Sepp Berners Langlaufleben (Teil 9)

Mario Felgenhauer am 04.04.2005 - 22:34 Uhr
Back on the track

Lange war es ruhig um den Sepp. Nach seinem 35. Geburtstag letztes Jahr und nachdem er weiblichen Anhang gefunden hatte haben wir nicht mehr viel von ihm gehört. Auch das Training hat er ganz schön schleifen lassen. Vor dem ersten Wettkampf im Dezember hat er zwar noch getönt: „Ich bin fit! Die WM kann kommen!“ Doch bereits nach 5 Kilometern ist er ausgestiegen. Worauf er auch gleich die ganze Saison beendet hat. „Ich fang im April mit der Vorbereitung für die Senioren WM 2006 an. Dann hab ich schon einen Vorsprung, bis die anderen ihre Trainingspause beenden.“ Naja ich selbst konnte mich natürlich ohne Berner ebenfalls nicht motivieren und so waren es auch für mich träge Monate in denen ich das eine oder andere Kilo zugenommen habe.
Beim Stammtisch jeden Freitag war der Sepp natürlich Thema Nummer 1. Dort ließ er sich aber den ganzen Winter nicht blicken. Als wir uns schließlich langsam Sorgen machten, tauchte er letzte Woche doch noch auf. Etwas gehetzt setzte er sich zu uns und bestellte eine Apfelschorle. „Ich hab nicht lang Zeit, nur die eine Schorle, dann muss ich wieder nach Hause.“ Ich wollte natürlich sofort wissen: „Na Sepp wie geht’s dir denn? Was hast denn den ganzen Winter gemacht?“ „Ach ich war so hier und dort. Hab mir vieles angeschaut und viel unternommen.“ Mit wem können wir uns ja alle denken aber keiner sagt etwas zu dem Thema. „Und wie steht’s um deinen Trainingszustand? Schaust ja eigentlich ganz fit aus“, stellt der Franz fest. „Trainiert habe ich nicht viel. Hatte keine Zeit, musste viel arbeiten.“ Das kann man jetzt glauben oder nicht, denk ich mir da nur. „ Hast deinen Plan zur WM Vorbereitung schon aufgegeben?“ werfe ich in die Runde. „ Tja hatte ich eigentlich schon. Aber letztes Wochenende war ich mit Andrea in Paris und da haben wir in einem Park ein Crosslauf Rennen beobachtet. Da hat’s bei mir so richtig gekribbelt und jetzt bin ich wieder motiviert!“ „Na dann können wir ja morgen gleich die Rennräder auspacken“, schlage ich vor. „Gute Idee, ich komm einfach am Vormittag bei dir vorbei!“ Sprichts und ist auch schon wieder verschwunden.
Am nächsten Morgen weckt mich das wilde Bimmeln meiner Türglocke. Ich schaue auf den Wecker, es ist 8 Uhr! Das kann nur einer sein. Vor der Tür steht tatsächlich Sepp Berner. Seine Beine hat er nur in eine ¾ Hose gesteckt, unten schauen die vom Warm Up Gel geröteten Waden hervor. „ Auf geht’s! Wir wollten doch trainieren!“ Aber doch nicht Samstag früh um 8 denke ich mir da nur, spreche es aber nicht aus.
Die erste halbe Stunde geht dann mit einem lockeren 25er Schnitt im Flachen schnell vorüber. Doch bereits nach 45 Minuten zeigt Sepp erste Schwächen. Ich bin der einzige der noch Führungsarbeit macht, während Berner an meinem Hinterrad nuckelt. Langsam wird mir das Ganze auch zu doof und ich biege ab Richtung Buchenau wo wir beide zu Hause sind. Nach 1:15 Stunden stehen wir wieder vor meiner Haustür. „Na das war doch eine schöne Tour für den Auftakt“, schnauft mir ein sichtlich gezeichneter Sepp Berner entgegen. „Wenn wir uns weiter so steigern, können wir noch beide zur Senioren-WM fahren!“ Ja ja wers glaubt, denk ich mir da nur und plane schon mal ein paar Trainingseinheiten ohne den Sepp um wenigstens fit für ein paar Volksläufe zu werden.

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