habe ich meine Ski abends noch gleitgewachst und beim Italiener noch ein paar Kohlenhydrate gebunkert.
Am Samstagmorgen hieß es dann um 7:00 Uhr raus aus dem Bett. Okay es wurde 7:15 Uhr bis ich am Frühstückstisch eintrudelte und mir mein Müsli und eine Marmeladensemmel genehmigte. Dann standen die letzten Vorbereitungen an: Bekleidung anziehen, Startnummer umbinden, Trinkflasche füllen. Vor Ort im Koasastadion schaute ich mich erstmal um und entdeckte sofort das HWK-Zelt von Reini Kronbichler. Der wollte mich anscheinend nicht völlig untergehen lassen und wachste mir die Steigzone. Er hat auch noch extra gefragt, ob der Ski denn für mich eher weicher oder härter sei, worauf ich nur die Schultern zucken konnte. Beim Einlaufen hat der Ski jedenfalls perfekt gehalten und schnell war er auch. 15 Minuten vor dem Start habe ich mich dann in meine Reihe gestellt. Ganz vorne standen die schnellen Läufer (naja und auch ein paar die sich dafür halten), im zweiten Block stand ich mit hundert Anderen. Kurz vor dem Startschuss durften wir dann auch aufrücken, so dass der Startrückstand wirklich minimal gewesen ist. Pünktlich um 10 Uhr fiel der Schuss, doch da waren wir schon mindestens fünf Sekunden in Bewegung, weil es vorne natürlich keinen mehr hinter der Linie gehalten hat. Dicht gedrängt geht es also in der Doppelstockschubtechnik auf den ersten Kilometer bevor auch schon der erste Anstieg wartet. Noch sehe ich die Spitze des Feldes vor mir, mein Ski steigt gut und ich finde langsam meinen Rhythmus. Aber die Steigung ist lang und im oberen Bereich muss ich immer öfter Ausrutscher nach hinten hinnehmen. Anscheinend ist der Ski doch nicht so weich wie ich gedacht hatte und das Steigwachs zu wenig. Das kann ja heiter werden. Über welliges Gelände schiebe ich mich langsam vorwärts. Immer wieder wechseln sich kurze steile Abfahrten mit Anstiegen ab. Ich sehne die Wende herbei, aber davor muss ich noch das eine oder andere Mal aus der Spur und im Grätenschritt die Anstiege hoch. An der Wende warten dann noch mehrere kurze Schleifen auf einer Wiese auf mich, ehe es endlich wieder in Richtung Ziel geht. An klassisch Laufen brauche ich nicht mehr zu denken, entweder ich grätsche oder ich schiebe. Ab Kilometer 25 kenne ich die Strecke von meiner Besichtigung am Vortag und weiß, dass sie nur noch bergab oder flach bis zum Ziel führt. Durch das viele Schieben sind meine Arme aber schon ganz schön müde und die letzten vier Kilometer bis nach St. Johann wollen fast nicht enden. Auf der Zielgeraden überholt mich dann noch ein Läufer, aber das stört mich zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig. Als 58. komme ich schließlich im Koasastadion an und bin froh es geschafft zu haben. Der Klister auf meinem Ski ist noch fast vollständig vorhanden. Es war wohl dann doch etwas zu wenig drauf oder ich einfach unterwegs zu müde für einen anständigen Klassik-Schritt. Eine Dusche und einen Besuch in der Läuferverpflegung später ist alles schon fast wieder vergessen und ich beschäftige mich langsam mit dem nächsten Tag. Insgesamt drei Paar Skating-Ski sind zu wachsen, da laut Wetterbericht am Sonntag so ziemlich alles möglich ist. Fön, Schnee oder Regen, welch eine Auswahl! Müde sinke ich dann um 22 Uhr ins Bett.
