Mit dem Massenstart der Damen endeten die olympischen Biathlon Wettkämpfe von Mailand/Cortina 2026. Oceane Michelon wurde Olympiasiegerin im Massenstart vor Julia Simon. Auf dem Bronzerang überraschte die Tschechin Tereza Vobornikova. Dorothea Wierer und Franziska Preuß haben ihre Karriere beendet und sich im Zielbereich feiern lassen.
Wer holt sich die letzte Goldmedaille 2026?
Die olympischen Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina endeten für die Biathletinnen mit dem Massenstart. Die derzeit 30 Besten waren startberechtigt, davon vier aus Frankreich und aus Schweden, die damit das volle Startkontingent nützen konnten. Jeweils drei Athletinnen aus Norwegen, aus Deutschland und aus Polen, zwei aus Italien, Schweiz, Österreich, Bulgarien und Lettland sowie jeweils eine aus Finnland, Tschechien und Dänemark. Bisher gab es in der Weltcupsaison zwei Massenstarts. In Annecy le Grand Bornand siegte Maren Kirkeeide und in Nove Mesto stand Julia Simon ganz oben auf dem Podest. Die Weltcupwertung in dieser Disziplin führt aber Lou Jeanmonnot mit der konstanteren Leistung in beiden Rennen. Olympiasiegerin 2022 in Peking wurde die Französin Justine Braisaz-Bouchet. Da bereits vier Französinnen mit besseren Ergebnissen vor ihr für den olympischen Massenstart in Antholz qualifiziert waren, konnte sie nur nachrücken, nachdem der Verband entschied, Camille Beneds Start zurückzuziehen. Bei der letzten WM 2025 in Lenzerheide wurde Elvira Oeberg Weltmeisterin.
Frankreich trumpft früh auf
Die drei Französinnen Julia Simon, Justine Braisaz-Bouchet und Oceane Michelon setzten sich Richtung erstes Schießen im liegenden Anschlag an die Spitze. Schnellste in der ersten Runde war Julia Simon und sie hat auch ihre fünf Scheiben als Erste abgeräumt. Hinter ihr reihten sich Dorothea Wierer und Lou Jeanmonnot ein. Ausgerechnet Franziska Preuß kassierte eine Strafrunde, während Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt sich nach einer fehlerfreien Serie mit etwas mehr als zehn Sekunden Rückstand im vorderen Bereich hielten. Auf der nächsten Runde übernahm Dorothea Wierer die Führungsarbeit, direkt hinter ihr weiterhin drei Französinnen Justine Braisaz-Bouchet, Julia Simon und Lou Jeanmonnot und je näher die Athletinnen zum Stadion kamen, hatte sich Janina Hettich-Walz zwischen die Französinnen in den Spitzenbereich gearbeitet.
Bei anhaltendem Schneefall konnte Julia Simon erneut ihre fünf Scheiben im zweiten Liegendanschlag als Schnellste fehlerfrei abräumen, Dorothea Wierer schoss ähnlich schnell, aber sie brachte eine Patrone nicht ins Ziel. Mit 5,8 Sekunden Rückstand bog Janina Hettich-Walz als Zweite hinter Julia Simon in die nächste Runde. Vanessa Voigt hielt sich auch schadlos und hatte auf der fünften Position 8,5 Sekunden Rückstand. Franzi Preuß kassierte eine weitere Strafrunde und fiel mit 46,6 Sekunden weiter zurück.
Oceane Michelon übernimmt Führung
Zur Halbzeit der Runde übernahm Janina Hettich-Walz kurz die Spitzenposition, Julia Simon zog am Schießstand wieder an der Deutschen vorbei um am Schießstand eins sich für den ersten Stehendanschlag bereit zu machen. Vanessa Voigt kam 3,6 Sekunden später zum Schießstand. Hettich-Walz begann mit zwei Schießfehlern und hatte nach den Extrarunden einen Rückstand von 53,4 Sekunden, aber Voigt räumte erneut ihre fünf Scheiben ab und war mit Rückstand von 11,5 Sekunden vorne im Tanz um die Medaillen dabei. Michelon führte an der Spitze minimal vor Elvira Oeberg und der Bulgarin Lora Hristova. Franziska Preuß wollte sich offensichtlich länger im Stadion zeigen. Vier Patronen fanden nicht ins Ziel und nach den vier Strafrunden wurde sie an das Ende des Feldes mit mehr als zwei Minuten Rückstand gespült. Dort war sie in guter Gesellschaft der Österreicherin Lisa Theresa Hauser, die bereits fünf Extrarunden gelaufen war.
