Zwangsabstieg und die Folgen
Norbert Gütlein am 23.06.2008 - 12:24 Uhr
Kein Mangel herrscht in Deutschland an Anleitungen zum fit werden und bleiben. Trainingspläne gibt es im Internet, in den Fitnesstempeln warten diplomierte Sportlehrer auf Kundschaft und charismatische und kompetente „Vorturner“ wie Peter Schlickenrieder vertreiben geballtes Wissen in Buchform. Ginge es nach den dort propagierten Anleitungen, müssten wir alle erbarmungslos gesund, gertenschlank und leistungsfähig sein. Dass dem nicht so ist, verraten die einschlägigen Statistiken, ein Blick auf durchschnittliche Menschenansammlungen und gegebenenfalls auch einer in den eigenen Spiegel. Das Korrektiv, das uns davor bewahrt, zu einem Volk von Supersportlern zu werden und Ärzten, Krankenhäusern und der Genussmittelindustrie weiterhin ein erträgliches Einkommen beschert, hat einen Namen – es ist der „innere Schweinehund“. Die eingangs zitierte Literatur schweigt sich leider überwiegend darüber aus, wie er denn zu überlisten wäre. Das liegt vermutlich daran, dass er individuell äußerst verschieden auftritt, sich immer wieder verändern kann und er überhaupt ein eher launischer und unberechenbarer Geselle ist.
Letzteres Verhalten konnte ich unlängst an meinem persönlichen Exemplar erfahren. Durch langjährige Beobachtung glaubte ich, meinen inneren Schweinehund einigermaßen zu kennen. Charakteristisch ist vor allem sein selektives Verhalten in Bezug auf die ausgeübte Sportart. Beim Skilanglauf erreicht er gewissermaßen negative Werte und zieht mich förmlich in die Loipe. Auch Laufen und Nordic Walking fördert er. Beim Schwimmen schwankt seine Stimmung je nach Tagesform, während er das Fitnessstudio gutmütig toleriert. Die so wichtige Funktionsgymnastik boykottiert er wo er nur kann, beim Gedanken an Fahrradergometer und Laufband im Keller erreicht er die Größe eines Elefanten. Leider hat er auch eine zähe Abneigung gegen Skirollertraining und Nordic Blading entwickelt. Seine maximale Bremskraft hingegen erreicht er seit einigen Jahren beim Radfahren. Da dies nicht immer so war und ich den Radsport 15 Jahre lang fast ausschließlich ausgeübt habe, muss wohl eine Spontanmutation vorgefallen sein. Tatsache ist, dass bei mir MTB und Rennrad überwiegend im Keller verstauben.
So war ich am Pfingstmontag dieses Jahres doch einigermaßen überrascht, dass mein bei Gedanken an Sport stets hellwacher innerer Schweinehund geradezu zu einer Mountainbike-Tour einlud. Hatte ihm das schöne Frühlingswetter die Sinne vernebelt? Alternativen hätte es genug gegeben. Im Keller lud der nagelneue WaterRower meiner Gattin zum Ausprobieren und das örtliche Schwimmbad mit seiner 50 m-Bahn hatte gerade seine Pforten geöffnet. Hätte er sich doch drohend aufgerichtet und Zähne fletschend den Türrahmen blockiert, als ich mein Bike startklar machte! Aber nein, gleichgültig ringelte er sich in einer Ecke ein – und das Schicksal nahm seinen Lauf. Zu schnell unterwegs auf einem zerfurchten Schotterweg, die Gefahrenstelle zu spät erkannt, verbremst, Abflug über den Lenker, Aufprall mit der rechten Schulter, Schlüsselbeinbruch. Eine in der Biberacher Nova Clinic eingesetzte massive Metallplatte, 9 Schrauben und eine Drahtschlinge halfen, das „Trümmerfeld“ wieder in die richtige Form zu ordnen. Zusätzlich gab es natürlich eine längere Zwangstrainingspause.
Ist das Herrchen erst einmal außer Gefecht, wird der innere Schweinehund arbeitslos und in der Folge träge und unaufmerksam. Dies machte ich mir zunutzen, entmottete das Fahrradergometer und verfolgte strampelnd zahlreiche EM-Spiele – ätsch! Dass mein Zorn über sein unzuverlässiges Verhalten noch nicht verraucht ist, spürt er – beim geringsten Aufmucken kommt ein Sportschuh geflogen. Darauf, wie es mit uns weitergeht, bin ich selbst gespannt, mit der friedlichen Koexistenz der vergangenen Jahre ist aber definitiv Schluss. Spannende Auseinandersetzungen sind also zu erwarten, sobald der Genesungsprozess wieder Doppelstockschübe zulässt.
Letzteres Verhalten konnte ich unlängst an meinem persönlichen Exemplar erfahren. Durch langjährige Beobachtung glaubte ich, meinen inneren Schweinehund einigermaßen zu kennen. Charakteristisch ist vor allem sein selektives Verhalten in Bezug auf die ausgeübte Sportart. Beim Skilanglauf erreicht er gewissermaßen negative Werte und zieht mich förmlich in die Loipe. Auch Laufen und Nordic Walking fördert er. Beim Schwimmen schwankt seine Stimmung je nach Tagesform, während er das Fitnessstudio gutmütig toleriert. Die so wichtige Funktionsgymnastik boykottiert er wo er nur kann, beim Gedanken an Fahrradergometer und Laufband im Keller erreicht er die Größe eines Elefanten. Leider hat er auch eine zähe Abneigung gegen Skirollertraining und Nordic Blading entwickelt. Seine maximale Bremskraft hingegen erreicht er seit einigen Jahren beim Radfahren. Da dies nicht immer so war und ich den Radsport 15 Jahre lang fast ausschließlich ausgeübt habe, muss wohl eine Spontanmutation vorgefallen sein. Tatsache ist, dass bei mir MTB und Rennrad überwiegend im Keller verstauben.
So war ich am Pfingstmontag dieses Jahres doch einigermaßen überrascht, dass mein bei Gedanken an Sport stets hellwacher innerer Schweinehund geradezu zu einer Mountainbike-Tour einlud. Hatte ihm das schöne Frühlingswetter die Sinne vernebelt? Alternativen hätte es genug gegeben. Im Keller lud der nagelneue WaterRower meiner Gattin zum Ausprobieren und das örtliche Schwimmbad mit seiner 50 m-Bahn hatte gerade seine Pforten geöffnet. Hätte er sich doch drohend aufgerichtet und Zähne fletschend den Türrahmen blockiert, als ich mein Bike startklar machte! Aber nein, gleichgültig ringelte er sich in einer Ecke ein – und das Schicksal nahm seinen Lauf. Zu schnell unterwegs auf einem zerfurchten Schotterweg, die Gefahrenstelle zu spät erkannt, verbremst, Abflug über den Lenker, Aufprall mit der rechten Schulter, Schlüsselbeinbruch. Eine in der Biberacher Nova Clinic eingesetzte massive Metallplatte, 9 Schrauben und eine Drahtschlinge halfen, das „Trümmerfeld“ wieder in die richtige Form zu ordnen. Zusätzlich gab es natürlich eine längere Zwangstrainingspause.
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