Olympia 2026: Erste Medaille für deutsche Biathleten - xc-ski.de Langlauf

Olympia 2026: Erste Medaille für deutsche Biathleten

Ein souveränes Team aus Frankreich gewann mit der Mixed Staffel die erste Goldmedaille bei den olympischen Winterspielen 2026 im Biathlon. Das DSV-Team blieb am Schießstand sieben Mal fehlerfrei und ausgerechnet im letzten Anschlag wurde es eng. Das Heimteam aus Italien gewann Silber und Franziska Preuß sicherte ihrem Team die Bronzemedaille vor den Augen des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. 

Die erste Goldmedaille für Frankreichs Biathleten

Lisa Vittozzi (ITA), Dorothea Wierer (ITA), Lukas Hofer (ITA), Tommaso Giacomel (ITA), Julia Simon (FRA), Lou Jeanmonnot (FRA), Quentin Fillon Maillet (FRA), Eric Perrot (FRA), Franziska Preuss (GER), Vanessa Voigt (GER), Philipp Nawrath (GER), Justus Strelow (GER), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

In einem spannenden Mixed-Wettkampf bei dem sich vier Nationen früh von den Verfolgern absetzten gewinnen schließlich die großen Favoriten aus Frankreich. Eric Perrot, Quentin Fillon Maillet, Lou Jeanmonnot und Julia Simon sind Olympiasieger mit der Mixed Staffel. Nach insgesamt sieben Nachladern hatten sie im Ziel einen Vorsprung von 25,8 Sekunden. Das italienische Team mit Tommaso Giacomel, Lukas Hofer, Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi benötigte fünf Nachlader und erreichte Silber. Das deutsche Team mit Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Voigt und Franziska Preuss zeigte sich überglücklich mit der Bronzemedaille. Nach einer Strafrunde und drei Nachladern, die alle auf das Konto von Franziska Preuß im entscheidenden Schießen gingen, erreichten die deutschen Biathleten gleich im ersten Wettkampf die ersehnte und zugleich befreiende Medaille. Der deutsche Bundespräsident sagte, dass dieses Finale nichts für schwache Nerven war. „Ich freue mich über die Bronzemedaille mit allen Deutschen, die jetzt zugeschaut haben und sage Glückwunsch dem starken Team. Es war eine starke Leistung in einer Konkurrenz, die stark war. Da zeigt sich ein starkes Nervenkostüm und Franziska Preuß hatte das heute.“ Norwegen mit Martin Uldal, Vetle Sjaastad Christiansen, Karoline Offigstad Knotten und Maren Kirkeeide wurden Vierte vor den Schweden Sebastian Samuelsson, Martin Ponsiluoma, Anna Magnusson und Hanna Oeberg. Finnland belegte Rang sechs vor den Österreichern Dominic Unterweger, Simon Eder, Anna Gandler und Lisa Theresa Hauser auf Platz sieben. Das schweizerische Team mit Sebastian Stalder, Niklas Hartweg, Lea Meier und Amy Baserga kam auf Platz zehn. 

