Lappland Skiwoche Teil 2

Thomas Freimuth am 09.04.2008 - 08:46 Uhr
Es ist Freitag, der 4. April, 4:30 Uhr, der Wecker klingelt, raus aus den Federn! Noch schnell die Getränkeflaschen vorbereitet, frische Kleidung und einen Riegel in den Rucksack, dann geht es zum Frühstücken.

Haferschleim, Lachs und Knäckebrot stehen zur Auswahl, den nervösen Magen freuts! Wir befinden uns in Finnland, auf der Karte findet man weit oben Muonio, nahe der schwedischen Grenze, die einzige, etwas größere Stadt in der Nähe des Wintersportzentrums Olos. Hier geht jedes Jahr eine außergewöhnliche Langlaufveranstaltung über die Bühne, die Lapponia Ski Week. Nach dem Skadi Loppet in Bodenmais und vor dem Marathon in Murmansk ist sie Ende März die vorletzte Herausforderung der Euroloppet- Rennserie.
Zwei Stunden nach dem Frühstück fährt der Bus von Olos in Richtung Ounasjärvi, zum Start beim Hotel Hetta, los. Uns kommt auf der einstündigen Busfahrt ein einziges Auto entgegen, eine Tatsache die nicht viel mit der Uhrzeit zu tun hat. In dieser Eis- und Schneelandschaft greifen Einheimische oft auf Skidoos zurück oder bleiben einfach zu Hause.

Es ist 8:30 Uhr, der Startschuss zu meinem letzten Rennen der Saison fällt. Noch einmal heißt es 80 Km, etwa dreieinhalb Stunden, zu meistern und zu überstehen. Lange Anstiege schrauben sich in den Himmel, die nicht zu steil und daher angenehm zu laufen sind. Rasante, abenteuerliche Abfahrten fordern volle Konzentration. Der Wind und die Windrichtung spielen eine große Rolle, sich in einem Läuferfeld zu verstecken schadet nie. Zum Teil gleitet man über weiche, frische Skidoospuren durch die Fjälls Lapplands Richtung Ziel. Die letzten dreißig Kilometer sollte man wieder erkennen. Wieso?


Also zurück zum Anfang. Wer am Freitag die Ski zum Rennen packt hat schon zwei Rennen, die 60Km Runde am Montag und die 50 Km vom Mittwoch, in den Beinen. Auch diese stellen eine echte Herausforderung dar. So gilt der erste Wettkampf gleich als der anspruchvollste und dieser Charakteristik sollte er Rechnung tragen. Bei nassem Schneefall, der später in Regen übergehen sollte, hielt der Este Andrus Veerpalu und der spätere Sieger Varis das Tempo von Anfang an sehr hoch. Durch einen Sturz am Start geriet ich unter Zugzwang. Es gelang mir zwar den Anschluss zur Spitze wieder herzustellen, ich musste aber dem hohen Tempo Tribut zollen und die zwei an dem nicht enden wollenden Jeris- Anstieg ziehen lassen. Im Folgenden bildete sich eine Verfolgergruppe, drei Finnen, die um keine Unterhaltung verlegen schienen und ein Deutscher, der leider kein finnisch spricht. So kämpften wir uns durch den neuen Schnee, über lange, sehr lange Seepassagen, die dem Wind keine Einladung zu schicken brauchten. Das Ziel wollte einfach nicht näher kommen, die Moral sank von Minute zu Minute dem Nullpunkt entgegen. Wirkliches Sauwetter, Finnen die sich freudig unterhalten, taube Beine, müde Arme und noch zwanzig Kilometer!! Ich brauchte ein kleines Wunder. Dieses Wunder sollte nicht lange auf sich warten lassen und hatte die lange, schlaksige Gestalt des Weltmeisters und Olympiasiegers Veerpalu. Dieser erfahrene Topathlet torkelte plötzlich, wir hatten gerade die 50 Km- Marke passiert, vor uns herum. Er war fix und fertig, nicht mehr in der Lage einen schnellen Schritt zu tun, ein Opfer des „Heißhungers“. Seine schwarze Stunde brachte meinen Mut zurück und verhalf mir zu einer guten Ausgangsposition für die nächsten Rennen.

Diese nutze ich beim 50 Km Wettkampf aus. An einem super Tag für mich und schnellen Bedingungen gelang mir der Sprung vom fünften auf den zweiten Gesamtplatz, welchen ich bis zum Schluss behielt. Die kurvigen letzen dreißig Kilometer, ab Pallas, die auch beim 80 Km Rennen zu laufen sind, machten richtig Spaß! So endete dann das Abenteuer in Olos und wurde am Abend mit einer großen Siegerehrung, Musik und Tanz gebührend gefeiert.

Fazit: Beeindruckend für mich war in erster Linie die Einstellung der Finnen, die den Skilanglauf lieben und nur deshalb laufen! Außerdem fesselte mich die unglaubliche Leistung des Behindertensportlers Axel, der es fertig brachte, alle drei Rennen, 190 Km ohne Stöcke, also nur mit der Kraft seiner Beine, zurückzulegen und das nicht langsam!!

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