Olympia 2026: Erst Rückschlag, dann Olympiasieg der Biathlon Herren-Staffel aus Frankreich - xc-ski.de Langlauf

Olympia 2026: Erst Rückschlag, dann Olympiasieg der Biathlon Herren-Staffel aus Frankreich

Trotz einer Strafrunde läuft die französische Herren-Staffel mit Fabien Claude, Emilien Jacquelin, Quentin Fillon Maillet und Eric Perrot in Antholz zum Olympiasieg. Allez Le Bleus schreibt Geschichte und verweist Norwegen auf den Silber- und Schweden auf den Bronzerang. Deutschland mit Außenseiterchancen geriet früh in Rückstand und landet auf dem vierten Platz. 

Norwegen der große Favorit?

Sturla Holm Laegreid (NOR), Tarjei Boe (NOR), Johannes Thingnes Boe (NOR), Vetle Sjaastad Christiansen (NOR), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Sowohl bei Olympia 2022 in Peking als auch zuletzt bei der WM in der Lenzerheide gewannen die Norweger. Da waren allerdings die Boe-Brüder noch im Renngeschehen. Bisher gab es im Weltcupbetrieb vier Staffelbewerbe und mit 30 Punkten Vorsprung liegt auch hier Norwegen in der Weltcupwertung vorne. Drei Mal, in Oestersund, in Hochfilzen und in Oberhof siegte Norwegen vor Frankreich, obwohl die Norweger in veränderter Teamzusammenstellung liefen. In Ruhpolding standen die Franzosen ganz oben und Norwegen landete auf dem zweiten Rang. Schweden sicherte sich drei Mal den dritten Rang und Deutschland landete nur einmal, in Ruhpolding, als Dritter auf dem Podest. 20 Staffeln starteten in Antholz in den Kampf um den Olympiasieg mit der 4 x 7,5-Kilometer Herren-Staffel. Tobias Reiter, Cheftrainer der Herren, traute der DSV-Staffel eine Medaille zu. „Das hat mit Vertrauen, aber auch mit Selbstvertrauen zu tun,“ so Reiter. Am Vorabend hielt er eine emotionale Ansprache vor seinem Team, die bei jedem nachwirkte. „Die beste Traineransprache, die ich bisher gehabt habe,“ sagte Philipp Horn. Tags zuvor war das Quartett um die Motivation zu steigern noch im Stadion und verfolgte die Siegerehrung der „Legenden“, der Goldmedaillengewinner von Sotschi 2014, Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp. 

Strelow schafft gute Ausgangsposition für DSV-Staffel

Justus Strelow (GER) © Thibaut/NordicFocus

In der ersten Runde liefen die 20 Athleten wie an einer Schnur aufgereiht, lange an der Spitze der Bulgare Todev, als dann in der vorletzten Abfahrt der Norweger mit dem offensichtlich besseren Material ohne große Anstrengung an vier Athleten vorbeizog und die Spitzenposition bis zum Schießstand einnahm. Justus Strelow hat in 20,6 Sekunden mit der schnellsten Schießzeit als Erster seine fünf Scheiben weiß werden lassen. Mit 6,6 Sekunden Vorsprung bog er in die nächste Runde, gefolgt von Finnland, Schweden und der Schweiz. Hiidensalo hinter Strelow bremste gefühlt als Führender der Verfolgergruppe und Strelow konnte seinen Vorsprung ausbauen. Dem Norweger Uldal wurde dies zu bunt und er zog mit der schnellsten Laufzeit, zeitgleich mit dem Ukrainer Pidruchnyi, in der Runde von Rang 16 aus vorbei und hatte sich hinter Strelow einsortiert. Bei der Schießstandeinfahrt waren Norwegen, Frankreich und Schweden die nächsten Verfolger von Strelow, der sich auf der ersten Matte zum Stehendanschlag bereit machte. Uldal übernahm mit fehlerfreiem Stehendanschlag in nur 18,8 Sekunden die Führung vor dem Finnen. Der Schwede Brandt, Strelow und der Schweizer Stalder lagen etwas mehr als neun Sekunden hinter der Spitze. Der Deutsche verfehlte eine Scheibe und traf erst mit dem zweiten Nachlader. Nicht nach Maß lief es für den Franzosen Fabien Claude, der nach einer Strafrunde ganz an das Ende des Feldes gespült wurde. Nur der Franzose musste im ersten Leg kreiseln, alle anderen kamen mit Nachladern durch. Richtung Wechsel setzte sich Norwegen deutlich ab und Strelow konnte sich an die dritte Position vorarbeiten. Die Laufzeit von Strelow in der Schlussrunde lag nur 5,6 Sekunden hinter dem Norweger Uldal, in der Gesamtlaufzeit betrug sein Rückstand 12,9 Sekunden. „Wir hatten extrem gute Skier, danke an den Wachstruck,“ so Strelow nach dem Rennen in der ARD. „Dass ich den ersten Nachlader vergeigt habe, das war ärgerlich. Da konnte ich den Vorteil, den ich mir erarbeitet habe, nicht ummünzen. Der zweite Schuss war schon sehr weit weg, voll in der Bewegung. Mit dem Nachlader wollte ich es ganz genau machen. Da ist mir die Luft ausgegangen und ich habe voll in die Bewegung abgedrückt.“ 