Der Rennverlauf

Justus Strelow (GER) © Thibaut/NordicFocus

Justus Strelow mit zwei fehlerfreien Schießen  

21 gemischte Staffeln traten beim olympischen Mixed-Bewerb in Antholz an, wobei die Männer das Rennen eröffneten was zugleich bedeutete, dass den Damen die letzte Runde zukam. Auf der ersten Runde hat der Lokalmatodor Tommaso Giacomel auf der Spitzenposition das Tempo sehr hoch gehalten und bog als Erster zum Schießen an den Stand. In schnellem Rhythmus räumte Justus Strelow in nur 19,8 Sekunden seine fünf Scheiben ab und bog zusammen mit Giacomel und Eric Perrot für Frankreich in die nächste Runde. Es wurde gut geschossen, 14 der Startläufer kamen ohne Nachlader durch und wieder übernahm Richtung Stehendschießen Giacomel die Führung mit Norwegen, Frankreich, Schweden und Strelow dicht hinter sich. Martin Uldal kam fehlerfrei durch, verließ den Schießstand als Erster, hinter ihm Eric Perrot nach einem Nachlader und nur 1,7 dahinter reihte sich Justus Strelow auf der dritten Position ein. Obwohl Giacomel zwei Mal nachladen musste und mit 10,8 Sekunden Rückstand in die Schlussrunde einbog, hat er sich mit der schnellsten Schlussrunde und mit der schnellsten Gesamtlaufzeit in seinem Leg auf den dritten Rang vorgearbeitet. Norwegen wechselte in Führung liegend mit einem Vorsprung von 3,2 Sekunden auf Frankreich und Deutschland 12,8 Sekunden hinter der Spitze an vierter Position. Für Schweden kassierte Sebastian Samuelsson im Stehendanschlag zwei Strafrunden und mit 1:24 Minuten Abstand zur Spitze lag das Quartett an 18. Position. Nach dem Rennen eröffnete Strelow im ZDF-Interview, dass der ganze Tag vor Aufregung für ihn nicht besonders angenehm war. „Das Frühstück ging nicht so gut runter, das Mittagessen war eine Qual. Ich bin froh, dass ich es geschafft habe.“ Das Wichtigste seiner Meinung war, „dass man es früh auf der Strecke nicht übertreibt, obwohl die kurzen harten Anstiege dazu verleiten. Das merkt man dann in den Abfahrten.“  

Philipp Nawrath (GER), Lukas Hofer (ITA), Vetle Sjaastad Christiansen (NOR), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Nawrath hält DSV-Quartett an der Spitze

In der Reihenfolge des Wechsels kamen die Athleten zum ersten Anschlag und wie zuvor Strelow räumte auch Philipp Nawrath seine Scheiben ohne Nachlader ab und verließ mit dem ebenfalls fehlerfrei gebliebenen Vetle Sjastaad Christiansen den Schießstand, gefolgt vom Italiener Lukas Hofer, der sich auch schadlos hielt. Dahinter klaffte bereits eine kleinere Lücke von 16,5 Sekunden auf den Finnen Seppala und den Franzosen Fillon Maillet. Diese beiden versuchten erfolglos an das Spitzentrio heranzukommen, denn das Trio wechselte sich in der Führung ab und hielt das Tempo hoch. Es wurde auch relativ schnell geschossen und Nawrath räumte dennoch ab, während sowohl der Norweger (1 x) und auch der Italiener Hofer (2 x) Zusatzpatronen benötigten. Mit 12,2 Sekunden Vorsprung bog der Deutsche als Erster in die Schlussrunde. Christiansen versuchte in der Loipe alles und hatte bis zur Hälfte der Runde seinen Rückstand auf Nawrath auch halbiert und war dann aus dem Windschatten sogar an ihm vorbeigegangen. Der Norweger war Schnellster in seinem Leg und lief auch die deutlich schnellste Schlussrunde. Hofer dahinter kam nicht näher, er musste sogar den Franzosen Fillon Maillet vorbeiziehen lassen. Norwegen wechselte dann 5,4 Sekunden vor dem DSV-Team, Frankreich und Italien zeitgleich mit 21 Sekunden Rückstand auf die Spitze. „Ich konnte den Abstand beibehalten und nicht größer werden lassen,“ so Philipp Nawrath nach dem Wettkampf. Wie zuvor schon Strelow so meinte auch Nawrath, dass die Renneinteilung auf der Strecke die größte Herausforderung sei. „Brutal, wie das erste Rennen knallt. Ich habe auch zu kämpfen gehabt gegen den Vetle auf der letzten Runde. Ich hoffe, dass es sich noch einpendelt, dass ich die Höhe besser verkrafte.“ 

