DSV-Biathleten vor Olympia 2026: Vorbereitung, Herausforderungen und Ambitionen - xc-ski.de Langlauf

DSV-Biathleten vor Olympia 2026: Vorbereitung, Herausforderungen und Ambitionen

Die deutschen Biathlon-Olympioniken sind bereits in Antholz angereist. Zuvor haben sich Sportdirektor und Athleten aus dem finalen Vorbereitungslehrgang zum bisherigen Saisonverlauf, zu den Wettkampfstätten, zur Herangehensweise und zu Zielen bei den XXV. Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina 2026 geäußert.  

Felix Bitterling, DSV-Sportdirektor Biathlon

Felix Bitterling (GER) © DSV

Mit Blick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele für uns Biathleten in Antholz in Südtirol lohnt sich zunächst ein kurzer Rückblick auf die bisherige Saison. Alles in allem kann man sagen, dass wir als Team noch nicht so richtig in einen Flow gekommen sind. Es läuft aktuell etwas schwerer, insbesondere bei den Damen, als es zum Beispiel im vergangenen Jahr der Fall war. Oft sind es Nuancen, die entscheiden, der letzte Schuss oder ein paar Sekunden auf der Schlussrunde, die man noch herauslaufen kann oder eben knapp verpasst. Nichtsdestotrotz sehen wir viele positive Entwicklungen. Bei den Herren ist das Team deutlich stabiler geworden, die einzelnen Athleten haben sich spürbar weiterentwickelt und gefestigt. Auch bei den Damen verfügen wir grundsätzlich über eine sehr leistungsstarke Mannschaft. Sie war zwar vom frühen Ausfall der beiden besten Athletinnen aus dem Vorjahr geprägt, hat zuletzt aber wieder klar angeklopft. Natürlich sind wir rein von der Anzahl der Podestplätze aktuell nicht dort, wo wir gerne wären oder wo wir vergangene Saison standen. Schaut man jedoch genau auf die Ergebnislisten, sind wir absolut in Schlagdistanz. Dieses Blatt kann sich bei den kommenden Rennen wenden, ohne, dass es dafür außergewöhnliche Umstände oder Wunder bräuchte. Das Potenzial ist definitiv vorhanden, um bei Olympia anzugreifen.

Antholz ist für uns ein ganz besonderer Ort. Seit vielen Jahren fester Bestandteil des Weltcups, ein traditionelles Pflaster, auf dem die deutsche Mannschaft häufig sehr gute Leistungen gezeigt hat. Man spürt in der Mannschaft eine positive Grundstimmung. Es ist ein Ort, mit dem wir keine Altlasten verbinden, sondern viele starke Auftritte aus der Vergangenheit, auch von Athletinnen und Athleten, die jetzt Teil des Olympiateams sind. Durch seine Höhe ist Antholz natürlich speziell. Olympia selbst ist zudem ein sehr langer Wettkampfzeitraum. Entsprechend muss die Vorbereitung langfristig angelegt sein, nicht nur wenige Wochen vorher, sondern über die gesamte Saison hinweg. Genau das haben wir umgesetzt. Auf Basis zahlreicher Daten aus den vergangenen Jahren, erhoben durch unser medizinisches Team, wurden Trainingsblöcke gezielt in der Höhe absolviert. In einzelnen Fällen wurde die Vorbereitung bewusst individueller gestaltet, etwa bei Franzi Preuß. Insgesamt sind wir mit der Vorbereitung sehr zufrieden und konnten das durchziehen, was wir geplant hatten.

Ein entscheidender Faktor in der Höhe ist die Ermüdung. Wie gut einzelne Athletinnen und Athleten damit umgehen, lässt sich nicht immer exakt vorhersagen. Auch äußere Faktoren wie Unterkunft und Umfeld spielen eine Rolle. Wir haben uns daher für eine Lösung in unmittelbarer Stadionnähe entschieden, um möglichst ähnliche Höhenbedingungen zu haben und gleichzeitig optimale Regenerationsmöglichkeiten zwischen den Wettkämpfen sicherzustellen.

Mit welchem Anspruch reisen wir nach Antholz? Unser Anspruch ist klar: Wir wollen bei möglichst jedem Wettkampf ein Wörtchen um die Medaillen mitreden. Uns ist bewusst, dass die Konkurrenz sehr stark ist und wir in den meisten Rennen nicht als Top-Favorit an den Start gehen. Diese Rolle des Herausforderers kann im Biathlon aber auch eine große Chance sein. Wir sehen uns als extrem leistungsfähiges Außenseiter-Team. Gelingt es uns, früh erfolgreich zu sein, vielleicht sogar mit einer Medaille, kann daraus ein Flow entstehen, gerade unter den besonderen Bedingungen in Antholz. Die Weltmeisterschaft in der Lenzerheide im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass wir Großevents in der Höhe können.
Entsprechend fahren wir mit großer Zuversicht nach Antholz. Die Dinge, die nicht optimal gelaufen sind, wurden aufgearbeitet. Wir fühlen uns bereit für dieses Großevent im olympischen Zyklus. Olympia ist immer ein ganz spezieller Event, auch was das Flair betrifft. In diesem Jahr kommt durch die Aufteilung der Wettkampfstätten ein neues Konzept hinzu, das aus Nachhaltigkeitsgründen auf bestehende Anlagen setzt. Das ist sicherlich auch ein Experiment. Wenn man diesen Weg gehen will, muss man aber auch bereit sein, Neues auszuprobieren. Statt eines zentralen olympischen Dorfs erleben wir Wettkämpfe an traditionsreichen Orten, an denen der jeweilige Sport wirklich gelebt wird. Das hat einen großen Wert und wird auch dort für olympisches Flair sorgen. Die Eröffnungsfeier wird für viele Athletinnen und Athleten ein besonderer Moment sein, der Augenblick, in dem man realisiert, dass man es geschafft hat, bei dem größten sportlichen Ereignis der letzten vier Jahre dabei zu sein und Deutschland zu vertreten. Auch wenn wir in Antholz etwas abseits der anderen Sportarten sind, wird das olympische Gefühl spürbar sein, durch die Kulisse, das große Interesse am Wintersport und den gemeinsamen Auftritt als Team Deutschland. Wir werden alles in die Waagschale werfen, um erfolgreich zu sein. Wir sind optimistisch, hochmotiviert und freuen uns sehr auf diese Olympischen Spiele.