Jacquelin bringt Frankreich in Führung – Zobel fällt zurück

Emilien Jacquelin (FRA) © Thibaut/NordicFocus

Johan-Olav Botn übernahm mit einem Vorsprung von 14,7 Sekunden auf Finnland, die gleichzeitig mit Deutschland wechselten, dicht gefolgt von der Schweiz, Schweden und der Ukraine. Dahinter klaffte bereits eine deutliche Lücke und in diesem Bereich wechselte Frankreich mit einem Rückstand von 50,3 Sekunden an 13. Position, zeitgleich mit Österreich. Botn an der Spitze hielt das Tempo und David Zobel war auf die zweite Position vorgelaufen. Bis zum Schießstand blieben die ersten sechs auf ihrer Platzierung, nur von hinten flog der Franzose Emilien Jacquelin heran und lief bereits in der Verfolgergruppe. David Zobel und der Schwede Jesper Nelin hielten sich schadlos und bogen gemeinsam in die nächste Runde. Schon in der ersten Runde lief Emilien Jacquelin schnellste Zeit und schob sich mit großem Elan an Zobel vorbei an die Spitze. Nach wie vor lagen Zobel, Nelin, Seppala für Finnland und Burkhalter für die Schweiz innerhalb fünf Sekunden. Der Norweger konnte erst mit dem letzten Nachlader die Strafrunde vermeiden und fiel zurück mit einem Rückstand von 25,5 Sekunden. Jacquelin als Führender flog um die Runde, nahm seinen Verfolgern mehr als zehn Sekunden ab. Sein erster Schuss stehend ging vorbei, dann hatte er Probleme beim Nachladen, traf und war weg. Auch neben und hinter ihm wurden viele Fehler geschossen. Zobel ließ drei Scheiben schwarz, traf mit allen Nachladern und so sortierte sich das Feld komplett neu. Emilien Jacquelin lag eingangs der Schlussrunde 9,4 Sekunden vor dem Schweden Nelin, dann folgte der Finne Seppala und Joscha Burkhalter. David Zobel hatte 28,4 Sekunden Rückstand und den Norweger Johan-Olav Botn vor sich. Bis zum Wechsel hatten Nelin und Seppala zum Franzosen aufgeholt. „Es ist mein erstes Staffelrennen bei Olympia. Ich war so unfassbar aufgeregt. Stehend bin ich nicht bei mir geblieben, habe die Schüsse nicht nachhalten können. Ich habe unfassbar gekämpft,“ so David Zobel in der ARD, der die Zuschauer auch an seinen Gedanken teilhaben ließ: „In dem Moment habe ich alles gedacht, was man nicht denken sollte. Bitte keine Strafrunde.“ Zu diesem Zeitpunkt hoffte Zobel, dass nicht er die Staffel „versaut“ hat. „Jetzt haben wir ein bißchen den Kontakt verloren.“  

