The Nordic Way of Life (Teil 8)
Wenn man in Mitteleuropa von Volksläufen spricht, fällt früher oder später der Name: Engadin Skimarathon. Der wohl bekannteste Volkslanglauf der Alpenländer sorgt jedes Jahr für Superlative.
Dieses Erlebnis wollten sich 4 „Bayerwaidler“(Einheimische des Bayer. Waldes) nicht entgehen lassen. Aber lesen sie selbst:
Nachdem wir uns am Freitag Vormittag noch die Fernsehübertragung des Weltcupsprints in Pragelato angeschaut hatten und somit wussten wie man schnell läuft, machten wir uns von Bodenmais auf Richtung Schweiz. Einen kleinen Zwischenstopp in München, wo wir unsere einzige Läuferin aufsammelten, und einen etwas längeren Stopp bei der Grenzpolizei in Mittenwald (wer hat denn da bloß wieder den Ausweis vergessen?) später, gelangten wir über Österreich ins Engadin. Bereits vom Auto aus konnten wir die letzten Kilometer der Strecke besichtigen bevor wir unser Hotel in St. Moritz bezogen. Während der Ort nur so von alten protzigen Hotels strotzte, war unsere Unterkunft eher bescheiden, was im Schweizer Nobelkurort allerdings nicht mit billig gleichzusetzen ist. Aber es gab reichlich zu Essen und die Chefin war mehr als freundlich.
Direkt hinter dem Hotel führte die Strecke vorbei und so ging es bereits am Samstag Vormittag zur Streckenbesichtigung. Die 42km von Maloja bis S-Chanf sind mit ein paar Ausnahmen durchwegs flach oder abfallend. Teilweise führt die Loipe sogar über zugefrorene Seen und durch Ortschaften. Was allerdings sofort klar wurde: Einsam werden wir uns am Sonntag nicht fühlen.
Bei der Startnummernausgabe herrschte schon dichtes Gedränge. Aber auch hier war man überaus freundlich und hilfsbereit. So schafften wir es auch unseren weiblichen Joker im ersten Start zu platzieren.
Schnell noch die Skier gewachst und Kohlenhydrate gebunkert und schon war es Zeit für den letzten Schlaf vor dem Großereignis.
Sonntag 14.März 2004, 6 Uhr morgens. Der Alarm an meiner Pulsuhr klingelt. Zeit zum Aufstehen. Schnell die Langlaufsachen angezogen und ab zum Frühstück: Müsli und frisches Brot mit Marmelade, dazu Orangensaft.
Die Läufer am Nachbartisch scheinen schon etwas munterer zu sein wie wir. Um 7 gehen wir schnell hinters Haus zum Skitesten. Es sollte wieder mal ein Fehlgriff werden. Dann mit dem Auto bis zum Start nach Maloja. Dort angekommen traut man seinen Augen kaum. Über 12000 Langläufer die dort rund um das Hotel Maloja Palace ihre Startvorbereitungen treffen. Wir nehmen nur das nötigste mit, zum Warmlaufen ist es wieder mal zu spät. Ohne meinen Bruder als Betreuer wären wir wohl nicht rechtzeitig am Start gewesen. Als wir dann aber von ganz hinten bis zu unseren Startplätzen in der ersten und zweiten Reihe laufen wird uns sowieso warm. Pi mal Daumen dürfte das ganze Gelände das Ausmaß von 3 Fußballplätzen haben. Links das allgemeine Starterfeld und rechts ein abgetrennter Korridor extra für Frauen. Nach ein paar Warmmachübungen ist es soweit. Der Starter zählt den Countdown nach unten. Ruckartig öffnen sich die Absperrzäune und die Läufer des ersten Starts (es gibt 4 Zeitversetzte) wälzen sich wie eine Lawine in Richtung Strecke.

Eigentlich bin ich doch gut weggekommen, denke ich mir. Doch ein Blick nach Vorn lässt mich fast erstarren. Da sind bereits circa 300 Läufer vor mir. Über den ersten See und 10 flache Kilometer geht’s zunächst Richtung St. Moritz. Bis dorthin ist eigentlich durchgehend der Pendelschritt (1/2 Technik mit aktivem Armschwung) gefragt. Windschattenlaufen spart Kraft, doch man muss immer vorsichtig sein um nicht plötzlich in Stürze verwickelt zu werden. Nach 13 Kilometern der erste Anstieg. Hinauf zur Olympiaschanze. Komischerweise läuft es in den Anstiegen sehr gut, ich kann immer wieder Läufer überholen. Allerdings habe ich in den Flachstücken und Abfahrten keine Chance und werde langsam zurückgereicht. Bei Kilometer 15 geht es an unserem Hotel vorbei. Eigentlich sollte mein Bruder hier stehen, aber er hat es wohl nicht schnell genug vom Start bis hierher geschafft. Von hier steigt der zweite und letzte lange Anstieg hinauf in den Stazer Wald. Dann folgt eine ziemlich steile Abfahrt Richtung Pontresina. Hier haben sich eine Menge Zuschauer in der Erwartung von spektakulären Stürzen eingefunden, die es dann wohl bei den später Gestarteten geben wird.
Langsam geht es an die Reserven und ich warte sehnsüchtig auf jedes der großen Schilder, das alle 5 Kilometer die Distanz anzeigt. Das 25er Schild wirkt schon etwas erschreckend, bei 30 kommt langsam Hoffnung auf und bei 35 schließlich mobilisiere ich noch mal die letzten Kräfte. Zwei kleine Hügel vor dem Ziel nutze ich schließlich um noch mal ein paar Läufer zu überholen. Schließlich kommt das rote Dreieck in Sicht das den letzten Kilometer anzeigt. Jetzt bloß nicht mehr stürzen auf der letzten Abfahrt. Schließlich biege ich auf die Zielgerade ein und erreiche 100 Meter später die Zeitnahme. Geschafft!
Vor lauter Erschöpfung übersehe ich zuerst meinen Bruder der schon auf mich wartet. Thomas, mein Kumpel, ist bereits seit 14 Minuten da. Er wurde 47. Auf der Ergebnisliste werde ich später als 361. gelistet werden. Als ich mich im Auto umziehe kommt die Überraschung. Steffi unsere Läuferin kommt nur 10 Minuten nach mir und wird als 54. Frau drittbeste deutsche Starterin.
Wir entscheiden uns zuerst ins Hotel zu fahren und uns zu duschen. Als wir dann mit unserem Gepäck wieder zurück zum Ziel kommen ist dort mächtig was los. Der Großteil der Starter ist inzwischen im Ziel oder kurz davor. Die Letzten werden allerdings noch eine Weile brauchen. Nach 6:10 Stunden wird schließlich der Allerletzte die 42 Kilometer beendet haben.
Da sind wir bereits wieder auf dem Weg nach Hause und innerlich beginnen die Vorbereitungen bereits für den Skadi Loppet, unser Saisonfinale in meinem Heimatort Bodenmais.
Bis dahin.
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Marxa Beret (Spanien) 2012
06.02.2012