Selina Grotian

Selina Grotian (GER) © picture alliance

Der Saisonstart ist bei mir nicht ganz so verlaufen, wie ich es mir erhofft oder erwartet hatte. Nach Östersund bin ich leider direkt krank geworden. Im Nachhinein glaube ich aber, dass mir die Krankheit vielleicht gar nicht so schlechtgetan hat. Ich konnte danach wieder gut Fahrt aufnehmen und habe zurück zu meiner alten Form gefunden. Vielleicht war es sogar ganz gut, dass ich das jetzt hinter mir habe und zum richtigen Zeitpunkt wieder gut in Form bin. Es gab zwar ein paar Startschwierigkeiten, aber ich habe auch viel daraus gelernt, vor allem, dass man nach einer Krankheit nicht zu früh wieder einsteigen darf. Pausen sind extrem wichtig, und man lernt seinen Körper dabei einfach noch besser kennen.

Auch mit Blick auf Olympia habe ich zwar einige Wettkämpfe verpasst, aber ich glaube, dass mir diese Phase trotzdem etwas mitgegeben hat. In der Vorbereitung habe ich zuletzt vor allem an meinem Liegendanschlag gearbeitet und daheim noch ein bisschen geschraubt. Das versuche ich jetzt hier in Obertilliach weiter zu festigen. Es fühlt sich insgesamt ganz gut an, vor allem auch durch die Schießduelle mit den anderen Mädels. Das ist immer wichtig, weil ich zu Hause doch viel alleine trainiere, gemeinsam zu schießen bringt nochmal einen ganz anderen Reiz. Läuferisch fühle ich mich eigentlich sehr gut. Da geht es für mich jetzt eher darum, auf meinen Körper zu hören. Der Fokus liegt klar auf dem Schießen: Anschläge festigen, viel Trockentraining machen und wieder gut in den Rhythmus kommen.

Die Höhe in Antholz ist für mich keine große Herausforderung. Klar merkt man sie ab und zu, vielleicht mit etwas Kopfweh, aber im Wettkampf hatte ich damit bisher nie große Probleme. Die Strecken in Antholz liegen mir zudem sehr gut. Ich mag das Profil total gerne und bin dort letztes Jahr sogar aufs Podest gelaufen. Es ist wahrscheinlich die Weltcup-Strecke, die mir am meisten liegt, weil man viel Eins-gegen-eins läuft. Ich fühle mich dort einfach wohl und habe sehr gute Erinnerungen, deshalb freue ich mich extrem darauf. Es werden auch sehr viele Freunde und wahrscheinlich auch meine Familie vor Ort sein. Ich habe schon viele Nachrichten bekommen von Leuten, die sich Tickets organisiert haben.

Olympia ist einfach etwas Besonderes, gerade weil es diesmal so nah ist. Es kommen auch viele aus meiner Heimat rüber, darüber freue ich mich riesig. Natürlich habe ich bei Olympia das Ziel, eine Medaille zu gewinnen, das ist unser aller Ziel. Trotzdem gehe ich recht locker an die Wettkämpfe heran und versuche, sie wie normale Rennen zu sehen. Mein Anspruch ist, an diesem Tag meine beste Leistung abzurufen, sowohl am Schießstand als auch auf der Strecke. Wenn ich am Ende sagen kann, ich habe alles gegeben und das Bestmögliche rausgeholt, dann bin ich zufrieden. Eine Medaille wäre natürlich etwas ganz Besonderes, aber für mich zählt auch, die Erfahrung mitzunehmen und mit einem guten Gefühl aus Antholz abzureisen.

Meine Italienischkenntnisse sind eher begrenzt, ich weiß nicht mal, ob ich eine Pizza bestellen könnte. Dafür freue ich mich umso mehr auf das Essen im Team. Ich durfte schon einen Blick in den Speiseplan unseres Kochs werfen, und da waren viele richtig gute Sachen dabei. Ich glaube, wir werden wieder sehr verwöhnt. Ich freue mich generell auf die Atmosphäre, den Spirit und darauf, das alles mit dem Team zu erleben. Antholz ist bei schönem Wetter einfach traumhaft, und gemeinsam dort Olympia zu erleben, wird etwas ganz Besonderes. Als Glücksbringer habe ich immer kleine Glücksschweinchen dabei, die ich von einem Sponsor bekommen habe. Mein Hauptglücksbringer ist aber meine Kette, die trage ich fast immer. Viel Schmuck, den ich anhabe, kommt von meiner Mama und soll mir Glück bringen. Das gehört für mich einfach dazu.

Janina Hettich-Walz

Janina Hettich-Walz (GER) © picture alliance

Wenn ich ganz ehrlich auf meine Saison zurückblicke, bin ich nicht komplett zufrieden. Meine Laufform war eigentlich über weite Strecken sehr gut, da hatte ich wirklich gute Möglichkeiten. Aber ich habe in vielen Rennen einfach zu schlecht geschossen. Das war in den letzten Jahren deutlich besser, deshalb kann ich mit der Saison insgesamt nicht ganz zufrieden sein. Trotzdem habe ich gerade in ein, zwei Staffeln oder auch beim Sprint in Oberhof gesehen, was möglich ist, wenn alles zusammenpasst und ich einen richtig guten Tag erwische. Deswegen bin ich auch nicht komplett negativ eingestellt, sondern weiß, dass das Potenzial da ist. In der aktuellen Vorbereitungsphase kann man das Rad natürlich nicht mehr neu erfinden. Wir arbeiten nochmal gezielt an der Technik. In Obertilliach versuchen wir, ein ähnliches Profil zu laufen wie später in Antholz, um uns technisch schon darauf einzustellen. Beim Schießen geht es für mich vor allem darum, wieder mehr Ruhe reinzubringen und auf meine eigene Stärke zu vertrauen, dass ich es eigentlich kann. Wichtig ist, mich am Schießstand nicht zu sehr zu stressen oder unter Druck zu setzen. Mal klappt das besser, mal schlechter, aber genau daran arbeiten wir jetzt.

