Sepp Berners Langlaufleben (Teil1)
Die Personen in nachfolgender Story sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Skilangläufern sind rein zufällig und vom Autor (nicht) gewollt.
Die Vorgeschichte: Wir befinden uns im tiefsten Bayer. Wald irgendwo zwischen Zwiesel und der Grenze zur Tschechei. Dort wohnt in einem kleinen Ort namens Buchenau der Langlaufverrückte Sepp Berner. Als sein langjähriger Freund und Kumpel (wir sind schon miteinander zur Schule gegangen) sehe ich es als meine Pflicht, etwas aus seinem Leben der Nachwelt zu hinterlassen. Aus diesem Grund und wirklich nur aus diesem, habe ich also angefangen seine Stories aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Aber lesen sie selbst:
Marathon ich komme
Die Saison 03/04 neigt sich langsam dem Ende zu und der Sepp und ich haben schon den ein oder anderen Wettkampf in den Knochen. Allerdings sind wir nicht irgendwelche Rennen mitgelaufen, nein, der Sepp hat sich gezielt welche aus dem Kalender gesucht. Schließlich ist er ja dieses Jahr 34 geworden und ist nächstes Jahr bei der Senioren Weltmeisterschaft startberechtigt. Da kann man nicht jedes Wochenende bei irgendwelchen Wald und Wiesen Rennen mitlaufen. So kam es dann auch dass wir ziemlich viel Zeit im Auto verbracht haben, um zu FIS Rennen in Österreich und Italien zu kommen. Auch der König Ludwig Lauf war Teil unseres Feldzuges. Und dort ist es dann auch passiert: Sepp ging natürlich über 50km freistil an den Start. Mit Platz 40 und einer Laufzeit von 2Std. 10min. war er zwar um einiges schneller als ich, aber total unzufrieden: „Da brauch ich ja nächstes Jahr bei der WM gar nicht erst antreten, wenn ich den Marathon nicht unter 2 Std. lauf“. Das hatte wohl einer der anderen Läufer gehört, der in der gleichen Pension wohnte wie wir. „Da musst du eben beim Engadin Skimarathon starten. Dort bin ich letztes Jahr auch unter 2 Std. gelaufen.“ Sofort hellt sich Sepps Mine wieder auf. „Genau, das machen wir und du kommst mit!“ Ich schaue zuerst etwas betreten auf den Finger der auf mich zeigt und denke mir nur insgeheim: Ist doch klar dass man da unter 2 Std. laufen kann, sind ja schließlich nur 42 und nicht 50km, und die Strecke ist fast nur flach oder abfallend. Aber andererseits wollte ich schon immer mal in die Schweiz und diese Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen. „Ok ich bin dabei“.
Die nächsten drei Wochen habe ich von Sepp nicht viel gesehen. Aber ich habe mir von Bekannten sagen lassen, dass sie ihn fast jeden Tag bis tief in die Nacht hinein mit einer Stirnlampe im Zwieselerwaldhaus beim Training gesehen haben. „Dort gibt es nämlich viele Flachstücke und da kann man dann so richtig lang den Pendelschritt ziehen“ muss er ihnen erklärt haben. Sogar den Pistenraupenfahrer soll er gebeten haben, ihn im Windschatten 20km zu ziehen. Schließlich könne er sich beim Engadiner ja auch im großen Feld verstecken.
Dann kam der Tag der Abreise. Ich musste mir extra am Donnerstag schon frei nehmen, damit Sepp am Freitag auf der Strecke noch trainieren kann. Schließlich kann man die 42km nicht in einer Trainingseinheit besichtigen.
Man könnte zwar meinen, dass ein Mini Van doch ein bisschen zu groß für zwei Personen sei, aber sicher nicht wenn man mit Sepp Berner unterwegs ist. Allein der Skisack mit seinen 10 Paar Ski und der Wachskoffer belegen fast das halbe Auto.
Zudem hat er sich noch eine Hotbox und längere Stöcke zugelegt. „In der Hotbox ist es wie in einer Sauna. Da kann das Wachs viel tiefer in den Belag eindringen und hält dann auch länger,“ erklärt er mir. Die längeren Stöcke braucht er um auf den langen Geraden mehr Vortrieb zu bekommen.
