Mit der ARD in Beitostoelen – ein Blick hinter die Kulissen
Mario Felgenhauer am 04.12.2007 - 11:32 Uhr
Seit letzter Saison habe ich einen Nebenjob. Ich bin Assistent von Jens Jörg Rieck, dem Kommentator der ARD Langlaufübertragungen. In dieser Funktion war ich am vorletzten Wochenende beim Weltcup in Beitostoelen (Norwegen).
Frühe Anreise
Bereits am Donnerstagmorgen machte ich mich von Bodenmais auf zum Flughafen nach München, von wo aus es nach Oslo gehen sollte. Dort angekommen traf ich den Rest des Teams und gemeinsam bestiegen wir den Flieger. In der Hauptstadt Norwegens angekommen, stand uns dann noch eine dreistündige Anfahrt bis in den kleinen Ort Beitostoelen bevor. Während es in Oslo noch regnete, empfing uns an unserem Ziel Schneefall und eines der wenigen Hotels. Zusammen mit Thomas Klinger, vielen von euch noch als Reporter von Biathlon-Weltcups bekannt, bewohnte ich die kommenden vier Tage ein Appartment. Thomas war bereits einen Tag vor uns nach Beitostoelen angereist, um bereits die ersten Szenen für seine Beiträge drehen zu lassen. Nach einem kurzen Besuch des einzigen Supermarktes (ich kann nur sagen: Essen muss man sich in Norwegen hart verdienen) trafen wir uns zum Abendessen bei Peppes Pizza.
Trainingstag
Der Freitag ist traditionell Trainingstag im Skilanglauf-Weltcup. Auch für das ARD-Team (das übrigens bei Skilanglaufübertragungen zum größten Teil vom Bayerischen Rundfunk gestellt wird) standen Besprechungen, Aufbau und Proben auf dem Programm. Für Jens Jörg (kurz „JJ“) und mich galt es letzte Informationen zu sammeln. Ich lief zunächst eine Runde auf der Weltcupstrecke und erkundete Abfahrten, Anstiege und sonstige Höhepunkte der Strecke. Ich muss sagen, der neue Anstieg hat es wirklich in sich. Hat man nämlich das steilste Stück überstanden, folgen trotzdem noch 400 Meter leicht ansteigendes Gelände. Bei meiner Besichtigung fiel mir dann auf, dass der norwegische Sender NRK, der für das Liefern des TV-Bildes zuständig war, gar keine Kamera in diesem schwersten Anstieg positioniert hatte. Eigentlich komisch, dachte ich mir, kann man hier doch die Athleten am längsten mit einer Kamera verfolgen. Diese Beobachtung habe ich dann unserem Regisseur mitgeteilt. Zusammen mit JJ und einem unserer eigenen Kameraleute haben wir uns die Stelle dann angesehen und für den nächsten Tag eine unserer drei eigenen Kameras dort platziert. Ich bin der Meinung, dass sich das gelohnt hat.
Pflichtveranstaltung für JJ und mich ist natürlich die Mannschaftsführerbesprechung. Dort kann man nochmals wichtige Informationen zu den Wettbewerben einholen. Normalerweise verläuft sie ohne größere Höhepunkte. Es wird die Auslosung durchgeführt und nochmals auf Besonderheiten der Strecke hingewiesen. An diesem Tag allerdings trat plötzlich etwas Verwirrung auf und mehrere Mannschaftsführer versammelten sich vor dem Podium der Organisatoren und FIS-Vertreter. Was war passiert? Jochen Behle hatte festgestellt, dass die Norweger mehrere ihrer besten Läufer, die den Status der roten Gruppe besitzen, in die nationale Gruppe und damit an den Anfang des Teilnehmerfeldes gemeldet hatten. Das wäre natürlich bei später einsetzendem Schneefall (wie z.B. beim 15km WM-Rennen in Sapporo) ein großer Vorteil gewesen, der über Sieg und Niederlage hätte entscheiden können. Die Startliste wurde daraufhin korrigiert, die Aktion sollte jedoch noch ein Nachspiel haben.