Das Thema Höhe ist für mich tatsächlich überhaupt kein Problem. Ich bin damit schon immer gut zurechtgekommen und hatte auch in Antholz bei Wettkämpfen fast immer gute Laufzeiten. Deshalb stresst mich das gar nicht, im Gegenteil, ich freue mich richtig darauf, weil ich weiß, dass mir die Strecken dort grundsätzlich liegen. Generell freue ich mich sehr, dass die Olympischen Spiele wieder in Europa stattfinden. Ich werde oft gefragt, ob es schade ist, dass es kein klassisches Olympisches Dorf gibt, in dem alle zusammen sind. Für mich ist das eher positiv. Gerade mit Blick auf Nachhaltigkeit finde ich es sinnvoller, bestehende Wettkampfstätten zu nutzen, anstatt Milliarden in neue Anlagen zu stecken, die danach kaum noch gebraucht werden. Deshalb finde ich das Konzept richtig gut.

Freunde und Familie werden auch vor Ort sein, darauf freue ich mich sehr. Sportlich ist natürlich noch offen, in welchen Rennen wir tatsächlich zum Einsatz kommen. Abgesehen von Franzi hat bei uns jede schon sehr gute, aber auch richtig schlechte Rennen gezeigt. Das macht es für die Trainer sicher nicht einfach. Deshalb weiß man im Moment noch nicht genau, worauf man sich einstellen kann. Ich versuche, das positiv zu sehen: Wenn ich eine Chance bekomme, will ich sie nutzen. ‚Dabei sein ist alles‘, das ist immer so eine Sache. Meine Idealvorstellung wäre, mich in den Einzelrennen so zu präsentieren, dass ich mir einen Platz in der Staffel erarbeite. Ich glaube, dass wir dort dann realistische Chancen haben, um die Medaillen mitzukämpfen. Klar, eine Einzelmedaille erfordert, dass wirklich alles perfekt zusammenpasst. Ich habe vor zwei Jahren gezeigt, dass es möglich ist, aber damit rechnet man natürlich nicht automatisch. Wenn ich mich so präsentiere, dass ich für die Staffel infrage komme, wäre das für mich schon ein sehr erfolgreiches Olympia, und damit wäre ich absolut zufrieden.

Und was meine italienischen Sprachkenntnisse angeht: Die sind quasi nicht vorhanden. Zum Glück sind wir in Südtirol, da sprechen alle Deutsch.

Franziska Preuß

Franziska Preuss (GER) © picture alliance

Die bisherige Saison war für mich insgesamt eher herausfordernd, vor allem aus gesundheitlicher Sicht. Das hat mich schon ziemlich gefordert. Trotzdem waren einige gute Platzierungen dabei, und ich bin lange genug dabei, um das richtig einordnen zu können. In diesem Feld sind auch ein siebter oder fünfter Platz sehr viel wert. Von daher bin ich damit insgesamt schon zufrieden. Klar, diese ganz großen Top-Rennen, bei denen wirklich alles perfekt zusammenpasst, waren bisher nicht so häufig dabei. Aber ich sehe ganz klar, dass ich im Anschlussbereich voll dabei bin. In der jetzigen Vorbereitungsphase geht es für mich vor allem darum, frisch zu sein, sowohl mental als auch körperlich. Materialtechnisch haben wir im November nochmal gute Gespräche geführt, und insgesamt unterscheidet sich die Vorbereitung eigentlich gar nicht groß von einer WM-Saison. Am Ende ist es dann doch immer sehr ähnlich.

Das Thema Höhe spielt für mich keine große Rolle, weil ich in Antholz schon sehr viele Rennen gelaufen bin und auch im Sommer oft dort war. In der Vergangenheit hatte ich damit eigentlich nie Probleme. Natürlich hatte man die Höhe bei der Lehrgangsplanung im Sommer im Hinterkopf, aber ich mache da kein großes Thema draus. Ich war oft in Antholz, kenne die Strecke gut und laufe sie auch gerne. Sie ist sehr eins-zu-eins, recht kurvig durch den Wald, das liegt mir. Der Schießstand ist nicht ganz einfach, vor allem durch den Anlauf und die Höhenlage, bei der man etwas mehr schnaufen muss. Aber ich habe das dort meistens solide hinbekommen und vertraue auch diesmal darauf. Ich freue mich sehr, dass die Olympischen Spiele wieder in Europa stattfinden. Es sind meine vierten Spiele, und diesmal endlich wieder mit echten Winterfans, die sich für den Sport begeistern und mitfiebern. Darauf freue ich mich wirklich sehr.

Natürlich habe ich meine Ziele, ganz klar. Gleichzeitig weiß ich aus Erfahrung, wie viel an so einem Tag zusammenpassen muss und dass auch eine Portion Glück dazugehört. Mein Wunsch ist einfach, dass ich meine besten Rennen abrufen kann und nichts Außergewöhnliches passiert. Alles Weitere wird sich dann zeigen, und am Ende sieht man, wofür es gut ist.

Julia Tannheimer

Julia Tannheimer (GER) © picture alliance

Wenn ich auf meine bisherige Saison zurückblicke, bin ich insgesamt eigentlich zufrieden. Vor allem mit meinem Laufen bin ich sehr positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut und vor allem so konstant funktioniert. Letztes Jahr hatte ich gerade gegen Ende der Saison läuferisch einige Probleme, deshalb freut es mich umso mehr, dass es in diesem Jahr deutlich besser läuft. Auch das Schießen entwickelt sich von Woche zu Woche positiv. Natürlich nervt es mich ein bisschen, dass der Start in die Saison schießtechnisch nicht optimal war, aber umso schöner ist es, dass es jetzt kontinuierlich besser wird. An der Vorbereitung hat sich im Vergleich zum letzten Jahr eigentlich nicht viel verändert. Ich denke auch, dass man in den letzten zwei Wochen ohnehin nichts Grundlegendes mehr verändern kann. Es geht eher darum, die Abläufe zu festigen und sich nochmal Sicherheit zu holen, genau das habe ich versucht.