Als wir schließlich in St. Moritz ankommen staune ich nicht schlecht. Unser Hotel hat allen möglichen Komfort und liegt direkt an der Strecke bei Kilometer 15. „Da kannst du mich dann gleich hinter dem Hotel verpflegen“. Denn inzwischen hatte er mir auch klar gemacht, dass er mich nicht zum Mitlaufen mitgenommen hat, sondern um ihn zu betreuen. Naja wenn er mir schon alles bezahlt...
Schließlich kommt der große Tag: Noch vor allen anderen sitzen wir um 5:30 Uhr beim Frühstück. Denn mit halb verdautem Essen im Magen stellt sich Berner nicht an den Start. Gemeinsam fahren wir dann bis zum letztmöglichen Parkplatz vor dem Start, wo wir in einen Bus umsteigen müssen. „Das hab ich ja noch nie erlebt, wie soll ich denn jetzt da meine 10 Paar Ski mitnehmen,“ schimpft er. Tja da bleibt wohl nur noch eins: Auf gut Glück einen Ski aussuchen. Hat ja auch was Gutes, das langwierige Testen vor dem Start fällt weg.
Als wir in Maloja ankommen, ist schon mächtig was los. „Gut dass wir gestern noch die Holzski an den Start gelegt haben, um mir einen Platz freizuhalten.“ Was heißt hier wir? Ich bin in stockfinsterer Nacht noch hierher gekommen, damit Berner ja in der ersten Reihe seines Blocks steht. Er steht nämlich nur im Zweiten. Das Organisationskomitee ließ sich dann doch nicht von Plätzen jenseits der 30 und seiner ehemaligen Zugehörigkeit zum Studentenkader überzeugen, ihn zu den Weltcupläufern ganz vorne zu stellen. Viel Zeit ist nicht mehr, ich nehme noch seine Wärmekleidung und spurte beim Startschuss los zum Bus und dann zum Auto um auch rechtzeitig am Verpflegungsposten zu sein. Dort angekommen sehe ich gerade noch die Spitzengruppe vorbeilaufen. Gespannt warte ich auf Berner. Die ersten 100 sind durch, 200, dann so ungefähr an 300ster Stelle kommt er. „Gib mir das Power Gel!“ keucht er schon von weitem. „Was jetzt schon?“ „Ja, her damit!“ Schnell drückt er sich den Beutel in den Mund und schon geht’s weiter. Ich bin jetzt zum Zuschauen verdammt, weil ich auf den nächsten Kilometern nicht mehr nah genug an die Strecke komme. Also fahre ich gleich zum Ziel. Dort beginnt das Spiel von vorn. Ich zähle die hereinlaufenden Athleten. Der Sieger Perillat aus Frankreich steht wahrscheinlich schon längst unter der Dusche, als Berner jenseits des 350. Platzes um die Zielkurve biegt. Aber was ist das? Auf einmal beginnt er noch mal zu beschleunigen. Dann sehe ich den Grund für seinen Zielsprint. 30 Meter vor ihm lässt es eine Schweizer Nachwuchsläuferin gerade austrudeln und nähert sich langsam dem Ziel. Berner kommt tatsächlich noch an sie heran und schiebt mit einem Ausfallschritt den Fuß 5 Zentimeter vor ihr über die Ziellinie. Die junge Athletin schaut ihn nur ganz verwundert an und schüttelt den Kopf als sie sich langsam in Richtung Ausgang bewegt. Berner hingegen hat sich total verausgabt und liegt nach Luft ringend im Schnee. Als ich ihm langsam aufhelfe, keucht er mir entgegen: „Und? Hab ich die 2 Std. Marke geknackt?“ Ich blicke zur Uhr: „ Ja, 1:52 Std., 361.Platz!“ Dass er damit 19 Minuten hinter dem Sieger liegt, habe ich ihm erst mal nicht gesagt. Das erfährt er noch früh genug. Auf jeden Fall musste ich mir auf der Heimfahrt einiges anhören. „Die sollen sich mal warm anziehen, die Norweger, wenn ich nächstes Jahr bei der WM starte.“ „Senioren-, Senioren-WM!“ verbessere ich ihn, aber Berner ist schon todmüde eingeschlafen.
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Int. Tiroler Koasalauf in St. Johann/AUT 11.02.2012 - 12.02.2012
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Rennsteig-Skilauf Oberhof/Seligenthal 11.02.2012 - 12.02.2012
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