Letzter Schuss von Vanessa Voigt kostet wohl die Medaille
Mit Elvira Oeberg, Oceance Michelon, Lora Hristova, Vanessa Voigt, Tereza Vobornikova und Anna Magnusson kamen sechs Athletinnen innerhalb zehn Sekunden zum entscheidenden Schießen. Oceane Michelon setzte den ersten Schuss, musste aber in die Strafrunde, auch Elvira Oeberg und Lora Hristova kamen nicht fehlerfrei durch und während alle vor Vanessa Voigt in die Strafrunde einbogen, blieben die Tschechin Tereza Vobornikova und die Schwedin Anna Magnusson fehlerfrei. Zuvor war für Vanesa Voigt die Medaille zum Greifen nah, als die perfekte Schützin ausgerechnet den letzten Schuss nicht ins Ziel brachte. Tereza Vobornikova lief als Erste in die Schlussrunde, an ihren Skienden Anna Magnusson und Julia Simon. Oceane Michelon hatte 7,9 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Vobornikova konnte sich erst ein paar Meter absetzen, aber am Anstieg bei der Huber-Alm, Vobornikova schaute sich bereits um, hatte sich Michelon an Magnusson vorbeigeschoben und war mit starken Schüben an der Führenden dran. Von allen Betreuern wurde die Tschechin angefeuert, aber hinter ihr die Französin Michelon hatte richtig gutes Material und kam vor allem in den Abfahrten immer näher. Aus der Abfahrt kommend sprang Michelon den nächsten Anstieg an und setzte sich gleich deutlich von der Tschechin ab. Hinter Vobornikova kam nun auch noch Julia Simon und um den Schießstand herum schnappte sie sich die Tschechin.
Doppelerfolg für Frankreich
Oceane Michelon wurde mit der schnellsten Gesamtlaufzeit Olympiasiegerin vor ihrer Teamkollegin Julia Simon. Michelon hatte insgesamt zwei Strafrunden zu laufen und kam 6,6 Sekunden vor Simon ins Ziel, die nur eine Extrarunde im Gepäck hatte. Tereza Vobornikova brachte den Bronzerang ins Ziel und ist damit die große Überraschung des olympischen Massenstarts 2026. Mit einer Strafrunde verpasste sie Silber um 0,8 Sekunden. Vobornikova konnte im Ziel gar nicht an ihren Erfolg glauben und ließ, auch während der Siegerehrung, ihren Freudentränen freien Lauf. Anna Magnusson aus Schweden hatte zwanzig Treffer und wurde mit 26,6 Sekunden Rückstand Vierte vor Dorothea Wierer. Mit zwei Strafrunden hatte die Italienerin im Ziel 30 Sekunden Rückstand auf die Olympiasiegerin. Elvira Oeberg (1 Fehler) belegte den sechsten Platz.