Die Höhe finde ich persönlich sogar ziemlich cool. Das war für mich noch nie ein großes Problem, und wenn man weiß, dass man damit vielleicht etwas besser klarkommt als andere, ist das natürlich ein gutes Gefühl. Antholz liegt ja auf rund 1.600 Metern, und ich trainiere ohnehin häufig auf mittlerer Höhe, deshalb ist der Unterschied für mich nicht besonders groß. Die Strecken kenne ich bisher nur aus dem Training. Ich war letztes Jahr zur WM-Vorbereitung in Antholz, habe dort aber noch keinen Wettkampf bestritten. Bestimmte Passagen, die nur im Rennen gelaufen werden, kenne ich deshalb noch nicht. Gerade deshalb habe ich dieses Jahr bewusst viel Eins-eins trainiert. Das war letztes Jahr eine Schwäche von mir, und gleichzeitig wusste ich, dass Antholz technisch sehr anspruchsvoll ist. Ich habe hier im Vergleich zum letzten Jahr einen großen Schritt gemacht und bin deshalb optimistisch, dass das gut passen kann.

Was die Unterstützung vor Ort angeht, werden auf jeden Fall meine Eltern bei ein paar Rennen dabei sein, je nachdem, wie es beruflich passt. Mein Freund kommt ebenfalls, genauso wie mein Heimtrainer, und vielleicht schaffen es auch noch ein paar Freunde. Gerade aus dem Schwarzwald ist es ja doch ein ganz schönes Stück bis nach Antholz, deshalb bedeutet mir das sehr viel.

Sportlich geht es für mich definitiv um gute Rennen. Eine Medaille als Ziel auszusprechen wäre aktuell unrealistisch, aber ich möchte läuferisch gut dabei sein, sauber schießen und einfach meine Leistung abrufen. Dann wird man sehen, wofür es am Ende reicht. Natürlich freue ich mich auch auf das Drumherum. Ich bin gespannt, wie viel Olympia-Feeling tatsächlich aufkommt, da wir ja kein klassisches Olympisches Dorf haben.

Meine Italienischkenntnisse sind allerdings eher überschaubar, ein paar Worte wie ‚Ciao‘ und ‚Prego‘, zählen kann ich auch noch, aber das war es dann schon. Neben dem Wettkampf hoffe ich einfach, diesen besonderen olympischen Vibe ein bisschen aufsaugen zu können. Als Glücksbringer habe ich immer ein kleines Glücksschweinchen dabei und zusätzlich ein gehäkeltes vierblättriges Kleeblatt, das ich in Oberhof von einem Fan geschenkt bekommen habe. Das reist jetzt immer mit, zusammen mit den üblichen Basics, die wahrscheinlich jede Athletin dabeihat.

Vanessa Voigt

Vanessa Voigt (GER) © picture alliance

Besser später als nie, würde ich sagen, das ist so ein bisschen das Motto. Unterm Strich bin ich mit der Saison ganz zufrieden. Klar, es gab Rennen, in denen definitiv noch mehr drin gewesen wäre. Dann gab es Rennen, bei denen eine Teildisziplin gefehlt hat, um ganz vorne mitzulaufen, und wieder andere, die eigentlich ganz gut funktioniert haben, bei denen aber die Ausgangslage nicht optimal war. Es war also wirklich alles dabei. Insgesamt gibt es aber viele Teildisziplinen, die mich positiv stimmen, und vor allem sehe ich einen klaren Aufwärtstrend. Große Stellschrauben, an denen ich bewusst gedreht habe, gab es eigentlich nicht. Ich habe eher mein Setup nochmal fein geschliffen, jedes Detail überprüft und bei Unsicherheiten im Training gezielt wiederholt. Ansonsten verlasse ich mich bewusst auf Altbewährtes und versuche nicht, kurz vor den Olympischen Spielen komplett etwas Neues zu machen.

Natürlich weiß man, dass Olympische Spiele nur alle vier Jahre stattfinden und etwas ganz Besonderes sind. Gleichzeitig sind es am Ende aber auch Biathlon-Rennen, wie wir sie kennen. Die Höhe spielt in der Planung schon eine Rolle, macht sicher einen kleinen Unterschied, betrifft aber letztlich alle Athletinnen und Athleten gleichermaßen. Wir sind gut vorbereitet, waren bereits auf mittlerer Höhe, und ich gehe insgesamt sehr positiv an die Sache heran. Die Strecken und die Anlage in Antholz sind mir sehr vertraut, aus dem Weltcup genauso wie aus Trainingslagern. Ich war diesen Sommer zweimal dort und gehe mit einem sehr guten Gefühl in die Rennen. Ich habe dort schon meinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert und insgesamt einige meiner besten Rennen meiner Karriere gezeigt. Entsprechend groß ist die Vorfreude.

Es ist natürlich auch etwas Besonderes, dass die Olympischen Spiele wieder in Europa stattfinden. Viele Freunde und Familienmitglieder werden vor Ort sein, und darauf freue ich mich sehr. Das Publikum in Antholz ist ohnehin immer besonders, und wenn dann noch vertraute Gesichter dabei sind, macht das das Ganze nochmal schöner. ‚Dabei sein ist alles‘ ist eine Floskel, die man oft hört, aber für mich geht es bei Olympia definitiv um mehr. Ich möchte meine besten Rennen der Saison laufen und einfach zeigen, was in mir steckt.

Meine Italienischkenntnisse sind allerdings eher überschaubar. Eine Pizza würde ich vermutlich über eine App bestellen, mehr wird es sprachlich eher nicht. Neben den Wettkämpfen freue ich mich darauf, andere Sportarten zu verfolgen, wahrscheinlich eher im Fernsehen, und mitzufiebern. Genau dieses Olympia-Feeling, die kleinen Momente, das macht die Spiele aus. Und vielleicht gibt es ja auch die ein oder andere Pizza. Einen Glücksbringer habe ich natürlich auch dabei: meinen Trinkgurt. Der ist für mich extrem wichtig und darf auf keinen Fall fehlen.