Der erste Wettkampftag
Bereits 1:30 Stunden vor dem Start kommen JJ und ich normalerweise im Stadion an. Die Kameraleute, Reporter und Redakteure sind da meist bereits auf Position. Ein kurzer Check der letzten News im Pressezentrum, dann geht es in die Kommentatorbox, die mal größer und mal kleiner ausfällt. In Beitostoelen war sie jedenfalls sehr geräumig und auch gut geheizt. Der Platz ist auch notwendig. Vor uns stehen drei Bildschirme. Einer mit dem internationalen Bild (das vom Hostbroadcaster geliefert wird), einer mit der Grafik der Zwischen- und Endzeiten und ein weiterer Fernseher mit dem nationalen Bild (also das, was auch ihr zu sehen bekommt). Vor uns auf dem Tisch liegen jede Menge Startlisten, Gesamtstände und das wichtigste, die Karteikarten. Für jeden der bekannten Läufer gibt es eine Karteikarte, auf dem seine größten Erfolge und andere nützliche Informationen vermerkt sind. Nach einem kurzen Vorlauf mit Anmoderation und kurzen Beiträgen geht es schließlich für JJ direkt ins Rennen. Meine Aufgabe besteht nun darin, ihm Karteikarten zu reichen, das Renngeschehen im Blick zu behalten und immer die aktuellen Zwischenzeiten auf dem mittleren Bildschirm anzeigen zu lassen. Ganz so einfach wie es sich vielleicht anhört, ist das aber nicht. Schließlich geht es beim Einzelstart immer etwas unberechenbarer zu als bei Massenstartrennen. Die Anspannung entweicht erst, wenn wir nach dem letzten Zieleinlauf zurück zur Presenter (dem Ort wo Moderatorin Isabella Müller Reinhardt und Experte Peter Schlickenrieder stehen) gehen. Dann schlägt meine Stunde für XC-Ski.de. Während die Siegerehrung läuft, begebe ich mich in die Mixed-Zone und versuche noch ein paar Interviews zu führen. Das gelingt allerdings nur, wenn auch deutsche Starter an der Siegerehrung teilnehmen dürfen. Am letzten Wochenende hatte ich da allerdings keine Probleme. Anschließend stelle ich die Interviews im Pressezentrum online.
Auch für den zweiten Wettkampftag gibt es am Abend vorher eine Mannschaftsführersitzung. Wie schon einen Tag zuvor, ging diese wiederum nicht ganz ohne Reibereien ab. Zunächst wurde bekannt gegeben, dass Jochen Behle mit einer Strafe von 1000 Franken belegt wurde. Zunächst konnten wir uns nicht erklären warum. Auf jeden Fall schaltete sich Norwegens Teamchef Age Skinstad sofort ein und stellte die provokante Frage, ob man sich mit 1000 Franken denn alles erkaufen könnte. Er forderte vielmehr einen Entzug der Akkreditierung für Behle. Das wurde vom TD John Aalberg und der Jury natürlich abgewiesen. Hinterher stellte sich im Gespräch heraus, dass Jochen Behle beim Überqueren der Strecke mit der Finnin Pirjo Muranen zusammengestoßen war und diese das Rennen daraufhin aufgeben musste. Behle suchte nach dem Rennen die Aussprache mit Athletin und Trainer, worauf der Vorfall eigentlich abgehakt war. Skinstads Einwurf würde man im Fußball wahrscheinlich als Nachtreten für den Vorfall am Vortag bezeichnen. Man wird sehen, ob die norwegisch/deutsche Freundschaft deswegen dauerhaft geschädigt bleibt.
Tag der Staffeln
Staffelrennen sind ja immer etwas Besonderes. Das gilt natürlich auch für die Fernsehübertragungen von solchen Rennen. Mehr Spannung, aber auch mehr Übersicht ist nötig, um möglichst alle Veränderungen im Renngeschehen zu erfassen. So bereiteten wir uns akribisch auf den Start der Damen vor. Nach dem Startschuss galt es aus deutscher Sicht immer zwei Teams im Blick zu behalten. Das war dann meine Aufgabe und ich musste leider bei den Zwischenzeiten immer auf die zweite Seite „blättern“. Vorne im Rennen blieb die Spannung allerdings erhalten. Aber auch hier galt es immer zwischen den letzten beiden Zeitmesspunkten zu vergleichen und festzustellen, ob es Verschiebungen im Feld gibt. Über Kopfhörer kündigt der Redakteur dann immer an, wenn kurz zum Experten Peter Schlickenrieder, zu Jochen Behle oder zu unseren eigenen Kameras geschaltet wird. So kann JJ immer zur richtigen Zeit Fragen stellen, die dann von den Experten beantwortet werden. Nach dem Zieleinlauf schlüpfte ich wieder in die Rolle des XC-Ski.de Redakteurs und sammelte noch zwei Interviews. Erst nachdem ich diese online gestellt habe, geht’s mit Schlicki zur letzten Trainingseinheit auf die Weltcupstrecke. 1:50 Stunden Training können einen da schon ganz schön fertig machen. Dafür gab’s zum Abschluss noch mal Pizza.