Lisa Vittozzi (ITA), Vanessa Voigt (GER), Franziska Preuss (GER), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Jeanmonnot bringt ihr Team an die Spitze, Vanessa Voigt hält Podestbereich 

Karoline Offigstad Knotten hat ihren Vorsprung auf Vanessa Voigt minimal ausgebaut, während Lou Jeanmonnot und Dorothea Wierer hinter der Deutschen aufholten. Richtung Liegendanschlag waren beide an Voigt dran und zu Viert lagen sie auf den Matten aufgereiht. Norwegen begann mit Fehler und ein weiterer folgte, auch Jeanmonnot traf eine Scheibe nicht während Vanessa Voigt mit der Null als Erste in die nächste Runde lief, gefolgt von Dorothea Wierer (+ 4,2 Sek.), Lou Jeanmonnot (+ 6,2 Sek.) und Karoline Offigstad Knotten (+ 9,3 Sek.). Jeanmonnot hat einen der letzten Anstiege vor dem Schießstand genutzt, schob kräftig an, übernahm die Führung und riss auch gleich eine deutliche Lücke zu ihren Verfolgerinnen. Stehend blieb die Französin fehlerfrei, ebenso Knotten, die nur drei Sekunden hinter Frankreich in die Schlussrunde einbog. Vanessa Voigt arbeitete konzentriert und ließ ihre fünf Scheiben weiß werden und kam knapp vor Wierer zurück in die Runde, nachdem diese zuvor eine Zusatzpatrone nachladen musste. Zum letzten Wechsel hat sich Jeanmonnot deutlich abgesetzt, auch Knotten konnte das Tempo nicht halten, dahinter kämpfte Vanessa Voigt gegen Dorothea Wierer um jeden Meter und Frankreich wechselte mit einem Vorsprung von 18,4 Sekunden. Gleichauf mit Franziska Preuß für Deutschland übernahm Lisa Vittozzi für Italien. Jeanmonnot war in der Spur bei ihrem Gesamteinsatz 23,8 Sekunden schneller als die Verfolgerinnen und Vanessa Voigt büßte auf der Schlussrunde 10,5 Sekunden gegenüber der laufstarken Französin ein. Jeanmonnot war es schließlich, die ihre Staffel an die Spitze brachte und dort auch den entscheidenden Vorsprung verschaffte. „Ich habe gar keine Worte und habe schon ein paar Tränen vertrocknet,“ so Vanessa Voigt, nachdem sicher war, dass das Quartett die Bronzemedaille erreicht hat. Für Vanessa Voigt ist es bereits die zweite olympische Bronzemedaille, nachdem sie 2022 in Peking Startläuferin der Damenstaffel war, wo sie mit Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Denise Hermann-Wick auch auf den Bronzerang lief. „Ich bin unglaublich stolz. Es läuft so eine Zeitreise, was alles passiert ist, wieviele Hindernisse und Umwege ich machen musste. Es ist unglaublich schwer eine Medaille zu gewinnen,“ so Vanessa Voigt, die auch von furchtbarer Aufregung vor dem Rennen berichtete. „Mir war total schlecht, ich dachte ich muss mich jede Sekunde übergeben, weil die Aufregung so schlimm war.“ 

