Langlauf-Legende trifft schon zwei von fünf Scheiben

XC-Ski/Markus Meister am 11.01.2005 - 20:57 Uhr
„Die Atmosphäre beim Biathlon ist einmalig, alle geben ihr Bestes für diese Sportart, die in der nächsten Zeit noch mehr an Popularität gewinnen kann.“
Man könnte meinen, diesen Satz hätte jemand gesagt, der mit dem Biathlon groß geworden ist. Tatsächlich stammt er aber von Wladimir Smirnow, mehrfacher Weltmeister und siebenfacher olympischer Medaillengewinner – darunter Gold 1994 über 50 Kilometer klassisch – für die Sowjetunion und später für Kasachstan im Skilanglauf. Smirnow, der fünf Sprachen spricht, ist seit 1. Oktober stellvertretender Renndirektor der Internationalen Biathlon-Union (IBU). In dieser Funktion kümmert er sich um alles, was mit dem unmittelbaren Ablauf des Wettkampfes zu tun hat – er schaut sich die Schneebedingungen an, prüft die Windverhältnisse. „In erster Linie bin ich aber Koordinator zwischen der IBU, dem Organisationskomitee und den Medien. „Wir müssen ein gutes Verhältnis zu den Medien pflegen, denn perfekte Übertragungen im Fernsehen etwa sind wichtig.“ Und so schaut Smirnow, dass die Zuschauer keine Werbebanden verdecken oder den Fernsehkameras im Weg stehen.

Seinen Weg zum Biathlon ist der heute 40-Jährige zielstrebig und konsequent gegangen. Bis zum Jahr 2002 war er Mitglied der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zugleich arbeitete er in der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). 2003 schließlich wurde er Präsident des Kasachischen Biathlon-Verbandes, wo ihn eine Einladung der IBU erreichte. Dort hat er noch einiges vor, auch wenn im März die Wahl zum Vizepräsidenten gegen den Slowenen Janez Vodicar verloren ging. „Ich werde es nochmal probieren“, gibt sich Smirnow kämpferisch.

Aber beschäftigt sich ein Wladimir Smirnow, einer der erfolgreichsten Wintersportler aller Zeiten und Weggefährte von Alexej Prokurorow, Björn Daehlie oder Gunde Svan auch noch mit Skilanglauf? „Ja, natürlich“, so Smirnow. „Ich stehe so oft wie möglich auf den Brettern.“ Für seinen guten Freund und jetzigen deutschen Bundestrainer, Jochen Behle, hat er nur Komplimente parat: „Die deutschen Langläufer überraschen die ganze Welt. Hinter diesem Erfolg steht seine Arbeit.“ Sicher ist sich Smirnow allerdings nicht, ob der Langlauf auch einmal ähnliche Popularität wie der Biathlon erreichen und einer mit seinem Namen vielleicht dabei helfen könnte. „Das ist eine lange Prozedur, alles zu seiner Zeit.“

Für Smirnow schlägt gegenwärtig die Stunde des Biathlon. Zusammen mit seiner Frau und den Töchtern (17 und 8 Jahre alt) lebt er im schwedischen Sundsvall. Das Weihnachts- und Neujahrsfest hat er bei seinem Bruder in Bremen verbracht. In Oberhof angekommen, ist er von der Arbeit begeistert: „Die Leute hier zeigen viel Eigeninitiative, alle kämpfen für den Erfolg.“ Auch Wladimir Smirnow kämpft. Und kennt sich inzwischen sogar am Schießstand aus: „Von fünf Scheiben treffe ich mindestens zwei – ohne Training.“

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