Fillon Maillet baut Vorsprung aus und Nawrath kommt nicht mehr ran

Philipp Nawrath (GER) © Thibaut/NordicFocus

Quentin Fillon Maillet übernahm für Frankreich und zeitgleich wechselte Finnland und Schweden. Norwegen an vierter Position hatte beim Wechsel einen Rückstand von 16,1 Sekunden. Deutschland und die Schweiz waren an fünfter und sechster Position mit einem Rückstand von etwas mehr als 31 Sekunden. Fillon Maillet setzte sich in der ersten Runde vom Schweden und vom Finnen ab und kam mit einem Vorsprung von 11,6 Sekunden zum Liegendanschlag. Er verfehlte eine Scheibe, ebenso der Schwede und der Finne, beide sogar mit zwei Fehlern und Norwegen verließ nur 6,5 Sekunden hinter dem Franzosen die Matte. Nawrath kam mit einem Nachlader durch und hatte 25,6 Sekunden Rückstand an fünfter Position. In der nächsten Runde konnte Nawrath am Finnen vorbeigehen und war mit einem Rückstand von 16 Sekunden erster Verfolger hinter den großen Drei: Frankreich, Norwegen und Schweden. 9,3 Sekunden vor Sturla Holm Laegreid kam der Franzose zum Stehendschießen, und hat mit einem Nachlader die letzte Scheibe weiß werden lassen während Laegreid und Ponsiluoma an ihm vorbei in die Schlussrunde bogen. Philipp Nawrath, der zweite Laufzeit in der Runde hatte, schneller als Frankreich und Norwegen, verfehlte drei Scheiben. Wie Zobel hat auch Nawrath durch die drei Nachlader im Stehendanschlag zwar die Strafrunde vermieden, aber viel Zeit am Schießstand verloren. Mit einem Rückstand von 38,8 Sekunden blieb er an vierter Position. In der Schlussrunde zog der Schwede im Tempo an, riss erst eine Lücke, aber Norwegen und Frankreich waren beim Wechsel dran und wechselten nebeneinander innerhalb einer Sekunde. Der Rückstand von Nawrath hat sich auf der Schlussrunde weitersummiert. „Ich war zunächst wieder auf Zugzwang mit Rückstand und habe versucht die Lücke zu schließen oder so klein zu halten, wie es ging. Auf der letzten Runde kam der Mann mit dem Hammer und die drei Nachlader kamen natürlich nicht förderlich dazu.“ Nawrath bemerkte auch die Ansprache von Herren-Cheftrainer Tobias Reiter. „Wir hatten alle Laune auf den Start. Es ist eine Ehre einer von den Vieren zu sein, die um Medaillen kämpfen.“ 

Eric Perrot bringt es erfolgreich zu Ende

Eric Perrot (FRA) © Thibaut/NordicFocus

Eric Perrot, Sebastian Samuelsson und Vetle Sjaastad Christiansen übernahmen zeitgleich und Deutschland hatte mit einem Rückstand von 49,7 Sekunden den Anschluss an die Spitze verloren. Philipp Horn musste nun selbst gut durchkommen und auf Fehler der anderen hoffen um überhaupt eine Minimalchance auf eine Medaille zu erhalten. Die drei führenden Athleten liefen moderates Tempo und waren sich nicht ganz einig, wer die Führungsarbeit übernehmen soll. Liegend kam Frankreich fehlerfrei durch, Schweden benötigte zwei und Norwegen einen Nachlader. Die drei waren dennoch bereits in der nächsten Runde, bevor Horn, der schnellste Rundenzeit hatte, zu schießen begann. Zwei Schüsse kamen nicht ins Ziel. Der erste Nachlader saß und für die andere Scheibe benötigte er die letzten beiden Nachlader. Der Rückstand der deutschen Staffel betrug nun auf den Bronzerang nahezu eine Minute. Eric Perrot an der Spitze setzte sich durch das bessere Laufvermögen von Vetle Sjaastad Christiansen ab, auch Samuelssons Rückstand vergrößerte sich. Zum letzten Schießen hatte Perrot seinen Vorsprung verdoppelt. Auf Schießbahn eins traf er zwei Scheiben nicht, hatte aber mit den Nachladern getroffen, bevor Christiansen zu schießen begann. Der Norweger schoss in einem unglaublichen Tempo von 19,4 Sekunden und nur 8,5 Sekunden hinter Frankreich bog er in die Schlussrunde ein. Dahinter blieb auch Samuelsson fehlerfrei und sein Rückstand auf die Spitze betrug eingangs der Schlussrunde 27,6 Sekunden. Philipp Horn räumte zum Schluss ab, aber Frankreich, Norwegen und Schweden waren unerreichbar enteilt. Christiansen versuchte auf der Schlussrunde alles um an den führenden Franzosen heranzukommen, hatte bis zur ersten Zwischenzeit minimal aufgeholt auf 7,7 Sekunden und war dann wieder zurückgefallen. Eric Perrot sicherte der französischen Herren-Staffel den Olympiasieg, er investierte seine letzten Kräfte, brach im Ziel zusammen und brauchte Minuten und Sanitätsbeistand, bis er sich von der Anstrengung erholt hatte.

