Zwei-Seen-Lauf im Tannheimer Tal
Norbert Gütlein am 18.06.2007 - 09:26 Uhr
"Der Schwerpunkt Ihres Trainings sollte im Sommerhalbjahr zu 80 - 90 % im GA1-Bereich liegen...", steht wortwörtlich in der Trainingsempfehlung, die ich vom Diagnostikzentrum Scheidegg bekommen habe (GA = Grundlagenausdauer).
In meinem Training seit Anfang Mai versuche ich diesem Rat zu folgen und bewege mich überwiegend in angenehmen Herzfrequenz-Regionen bei mittleren bis längeren Lauf- und Radeinheiten. Dass eine solche Empfehlung auch den Verzicht auf Wettkämpfe beinhaltet, versteht sich von selbst, außerdem sind mir Rennen bei starker Sonneneinstrahlung und Hitze ohnehin ein Gräuel.
Wenn da nicht ein Veranstaltungshinweis auf den Zwei-Seen-Lauf im Tannheimer Tal gewesen wäre! Der Gedanke, das verlängerte Wochenende nach Fronleichnam mit einem abwechslungsreichen Lauf in der landschaftlich einmaligen Kulisse der Tannheimer Berge krönen zu können, nagt so lange an mir, bis ich meine guten Vorsätze aufgebe und mich per Internet anmelde. Immerhin verzichte ich auf die um den Vilsalpsee und Haldensee führende 25 km-Strecke und bescheide mich mit der 12,5 km messenden Laufstrecke, die nur den Vilsalpsee umrundet. Nordic Walking wäre auf dieser Strecke auch möglich gewesen, aber diesmal bleiben die Stöcke zu Hause!
Am Morgen des Rennens kommen noch einmal Zweifel hoch, denn es ist sehr heiß und schwül. Zum Glück sorgt ein Gewitter kurz vor dem Start für Abkühlung und Bewölkung. Für die zahlreichen Nordic Walker ist der Wettersturz offenbar das Signal, sich kollektiv ins winterliche Outfit zu zwängen. Bei der Startaufstellung ist die Demarkationslinie zwischen leicht geschürzten Läufern und in warme Klamotten gepackten Nordic WalkerInnen deutlich zu erkennen. Von genau dort nehme ich das Rennen auf.
Auf einer flachen Dorfrunde sortiert sich das Feld der Läufer und Walker. Die Sägerklause wird umrundet, dann führt der allmählich ansteigende Weg Richtung Vilsalpsee. Als Skilangläufer ist man hier auf bekanntem Terrain. Nach langer Wettkampfabstinenz habe ich noch Probleme, mein Tempo zu finden. Parallel zur Straße führt die Strecke über einen Waldweg. Früher ist das 25 km-Klassikrennen des Skitrail auf dieser Strecke verlaufen und ich habe gar keine guten Erinnerungen an diesen Abschnitt, bin ich dort doch schon einmal kurz nach dem Start blau gegangen. Heute läuft alles sehr viel besser. Auf dem sanft ansteigenden Teilstück bewege ich mich in einem recht großen Pulk an Läuferinnen und Läufern, die wie ich genussvoll dahintraben. Es herrscht kein Rennstress und der Besenwagen ist weit weg. Für Abwechslung sorgt eine Damentruppe, die von einer groß gewachsenen Zugläuferin angeführt wird. Mit lauten aufmunternden Rufen treibt sie ihre Schützlinge an. Fürs erste kann ich mich ein Stück absetzen.