Bereits in der Woche vor dem Rennen hatte der Veranstalter angekündigt, dass die Freistil-Rennen nicht auf der Originalstrecke ausgetragen werden können. Bei unserer Anreise konnten wir uns dann davon überzeugen, dass in der Region um Kössen, das normalerweise als Zielort des 30 Kilometer Rennens und als Wende des 50ers dient, zu wenig Schnee liegt, um eine Loipe zu präparieren. Deswegen wurde festgelegt, dass auch die Skater nach einer Startschleife auf die anspruchsvolle Klassik-Runde in Richtung Going geschickt werden. Den Gedanken an das wellige Gelände im Hinterkopf krieche ich Sonntagmorgens um 7:00 Uhr aus dem Bett. Die Schiebemuskeln und die Muskulatur um die Bauchwirbel herum sind hart, meine Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt. 'Das wird schon noch, wenn ich mich erstmal warm laufe', denke ich mir. Ein Blick nach draußen verrät nichts Gutes. Es schneit. Grundsätzlich ist Schnee für Wintersportler ja essentiell, aber manchmal kann man auch auf ihn verzichten. So nass wie der vom Himmel fällt, wird das sicher harte Arbeit heute. Nach dem Frühstück geht es ins Stadion zum Skitesten. Ich finde meinen Rennski, bin aber mit der Geschwindigkeit noch nicht zufrieden. Wieder einmal schaue ich bei Reini vorbei und auch dieses Mal hilft er mir. Er trägt Flüssigwachs auf und verpasst meinem Ski noch eine gröbere Struktur. Damit kann’s eigentlich losgehen. Mein Startprozedere läuft genauso ab wie am Samstag, allerdings habe ich mir für das Skating-Rennen etwas mehr vorgenommen und will ein paar Plätze weiter vorne ankommen. Dieser Plan scheint 300 Meter nach dem Start erstmal undurchführbar. Die Piste ist aufgeweicht, es bilden sich tiefe Abdrücke der Ski und ich verhake mich bei einem meiner Kontrahenten. Eine Sekunde später liege ich im Schnee und um mich herum ziehen die Läufer vorbei. Ich rapple mich wieder auf, aber der Sturz hat mich ganz schön Plätze gekostet. Schnell will ich diese wieder gutmachen, was aber links oder rechts von der Läuferschlange aufgrund des dort frischen Nassschnees nahezu unmöglich ist. Immer wieder schere ich aus und sprinte ein paar Positionen nach vorne. Die Startrunde bis zum ersten Anstieg ist deutlich länger wie am Samstag und so streckt sich das Starterfeld deutlich in die Länge bis es die ersten Höhenmeter zu überwinden gilt. Aber auch im Anstieg ist das Vorankommen mühsam. Die Spur ist tief und wird langsam immer stumpfer. Ich hänge mich an eine Gruppe und folge ihr schließlich bis zur Wende der 30 Kilometer Distanz. Dort biege ich ab während ein Großteil der Gruppe in Richtung 45 Kilometer Wende weiterläuft. Wenig später treffe ich die erste Dame. Sie sucht jemanden der die Führungsarbeit übernimmt und ich stelle mich in ihren Dienst. Genau in dem Moment bekomme ich jedoch meine zweite Luft und der vorletzte Anstieg motiviert mich zusätzlich. So muss ich sie zurücklassen, um eventuell noch ein paar Plätze gutmachen zu können. Schließlich erreiche ich das Ende der Steigungen und stürze mich in die letzte Abfahrt. Vor mir sehe ich zwei Läufer, hinter mir kommt erstmal nichts. Das beruhigt mich und ich gebe noch mal Gas. Im Flachstück vor dem Ziel sehe ich dann, dass einer der beiden vor mir zurückfällt, während der andere sich weiter von mir entfernt. Wenigstens den Einen will ich noch einholen. An der letzten Straßenquerung erreiche ich seinen Windschatten. Aber Überholen ist zunächst nicht drin. Der Schnee links und rechts bremst noch immer. Einen Kilometer vor dem Ziel ergreife ich dennoch die Initiative und schere aus. Mein Kontrahent scheint zu kaputt zu sein, um noch etwas entgegensetzen zu können und gibt den Kampf auf. Ich gebe aber weiter Gas, um nicht erneut noch auf der Zielgeraden von einem anderen Läufer überholt zu werden. Dieses Mal klappt es und ich erreiche das Stadion als 38. Zumindest das Minimalziel habe ich damit erfüllt. Vom ständigen Schneefall bin ich völlig durchnässt. Ich warte zwar noch den Zieleinlauf von Christian Hoffmann ab, der das 45 Kilometer Rennen gewinnt, aber dann geht es sofort unter die Dusche.
Zum Abschluss gibt es noch einmal Nudeln in der Läuferverpflegungsstelle, dann mache ich mich mit meiner Frau auf den Heimweg. Auf der Rückfahrt stellt sie mir wie sooft die Frage: „Wieso machst du das eigentlich?“ Eine konkrete Antwort darauf fällt mir wie immer nicht ein. Es muss wohl etwas damit zu tun haben, dass man hinterher etwas geschafft hat, was nicht jeder schafft. Außerdem ist, denke ich, der sportliche Ehrgeiz bei mir besonders ausgeprägt. Wie sonst könnte man sich erklären, dass ich nach dem Misserfolg vom ersten und dem unfreundlichen Wetter vom zweiten Tag bereits meine erneute Teilnahme am Koasalauf im nächsten Jahr plane?
Weiterführende Informationen:
| Ergebnis: Koasalauf St. Johann (Österreich) |
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Euroloppet Rennen Koasalauf
Smutna und Hoffmann prominente Sieger in St. Johann
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