The Nordic Way of Life (Teil9)

Mario Felgenhauer am 10.05.2004 - 09:05 Uhr

Es gibt sicher bessere Trainingseinheiten im Mai als einen Rollskiwettkampf. Nachdem die Rollskiläufer allerdings ihre Saison ziemlich früh beginnen und im Sommer und Herbst fast nur noch Weltcups und die Weltmeisterschaft anstehen, habe ich mich dazu durchgerungen, meine Trainingspause zu verschieben und gleich weiterzumachen.


Als erstes Rennen dieses Jahr stand letztes Wochenende ein Qualifikationswettkampf in Büschergrund (Nordrhein Westfalen) auf dem Terminplan und da musste ich natürlich unbedingt hin.


Als Skilangläufer bin ich es gewohnt immer am Tag vor dem ersten Start anzureisen. Dabei musste ich feststellen, dass das in Rollskikreisen anscheinend nicht üblich war. Da der Prolog am Samstag erst um 16 Uhr gestartet wurde, kamen alle anderen erst gegen Mittag ins Städtchen Freudenberg und dessen Vorort Büschergrund.


Da mussten sie sich dann auch nicht mehr soviel Sorgen wegen des Wetters machen. Am Vormittag waren die Straßen im Gewerbegebiet Hommeswiese, auf denen am Nachmittag gelaufen werden sollte, noch ganz schön nass und rutschig. Doch bis zum Start trocknete die Fahrbahn komplett ab.


Bereits beim Einlaufen kamen erste Zweifel. Meine Rennroller waren noch nicht eingelaufen, ich wurde ständig überholt und die schwierigste Kurve war für mich kein Hindernis, da ich auch dort immer noch arbeiten musste um nicht stehen zu bleiben.


Beim Prolog ging es dann im Einzelstart auf 3 Runden, die zusammen 6 Kilometer Strecke ergaben. Ich ging von Anfang an Vollgas, da einer der Favoriten 30 Sekunden hinter mir startete. Doch bereits am Ende der erste Runde nach der einzigen langgezogenen Abfahrt war der zu mir aufgelaufen und ließ mich stehen. Im Ziel waren es dann 1:49min. Rückstand auf den Ersten Harald Treude. Nicht gerade berauschend. Mit dem hinter mir gestarteten Markus Huber, seiner Schwester, dem dritten Exil Bayern Thomas Grimbs und zwei ihrer neuen Vereinskollegen ging es dann zum Abendessen in ein chinesisches Restaurant nach Freudenberg. Es war Buffet angesagt und das nutzen wir auch kräftig aus. Nur die 3 großen, übervollen Teller von einem aus unserer Gruppe (Name ist bei mir persönlich zu erfragen) gaben mir dann schon etwas zu denken.


Beim Jagdstart am nächsten Tag gingen zuerst die Damen an den Start. Als wir Herren dann um 11:30 in die drei Startkorridore gebeten wurden, war mir noch nicht ganz klar was mich erwartet. 30 Kilometer in 15 Runden unterteilt können ganz schön lang werden.


Da ich innerhalb von 25 Sekunden mehrere Läufer vor mir hatte, gab ich genauso wie am Samstag vom Start weg Vollgas. Ich dachte mir, wenn ich nur schnell genug loslaufe, müsste ich doch noch den ein oder anderen erreichen können. Einen Holländer habe ich dann auch ziemlich bald geschnappt, nur vom Rest war weit und breit nichts zu sehen. Als dann auch noch ein zweiter Holländer von hinten zu uns auflief war mein Schicksal für diesen Tag besiegelt. Ich war zwar am Anstieg schneller, nur die beiden Flachländer blieben im Windschatten und bergab hatte ich Mühe ihnen zu folgen. Von den Führenden wurden wir dann auch ziemlich schnell überrundet und so ergaben wir uns in das Schicksal. In der letzten Runde konnte zwar einer der Oranjes nicht mehr folgen, aber der Zweite versuchte mich in der Abfahrt abzuhängen. Dank seines Windschattens und viel Beinarbeit meinerseits gelang ihm das aber nicht. 500 Meter vor dem Ziel begann der Schlussanstieg. Das Ziel war dann extra noch mal 200 Meter abseits der normalen Rundstrecke auf einer kleinen Anhöhe. Dorthinauf musste ich also angreifen. Was ich allerdings nicht gedacht hätte: Als ich den ersten Schritt in den Anstieg machte, blieb der Holländer sofort zurück. So konnte ich mich zumindest um einen Platz zum Vortag verbessern. In Holland gibt’s eben keine Berge. Glück für mich.


Alles in allem war die ganze Veranstaltung ein echtes Erlebnis. Auf Skiern läuft man schließlich auch nicht oft mit einem 28er Schnitt durch die Gegend.


Mal schauen wie mir der total flache Kurs auf dem Lausitzring nächstes Wochenende liegt.


Bis dahin


 


„Kein Tempolimit, kein Radar, keine Bremsen, einfach nur Skirollern!“










Mein rotes Tuch: Der Holländer vor mir!

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