Anna Weidel

Anna Weidel (GER) © picture alliance

Mit meinem Saisoneinstieg in Östersund war ich ehrlich gesagt nicht ganz zufrieden. Ich war vorher ein bisschen krank und habe gemerkt, dass es erst Schritt für Schritt wieder vorangegangen ist. In Oberhof hatte ich dann nochmal einen Durchhänger. Die Strecke liegt mir dort leider nicht so gut und insgesamt war der Januar für mich eher schwierig, vor allem auch mental. Deshalb hoffe ich jetzt einfach, dass es wieder bergauf geht, dass es von Tag zu Tag besser wird und ich Richtung Olympia wirklich fit bin. In der Vorbereitung habe ich zuletzt nochmal einen klaren Schwerpunkt aufs Schießen gelegt, weil mir da in Nové Město einiges passiert ist, mit der Strafrunde in der Staffel und auch dem Einzel mit fünf Fehlern. Das entspricht einfach nicht dem, was ich eigentlich kann. In den letzten ein, zwei Wochen habe ich da gezielt angesetzt. Beim Laufen ging es für mich vor allem darum, frisch zu bleiben, das Training sauber zu machen, mich an meine Pulsbereiche zu halten und nochmal Energie zu tanken.

Das Thema Höhe ist bei mir sehr präsent. Ich hatte damit in den letzten Jahren immer wieder Schwierigkeiten, vor allem wenn ich nicht zu hundert Prozent fit war. Dann ist es in der Höhe für mich extrem schwierig geworden. Das macht natürlich auch etwas im Kopf. Ich weiß, dass es anderen deutlich leichter fällt als mir. Ich habe in diesem Jahr viel ausprobiert, unter anderem Höhentraining, und hoffe, dass ich diesmal besser vorbereitet bin als in den vergangenen Jahren. Mit Obertilliach sind wir jetzt nochmal auf mittlerer Höhe, um uns anzupassen. Ich nehme es jetzt, wie es kommt, und habe das Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin.

Die Anlage in Antholz kenne ich schon relativ gut. Ich bin dort zwei- bis dreimal Weltcup gelaufen, habe auch andere Wettkämpfe bestritten und war im Sommer öfter zum Training dort. Ich mag die Strecke eigentlich sehr gern, weil sie viel Eins-zu-eins hat, was mir oft besser liegt als Zwei-eins-kurz. Es gibt wenig lange, steile Anstiege, deshalb blicke ich insgesamt positiv auf die Strecken. Freunde und Familie werden auch vor Ort sein. Sie haben sich Tickets besorgt, teilweise Unterkünfte in der Nähe gebucht oder kommen für einen Tag vorbei. Von zuhause sind es etwa drei Stunden nach Antholz, das ist gut machbar. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Spiele in Europa stattfinden und meine Familie das miterleben kann.

Mein Anspruch ist auf jeden Fall nicht nur ‚dabei sein ist alles‘. Ich möchte Rennen laufen und gute Ergebnisse erzielen. Bei solchen Großereignissen weiß man, dass vieles möglich ist und es immer Überraschungen gibt. Ich hoffe vor allem, dass ich meine Leistungen aus dem Dezember abrufen kann, beim Schießen gut durchkomme und mich läuferisch nochmal ein Stück steigern kann. Dann sind auch sehr gute Ergebnisse möglich.

Was meine Italienischkenntnisse angeht, schaut es tatsächlich ganz gut aus. Ich hatte sechs Jahre Italienisch in der Schule und konnte damals sogar Bücher lesen. Einiges ist auf jeden Fall noch da, ich verstehe das meiste, also deutlich mehr als nur Smalltalk oder eine Pizzabestellung. Ich freue mich extrem auf das ganze Drumherum, auch auf die Eröffnungsfeier und vielleicht auch auf die Abschlussfeier. Außerdem würde ich gerne bei anderen Wettkämpfen zuschauen, soweit das vor Ort organisatorisch möglich ist. Glücksbringer oder Rituale habe ich keine, da bin ich überhaupt nicht abergläubisch.

Lucas Fratzscher

Lucas Fratzscher (GER) © Thibaut/NordicFocus

Die Saison lief für mich bisher insgesamt ziemlich gut. Ich bin zufrieden und auch stolz, dass ich es bis zum Saisonhöhepunkt geschafft habe. Natürlich gibt es ein, zwei Dinge, mit denen ich noch nicht ganz zufrieden bin, vor allem am Schießstand habe ich hier und da eine Scheibe stehen lassen. In manchen Rennen wäre definitiv noch mehr drin gewesen. Aber unterm Strich überwiegt für mich klar das Positive. Es hätte besser laufen können, aber eben auch deutlich schlechter.

Die größten Herausforderungen in dieser Saison waren sowohl körperlicher als auch mentaler Natur. Das Programm ist hart, und gerade die Qualifikation in Idre war mit viel Druck verbunden. Danach ging es von Östersund zurück in den IBU- Cup, mit dem klaren Ziel, mich mit guten Leistungen wieder für den Weltcup zu empfehlen, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es um die Olympischen Spiele geht. Das war phasenweise schon eine stressige Situation, umso erleichterter bin ich jetzt, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. In der Vorbereitung auf die Spiele haben wir jetzt nochmal ein sehr strukturiertes Trainingsprogramm. In den ersten Tagen wurde bewusst noch einmal gut trainiert, in Obertilliach kommen auch noch ein paar Umfänge zusammen. Je näher es Richtung Antholz geht, desto mehr fahren wir das Training runter, damit die nötige Frische da ist. Ein großer Fokus liegt aktuell auf Regeneration: Schlaf, Erholung, Physiotherapie, aber auch Mentaltraining spielen eine wichtige Rolle. Das sind die Stellschrauben, an denen ich in den letzten Tagen vor Olympia arbeite.

Das Thema Höhe haben wir dabei voll im Blick. Wir sind extra vorab nach Obertilliach gefahren, um auf einer ähnlichen Höhe wie in Antholz zu trainieren. Dafür gibt es ein klares Konzept, das Hand und Fuß hat. Natürlich ist die Höhe anspruchsvoll, die Regeneration dauert etwas länger, aber wir haben damit Erfahrung und fühlen uns gut vorbereitet. Die Strecke in Antholz kenne ich schon sehr lange, auch aus meiner Zeit im Juniorenbereich. Sie ist abwechslungsreich, anspruchsvoll und vor allem der Schießstand verlangt volle Konzentration. Man kommt zwar nicht mit extrem hohem Puls an, aber durch die Höhe ist der Kopf manchmal ein bisschen langsamer, da braucht es nochmal extra Fokus. Insgesamt überwiegen für mich Vorfreude und Respekt, es sind am Ende die gleichen Athleten wie sonst auch, aber natürlich ist Olympia eine besondere Situation, auf die man sich mental einstellen muss.

