Schneetraining am Dachsteingletscher: Lehrgang in Ramsau mal anders

XC-Ski Redaktion am 26.10.2009 - 12:48 Uhr

Wenn es eine feste Größe in der Vorbereitung der Skilanglauf-Nationen Deutschland, Italien und Russland auf den Winter gibt, dann ist das der Schneelehrgang am Dachstein-Gletscher oberhalb von Ramsau in Österreich. Auch in diesem Jahr trafen sich die Top-Läufer der Szene und die, die es noch werden wollen, im Oktober in der Steiermark.

Es war ein ungewöhnliches Bild, das sich einem Zuschauer in diesem Jahr Mitte Oktober bot. Nicht die Strecken auf dem Gletscher, sondern zwei, drei Rundloipen im Tal waren es, die sich überfüllt mit Läufern unterschiedlichster Herkunft zeigten. Frühe Schneefälle bis auf 1.100 Meter herab hatten es möglich gemacht, dem Höheneffekt aus dem Weg zu gehen und die Skigewöhnung auf „Normalhöhe“ zu absolvieren. Eifrig hatte man in Ramsau die „Schneelöcher“ präpariert und so beste Bedingungen für das Training geschaffen. In Serpentinen wanden sich dabei die Strecken am Schlepplift oder auf der Wiese vor dem Sportgeschäft „Ski Willy“ hinauf. Einzig die Biathleten mussten ihr Komplex-Training mit Crosslauf kombinieren, da auf der Rollerbahn weder Skirollern noch Skilanglaufen möglich war. Diesen kleinen Wehrmutstropfen machte der kürzere Anfahrtsweg zum Schneetraining jedoch mehr als wett. Schnell war jedoch klar, dass diese fast paradiesischen Zustände nicht allzu lang vorhalten würden. Nach einigen Tagen drückte das Wasser aus dem ungefrorenen Boden nach oben und auch die Sonneneinstrahlung war noch zu stark, um von der Schneedecke kompensiert zu werden. So blieb den gletscherunwilligen Italienern nichts anderes übrig, als die Schaufel auszupacken und die Trasse mit Manneskraft zu erhalten.

Die meisten anderen Nationen setzten ihr Trainingslager derweil auf dem Dachsteingletscher fort. Nach schlechten Bedingungen Anfang Oktober hatten die Schneefälle das Skigebiet auf knapp 2.700 Metern Höhe in ein Winterwunderland verwandelt. Auch das Wetter spielte nun mit und Sonnenbrand war in den folgenden Tagen das meistbekämpfte Übel. Trotz der perfekten Bedingungen mit Loipen aus dem Bilderbuch kam bei dem einen oder anderen Trainer schon Wehmut auf. Jochen Behle erinnerte sich beispielsweise noch an Zeiten, zu denen der Gletscherschnee den Blick von der Loipe zur Bergstation versperrte. Inzwischen hebt sich das Gebäude deutlich über der Schneedecke ab. Außerdem musste in diesem Jahr erstmals ein größerer Bereich mitten zwischen den Serpentinen aufgrund von Gletscherspalten umgangen werden. Die traditionelle zehn Kilometer Runde macht dieser Umweg fühlbar anspruchsvoller, was sich in dieser Höhe umso deutlicher bemerkbar macht. Die Top-Athleten störte das in ihrem Training wenig und man konnte auf fast jedem Gesicht ein Lächeln erkennen. Vorbei waren die tristen Herbstrollereinheiten auf glatten Straßen, vorbei die nasse Kälte, die einem während des Trainings unter die Bekleidung kriecht. In nicht allzu weiter Ferne macht sich auch der Weltcup und damit ein erster Test der Olympiaform schon bemerkbar.


Apropos Olympia: So eine Saison im Zeichen der Ringe wirft ihre Schatten bereits weit voraus. Viele kleinere Nationen intensivieren ihre Bemühungen um den nordischen Sport gerade im Vorfeld dieses Großereignisses, was sich auch auf dem Gletscher und in Ramsau widerspiegelt. Angefangen bei einem kleinen Team Griechenlands unter Führung von Topläufer Lefteris Fafallis, oder einem Team Litauens, alle bereiten sich gewissenhaft vor. Dazu gehört natürlich auch für diese Nationen ein Trainingslager am Dachstein. Andere Länder rüsten dagegen im Servicebereich auf. So trifft man Wachsler Reinhard Neuner nicht mehr im Gewand seines Heimatlandes Österreich, sondern in der bunten Wärmebekleidung Weißrusslands. Die Techniker absolvieren im Übrigen ihr ganz besonderes Trainingsprogramm. Skier testen ist angesagt und so laufen die Wachsspezialisten hunderte Male vom Ziel der Lichtschranke zurück zum Start, um eine neue Testfahrt zu beginnen. Damit kommt man natürlich am Ende des Tages auch auf eine stattliche Anzahl Kilometer und Höhenmeter. Im Volkslauf dürfen die Jungs dann ab und zu zeigen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Zurück zu den Topläufern. Kein Trainingslager in Ramsau vergeht, ohne dass sie mindestens einmal die Bergstrecke vom Talort Pichl hinauf nach Ramsau und weiter bis zur Talstation der Dachsteinbahn zu meistern hätten. Ob als klassischer Bergroller in der Skating-Technik oder nur im Doppelstockschub, diese Strecke hat es in sich. Trainer und Betreuer folgen mit dem Teambus und warten hinter der nächsten Kurve mit einem unnachgiebigen Blick. An Aufgeben und locker weiterlaufen ist da nicht zu denken. Wer auf 1.650 Metern Höhe noch nicht genug hat, läuft zu Fuß weiter zur Südwandhütte und tritt nach einem kurzen Panorama-Rundumblick den Rückweg an. Für die Schönheiten der Natur bleibt meist wenig Zeit in einem solchen Trainingslager. Lediglich der Ruhetag bietet die Möglichkeit zum Verschnaufen und einen Cafe-Besuch im nahegelegenen Schladming.

Während viele andere Nationen weite Anfahrtswege in Kauf nehmen, um auf dem Gletscher zu trainieren, zieht es die Österreicher auch aus anderen Gründen regelmäßig nach Ramsau. Hier steht nämlich das einzige Laufband für Skiroller in der Alpenrepublik. So absolvierten zum Beispiel Johannes Dürr und Christian Hoffmann hier ihren Doppelstockschubtest zur gleichen Zeit, zu der die Russen Schneekilometer sammelten. Ein ganz besonderes Highlight ist die Möglichkeit, die Olympiastrecken von Vancouver mit Videobild auf dem Laufband abzulaufen. Vor allem in den nächsten Wochen könnte das durchaus Trainingsbestandteil sein, da die Original-Strecken in Vancouver bis zu den Spielen gesperrt bleiben.

Wer dann am Ende eines Dachstein-Lehrgangs den Heimweg antritt, ist zwar froh, es geschafft zu haben, weiß aber im Hinterkopf schon ganz sicher: "Nächstes Jahr bin ich wieder hier und es wird genauso anstrengend!"

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