Langlauf Skitunnel in Oberhof: Schneetraining im Sommer

Mario Felgenhauer am 22.06.2009 - 15:46 Uhr

© Felgenhauer/XC-Ski.de
Es ist schon ein etwas komisches Gefühl, als ich zum ersten Mal an der Fensterreihe vorbeilaufe. Draußen grünt die Natur, hier im Inneren hat es -4 Grad und es liegen 40 Zentimeter Schnee.

Dem Sommer ein Schnippchen geschlagen
Seit einem Jahr wurde an ihm gebaut, in den nächsten Tagen soll er endgültig fertig sein: Der neue Skitunnel in Oberhof. Damit wir in Deutschland anderen Nationen wie Finnland und Schweden nicht hinterherhinken, die bereits eine "Indoor-Langlaufmöglichkeit" besitzen, haben sich Bund, Land Thüringen, der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und natürlich die Stadt Oberhof zusammengetan, um dieses moderne Bauwerk zu errichten. Immer wieder gab es Rückschläge, im Juni letzten Jahres nahm man dann das Projekt baulich in Angriff. Und was da entstanden ist, fasziniert sicher nicht nur einen Langlauffanatiker wie mich, sondern auch den ganz normalen Freizeitsportler und Anfänger.

Eingang durchs Rolltor
Noch ist er nicht komplett fertig, vor allem am Hauptgebäude wird noch letzte Hand angelegt. Deswegen betreten wir den Tunnel durch ein Rolltor im Zentralbereich. Der erste Eindruck ist gigantisch. Vor mir tut sich eine Halle auf, in der fast ein Fußballfeld Platz hätte. Trotz meiner leichten Bekleidung in kurzärmligem Hemd und Jeans friere ich nicht beim Gang durch den Zentralbereich. Das liegt am besonderen Klima im Tunnel, wie mir Heiko Kümmel vom Landratsamt Schmalkalden-Meiningen erklärt. Die relativ geringe Luftfeuchte von 75 Prozent und nahezu Windstille machen die -4 Grad im Inneren angenehm. Ich wechsle meine Bekleidung und starte auf eine erste Runde.

Westschleife, Schnellkraftrunde, Nordostschleife
Jeder Bereich des Skitunnels hat seinen eigenen Namen. Aus dem Zentralbereich (35 Meter breit) gelangt man zunächst auf die Doppelloipe (16 Meter breit) und schließlich in die Westschleife (8 Meter breit). Letztere ist circa 500 Meter lang und kann sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn gelaufen werden. Nur wenn man beide Richtungen absolviert, schafft man es auch auf 1,96 Kilometer, die ausgewiesene Länge der Strecke im Tunnel. Nach der Runde im Uhrzeigersinn, dem Rückweg über Doppelloipe und Zentralbereich geht es in die Schnellkraftrunde. Dort warten 12 Prozent Steigung und eine Wende am Rolltor. Dann folgt der Rückweg und die Runde gegen den Uhrzeigersinn. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zentralbereichs folgt man schließlich der Fensterreihe in die Nordostschleife. Von dort zurück zeigt der Kilometerzähler schließlich die exakte Länge von 1,96 Kilometern an.


Schnelle Runde
Nach dem Fototermin für das Nordic Sports Magazin lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, eine Runde Vollgas zu gehen. Bis zur Hälfte der Distanz kann ich ein gutes Tempo gehen. Doch dann wartet der Anstieg in der Westschleife und schließlich die Schnellkraftrunde auf mich. Mein Schritt wird deutlich kürzer und ich mühe mich in 4:40 Minuten bis ins Ziel vor der großen Bahnhofsuhr. Ich muss erstmal durchschnaufen, aber der befürchtete Reizhusten, den ich von Skilanglauf-Rennen kenne, bleibt aus. Das verdanke ich wohl auch dem ganz besonderen Klima im Tunnel.