Dass die Olympischen Spiele in Europa stattfinden, finde ich großartig. Wintersport gehört hier einfach hin, nicht nur für uns Athleten, sondern auch für die Zuschauer. Es werden einige Freunde und Familienmitglieder vor Ort sein, und das macht diese Spiele nochmal besonderer. Ich fahre nach Antholz mit der Hoffnung, einen Einsatz zu bekommen. Die anderen haben ihre Olympianormen mit Platzierungen erfüllt, bei mir waren die Ergebnisse zuletzt in Oberhof und Ruhpolding gut, auch wenn es im direkten Vergleich knapp nicht ganz gereicht hat. Trotzdem habe ich gezeigt, dass ich konkurrenzfähig bin, und hoffe natürlich, meine Chance zu bekommen.

Meine Italienischkenntnisse sind eher überschaubar, aber wir sind ja in Südtirol und hier kommt man mit Deutsch gut zurecht. Wir sind oft in der Gegend unterwegs, kennen Antholz, Martell, Toblach oder Ridnaun sehr gut. Worauf ich mich neben den Wettkämpfen besonders freue, ist dieses spezielle Olympia-Flair. Wir sind mit dem Biathlon ein bisschen für uns, was Vor- und Nachteile hat: weniger Trubel, kurze Wege, schnelle Abläufe, das kann durchaus ein Vorteil sein.

Rituale oder Glücksbringer habe ich keine klassischen. Es sind eher kleine Ticks, die sich über die Jahre eingeschlichen haben. Zum Beispiel beim Anziehen der Startnummer, da schaue ich mir immer erst ganz genau an, wie herum sie richtig sitzt. Das dauert nur ein paar Sekunden, gehört für mich aber einfach dazu.

Philipp Horn

Philipp Horn (GER) © picture alliance

Es geht in großen Schritten Richtung Olympia und wir sind inzwischen in der letzten Vorbereitungsphase. Wenn ich auf meine bisherige Saison zurückblicke, nehme ich sehr viele positive Eindrücke mit. Es waren viele gute Ergebnisse dabei und insgesamt viele Dinge, die richtig gut funktioniert haben. Konditionell war ich sehr zufrieden, ich bin verletzungsfrei durch den Sommer gekommen, konnte das Training wie geplant umsetzen und war dann umso glücklicher, als ich zu Beginn des Winters direkt mit den Besten mithalten konnte. Das hat richtig Spaß gemacht. Leider bin ich nach beziehungsweise während des Weltcups in Oberhof etwas krank geworden, was mich natürlich ein Stück weit zurückgeworfen hat. Trotzdem bin ich guter Dinge, dass ich wieder an die Form vor der Erkältung anknüpfen kann.

In der aktuellen Vorbereitung drehen wir jetzt noch an den letzten Stellschrauben, ohne etwas grundlegend zu verändern. Im Prinzip ist es eine Vorbereitung wie jede andere auch, nur mit anderen Klamotten und dem Wissen, dass es diesmal um Olympia geht. Ich versuche deshalb, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Der Fokus liegt vor allem auf dem Feinschliff der Form und auf den Schießroutinen. Gerade am Schießstand geht es darum, die Abläufe zu festigen und im besten Fall sogar noch weiter zu verbessern.

Antholz ist für mich ein Ort, an den ich sehr gerne zurückdenke. Es ist eines meiner absoluten Lieblingsstadien. Das Thema Höhe spielt dort natürlich eine Rolle, aber damit gehe ich sehr entspannt um. Ich weiß, dass ich damit gut zurechtkomme, habe in der Höhe schon viele gute Ergebnisse erzielt und weiß, dass mein Körper gut darauf reagiert. Für mich ist das eher ein positiver Aspekt. Die Strecken und die Anlage kennen wir alle sehr gut, wir sind dort schon viele Weltcups gelaufen. Insofern ist das nichts völlig Neues oder Außergewöhnliches, sondern fühlt sich in vielen Bereichen ähnlich an wie ein normaler Weltcup, nur eben mit einer ganz besonderen Bedeutung.

Für mich sind es die ersten Olympischen Spiele, und dazu kommen sie diesmal auch noch in Europa. Das merkt man auch im Umfeld: Viele Freunde und Bekannte freuen sich sehr darauf, einige werden vor Ort sein, haben Karten bekommen und fiebern schon jetzt mit. Für mich persönlich ist Olympia ein Kindheitstraum. Natürlich gibt es die bekannte Floskel „Dabei sein ist alles“, und allein die Nominierung ist etwas ganz Besonderes. Aber wenn wir ehrlich sind, geht es uns nicht nur darum, dabei zu sein. Wir wollen um Medaillen mitkämpfen, und ich bin überzeugt, dass wir das als Team auch können. Wir haben alle gezeigt, dass wir Podestpotenzial haben oder nur ganz knapp daran gescheitert sind. Das macht uns auch als Staffel sehr stark, und darauf bereiten wir uns jetzt bestmöglich vor.

Neben dem Sport freue ich mich natürlich auch auf Italien selbst, auf gutes Essen, unseren eigenen Koch und vielleicht den ein oder anderen italienischen Abend mit Pizza oder richtig gutem Kaffee. Diese kleinen Momente, gemeinsame Kaffeerunden oder das Verfolgen anderer Sportarten, gehören für mich genauso zu Olympia dazu. Die Vorfreude ist auf jeden Fall riesig, und dann kann es auch schon losgehen.

Philipp Nawrath

Philipp Nawrath (GER) © picture alliance

Insgesamt ist die Saison für mich recht ordentlich verlaufen, ziemlich konstant auf einem guten Niveau. Mit einigen Rennen kann ich sehr zufrieden sein, bei anderen hat vielleicht manchmal die letzte Konsequenz gefehlt, die am Ende noch ein besseres Ergebnis möglich gemacht hätte. Trotzdem überwiegt für mich klar das Positive. Auch läuferisch war ich zuletzt zufrieden und habe gemerkt, dass sich das weiter in eine gute Richtung entwickelt hat. Der Einstieg in Östersund war zwar recht happig, aber ich war dort trotzdem gleich happy, dass ich die Qualifikation mit den ersten beiden Rennen geschafft habe und mich danach voll auf die weiteren Wettkämpfe konzentrieren konnte. Der Dezember lief insgesamt gut, und mit dem Podestplatz bin ich dann auch richtig gut ins neue Jahr gestartet. Ein echtes Highlight war für mich das Staffelpodest mit der Männerstaffel in Ruhpolding, das hat mir persönlich nochmal einen ordentlichen Schub gegeben und gezeigt, dass einiges möglich ist, wenn alles zusammenpasst.

