Jugend trainiert für Olympia
Wir schreiben den 9.3.1995 so gegen 11:30Uhr: Soeben läuft der Schlussläufer einer Staffel mit der bayerischen Fahne in der Hand die letzten Meter zum Ziel und macht 7 Jungs zu den glücklichsten Langläufern auf der ganzen Welt. Wir befinden uns im österreichischen Nesselwängle im Tannheimer Tal unweit der deutschen Grenze und dem Allgäuer Ort Nesselwang. Der Schlussläufer ist Thomas Freimuth und die Staffel für die er gelaufen ist, gehört zur Mannschaft des Gymnasiums Zwiesel aus dem Bayer. Wald.
Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia: Hier treffen sich jedes Jahr die besten Schulmannschaften Deutschlands um den Bundessieger zu ermitteln. Es gibt 4 sich jährlich abwechselnde Austragungsorte und 1995 war Nesselwang an der Reihe. 7 Schüler bilden eine Mannschaft, die am ersten Tag einen 5km Einzelwettkampf und tags darauf eine 3*5km Staffel zu bewältigen hat.
Nun mag vielleicht jemand der die Ergebnisse vorliegen hat sagen: Aber die sind doch nur Zweiter geworden! Mag sein, doch für uns war der 2.Platz wie ein Sieg. Gewonnen hat damals wie auch die Jahre zuvor das Skigymnasium Oberhof. Als Stützpunktschule konnten die ja auf Talente aus ganz Thüringen zurückgreifen, während sich in Zwiesel nur zufällig Läufer aus den umliegenden Orten zusammenfanden.
Doch der Zufall meinte es gut mit dem nicht sonderlich bekannten Gymnasium im Bayer. Wald, lagen doch die Orte Rabenstein und Lindberg nur einen Steinwurf von der Schule entfernt.
Aus Lindberg stammt unser oben erwähnter Schlussläufer Thomas Freimuth. Der wechselte nach dem Erfolg 1995 an die Christophorus Schule nach Berchtesgaden, wo er professionelle Trainingsbedingungen vorfand, sich für den C-Kader des DSV qualifizierte und letztes Jahr sogar beim Weltcup in Düsseldorf an den Start ging.
Der Startläufer unserer Staffel war kein geringerer als der 2 malige Juniorenweltmeister und Weltcupsprinter Johannes Bredl. Er stammt aus dem kleinen Ort Rabenstein und geht noch immer für den dort ansässigen Wintersportverein an den Start. Auch ihn zog es nach 1995 in die Ferne und er trainiert nun seit 2 Jahren bei Bernd Raupach in Ruhpolding.
Damals nicht für die erste Staffel qualifiziert hatte sich ein echter Zwieseler. Christian Ruderer musste auf der ziemlich flachen Schieberstrecke in Nesselwängle einem älteren Schulkameraden den Vortritt lassen. Das dürfte ihn aber nicht allzu traurig gestimmt haben, ist er doch inzwischen Deutschlands hoffnungsvollstes Nachwuchstalent im Triathlon und mit 20 Jahren als jüngster deutscher Starter im Weltcup unterwegs. Jüngst wurde er sogar zum Helfer von Stephan Vuckovic (Silbermedaillengewinner Sydney 2000) abgestellt und belegte trotzdem noch Platz 28 im Weltcuprennen.
Bleibt nur noch ein Läufer, für den es damals wohl nichts schöneres gab, als in der 1. Staffel laufen zu dürfen. Genau dieser Überglückliche sitzt inzwischen als Redakteur vor seinem Laptop und versucht ihnen, den Besuchern von XC-Ski.de, seine Begeisterung für den Skilanglauf zu vermitteln. Ich hoffe das gelingt mir.

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