Testurteil: Überragend
Alles in allem bin ich vollauf begeistert vom neuen Trainingsrevier in Oberhof. Zwar hatte ich zunächst vermutet, dass die Westschleife deutlich länger wäre und die Distanz von 1,96 Kilometern nicht nur durch gegenläufige Befahrung zustande kommt, aber das Profil macht alles wett. Sowohl klassisch als auch skatend können alle Techniken trainiert und es kann Schnelligkeits-, Ausdauer- und Schnellkrafttraining durchgeführt werden. Damit hat man sich in Oberhof einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber den Skitunnels in Torsby und Vuokatti geschaffen. Das Klima im Tunnel ist lungenfreundlich, weswegen wahrscheinlich lediglich krankheitsanfällige Langläufer etwas vorsichtig sein müssen. Der Schnee stammt zwar aus der Kanone und hat alle besonderen Eigenschaften von Kunstschnee, lässt sich aber zu einer perfekten Loipe präparieren. Ab 28. August kommen auch Freizeitsportler für 14 Euro pro Stunde (es wird auch Tarife für Vielnutzer geben) in den Genuss des Sommerschneetrainings. Bis dahin bleibt der Tunnel den Leistungssportlern vorbehalten.

Ich verlasse Oberhof jedenfalls mit einem guten Gefühl und werde bestimmt nicht zum letzten Mal für dieses Jahr im Tunnel gewesen sein.
Gast Ute am 14.01.10 12:16 Uhr
14 Euro find ich ganz OK. Immerhin ist es ja die reine Schneezeit. Muss halt alles bezahlt werden. Es gibt immer welche die was zu meckern haben. Wird nichts gemacht und gebaut heißt es auch bloß, "alles Scheiße, nichts mehl los, keiner macht was für die Wirtschaft" usw. Wird was gemacht, ist es auch nicht richtig. Und der Klimawandel - na ja, ist ein heikles Thema. Es gab immer schon Klimawandel. Auch ohne den Menschen. Es müsste eben jeder ein bisschen was für die Umwelt tun, nicht nur die Industrie. Das fängt zu Hause im eigenen Haushalt an. Jedenfalls wede ich diese Skihalle besuchen und ich freu mich drauf.
Gast sportgymnasium oberhof am 30.11.09 13:30 Uhr
der skitunnel is sau geil!!!!!!!!!!
Gast Enrico Geiger am 21.09.09 16:35 Uhr
14 Euro kostet es nur, wenn man 1 Stunde bucht. Die 1 Stunde ist reine Schneezeit; Umkleiden, Duschen etc. zählt nicht zur Schneezeit. Nach 40 Minuten Laufen bist Du in der Regel schon recht platt! Die Restminuten verfallen Dir nicht. Wenn Du mehr Stunden im voraus kaufst, wird es pro Stunde deutlich billiger. Bei der 100 -Stundenkarte kommst Du auf 4 Euro pro Stunde reine Schneezeit. Bei dem, was geboten wird, kann man da wirklich nicht meckern!
Gast Michael Murer am 02.09.09 16:13 Uhr
Teuer und umweltschädlich, kann sein. Ohne mehr über die Betreibssysteme zu wissen kann ich dazu nichts sagen.
Aber praktisch und besser als auf dem Gletscher ist es aus meine Sicht sicher.
Werde auf jeden Fall die Anlage testen und ähnliches in meine Stadt unterstützen.

Elisabeth Nagel am 27.08.09 09:02 Uhr
Wenn sonst im Lande alle Pflichtaufgaben erfüllt sind kommt man auf die tollsten Ideen. Unabhängig davon wieviel der Sporttunnel gekostet hat wie hoch sind die Betreiberkosten - Heizung/Kühlung usw. die jährlich anfallen? Mit welchen Rohstoffen wird die Kühlanlage betrieben?
Im Hinblick auf den Klimawandel ist es geradzu skandalös für diese sicherlich schöne Sportart auf diese Weise Steuergeld zu verschleudern. Der familienfreundliche Eintrittspreis von Euro 14 --für e i n e Stunde kommt sicherlich auch gut an!!!
Karl Köhler am 26.08.09 15:49 Uhr
14.- Stunde???
Mit Unziehen und Ski wachsen oder ohne???
Mario Leimbach am 24.06.09 14:16 Uhr
Für den Skilanglauftunnel 14 Euro pro Stunde zu verlangen finde ich nicht gerechtfertigt und m.E. total überteuert! Soll hier versucht werden auf "Teufel komm raus" die Kosten so schnell wie möglich und zu Lasten der Freizeitsportler herein zu holen?

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