Heimfahrt
Erst am Montag machten wir uns dann auf den Heimweg. Drei Stunden im Auto zurück zum Flughafen und schon ging es ab in die Heimat. Viel Zeit bleibt nicht. Bereits 10 Tage später steht die Anreise nach Davos auf dem Plan. Ja ja, so eine Weltcupübertragung ist ganz schön aufwendig. Spaß macht’s trotzdem!
Frühe Anreise
Bereits am Donnerstagmorgen machte ich mich von Bodenmais auf zum Flughafen nach München, von wo aus es nach Oslo gehen sollte. Dort angekommen traf ich den Rest des Teams und gemeinsam bestiegen wir den Flieger. In der Hauptstadt Norwegens angekommen, stand uns dann noch eine dreistündige Anfahrt bis in den kleinen Ort Beitostoelen bevor. Während es in Oslo noch regnete, empfing uns an unserem Ziel Schneefall und eines der wenigen Hotels. Zusammen mit Thomas Klinger, vielen von euch noch als Reporter von Biathlon-Weltcups bekannt, bewohnte ich die kommenden vier Tage ein Appartment. Thomas war bereits einen Tag vor uns nach Beitostoelen angereist, um bereits die ersten Szenen für seine Beiträge drehen zu lassen. Nach einem kurzen Besuch des einzigen Supermarktes (ich kann nur sagen: Essen muss man sich in Norwegen hart verdienen) trafen wir uns zum Abendessen bei Peppes Pizza.
Trainingstag
Der Freitag ist traditionell Trainingstag im Skilanglauf-Weltcup. Auch für das ARD-Team (das übrigens bei Skilanglaufübertragungen zum größten Teil vom Bayerischen Rundfunk gestellt wird) standen Besprechungen, Aufbau und Proben auf dem Programm. Für Jens Jörg (kurz „JJ“) und mich galt es letzte Informationen zu sammeln. Ich lief zunächst eine Runde auf der Weltcupstrecke und erkundete Abfahrten, Anstiege und sonstige Höhepunkte der Strecke. Ich muss sagen, der neue Anstieg hat es wirklich in sich. Hat man nämlich das steilste Stück überstanden, folgen trotzdem noch 400 Meter leicht ansteigendes Gelände. Bei meiner Besichtigung fiel mir dann auf, dass der norwegische Sender NRK, der für das Liefern des TV-Bildes zuständig war, gar keine Kamera in diesem schwersten Anstieg positioniert hatte. Eigentlich komisch, dachte ich mir, kann man hier doch die Athleten am längsten mit einer Kamera verfolgen. Diese Beobachtung habe ich dann unserem Regisseur mitgeteilt. Zusammen mit JJ und einem unserer eigenen Kameraleute haben wir uns die Stelle dann angesehen und für den nächsten Tag eine unserer drei eigenen Kameras dort platziert. Ich bin der Meinung, dass sich das gelohnt hat.
Pflichtveranstaltung für JJ und mich ist natürlich die Mannschaftsführerbesprechung. Dort kann man nochmals wichtige Informationen zu den Wettbewerben einholen. Normalerweise verläuft sie ohne größere Höhepunkte. Es wird die Auslosung durchgeführt und nochmals auf Besonderheiten der Strecke hingewiesen. An diesem Tag allerdings trat plötzlich etwas Verwirrung auf und mehrere Mannschaftsführer versammelten sich vor dem Podium der Organisatoren und FIS-Vertreter. Was war passiert? Jochen Behle hatte festgestellt, dass die Norweger mehrere ihrer besten Läufer, die den Status der roten Gruppe besitzen, in die nationale Gruppe und damit an den Anfang des Teilnehmerfeldes gemeldet hatten. Das wäre natürlich bei später einsetzendem Schneefall (wie z.B. beim 15km WM-Rennen in Sapporo) ein großer Vorteil gewesen, der über Sieg und Niederlage hätte entscheiden können. Die Startliste wurde daraufhin korrigiert, die Aktion sollte jedoch noch ein Nachspiel haben.
