Bildschärfe und Autofokus

2b-Sportredaktion am 11.07.2006 - 12:15 Uhr
Nachdem wir uns im Special Sportfotografie bereits in den ersten beiden Teilen mit den Besonderheiten dieser Disziplin und den Materialanforderungen beschäftigt haben, soll im dritten Teil der Serie nun die aktive Bildgestaltung ins Zentrum rücken. Dabei spielen Bildschärfe, Belichtung und Weißabgleich die Hauptrolle.

Richtig Scharfstellen mit Autofokus
Nicht nur in der Sportfotografie ist die Bildschärfe eines der zentralen Elemente des fertigen Fotos. Doch bei Bewegungsaufnahmen ist es oftmals gar nicht leicht, bewusst die richtigen Elemente zu fokussieren. Bei Kompaktkameras hat der Fotograf oftmals aus technischen Gründen keine Gelegenheit, selbst Akzente zu setzen - der Autofokus übernimmt die Scharfstellung. Generell kann Schärfe sowieso nur auf einer Ebene des Bildes erreicht werden. Alles davor und dahinter ist - technisch gesehen - unscharf. Dabei nimmt das menschliche Auge einen größerer Bereich rund um den fixierten Punkt dennoch als scharf wahr, hier reden wir von der Tiefenschärfe des Bildes. Bei einfachen Kameras beispielsweise ist die Schärfe etwa drei Meter vom Objektiv entfernt eingestellt. Wer auf besseres Material zurückgreifen kann, wird bei jedem Bild den scharfen Punkt neu einstellen. Dabei helfen vor allem passive Autofokus-Systeme.

Aktives und passives System
Während bei aktiven Autofokusmodellen die Entfernung zum Motiv mittels eines Infrarot- oder Ultraschallstrahls ermittelt und dann auf diesen Punkt scharfgestellt wird, arbeitet der passive Autofokus mit einem ständigen Kontrastabgleich. Da ein scharfes Bild klare Kanten hat, ein unscharfes aber weiche Übergänge aufweist, kann über die ständigen Kontrastvergleiche die größtmögliche Bildschärfe erreicht werden. Der Nachteil dieser Methode liegt in ihrer Lichtabhängigkeit: Bei völliger Dunkelheit ist der passive Autofokus unwirksam.

Das Motiv aus dem Zentrum verschieben
Ein anderer Nachteil des Autofokus ist dessen Annahme, das Bildmotiv befinde sich immer in der Bildmitte. Dabei wird es oftmals im Interesse des Fotografen liegen, die Schärfe auf einen Randbereich zu legen. Dazu muss der Autofokus 'überlistet' werden. Bei nahezu allen Kameramodellen kann die Schärfeeinstellung dadurch eingeleitet werden, dass der Auslöser auf halbe Höhe gedrückt wird. Fixiert man zunächst den als scharf gewünschten Bereich und hält dann den Auslöser auf dieser halbgedrückten Position, lässt sich danach der Bildausschnitt verändern, ohne dass der Autofokus auf ein anderes Motiv umstellt. Auch wenn sich das ursprünglich mittige Objekt nun am Bildrand befindet, wird es scharf abgebildet sein. Hierbei kann auch mit der Brennweite gearbeitet werden. Bei Portraitbildern empfiehlt es sich, zuvor auf die Augen zu zoomen, scharfzustellen und dann bei halb gedrücktem Auslöser die Brennweite wieder zu verkürzen. Die Schärfe bleibt dann auf den Augen der abgelichteten Person.

Den Moment einfangen
Auf diese Weise lässt sich bei Sportfotografien auch 'vorsorglich' scharfstellen. Erwartet man ein schnelles Motiv an einem festen Objekt (beispielsweise der Hürde beim Hürdenlauf in der Leichtathletik), so kann man die Schärfe auf das feste Objekt einstellen. Danach muss der Fotograf nur noch den richtigen Moment erwischen, in dem der Sportler den Fixpunkt erreicht. Trotz der oben beschriebenen Nachteile ist der Autofokus bei Sportbildern eine fast unverzichtbare Hilfe. Je schneller der Sport, desto unmöglicher wird eine manuelle Schärfeeinstellung durch den Fotografen. Nützlich ist dabei auch das in vielen Kameras vorhandene CAF-System. Diese automatische Schärfenachführung sorgt dafür, dass die Schärfe bis zum Auslösen ständig korrigiert wird. Weit weniger Kameras verfügen über einen vorausahnenden Autofokus. Dieser sammelt Daten über Richtung und Geschwindigkeit des fokussierten Motivs und benutzt diese, um ein scharfes Bild zu erzeugen. Naturgemäß wird diese Funktion bei längeren Brennweiten und höherem Tempo immer ungenauer - dennoch kann sie sich als sehr nützlich erweisen.
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