Olympia 2026: Frankreichs Biathletinnen holen Staffel-Gold - xc-ski.de Langlauf

Olympia 2026: Frankreichs Biathletinnen holen Staffel-Gold

Die französische Biathlon-Damenstaffel wird ihrer Favoritenrolle gerecht und holt sich trotz einer Strafrunde den Olympiasieg in Antholz. Nach einer großartigen Vorstellung gewinnen sie verdient die Goldmedaille vor Schweden und Norwegen. Die Veränderung in der Aufstellung der DSV-Staffel ließ hoffen, doch der Plan ging nicht auf. Am Ende sichert Vanessa Voigt den vierten Rang.    

Die Damen aus Frankreich sind Favorit auf Gold

20 Staffeln gingen in Antholz im Kampf um eine Medaille in das olympische Damenrennen über 4 x 6 Kilometer. Bisher gab es in der laufenden Weltcupsaison vier Damenstaffeln. In Östersund siegte Frankreich, in Hochfilzen Schweden und Frankreich gewann auch in Oberhof. Das letzte Weltcup-Staffelrennen der Damen vor den Olympischen Winterspielen wurde in Ruhpolding ausgetragen und hier stand Norwegen auf dem Siegertreppchen. Die Gesamtwertung führt Frankreich an vor Norwegen und Schweden. Das DSV-Team lief in Hochfilzen und in Oberhof auf den dritten Rang und liegt in der Weltcupgesamtwertung an fünfter Position. Frankreich hat eine starke Damenmannschaft, und egal in welcher Aufstellung, sind sie der große Favorit für den Olympiasieg. Schon in der Mixed-Staffel holte Frankreich Gold mit Lou Jeanmonnot und Julia Simon, der späteren Olympiasieger im Einzel, im Team. Den Olympiasieg vor vier Jahren erreichten allerdings die Schwedinnen, aber bei der letzten WM in Lenzerheide 2025 wurden die Französinnen Weltmeister.

Frankreich mit Strafrunde – Tannheimer glänzt

Julia Tannheimer (GER) © Thibaut/NordicFocus

Julia Tannheimer bestimmte auf der ersten Runde das Tempo vorneweg und konnte sich Richtung erstes Schießen sogar etwas von den Verfolgerinnen absetzen. Mit Entschlossenheit, aber auch mit der erforderlichen Ruhe räumte sie liegend ab und verließ mit der Französin Bened den Schießstand. Die ersten zehn Athletinnen lagen innerhalb zehn Sekunden und Tannheimer übernahm laufstark wieder die Spitzenposition. Zum Stehendanschlag stellte sie sich neben der Französin auf der zweiten Matte auf. Die Französin verfehlte drei Scheiben, Tannheimer zwei und während beide nachluden verließ die Bulgarin Lora Hristova als Erste den Schießstand, gefolgt von der Schwedin Gestblom. Mit etwas größerem Abstand kam die Norwegerin Johansen zurück in die Loipe und nur zwei Sekunden hinter ihr an vierter Position Julia Tannheimer. Camille Bened reichten ihre drei Nachlader nicht aus und sie musste zur Strafe eine Extrarunde laufen. Mit 46 Sekunden Rückstand ist sie auf die 16. Position zurückgefallen. An der Spitze konnte sich die Bulgarin des Angriffs der Schwedin nicht erwehren und musste Gestblom ziehen lassen. Tannheimer gelang es auf der kurzen 2-km-Runde ihren Rückstand zu halbieren. Schweden wechselte als Erste und Tannheimer schob sich mit der schnellsten Gesamtlaufzeit sogar noch an der Bulgarin vorbei und schickte Franziska Preuß mit 5,1 Sekunden Rückstand als Zweitplatzierte ins Rennen, nur 0,4 Sekunden vor Bulgarien. Dann war bereits eine Lücke von zehn Sekunden aufgegangen und als Erste der Verfolgerinnen wechselte die Ukraine. Die Favoritinnen aus Frankreich hatten beim Wechsel auf Lou Jeanmonnot an 16. Position einen Rückstand von 55,8 Sekunden. Nach Julia Tannheimer war der verfolgte Plan mit der Umstellung auf den Positionen aufgegangen. Tannheimer als die stärkste Läuferin des DSV-Quartetts hat ihre Laufstärke in der Spur genutzt. „Meine Hoffnung war, dass alle, die an mir dran bleiben, nochmal mehr über ihre Grenzen gehen müssen,“ so Tannheimer im ZDF-Interview, und „Startläuferin ist eine Challenge,“ die die junge Athletin hervorragend gemeistert und damit der deutschen Damenstaffel eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen hat.      

