Kein Bock auf Blaumeise
Norbert Gütlein am 14.09.2005 - 08:51 Uhr
Als Nordic Walker beim Hillclimb im Tannheimer Tal
Urlaub im Allgäu – neben dem Abschalten vom Alltag auch eine gute Gelegenheit, die zwischenzeitlich etwas vernachlässigte Langlauf-Saisonvorbereitung wieder zu intensivieren. Das nach verregneten Wochen ab Ende August traumhafte Wetter begünstigt die aktive Freizeitgestaltung mit Laufen, Mountainbike, Nordic Walking, Schwimmen und Skiroller.
Gegen Urlaubsende erscheint in einem Anzeigenblatt der Veranstaltungshinweis auf den 2. Hillclimb Tannheimer Tal. Das ist zwar ein richtiger Berglauf und mit dieser Spezialdisziplin habe ich als eher mäßiger Läufer und überdies Schwergewicht normalerweise nichts am Hut, aber der Lauf ist auch für Nordic Walker ausgeschrieben. Der Gedanke, als solcher einmal in die Berglauf-Szene hineinzuschnuppern ohne mich gleich fürchterlich zu blamieren, lässt mich nicht mehr los. Am Sonntagmorgen, dem 11. September bin ich also unterwegs ins benachbarte Tirol. Hier hat sich schon versammelt, was in der Berglauf-Welt Rang und Namen hat, einschließlich einer Angehörigen des DLV-Teams und WM-Kandidatin. Die Strecke führt von Grän auf das Füssener Jöchle und weist auf 5,8 km einen Höhenunterschied von 750 Metern auf. Neben den Leichtathleten ist ein gutes Dutzend Nordic Walker beiderlei Geschlechts angetreten. Bei uns geht es nicht um die schnellste Zeit, sondern darum, der aus den Zeiten aller Teilnehmer – jeweils für Damen und Herren – ermittelten Durchschnittszeit am nächsten zu kommen. Mir persönlich ist das Reglement egal, ich will sehen, wie schnell ich da hinaufkomme.
Nach dem Start sind die meisten Bergläufer schnell entschwunden. Auf dem im Ort noch sanft ansteigenden Straßenstück kämpfe ich mit einigen anderen Walkern um die beste Ausgangsposition für den nachfolgenden schmalen Waldweg. Am ersten Steilstück wird mir schlagartig klar, dass das heute nicht mein Tag ist. Die Herzfrequenz rauscht hoch, der Atem pfeift und die Arme, sonst ein zuverlässiger Hilfsmotor bergauf, schmerzen schon auf den ersten Metern. Sollte mein „Urlaub“ etwas zu hart gewesen sein? Wenn ich versuche, mit der Spitzengruppe der Walker mitzugehen, droht irgendwann auf der Strecke der Einbruch bei totaler Übersäuerung und ich komme auf dem Zahnfleisch an der Bergstation an. Also schalte ich einen Gang zurück und lasse zu, dass sich der Abstand zu den anderen langsam vergrößert und mich auf der Strecke weitere Teilnehmer überholen. Etwas frustrierend, aber wenigstens wird das Laufen so nicht zur Qual. Da die Strecke ein teilweise sehr steiler und auch glitschiger Bergpfad ist, bleibt wenig Gelegenheit, die Schönheit der Landschaft zu genießen. Ein kurzer Tiefblick zeigt den Haldensee, der von oben nur noch wie eine mittlere Pfütze aussieht. In vier Monaten ist dort unten (hoffentlich) alles weiß und ich kann beim Skitrail über die traumhaften Loipen des Tals gleiten. Deswegen mache ich ja diese Übung auf fremdem Terrain! Wenigstens ist es kein einsames Rennen. Inmitten der Nachzügler des Bergläufer-Feldes erreiche ich nach etwas über einer Stunde das Ziel.
Die Siegerehrung findet im Restaurant der Bergstation statt. Wie schon am Start offenbart sich, dass das Rennen hervorragend organisiert ist: alles professionell und mit einem Schuss österreichischem Charme. Die Bergläufer, wie es scheint eine große Familie, holen sich nacheinander ihre Trophäen ab. Die Wirtschaft des Tals hat fleißig attraktive Sachpreise gespendet und davon profitieren vor allem die Nordic Walker, offenbar eine neue Zielgruppe für die Veranstalter. Dank der von der Ausschreibung vorgegebenen Mathematik ist das Ganze für uns eher eine Gaudi-Veranstaltung. Peinlicherweise – ich hab es wirklich nicht darauf angelegt – zieht sich die Schlinge des durchschnittlichsten männlichen Walkers auch noch um meinen Hals zusammen. Egal, ich habe die Regeln nicht gemacht und so überhöre ich die spitze Bemerkung eines Mitbewerbers und freue mich über ein paar verstellbare Titan-Stöcke als Sonderpreis. Heimlich gelobe ich, im nächsten Jahr wiederzukommen und mich zu rehabilitieren: einige Plätze weiter vorn oder wenigstens unter einer Stunde! Auf der Fahrt mit der Gondel nach unten bin ich dann wieder in Gedanken beim Winter. Noch ist Zeit, die Form für Skitrail und weitere Volksläufe zu verbessern. Muss mal einen Blick in die Trainingspläne werfen…
Urlaub im Allgäu – neben dem Abschalten vom Alltag auch eine gute Gelegenheit, die zwischenzeitlich etwas vernachlässigte Langlauf-Saisonvorbereitung wieder zu intensivieren. Das nach verregneten Wochen ab Ende August traumhafte Wetter begünstigt die aktive Freizeitgestaltung mit Laufen, Mountainbike, Nordic Walking, Schwimmen und Skiroller.