Aktuell bin ich im Trainingslehrgang in Obertilliach. In der Vorbereitung wird jetzt nichts Außergewöhnliches mehr gemacht. Auch wenn etwas Besonderes bevorsteht, versuchen wir bewusst, das Normale so gut wie möglich beizubehalten. Es gab einen gemeinsamen Videocall mit dem Mentaltrainer, in dem wir als Team über Herausforderungen und Erwartungen für die kommenden Wochen gesprochen haben, das gehört in dieser Phase einfach dazu und war für mich auch sehr sinnvoll. Ansonsten läuft das Training ähnlich wie bisher, ergänzt durch kleine interne Wettkämpfe zur Auflockerung, meist mit starkem Fokus auf das Schießen. Am Abend gibt es dann eine kleine Siegerehrung, was für gute Stimmung sorgt und den Alltag etwas auflockert.

Mit Blick auf Antholz spielt die Höhe natürlich eine Rolle, aber ich komme damit grundsätzlich gut zurecht. Mittlerweile kann ich die Belastung durch die Höhenlage besser einschätzen als früher. Deshalb wurde auch Obertilliach bewusst als Trainingsort gewählt, um sich optimal darauf vorzubereiten. Das fühlt sich bislang gut an, und ich bin zuversichtlich, dass die Anpassung bis zu den ersten Rennen passt. Die Anlage in Antholz taugt mir sehr. Ich kenne sie tatsächlich schon seit meiner Kindheit, weil wir früher im Familienurlaub dort waren. Schon damals bin ich dort unterwegs gewesen und habe mir gedacht, wie cool es wäre, hier einmal Rennen zu laufen. Die Winterstrecken kenne ich inzwischen gut aus dem Weltcup, und auch nach dem Umbau vor ein paar Jahren findet man sich schnell zurecht. Das Streckenprofil macht einfach Spaß, besonders die Abschnitte mit vielen Zuschauern und natürlich der Einlauf ins Stadion mit der großen Kulisse. Der Schießstand ist anspruchsvoll, das weiß ich, aber ich habe dort meine Erfahrungen gesammelt und gehe mit einem gesunden Respekt an die Aufgabe heran.

Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele ist riesig, vor allem weil sie fast vor der Haustür stattfinden. Das ist ein kompletter Kontrast zu meinen bisherigen Olympia-Erfahrungen, die sehr ruhig und stark auf die Wettkämpfe fokussiert waren. Dieses Mal werden Familie und Freunde vor Ort sein, viele haben sich bereits Tickets organisiert, andere kommen vielleicht sogar spontan vorbei. Diese Unterstützung bedeutet mir viel. Mein klares Ziel ist es, in Topform am Start zu stehen. Der gesamte Saisonaufbau ist auf den Saisonhöhepunkt ausgerichtet, und dementsprechend habe ich mir meine Ziele für die Spiele gesetzt. Abseits der Wettkämpfe freue ich mich auf das olympische Flair, das Alpenpanorama, spannende Entscheidungen in anderen Sportarten und die gemeinsame Zeit im Team. Und natürlich ganz besonders auf das fantastische Essen von unserem Koch Christian. Ein Glücksbringer ist auch immer dabei, der gehört bei solchen Wettkämpfen einfach dazu.

Justus Strelow

Justus Strelow (GER) © picture alliance

Bis zum Jahreswechsel lief es für mich richtig gut. Im neuen Jahr hatte ich dann in Oberhof und Ruhpolding ein paar Startschwierigkeiten. Da waren eher einzelne Lichtblicke dabei als komplette Rennen, mit denen ich wirklich zufrieden war. Jetzt geht es im Trainingslager darum, nochmal alles zusammenzubringen. Das ist auch klar der Fokus hier, weniger große Neuerungen, sondern die Details. Natürlich wird an der Technik gearbeitet, aber so kurz vor den Spielen geht es nicht mehr darum, alles umzustellen, sondern Schießtechnik, Lauftechnik und auch die Akklimatisierung an die Höhe zusammenzuführen. Deshalb tut es gut, hier in Obertilliach zu sein und sich schon an die dünnere Luft zu gewöhnen. Das war ein wichtiger Punkt in der Planung, um sich möglichst gut auf Antholz einzustellen. Einen riesigen Unterschied macht das nicht, aber es hilft, gut vorbereitet zu sein.

Die Strecken in Antholz mag ich sehr. Sie sind abwechslungsreich, landschaftlich schön und die Anlage ist einfach besonders. Ich freue mich total auf das, was kommt, und bin gespannt, was sich im Vergleich zum Weltcup verändert. Insgesamt ist die Vorfreude auf Olympia sehr groß, man merkt auch, dass die Spiele in Europa sind. Familie und Freunde werden vor Ort sein, viele haben sich schon lange im Voraus Tickets und Unterkünfte organisiert. Auf diese Unterstützung freue ich mich sehr. Bei Olympia dabei zu sein, ist alles. Ich hoffe natürlich, auch in den Staffeln an den Start gehen zu können. Unser klares Ziel als deutsche Staffel ist eine Medaille, das ist auch mein persönlicher Anspruch. In den Einzelrennen sehe ich mich eher als Außenseiter, aber am Saisonhöhepunkt will ich einfach meine bestmögliche Leistung abrufen, gute Biathlonrennen zeigen, sauber schießen und auf der Strecke gut zurechtkommen. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.

Meine Italienischkenntnisse sind eher überschaubar, für einen Espresso reicht es, bei einer Pizza wird es schon schwierig. Aber ich freue mich auf Antholz, auf hoffentlich schönes Wetter, gute Bedingungen und vor allem auf die Atmosphäre. Die ist dort bei Weltcups immer besonders, und ich bin gespannt, wie sie bei den Olympischen Spielen sein wird. Ein Glücksbringer darf natürlich nicht fehlen: Ich habe von Elli, meiner Frau, eine kleine Olympia-Glücksbox bekommen, mit ein paar Glücksbringern, aufmunternden Worten und Dingen, die mir ein gutes Gefühl geben. Auch von Karl, meinem Sohn, war noch eine Kleinigkeit dabei. Dieses Care-Paket gehört bei der Olympia-Reise definitiv dazu und hat mich sehr gefreut.