Jeanmonnot führt französische Staffel wieder heran – Preuß mit Strafrunde

Franziska Preuss (GER) © Thibaut/NordicFocus

Für Schweden lief nun Anna Magnusson an der Spitze. Franziska Preuß räumte liegend mit der schnellsten Schießzeit ab, während vor allem Schweden und Bulgarien nachladen mussten. Die Deutsche ging in Führung und ihr Vorsprung betrug eingangs der Schlussrunde 11,7 Sekunden auf die Ukraine, dann folgte knapp dahinter Juni Arnekleiv für Norwegen. Schweden kassierte eine Strafrunde und war auf den 10. Rang zurückgefallen und auch Lou Jeanmonnot konnte mit zwei Nachladern nicht entscheidend nach vorne kommen. Sie bog als Zwölfte in die nächste Runde. Sogar die Italienerin Dorothea Wierer hatte Probleme bei ihrem Liegendanschlag. Für gewöhnlich schießt sie schnell und sicher, aber in ihrem letzten Staffeleinsatz durfte sie sich sogar von der Strafrunde verabschieden. Mit Vorsprung von 8,9 Sekunden kam Franziska Preuß vor einer siebenköpfigen Verfolgergruppe zum Stehendanschlag. Zwei Schüsse verfehlten das Ziel, der erste Nachlader saß, der Zweite ging vorbei und auch der Dritte verfehlte das Ziel. Franziska Preuß hat ihre Probleme, die sie in dieser Saison beim Stehendanschlag hat, offensichtlich nicht ausblenden können. Nach der Strafrunde bog die Deutsche mit einem Rückstand von 42,3 Sekunden als Zwölfte in ihre Schlussrunde. Juni Arnekleiv für Norwegen übernahm die Führung, verfolgt mit einem Abstand von 9,4 Sekunden von Belgien mit Maya Cloetens und der Lettin Baiba Bendika. Während der Runde gab Jeanmonnot richtig Gas, nachdem sie zuvor stehend fehlerfrei durchgekommen war. Mit der schnellsten Gesamtlaufzeit war Frankreich wieder vorne dabei, während ungewöhnlicher Weise die Lettin nahezu zeitgleich mit der Bulgarin führend wechselte. Franziska Preuß äußerte sich nach dem Rennen nicht. Noch vor dem Rennen war sie zuversichtlich, dass die zweite Position gut zu ihr passt, besser als die Schlussposition. 

Janina Hettich-Walz bringt DSV-Staffel wieder in Schlagdistanz

Janina Hettich-Walz (GER), Vanessa Voigt (GER), (l-r) © Thibaut/NordicFocus

Lettland und Bulgarien wechselten in führender Position aber nur 1,6 Sekunden dahinter kam für Frankreich Oceane Michelon ins Rennen und nahezu 15 Sekunden dahinter wechselte Norwegen vor Belgien, Schweden und Tschechien. Franziska Preuß schickte Janina Hettich-Walz als Elfte mit einem Rückstand von 47,4 Sekunden ins Rennen. Wie tags zuvor bei den Herren, lag nun auch die französische Damenstaffel nach einer Strafrunde wieder auf der Spitzenposition. Oceane Michelon baute ihren Vorsprung auf Lettland und Bulgarien, die beide jetzt schwächere Läuferinnen im Geschehen hatten, deutlich aus und 16,9 Sekunden vor den Verfolgerinnen kam Michelon zum Liegendanschlag. Sie räumte schnell und ohne Probleme ab und hat ihren Vorsprung weiter vergrößert. Norwegen folgte nach einem fehlerfreien Anschlag 28,5 Sekunden später. Janina Hettich-Walz lief schnellste Runde, aber wegen eines Nachladers blieb es beim achten Rang mit 49,9 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Michelon war auf der Runde zum Stehendanschlag schnell in der Spur, hinter ihr Norwegen und Schweden mit Abstand von 43 Sekunden. Michelon kam stehend mit einem Nachlader durch und war schon weg als die Verfolgerinnen erst zum Schießstand kamen. Das hohe Verfolgungstempo spiegelte sich bei den Schießeinlagen wieder. Die Deutsche benötigte zwei Nachlader, wobei der zweite auch noch klemmte und dadurch viel Zeit dahinlief. Die Französin hatte 44,9 Sekunden Vorsprung vor Norwegen und an deren Skienden lief Elvira Oeberg. In etwa zeitgleich reihte sich die Tschechin Vobornikova an vierter Position ein und Janina Hettich-Walz war zwar mittlerweile Fünfte, aber der Rückstand war auf 1:11 Minuten eingangs der Schlussrunde angewachsen. Janina Hettich-Walz brachte die Staffel mit der zweiten Gesamtlaufzeit hinter der Französin Michelon wieder nach vorne, übernahm auf Elf und übergab auf der Fünf. „Die Aufregung war sehr groß,“ so Janina Hettich-Walz im ZDF, „ich habe auf der Strecke versucht, ein bißchen nach vorne gut zu machen. Ich bin in der zweiten Runde zu schnell gelaufen und habe dann beim Schießen gewackelt. Ich bin froh, dass ich die Strafrunde verhindern konnte, aber wirklich nach weiter vorne habe ich es auch nicht gebracht.“