„Die Medaille ist sehr besonders“

Franziska Preuss (GER), Vanessa Voigt (GER), Philipp Nawrath (GER), Justus Strelow (GER), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Wie so oft in den bisherigen Rennen der Saison hatte Frankreich an der Spitze einen komfortablen Vorsprung, dahinter bildeten Kirkeeide (NOR), Preuss und Vittozzi (ITA) das Verfolgertrio mit 38 Sekunden Vorsprung vor der nächsten Verfolgerin, Marketa Davidova aus Tschechien. Bis zum Liegendanschlag hat Simon ihren Vorsprung nochmals leicht ausgebaut und abgeräumt, ohne dass die anderen zum Schuss bereit waren. Lisa Vittozzi war die Nächste, die nach fünf sauberen Treffern (+ 19,4 Sek.) den Schießstand verließ. Nach ihr folgte Franziska Preuss (24,4 Sek.) und als Vierte bog Maren Kirkeeide (+ 30,2 Sek.) in die Spur ein.  Zum Stehendanschlag kam Simon mit einem Vorsprung von 19,2 Sekunden auf das Verfolgertrio. Auf Schießbahn eins zog sie ihr Schießen fehlerfrei durch und war weg, bevor Deutschland, Norwegen und Italien dort ankamen. Italien folgte nach fünf Treffern mit einem Rückstand von 20,5 Sekunden. Maren Kirkeeide sowie Franziska Preuß strauchelten gefährlich. Die Scheiben wurden nicht weiß, auch nicht mit allen zur Verfügung stehenden Zusatzpatronen. Preuß kassierte eine und Kirkeeide sogar zwei Strafrunden. Franziska Preuß kam 24,4 Sekunden vor der Norwegerin als Dritte zurück in die letzte Runde. Julia Simon brachte den Sieg sicher ins Ziel, gefolgt von Lisa Vittozzi und Franziska Preuß hatte genügend Vorsprung um auf der Schlussrunde nicht mehr alles geben zu müssen und sicherte ihrem Team die Bronzemedaille. „Die Drei vor mir haben einen grandiosen Job gemacht, das hat uns gerettet,“ so Preuß nach dem Rennen, die klar machte, dass ihr Stehendanschlag nicht das Gelbe vom Ei war. „Ich habe so mit der Nähmaschine gekämpft, aber mit der Vorleistung der anderen haben wir diese Medaille gewonnen.“ Preuß war offensichtlich im Stehendanschlag verunsichert und fand den Fokus nicht mehr, als die Italienerin Vittozzi vor ihr den Schießstand unter großem Fanjubel verließ. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das heute schaffen können,“ gab Franziska Preuß zu und „Die Mixed ist so schwer zu gewinnen, weil es so viele starke Teams gibt. Darum ist es sehr besonders.“ 

Österreich landet auf Sieben, die Schweiz auf Zehn 

Sebastian Stalder (SUI) © Thibaut/NordicFocus

Dominic Unterweger, Simon Eder, Anna Gandler und Lisa Theresa Hauser benötigten insgesamt nur sechs Nachlader, aber läuferisch reichte es nicht weiter nach vorne. Der Startläufer Dominic Unterweger kam mit einem Nachlader am Schießstand gut durch und dennoch mit deutlichem Rückstand zum Wechsel auf Simon Eder. Der Routinier absolvierte beide Schießen ohne Zusatzpatronen und brachte die Staffel sogar in die Top-10. Anna Gandler, auch lediglich mit einem Nachlader im liegenden Anschlag belastet, übergab dann an sechster Position auf Lisa Theresa Hauser, die viel Risiko nehmen musste um eine Chance zu haben, weiter nach vorne zu kommen. Jeweils zwei Nachlader liegend und stehend ließen am Ende nur Rang sieben zu.
Die Schweiz erreichte nach einer Strafrunde und sieben Nachladern das Ziel auf Rang zehn. Startläufer Sebastian Stalder kam in beiden Schießen fehlerfrei durch. Niklas Hartweg machte nach einem Nachlader liegend und drei im Stehend zwar Plätze nach vorne gut, aber der Rückstand bei seinem Wechsel auf Lea Meier betrug bereits über eine Minute. Im Liegen reichten Meier ihre drei Zusatzpatronen nicht aus und sie kassierte eine Strafrunde. Stehend hielt sie sich schadlos und wechselte als 14. mit knapp drei Minuten Rückstand auf Baserga. Am Schießstand beide Male fehlerfrei brachte Amy Baserga ihre Staffel auf Rang zehn ins Ziel.  

Ergebnis

Medaillenspiegel

Der Wettkampfplan der olympischen Biathlonbewerbe

Bildergalerie

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