Sepp Berners Langlaufleben (Teil3)
Start in die neue Saison
Etwas über zwei Wochen ist es nun her, dass Berner einer Tafel Schokolade sein Leben verdankte, und in diesen zwei Wochen hat ihn so gut wie keiner zu Gesicht bekommen. Okay es war Regenerationszeit angesagt, aber die sollte man eigentlich nicht nur zuhause auf dem Sofa verbringen. Irgendwann Mitte letzter Woche hat er mich dann angerufen. „Komm doch schnell mal vorbei, ich muss dir was zeigen.“ Kaum bei ihm eingetroffen, werde ich in seine Garage gelotst, die Berner zu einer Art Werkstatt und Wachsraum für seine Trainingsgeräte umfunktioniert hat. Das Auto muss seitdem Winter wie Sommer im Freien stehen. Und da steht es, blinkend und blitzend wie eine Discokugel: Ein nigelnagelneues Rennrad! „Das ist ein Trek OCLV Carbon, mit Shimano Dura Ace Komponenten und Lightweight Carbon Laufrädern. Mit dem Rad fährt Lance Armstrong heuer die Tour! Und ich hab’s jetzt schon bekommen weil der Conrad vom Radshop Beziehungen zu Trek hat“, erklärt Berner mit funkelnden Augen. Was ihm sein Spezl da nur wieder für einen Bären aufgebunden hat. Weiß doch jedes Kind, dass die Räder, die die Mannschaften bei der Tour de France fahren, erst kurz vor dem Start geliefert werden, weil sie nur für Teamfahrer gebaut werden. Aber so ein Top Rad wirkt natürlich Wunder und deswegen lass ich den Sepp in dem Glauben. Hätte ich allerdings gewusst, was danach kommt, hätte ich natürlich sofort Einspruch erhoben.
Als nächstes schleift mich Berner zurück ins Wohnzimmer und hält mir die neueste Ausgabe der TOUR (deutsches Rennrad-Magazin) unter die Nase. Er blättert bis auf eine bestimmte Seite und deutet mit dem Finger auf einen Artikel: „Mit dem trainieren wir am Wochenende“. Ich brauche nur die Überschrift zu lesen und weiß sofort um wen es geht: Brägel, der wohl bekannteste deutsche Hobbyradler. Seine Geschichten sind wahrscheinlich ebenso legendär wie die von Berner, nur mit dem Unterschied, dass Brägel auf dem Rennrad zuhause ist.
„Ich hab auch schon mit ihm telefoniert, übermorgen fahren wir nach Köln und treffen ihn dort zu einer kleinen Runde.“ Mir ist bis heute unerklärlich woher der Sepp die Telefonnummer hatte, weil er doch außer Nachname und Wohnort nichts vom „Lapp“ (wie er in Radsportkreisen genannt wird) wusste. Es ist aber nichts zu machen und so sitzen wir am Freitag Mittag im Auto auf dem Weg nach Köln, die beiden Rennräder (ich hatte noch ein altes Kettler im Keller gefunden) im Rückraum meines Mini Vans und wohl Energieriegel und Mineraldrinks für eine ganze Profimannschaft. Auch das Outfit von Berner lässt keine Wünsche offen: Original Radtrikot und Hose von US Postal (der Mannschaft von Armstrong), Giro Helm und Nike Schuhe. Dagegen wirke ich mit meinem einfarbig gelben Hemd und der schwarzen Radhose wie ein Freizeitradler.
Kaum in Köln angekommen, dirigiert mich Berner bis zur Schmitze Bud, DEM Treffpunkt für Radler in der Domstadt. Und dort wartet auch schon ungeduldig ein etwas untersetzter, nicht ganz schlanker, etwas in die mittleren Jahre gekommener Rennradler auf uns: Brägel!
Berner und der Lapp begrüßen sich sofort wie zwei alte Bekannte. Brüder im Geiste, denke ich mir da nur. Nach einem kurzen Plausch geht’s los. Brägel will uns unbedingt die besten Stellen von „Rund um Köln“, dem weltbekannten Radrennen, zeigen und wir machen uns auf den Weg ins Bergische Land. Bereits nach wenigen Metern merke ich aber, dass von Führungswechsel in unserer Dreiergruppe nicht die Rede sein kann. Während sich Brägel und Berner in meinem Windschatten ausruhen und mir von hinten Richtungsanweisungen zurufen, bin ich bemüht, den Schnitt über 25 km/h zu halten. An der ersten Steigung hinauf zum Schloss Bensberg lasse ich es langsam angehen, während die beiden Hobbyprofis sofort in den Wiegetritt übergehen und an mir vorbeiziehen. Das Tempo halten sie allerdings genau 200m durch. Dann kommt der Mann mit dem Hammer. Bereits bei der Hälfte der Bergwertung habe ich sie wieder eingeholt und Berner keucht mir zu: „Nimm mich in den Windschatten“. Ich verlangsame also meine Geschwindigkeit und bringe beide über die Kuppe. Danach wird erst mal verpflegt. Jeder stopft sich einen klebrigen Riegel in den Mund und trinkt von seinem Mineraldrinkgemisch. Wir haben schon 20 Kilometer geschafft, als die Sonne langsam unterzugehen droht. „Lass uns umkehren und lieber noch einen Sprint am Rheinufer ausfahren,“meint Berner. Brägel nickt zustimmend. Wir radeln also langsam zurück Richtung Kölner Innenstadt und biegen dann auf die Rheinuferpromenade ein. Berner schiebt sich neben mich und flüstert mir zu: „Zieh mir bitte den Sprint an. 150m vor dem Ziel sprinte ich dann vorbei.“ Und so kurbeln wir aufgereiht die Zielgerade hinunter. Langsam beschleunige ich auf 30km/h. 150m vor dem Ziel warte ich darauf, dass Berner an mir vorbeizieht, nichts passiert. Noch 100m, jetzt müsste er aber langsam kommen. Ich mache einen Linksschwenk und nehme das Tempo raus. 50m vor dem Ziel überholt mich der Sepp schließlich, aber an seinem Hinterrad hängt Brägel. Mit dessen Erfahrung aus über 2 Jahren Hobbyrennen gelingt es dem Einheimischen noch sein Rad um 2cm vor Berner über die Ziellinie zu drücken. Der Lapp reißt jubelnd die Arme hoch während Berner mit der Hand auf den Lenker schlägt. Dass wir heute nur 40km geradelt sind stört keinen der Beiden. Bei einer Runde „Kölsch“, die übrigens der Verlierer bezahlen musste (also ich, obwohl ich gar nicht mitgewettet hatte) ließen wir den Kölnausflug dann ausklingen. „Das nächste Mal fahren wir aber im Bayer. Wald eine Bergetappe. Da gibt’s dann wenigstens hinterher ordentliches Bier in Krügen und nicht in Schnapsgläsern,“ dröhnt Berner zum Abschied. An DEM Tag bin ich im Urlaub, 100%ig!
Anzeige
-
Apkart Alaukstam Vecpiebalga/LAT ABGESAGT 04.02.2012
-
König Ludwig Lauf Oberammergau 04.02.2012 - 05.02.2012
Termine
Anzeige
Weitere Fragen und Antworten zum Thema Langlauf finden Sie auf www.sportlerfrage.net
-
Fischer RCS Classic Zero NIS
ab 279,95 €
zum Langlauf-Shop ...
-
Continental Cup Campra (SUI)
03.02.2012 -
Marcialonga Predazzo (Italien)
30.01.2012