Frankreich uneinholbar, Vanessa Voigt wächst über sich hinaus

Vanessa Voigt (GER) © Thibaut/NordicFocus

Die favorisierte französische Damenstaffel wechselte mit einem Vorsprung von 46,9 Sekunden auf die Schlussläuferin Julia Simon. Für Schweden kam Hanna Oeberg nahezu zeitgleich mit der Norwegerin Maren Kirkeeide, die bekannt ist, für ihre Schlussrunden. Als Fünfte mit 1:22 Minuten Rückstand übernahm Vanessa Voigt für Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Rückstand auf den Bronzerang 34,6 Sekunden und eine Medaille war wohl nur mehr möglich, wenn Voigt alles und schnell trifft und die Athletinnen vor ihr straucheln. Julia Simon ließ ihre Scheiben mit einem überzeugenden liegenden Anschlag in 20 Sekunden weiß werden und hat ihren Vorsprung dadurch noch ausgebaut. Und nun mussten die Verfolgerinnen riskieren. Schweden war nach einem Nachlader auf der zweiten Position (+ 1:02,1 Sekunden), dann folgte Norwegen (1:11,2 Minuten) und Vanessa Voigt spielte ihre Schießstärke aus. In 25 Sekunden räumte sie sicher ab und war an der Tschechin, die eine Strafrunde kassierte, vorbeigegangen. Hanna Oeberg und Maren Kirkeeide investierten viel von ihrer Kraft in der Spur um weiter an Frankreich heranzukommen. Simon an der Spitze konnte ihr Tempo laufen und sich die Reserven einteilen. Ihr Vorsprung betrug beim Betreten der Matte zum letzten Anschlag knapp eine Minute. Nervenstark ließ die Französin Scheibe für Scheibe weiß werden und ihre Teamkolleginnen lagen sich bereits in den Armen. Dann kamen Hanna Oeberg und Maren Kirkeeide zum Schießen. Auch Oeberg hatte einen guten Rhythmus, musste bei der letzten Scheibe nachladen und Kirkeeide traf zwei Scheiben nicht. Während Vanessa Voigt zum Schießen kam, fielen auch die beiden Scheiben der Norwegerin und Voigt, die auf der Runde nur 8,7 Sekunden hinter der schnellsten Läuferin lag, schoss in 23,7 Sekunden schnell und vor allem fehlerfrei. Als Voigt in die letzte Runde bog, lag sie 14,2 Sekunden neben dem Podest, aber gegen die laufstarke Norwegerin war es schwer auf der Schlussrunde anzukommen.   

Julia Simon läuft französische Damenstaffel zum Olympiasieg

Julia Simon (FRA) © Thibaut/NordicFocus

Julia Simon konnte die letzte Runde genießen und schon früh wurde ihr die französische Fahne gereicht. Schwenkend überquerte sie die Ziellinie unter großem Beifall von der Tribüne und ihre drei Kolleginnnen nahmen sie im Ziel mit vielen Emotionen in Empfang. Nach einer Strafrunde und sechs Nachladern gewinnen Camille Bened, Lou Jeanmonnot, Oceane Michelon und Julia Simon Gold mit der Damenstaffel mit einem Vorsprung von 51,3 Sekunden. Die Schwedinnen Linn Gestblom, Anna Magnusson, Elvira Oeberg und Hanna Oeberg auf dem Silberrang hatten ebenfalls eine Strafrunde und sieben Nachlader. Norwegen mit Marthe Krakstad Johansen, Juni Arnekleiv, Karoline Offigstad Knotten und Maren Kirkeeide, der Olympiasiegerin im Sprint, benötigten sieben Nachlader und kamen ohne Strafrunde aus. Ihr Rückstand auf die siegreichen Französinnen betrug im Ziel 1:07,6 Minuten. Julia Tannheimer, Franziska Preuss, Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt liefen nach einer Strafrunde und neun Nachladern auf den  vierten Rang (+ 1:29,1 Min.). „Mein Rennen war gut, aber wir wollten eine Medaille. Ja, es schmerzt sehr, dass wir heute leer ausgehen, den vorne haben sie auch Strafrunden geschossen.“ Vanessa Voigt verteidigte die geänderte Aufstellung. „Ich glaube es war auf jeden Fall der richtige Plan. Ich war heute auch echt in der Lage, ich habe mich echt wohl gefühlt und gut eingestimmt, dass ich am Schießstand die Top-Athleten ärgern kann. Soweit ist es leider nicht gekommen.“ Nach zwei Tage Pause steht nun noch der olympische Massenstart auf dem Programm. Bis dahin sollte Preuß das Debakel abgehakt haben. „Die eine braucht wirklich den Trost, die andere muss es einfach mit sich ausmachen, mit Leuten, die ihr nahestehen. Es ist schwierig, man will immer helfen, man ist manchmal auch ratlos,“ so Voigt zu der Situation. Bei Cheftrainer Kristian Mehringer schwang vor dem Start Hoffnung auf eine Medaille, er gab aber auch zu „aktuell haben wir keine, die mit Simon oder Kirkeeide mithalten kann. Vanessa kann über sich hinauswachsen.“ 