Gegen Urlaubsende erscheint in einem Anzeigenblatt der Veranstaltungshinweis auf den 2. Hillclimb Tannheimer Tal. Das ist zwar ein richtiger Berglauf und mit dieser Spezialdisziplin habe ich als eher mäßiger Läufer und überdies Schwergewicht normalerweise nichts am Hut, aber der Lauf ist auch für Nordic Walker ausgeschrieben. Der Gedanke, als solcher einmal in die Berglauf-Szene hineinzuschnuppern ohne mich gleich fürchterlich zu blamieren, lässt mich nicht mehr los. Am Sonntagmorgen, dem 11. September bin ich also unterwegs ins benachbarte Tirol. Hier hat sich schon versammelt, was in der Berglauf-Welt Rang und Namen hat, einschließlich einer Angehörigen des DLV-Teams und WM-Kandidatin. Die Strecke führt von Grän auf das Füssener Jöchle und weist auf 5,8 km einen Höhenunterschied von 750 Metern auf. Neben den Leichtathleten ist ein gutes Dutzend Nordic Walker beiderlei Geschlechts angetreten. Bei uns geht es nicht um die schnellste Zeit, sondern darum, der aus den Zeiten aller Teilnehmer – jeweils für Damen und Herren – ermittelten Durchschnittszeit am nächsten zu kommen. Mir persönlich ist das Reglement egal, ich will sehen, wie schnell ich da hinaufkomme.
Nach dem Start sind die meisten Bergläufer schnell entschwunden. Auf dem im Ort noch sanft ansteigenden Straßenstück kämpfe ich mit einigen anderen Walkern um die beste Ausgangsposition für den nachfolgenden schmalen Waldweg. Am ersten Steilstück wird mir schlagartig klar, dass das heute nicht mein Tag ist. Die Herzfrequenz rauscht hoch, der Atem pfeift und die Arme, sonst ein zuverlässiger Hilfsmotor bergauf, schmerzen schon auf den ersten Metern. Sollte mein „Urlaub“ etwas zu hart gewesen sein? Wenn ich versuche, mit der Spitzengruppe der Walker mitzugehen, droht irgendwann auf der Strecke der Einbruch bei totaler Übersäuerung und ich komme auf dem Zahnfleisch an der Bergstation an. Also schalte ich einen Gang zurück und lasse zu, dass sich der Abstand zu den anderen langsam vergrößert und mich auf der Strecke weitere Teilnehmer überholen. Etwas frustrierend, aber wenigstens wird das Laufen so nicht zur Qual. Da die Strecke ein teilweise sehr steiler und auch glitschiger Bergpfad ist, bleibt wenig Gelegenheit, die Schönheit der Landschaft zu genießen. Ein kurzer Tiefblick zeigt den Haldensee, der von oben nur noch wie eine mittlere Pfütze aussieht. In vier Monaten ist dort unten (hoffentlich) alles weiß und ich kann beim Skitrail über die traumhaften Loipen des Tals gleiten. Deswegen mache ich ja diese Übung auf fremdem Terrain! Wenigstens ist es kein einsames Rennen. Inmitten der Nachzügler des Bergläufer-Feldes erreiche ich nach etwas über einer Stunde das Ziel.
Die Siegerehrung findet im Restaurant der Bergstation statt. Wie schon am Start offenbart sich, dass das Rennen hervorragend organisiert ist: alles professionell und mit einem Schuss österreichischem Charme. Die Bergläufer, wie es scheint eine große Familie, holen sich nacheinander ihre Trophäen ab. Die Wirtschaft des Tals hat fleißig attraktive Sachpreise gespendet und davon profitieren vor allem die Nordic Walker, offenbar eine neue Zielgruppe für die Veranstalter. Dank der von der Ausschreibung vorgegebenen Mathematik ist das Ganze für uns eher eine Gaudi-Veranstaltung. Peinlicherweise – ich hab es wirklich nicht darauf angelegt – zieht sich die Schlinge des durchschnittlichsten männlichen Walkers auch noch um meinen Hals zusammen. Egal, ich habe die Regeln nicht gemacht und so überhöre ich die spitze Bemerkung eines Mitbewerbers und freue mich über ein paar verstellbare Titan-Stöcke als Sonderpreis. Heimlich gelobe ich, im nächsten Jahr wiederzukommen und mich zu rehabilitieren: einige Plätze weiter vorn oder wenigstens unter einer Stunde! Auf der Fahrt mit der Gondel nach unten bin ich dann wieder in Gedanken beim Winter. Noch ist Zeit, die Form für Skitrail und weitere Volksläufe zu verbessern. Muss mal einen Blick in die Trainingspläne werfen…
Foto: Kein Bock auf Blaumeise
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