Der erste Wettkampftag
Bereits 1:30 Stunden vor dem Start kommen JJ und ich normalerweise im Stadion an. Die Kameraleute, Reporter und Redakteure sind da meist bereits auf Position. Ein kurzer Check der letzten News im Pressezentrum, dann geht es in die Kommentatorbox, die mal größer und mal kleiner ausfällt. In Beitostoelen war sie jedenfalls sehr geräumig und auch gut geheizt. Der Platz ist auch notwendig. Vor uns stehen drei Bildschirme. Einer mit dem internationalen Bild (das vom Hostbroadcaster geliefert wird), einer mit der Grafik der Zwischen- und Endzeiten und ein weiterer Fernseher mit dem nationalen Bild (also das, was auch ihr zu sehen bekommt). Vor uns auf dem Tisch liegen jede Menge Startlisten, Gesamtstände und das wichtigste, die Karteikarten. Für jeden der bekannten Läufer gibt es eine Karteikarte, auf dem seine größten Erfolge und andere nützliche Informationen vermerkt sind. Nach einem kurzen Vorlauf mit Anmoderation und kurzen Beiträgen geht es schließlich für JJ direkt ins Rennen. Meine Aufgabe besteht nun darin, ihm Karteikarten zu reichen, das Renngeschehen im Blick zu behalten und immer die aktuellen Zwischenzeiten auf dem mittleren Bildschirm anzeigen zu lassen. Ganz so einfach wie es sich vielleicht anhört, ist das aber nicht. Schließlich geht es beim Einzelstart immer etwas unberechenbarer zu als bei Massenstartrennen. Die Anspannung entweicht erst, wenn wir nach dem letzten Zieleinlauf zurück zur Presenter (dem Ort wo Moderatorin Isabella Müller Reinhardt und Experte Peter Schlickenrieder stehen) gehen. Dann schlägt meine Stunde für XC-Ski.de. Während die Siegerehrung läuft, begebe ich mich in die Mixed-Zone und versuche noch ein paar Interviews zu führen. Das gelingt allerdings nur, wenn auch deutsche Starter an der Siegerehrung teilnehmen dürfen. Am letzten Wochenende hatte ich da allerdings keine Probleme. Anschließend stelle ich die Interviews im Pressezentrum online.
Auch für den zweiten Wettkampftag gibt es am Abend vorher eine Mannschaftsführersitzung. Wie schon einen Tag zuvor, ging diese wiederum nicht ganz ohne Reibereien ab. Zunächst wurde bekannt gegeben, dass Jochen Behle mit einer Strafe von 1000 Franken belegt wurde. Zunächst konnten wir uns nicht erklären warum. Auf jeden Fall schaltete sich Norwegens Teamchef Age Skinstad sofort ein und stellte die provokante Frage, ob man sich mit 1000 Franken denn alles erkaufen könnte. Er forderte vielmehr einen Entzug der Akkreditierung für Behle. Das wurde vom TD John Aalberg und der Jury natürlich abgewiesen. Hinterher stellte sich im Gespräch heraus, dass Jochen Behle beim Überqueren der Strecke mit der Finnin Pirjo Muranen zusammengestoßen war und diese das Rennen daraufhin aufgeben musste. Behle suchte nach dem Rennen die Aussprache mit Athletin und Trainer, worauf der Vorfall eigentlich abgehakt war. Skinstads Einwurf würde man im Fußball wahrscheinlich als Nachtreten für den Vorfall am Vortag bezeichnen. Man wird sehen, ob die norwegisch/deutsche Freundschaft deswegen dauerhaft geschädigt bleibt.
Tag der Staffeln
Staffelrennen sind ja immer etwas Besonderes. Das gilt natürlich auch für die Fernsehübertragungen von solchen Rennen. Mehr Spannung, aber auch mehr Übersicht ist nötig, um möglichst alle Veränderungen im Renngeschehen zu erfassen. So bereiteten wir uns akribisch auf den Start der Damen vor. Nach dem Startschuss galt es aus deutscher Sicht immer zwei Teams im Blick zu behalten. Das war dann meine Aufgabe und ich musste leider bei den Zwischenzeiten immer auf die zweite Seite „blättern“. Vorne im Rennen blieb die Spannung allerdings erhalten. Aber auch hier galt es immer zwischen den letzten beiden Zeitmesspunkten zu vergleichen und festzustellen, ob es Verschiebungen im Feld gibt. Über Kopfhörer kündigt der Redakteur dann immer an, wenn kurz zum Experten Peter Schlickenrieder, zu Jochen Behle oder zu unseren eigenen Kameras geschaltet wird. So kann JJ immer zur richtigen Zeit Fragen stellen, die dann von den Experten beantwortet werden. Nach dem Zieleinlauf schlüpfte ich wieder in die Rolle des XC-Ski.de Redakteurs und sammelte noch zwei Interviews. Erst nachdem ich diese online gestellt habe, geht’s mit Schlicki zur letzten Trainingseinheit auf die Weltcupstrecke. 1:50 Stunden Training können einen da schon ganz schön fertig machen. Dafür gab’s zum Abschluss noch mal Pizza.
Heimfahrt
Erst am Montag machten wir uns dann auf den Heimweg. Drei Stunden im Auto zurück zum Flughafen und schon ging es ab in die Heimat. Viel Zeit bleibt nicht. Bereits 10 Tage später steht die Anreise nach Davos auf dem Plan. Ja ja, so eine Weltcupübertragung ist ganz schön aufwendig. Spaß macht’s trotzdem!
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