Historischer Olympiasieg der Herrenstaffel

Eric Perrot (FRA), Quentin Fillon Maillet (FRA), Emilien Jacquelin (FRA), Fabien Claude (FRA), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Fabien Claude, Emilien Jacquelin, Quentin Fillon Maillet und Eric Perrot schafften für Frankreich mit dem ersten olympischen Gold für eine Herren-Staffel einen historischen Erfolg. Frankreich war stets Medaillenkandidat, aber der Olympiasieg gelang bisher nicht. Der 17. Februar 2026 kann daher in die Geschichtsbücher eingehen. Nach einer Strafrunde und neun Nachladern gepaart mit festem Willen und Entschlossenheit hatten sie im Ziel einen Vorsprung von 9,8 Sekunden. Norwegen mit Martin Uldal, Johan-Olav Botn, Sturla Holm Laegreid und Vetle Sjaastad Christiansen lief nach sechs Nachladern auf den Silberrang. Das schwedische Quartett mit Viktor Brandt, Jesper Nelin, Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson erreichte nach ebenfalls sechs Nachladern die Bronzemedaille. Die Medaillen wurden bei der Siegerehrung unter großem Beifall der Zuschauer von Martin Fourcade vorgenommen, der sich sichtlich freute, seine Nation und teilweise auch Athleten, die bereits zu seiner aktiven Zeit liefen, auszuzeichnen.  

„Sehr große Enttäuschung“

David Zobel (GER) © Thibaut/NordicFocus

Die DSV-Staffel hatte nach Startläufer Justus Strelow noch gute Chancen auf eine Medaille. David Zobel geriet nach drei Nachladern im Stehendanschlag bereits ins Hintertreffen, was sich bei Philipp Nawrath und letztlich auch bei Philipp Horn wiederholte. Drei Mal wurden alle Nachlader benötigt um alle Scheiben weiß werden zu lassen. Zwar konnte dadurch jeweils die Strafrunde vermieden werden, allerdings blieb dadurch auch viel Zeit am Schießstand liegen. Im Ziel betrug der Rückstand auf die siegreichen Franzosen nach insgesamt zwölf Nachlader 1:48,3 Minuten. „Es ist eine sehr große Enttäuschung,“ sagte Philipp Horn nach seinem Zieleinlauf auf dem vierten Platz. „Wir wussten, es wird nicht einfach und wir sind wahrscheinlich Außenseiter gewesen. Wir hatten die Hoffnung nach der Traineransprache gestern, die beste Traineransprache die ich bisher gehabt habe.“ Obwohl schon nahezu unaufholbar zurück, gab Horn nicht auf. „Ich habe die Chance beim Liegendschießen noch gesehen. Dann ging der Erste gleich daneben. Ich hatte gehofft, dass sie auf der ersten Runde ein bißchen taktieren und dass ich Zeit gut machen könnte.“  

Das Team aus der Schweiz mit Sebastian Stalder, Joscha Burkhalter, Jeremy Finello und Niklas Hartweg lag bis zum zweiten Wechsel vorne mit dabei. Die Laufstärke von Jeremy Finello in der Loipe konnten die zwei Strafrunden im Stehendanschlag nicht kompensieren und beim letzten Wechsel lag die Schweiz bereits mehr als zwei Minuten hinter der Spitze. Auch Hartweg war schnell in der Spur, aber mit jeweils zwei Nachladern konnte auch er die Staffel nicht mehr entscheidend nach vorne bringen. Im Ziel blieb für die Schweiz mit zwei Strafrunden und zwölf Nachladern der achte Platz. 

Das österreiche Quartett mit Dominic Unterweger, Simon Eder, Fabian Müllauer und Patrick Jakob benötigte insgesamt nur sieben Nachlader. Unterweger übergab nach drei Nachladern auf der 14. Position. Simon Eder konnte das Team mit zwei Nachladern nicht weiter nach vorne bringen und wechselte an 15. Position. Fabian Müllauer kam insgesamt mit einem Nachlader durch und beim letzten Wechsel lag Österreich an achter Stelle. Am Ende reichte es nur zu Platz 10.   

Für das italienische Team begann das Staffelrennen ernüchternd. Patrick Braunhofer lag in der Gesamtlaufzeit in seinem Leg bereits 1:24 Minuten zurück, obwohl er am Schießstand mit jeweils einem Nachlader gut durchkam. Ob er total einbrach oder eventuell sogar stürzte, war bei Berichtlegung (noch) nicht bekannt. Beim ersten Wechsel auf Lukas Hofer, war nur die rumänische Staffel weiter abgeschlagen. Hofer versuchte nach vorne zu kommen, aber mit zwei Nachladern im Liegen verstrich weitere wertvolle Zeit. Mit der schnellsten Schießzeit im fehlerfreien Stehendanschlag konnte der Italiener dennoch nur eine Platzierung weiter nach vorne kommen. Nicola Romanin benötigte liegend eine Zusatzpatrone und hielt sich im Stehendanschlag schadlos. Auf Position 15 übergab er an Tommaso Giacomel (0:1, 0:3) der die Staffel auf Platz 14 ins Ziel brachte.   

Ergebnis

Medaillenspiegel

Der Wettkampfplan der olympischen Biathlonbewerbe

Bildergalerie

Die mobile Version verlassen
Die mobile Version verlassen