David Zobel

David Zobel (GER) © picture alliance

Die Saison hat für mich wirklich sehr schwierig angefangen. Die Qualifikation ist nicht so verlaufen, wie ich mir das vorgestellt habe, und ich musste zunächst im IBU- Cup starten. Natürlich fängt da sofort das Kopfkino an, weil man weiß, dass das Ziel Olympia dadurch nicht einfacher wird, während andere schon im Weltcup Punkte und Ergebnisse sammeln können. In dieser Phase hat mir meine Freundin sehr geholfen. Sie war total überzeugt davon, dass das der richtige Weg ist, aus der zweiten Liga kommen, sich hochkämpfen und dann oben ankommen. Dieser Gedanke hat mir extrem viel Ruhe gegeben. Ab diesem Moment konnte ich sehr fokussiert an mir arbeiten. Ich habe konstante Rennen gezeigt und mich Schritt für Schritt wieder Richtung Weltcup herangearbeitet.

In Hochfilzen war ich dann wieder dabei, hatte dort immer wieder gute Teilleistungen, auch wenn noch nicht das komplette Rennen gepasst hat. Der große Unterschied zur vergangenen Saison war für mich aber die Erkenntnis, dass ich läuferisch wieder zulegen kann, vor allem in der Schlussrunde. Ich kann Plätze gutmachen und verliere sie nicht mehr. Mit diesem Wissen und der Pause über Weihnachten hatte ich richtig Lust auf die Heimwettkämpfe und konnte dort voll attackieren. Gerade in den beiden Sprints und den Staffeln ist es mir gelungen, Laufen und Schießen zusammenzubringen. Besonders überrascht hat mich, dass ich in der Schlussrunde mit Athleten wie Samuelsson, Giacomel und anderen richtig mitlaufen konnte. Auch wenn es am Ende knapp nicht gereicht hat, hat mir dieses Gefühl, auf diesem Niveau konkurrenzfähig zu sein, extrem viel Selbstvertrauen gegeben.

Die Vorbereitung auf Olympia unterscheidet sich im Grunde kaum von der auf eine Weltmeisterschaft. Es gibt ein paar zusätzliche organisatorische Themen wie Akkreditierungen, Social-Media-Regeln oder den Umgang mit den Waffen, aber sportlich drehen wir an keinen neuen Stellschrauben. Unser Trainingslager steht ganz bewusst unter dem Motto: das Normale im Besonderen. Auch wenn Olympia etwas Einzigartiges ist, versuchen wir, unseren gewohnten Rhythmus beizubehalten. Für mich persönlich liegt der Fokus aktuell vor allem auf dem Liegendschießen. Im Training bin ich dort sehr stabil unterwegs, das möchte ich im Wettkampf wieder umsetzen. Stehend bin ich auf einem guten Weg, und läuferisch brauche ich vor allem Frische, gutes Training, aber genauso viel Erholung.

Das Thema Höhe begleitet uns schon seit Jahren. Ich habe für mich festgestellt, dass die Regeneration in der Höhe etwas schwieriger ist als auf Meereshöhe, deshalb ist es wichtig, gut auf den Körper zu hören. Wenn ich frisch bin, macht die Höhe im Wettkampf für mich keinen entscheidenden Unterschied, außer, dass man etwas mehr atmet. Beim Schießen muss man sich darauf einstellen und sich eventuell etwas mehr Zeit nehmen. Insgesamt sollte man das Thema Höhe aber nicht größer machen, als es ist, sonst spielt es sich nur im Kopf ab.

Die Vorfreude auf Antholz ist riesig. Für mich gehört die Anlage zu den schönsten im Weltcup, vielleicht vergleichbar nur mit Oslo. Die Kulisse, die Berge, meistens Sonnenschein und eine großartige Stimmung. Besonders die Abschnitte wie die Huberalm machen richtig Spaß, genauso wie der Einlauf ins Stadion. Der Schießstand ist anspruchsvoll, keine Frage, aber ich habe dort auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor vier Jahren bin ich hier mit der Staffel aufs Podium gelaufen, daran erinnere ich mich natürlich gerne. In Peking waren es ja damals leider Corona-Spiele ohne Zuschauer. Umso größer ist jetzt die Freude, dass Familie, Freunde und Fans dabei sein können. Viele aus meinem Umfeld haben bereits Tickets, sogar die Ultras haben angekündigt, mit einem Bus anzureisen. Das ist ein kompletter Kontrast zu meinen bisherigen Olympia-Erfahrungen und macht diese Spiele für mich nochmal besonderer.

Was die Ziele angeht: Ich halte nichts von der Floskel „Dabei sein ist alles“. Ich bin in einem klaren Aufwärtstrend, die Leistungen zuletzt haben das gezeigt. Trotzdem nehme ich mir keine konkrete Platzierung vor, sondern orientiere mich an Teilleistungen. Liegend sauber arbeiten, stehend stabil bleiben und mit der nötigen Frische läuferisch konkurrenzfähig sein. Wenn dann irgendwo eine Nation wackelt, müssen wir da sein und unsere Chance nutzen. In der Staffel gehören wir bei einem sauberen Rennen definitiv zu den Medaillenkandidaten, das ist auch der Anspruch.

Meine Italienischkenntnisse sind überschaubar, aber wir sind ja zum Glück in Südtirol, da kommt man mit Deutsch ganz gut durch. Ich freue mich auf Sonne, gutes Essen, eine tolle Stimmung und den ganz normalen Biathlon-Zirkus, nur eben bei Olympischen Spielen. Mein Glücksbringer ist nach wie vor der Seidenschal des FC Bayern aus der Südkurve, der ist immer dabei. Dazu kommen meine Buffs und das Wissen, dass viele Menschen hinter mir stehen und mir die Daumen drücken. Das gibt mir genug Glück für die Rennen.

(Quelle: PM DSV)

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