Während wir den Vilsalpsee umrunden, tobt oben in den Bergen ein Gewitter, von dem wir aber nur das Donnergrollen und den leise herunterrieselnden Regen mitbekommen. Der See gewinnt durch das Wetter eine dramatische Stimmung, die noch gesteigert wird, als bei der Wende die Tannheimer Kletterberge am Talausgang sichtbar werden. Auf der jetzt abwärts führenden Straße macht sich wieder das Damenkränzchen bemerkbar, das, angeführt von seiner temperamentvollen Anführerin, einen Zwischenspurt einlegt. Ich lasse es etwas verhaltener angehen, schließlich rechne ich damit, dass es noch einmal bergauf gehen könnte. Tatsächlich – ab der Brücke über die Vils führt die Strecke auf der Trasse, auf der im Winter die Skating-Loipe vom Vilsalpsee ins Tannheimer Skigebiet führt, hoch zur Kapelle. Manche Teilnehmer gönnen sich auf dem teilweise recht steilen Anstieg eine Gehpause und ich kann meine Position im Feld verbessern. Auch gegenüber der weiblichen Lauftruppe habe ich wieder die Nase vorn. Das ändert sich schlagartig auf dem letzten abfallenden Wegstück ins Ziel. Von den Tiroler Urschreien ihrer Chefin beflügelt rennen sie alle an mir vorbei. Ich beschließe, dass ein langer Sprint jetzt nicht auf meinem Trainingsplan steht und lasse mich ins Ziel treiben. Dort herrscht eine heitere Atmosphäre. Die im Sekundentakt eintreffenden Hobbyläufer freuen sich über ihre Leistung, man trifft alte Bekannte und kann sich an der guten Verpflegung laben.
Die Siegerehrung in der überfüllten Kletterhalle ist gut besucht, schließlich gibt es neben der Verteilung der Pokale für die Klassensiege auch eine Tombola mit vielen wertvollen Preisen, darunter einem hochwertigen Mountainbike. Über 25 km gewinnt Walter Ernst von der SVO Germaringen, die 12,5 km entscheidet Flori Porzig vom TSV Oberstdorf für sich. Bei den Damen siegt Nicole Lohri aus der Schweiz über die 25 km und Andrea Stengel, Österreich über 12,5 km. Alle Gesamtsieger erzielen zudem neue Streckenrekorde. Auch die Teilnehmerzahl von insgesamt 646 bedeutet neuen Rekord im dritten Jahr des Bestehens dieser Veranstaltung. Die Mischung aus Spitzensport mit internationaler Beteiligung und ausgesprochenem Volkslauf in einer traumhaften Landschaft macht den Reiz dieses Rennens aus. Trainingsplan hin oder her, ich werde wiederkommen!
In meinem Training seit Anfang Mai versuche ich diesem Rat zu folgen und bewege mich überwiegend in angenehmen Herzfrequenz-Regionen bei mittleren bis längeren Lauf- und Radeinheiten. Dass eine solche Empfehlung auch den Verzicht auf Wettkämpfe beinhaltet, versteht sich von selbst, außerdem sind mir Rennen bei starker Sonneneinstrahlung und Hitze ohnehin ein Gräuel.
Wenn da nicht ein Veranstaltungshinweis auf den Zwei-Seen-Lauf im Tannheimer Tal gewesen wäre! Der Gedanke, das verlängerte Wochenende nach Fronleichnam mit einem abwechslungsreichen Lauf in der landschaftlich einmaligen Kulisse der Tannheimer Berge krönen zu können, nagt so lange an mir, bis ich meine guten Vorsätze aufgebe und mich per Internet anmelde. Immerhin verzichte ich auf die um den Vilsalpsee und Haldensee führende 25 km-Strecke und bescheide mich mit der 12,5 km messenden Laufstrecke, die nur den Vilsalpsee umrundet. Nordic Walking wäre auf dieser Strecke auch möglich gewesen, aber diesmal bleiben die Stöcke zu Hause!
Am Morgen des Rennens kommen noch einmal Zweifel hoch, denn es ist sehr heiß und schwül. Zum Glück sorgt ein Gewitter kurz vor dem Start für Abkühlung und Bewölkung. Für die zahlreichen Nordic Walker ist der Wettersturz offenbar das Signal, sich kollektiv ins winterliche Outfit zu zwängen. Bei der Startaufstellung ist die Demarkationslinie zwischen leicht geschürzten Läufern und in warme Klamotten gepackten Nordic WalkerInnen deutlich zu erkennen. Von genau dort nehme ich das Rennen auf.
