Drei-Hütten-Rennen

Norbert Gütlein am 01.08.2006 - 15:28 Uhr
Ein recht kleines Hochtal mit nur wenigen Ortschaften ist das Tannheimer Tal in Tirol, was aber sportlich dort geboten wird, stellt das Angebot mancher größeren Region in den Schatten.

Neben dem Skitrail, der traditionell im Januar über 1.000 Skisportler anlockt, gibt es im Juni den Zwei-Seen-Lauf und die Bike Challenge. Im Juli findet dann das Drei-Hütten-Rennen statt, dem mit dem Hillclimb und dem Landsberger-Hütten-Lauf im Herbst zwei weitere Bergläufe folgen. Am vergangenen Wochenende war es also das Drei-Hütten-Rennen, ein Bergrennen über 8,2 km und ca. 600 Höhenmeter, das für Mountain-Biker, Bergläufer und Nordic Walker ausgeschrieben war. Ich entschied mich wohlweislich für Nordic Walking. Die Biker stellten mit 132 von 202 Teilnehmern die größte Gruppe, gefolgt von den Läufern und den Walkern. Der Start erfolgte am Sportplatz in Nesselwängle, wo um 10:00 Uhr Läufer und Walker auf die Strecke geschickt wurden. Die Biker folgten mit einer halben Stunde Abstand.
Das Feld der Läufer ließ uns Nordic Walker schon auf dem ersten Streckenabschnitt zurück. Drei sehr drahtig aussehende Männer setzten sich gleich an die Spitze. Es war sofort klar, dass ich deren Tempo nicht mitgehen konnte. Nach hinten entstand ebenfalls ein sich ständig vergrößerndes Loch, so dass es ein einsames Rennen wurde. Die Strecke, die Nesselwängle mit der Krinnenalpe, der Edenalm und der Ödenalpe verbindet, ist ein gut ausgebauter Fahrweg, der gleichmäßig und ohne allzu brachiale Steigungen nach oben führt, also wie gemacht für die Biker. Auch für Läufer und Walker ist die Strecke sehr angenehm, trotzdem zeigte der vorsorglich umgeschnallte Pulsmesser bereits auf den ersten Kilometern eigentlich „verbotene“ Herzfrequenzen an. Da ich jedoch das Gefühl hatte, dies auch länger durchhalten zu können, behielt ich mein Tempo bei. Schöne Tiefblicke in das Tal mit dem grün schimmernden Haldensee sowie Ausblicke auf die Südwände von Hochwiesler, Roter Flüh und Gimpel auf der gegenüberliegenden Talseite belohnten für die Strapazen, die vor allem von der unbarmherzig herunterbrennenden Sonne verschärft wurden. Nach etwa der Hälfte der Strecke klebte die Zunge am Gaumen und ich musste erkennen, dass keine Verpflegungsstellen eingerichtet waren. Wasser hatte ich keines mitgenommen, irgendwie war mir der Name „Drei-Hütten-Rennen“ etwa so wie „Drei Mal Einkehren“ vorgekommen. Eine gravierende Fehleinschätzung meinerseits! Zum Glück legte sich die Steigung ab der Streckenmitte etwas zurück, was der unbestechliche Pulsmesser mit einem Absinken in normale Frequenzen quittierte.
Nach 6 Kilometern wuchs das Verkehrsaufkommen. Tief über den Lenker gebeugt, fuhren die Biker nacheinander scheinbar mühelos an mir vorbei. Ein teilweise ebener Abschnitt, gefolgt vom Schlussanstieg, führte schließlich zum Ziel, der malerisch unterhalb einer Einsattlung gelegenen Ödenalpe. Hier gab es Gelegenheit, den Durst zu löschen und die einzigartige Berglandschaft mit Ausblicken ins Tannheimer Tal und ins Lechtal zu genießen. Der Sprecher kündigte an, dass die Siegerehrung in zwei Stunden statt finden sollte. So lange wollte ich nicht warten. Zu sehr hatte beim Aufstieg der Anblick des Haldensees gelockt. Also machte ich mich wieder auf den Rückweg, spendierte mir ab der Krinnenalpe sogar eine Talfahrt mit dem Sessellift. Nach kurzer Autofahrt erreichte ich das Strandbad. Im klaren Wasser des Bergsees treibend, betrachtete ich abwechselnd die steil aufragenden Dolomitberge am einen Seeufer und die Trauben von Gleitschirmfliegern, die im Aufwind des Neunerköpfle auf der anderen Talseite kreisten. Dermaßen entspannt ließ sich leicht ein Fazit ziehen: 1. Die Strecke auf die Ödenalpe ist ein empfehlenswertes Mountain-Bike-Ziel. Auch durchschnittlich trainierte Freizeitbiker können sie ohne Umfaller und Schieben bewältigen. 2. Ich komme im nächsten Jahr gerne wieder zum Drei-Hütten-Rennen. 3. Ich nehme dabei einen gut gefüllten Trinkgürtel mit.
Norbert Gütlein Haldensee Bike Start
Fotoserie: Drei-Hütten-Rennen

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