„Pech auf immer denselben Schultern“

Der Sportdirektor Felix Bitterling war nach dem Rennen ebenso enttäuscht. „Es soll scheinbar grad nicht sein.“ Er meinte aber auch, dass sich die Mädels „alles in allem gut verkauft“ haben. „Über die Franzi brauchen wir heute nicht reden. Der Sport schreibt viele Geschichten von Triumphen, das ist heute mal ein bißchen bitter. Das macht die Franzi nicht weniger zu einem Champion. Jetzt gerade tut es weh, wieder Vierter. Das ist genau der Platz, den du nicht haben willst. Der Kopf hängt gerade tief, das muss man ihr auch zugestehen. Das ist menschlich. So wie ich sie kenne, wird sie sich schütteln und wird nochmal alles zusammenkratzen um dann am Samstag eine Reaktion zu zeigen.“ Währenddessen verließ Franziska Preuß völlig deprimiert und in Tränen aufgelöst mit gesenktem Kopf das Stadion. „Ich hatte den Eindruck, dass sie während der gesamten letzten Woche immer sehr, sehr gut analysiert und reflektiert hat, sich dann geschüttelt hat und dann wirklich wieder mit sehr klarem Fokus beim nächsten Wettkampf war. Nichts destotrotz: Irgendwas scheint derzeit in den Klamotten drinzuhängen oder zwischen den Ohren – es ist schwierig darüber jetzt zu spekulieren. Gerade ist es bitter,“ so Felix Bitterling nach dem Rennen.

Heimteam aus Italien geht leer aus

Dorothea Wierer (ITA) © Thibaut/NordicFocus

Hannah Auchentaller, Dorothea Wierer, Michela Carrara und Lisa Vittozzi, die Olympiasiegerin in der Verfolgung, gingen im Quartett leer aus. Auchentaller übergab an zehnter Position an Wierer, die heute nicht ihr bestes Schießen zeigen konnte. Fünf Nachlader und eine Strafrunde ist man von ihr nicht gewöhnt und Michela Carrara übernahm mit einem Rückstand von bereits über einer Minute an Position 14. Sie hielt die Position zwar, aber der Rückstand war beim Wechsel bereits auf knapp drei Minuten angewachsen. Lisa Vittozzi kam mit nur einem Nachlader in beiden Schießen durch und überquerte die Ziellinie auf dem elften Rang. 
Die Schweiz mit Amy Baserga, Aita Gasparin, Lea Meier und Lena Häcki-Gross  landete auf dem achten Rang. Amy Baserga schickte Aita Gasparin mit einem Rückstand von 30,4 Sekunden an neunter Position ins Rennen, die läuferisch nicht mit den Spitzenathletinnen mithalten konnte. Lea Meier arbeitet sich mit jedem Schießen weiter nach vorne und war auch in der Spur gut dabei. Sie wechselte an sechster Position auf Lena Häcki-Groß. Mit viel Risiko beim letzten Anschlag kam dann noch eine Strafrunde dazu und mit insgesamt zehn Nachladern blieb am Ende Rang acht für die Schweiz.
Die Österreicherinnen Tamara Steiner, Anna Gandler, Anna Andexer und Lisa Theresa Hauser beendeten das Rennen nach zwei Strafrunden und 15 Nachladern auf Platz 15. Steiner liegend fehlerfrei, kassierte stehend eine Strafrunde. Beim Wechsel auf Anna Gandler betrug der Rückstand auf die Spitze bereits 1:25 Minuten. Gandler verbesserte sich um einen Platz nach vorne, war aber läuferisch deutlich abgeschlagen. Anna Andexer drehte im Stehendanschlag eine weitere Strafrunde und für Schlussläuferin Lisa Theresa Hauser blieb nur volles Risiko. Sie überquerte die Ziellinie nach insgesamt zwei Strafrunden und 15 Nachladern als Fünfzehnte. 

Ergebnis

Medaillenspiegel

Der Wettkampfplan der olympischen Biathlonbewerbe

Bildergalerie

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