Auf einer flachen Dorfrunde sortiert sich das Feld der Läufer und Walker. Die Sägerklause wird umrundet, dann führt der allmählich ansteigende Weg Richtung Vilsalpsee. Als Skilangläufer ist man hier auf bekanntem Terrain. Nach langer Wettkampfabstinenz habe ich noch Probleme, mein Tempo zu finden. Parallel zur Straße führt die Strecke über einen Waldweg. Früher ist das 25 km-Klassikrennen des Skitrail auf dieser Strecke verlaufen und ich habe gar keine guten Erinnerungen an diesen Abschnitt, bin ich dort doch schon einmal kurz nach dem Start blau gegangen. Heute läuft alles sehr viel besser. Auf dem sanft ansteigenden Teilstück bewege ich mich in einem recht großen Pulk an Läuferinnen und Läufern, die wie ich genussvoll dahintraben. Es herrscht kein Rennstress und der Besenwagen ist weit weg. Für Abwechslung sorgt eine Damentruppe, die von einer groß gewachsenen Zugläuferin angeführt wird. Mit lauten aufmunternden Rufen treibt sie ihre Schützlinge an. Fürs erste kann ich mich ein Stück absetzen.
Während wir den Vilsalpsee umrunden, tobt oben in den Bergen ein Gewitter, von dem wir aber nur das Donnergrollen und den leise herunterrieselnden Regen mitbekommen. Der See gewinnt durch das Wetter eine dramatische Stimmung, die noch gesteigert wird, als bei der Wende die Tannheimer Kletterberge am Talausgang sichtbar werden. Auf der jetzt abwärts führenden Straße macht sich wieder das Damenkränzchen bemerkbar, das, angeführt von seiner temperamentvollen Anführerin, einen Zwischenspurt einlegt. Ich lasse es etwas verhaltener angehen, schließlich rechne ich damit, dass es noch einmal bergauf gehen könnte. Tatsächlich – ab der Brücke über die Vils führt die Strecke auf der Trasse, auf der im Winter die Skating-Loipe vom Vilsalpsee ins Tannheimer Skigebiet führt, hoch zur Kapelle. Manche Teilnehmer gönnen sich auf dem teilweise recht steilen Anstieg eine Gehpause und ich kann meine Position im Feld verbessern. Auch gegenüber der weiblichen Lauftruppe habe ich wieder die Nase vorn. Das ändert sich schlagartig auf dem letzten abfallenden Wegstück ins Ziel. Von den Tiroler Urschreien ihrer Chefin beflügelt rennen sie alle an mir vorbei. Ich beschließe, dass ein langer Sprint jetzt nicht auf meinem Trainingsplan steht und lasse mich ins Ziel treiben. Dort herrscht eine heitere Atmosphäre. Die im Sekundentakt eintreffenden Hobbyläufer freuen sich über ihre Leistung, man trifft alte Bekannte und kann sich an der guten Verpflegung laben.
Die Siegerehrung in der überfüllten Kletterhalle ist gut besucht, schließlich gibt es neben der Verteilung der Pokale für die Klassensiege auch eine Tombola mit vielen wertvollen Preisen, darunter einem hochwertigen Mountainbike. Über 25 km gewinnt Walter Ernst von der SVO Germaringen, die 12,5 km entscheidet Flori Porzig vom TSV Oberstdorf für sich. Bei den Damen siegt Nicole Lohri aus der Schweiz über die 25 km und Andrea Stengel, Österreich über 12,5 km. Alle Gesamtsieger erzielen zudem neue Streckenrekorde. Auch die Teilnehmerzahl von insgesamt 646 bedeutet neuen Rekord im dritten Jahr des Bestehens dieser Veranstaltung. Die Mischung aus Spitzensport mit internationaler Beteiligung und ausgesprochenem Volkslauf in einer traumhaften Landschaft macht den Reiz dieses Rennens aus. Trainingsplan hin oder her, ich werde wiederkommen!
Fotoserie: Zwei-Seen-Lauf im Tannheimer Tal
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