Eine Medaille und ein bißchen Blech
4,3 Sekunden hinter Magnusson überquerte Vanessa Voigt auf dem siebten Platz die Ziellinie. „Ich habe nicht direkt an die Medaille gedacht, ich habe eher gedacht, ich fühle mich heute echt gut, ich kann ganz vorne mitkämpfen. Dann sehe ich, dass es ein Fehler war. Da war ich eine Sekunde nicht bei mir. Ich habe mich auch nicht bewusst auf den letzten konzentriert, das war einfach mein normaler Rhythmus,“ so Voigt nach dem Rennen in der ARD. Vanessa Voigt hat sich von Rennen zu Rennen in Antholz gesteigert und die schnellste Laufzeit innerhalb des deutschen Teams geboten. „Ich habe versucht immer ein paar Lücken zu schließen um Kraft zu sparen im Windschatten.“ Voigt gab an, dass sie sich bereits auf neue Chancen im letzten Weltcuptrimester freut. „Ich fahre mit einer Medaille und ein bißchen Blech nach Hause. Im Weltcup gibt es neue Chancen und ich weiß auch, dass mir das letzte Trimester gut liegt.“
Janina Hettich-Walz lag bis zur Hälfte des Rennens aussichtsreich an der Spitze dabei. Jeweils zwei Extrarunden in den beiden Stehendanschlägen ließen am Ende trotz respektabler Laufleistung nur Platz 17 zu, direkt hinter der Französin Lou Jeanmonnot, die stehend insgesamt drei Strafrunden kassierte.
Dorothea Wierer und Franziska Preuß auf Ehrenrunde
Lange im Vorfeld hatte Dorothea Wierer bereits bekannt gemacht, dass sie nach den Olympischen Winterspielen 2026 in ihrer Heimat ihre Karriere beenden wird. Bei Franziska Preuß wurde es vermutet und einen Tag vor dem Massenstart teilte auch sie der Öffentlichkeit mit, dass ihre Karriere nach dem Massenstart endet. Der Kampf Frau gegen Frau lag Preuß eigentlich immer und eine klein bißchen Hoffnung bestand noch, dass sie im letzten Rennen vielleicht eine Einzelmedaille gewinnt. „Eigentlich ab dem ersten Fehler habe ich es relativ gelassen gesehen. Es war eigentlich egal. Es war ein cooler Abschluss,“ so Franzi Preuß in der ARD. Die Ziellinie erreichte sie als 28. nach insgesamt sieben Strafrunden, was für sie und auch alle Fans völlig nebensächlich war. Erlebnis zählte in diesem Fall vor Ergebnis. Das Emotionalste für Franzi Preuß war, als sie mit Dorothea Wierer eine Ehrenrunde im Stadion lief und von dieser zurückkommend ihre ganze Familie, Freunde und Weggefährten im Zielbereich auf sie warteten. „Bei Olympia seine Karriere zu beenden ist etwas Spezielles und zusammen mit der Doro war es ganz besonders.“ Franziska Preuß freut sich nun auf ihre „neue“ Freiheit. „Ich freue mich auf alles was kommt und ich freue mich, dass es geschafft ist“ und ganz Biathlon Deutschland gönnt den beiden den Biathlon-Ruhestand.
Anna Andexer in Top-10
Zum Abschluss der Olympischen Winterspiele präsentierte sich die Österreicherin Anna Andexer in Top-Verfassung. Lediglich ein Schuss kam nicht ins Ziel und nach bereits Rang neun im Sprint wurde Andexer auch im Massenstart Neunte. Weniger gut kam Lisa Theresa Hauser ins Rennen als sie bereits im ersten Liegendanschlag drei Scheiben verfehlte. Mit der Null am Ende konnte sie sich dennoch nicht entscheidend verbessern. Nach fünf Strafrunden platzierte sich Hauser als 26. Die Schweizerin Lea Meier kam mit zwei fehlerfreien Schießen gut ins Rennen, allerdings ließ sie wie Janina Hettich-Walz in den Stehendanschlägen jeweils zwei Scheiben stehen und überquerte die Ziellinie nach vier Strafrunden auf Platz 24. Amy Baserga hatte auf Rang 21 drei Strafrunden in den Beinen.
Medaillenspiegel
Die Medaillen gingen in den einzelnen Rennen an:
| Gold | Silber | Bronze | |
| Mixed-Staffel | FRA Eric Perrot Quentin Fillon-Maillet Lou Jeanmonnot Julia Simon |
ITA Tommaso Giacomel Lukas Hofer Dorothea Wierer Lisa Vittozzi |
GER Justus Strelow Philipp Nawrath Vanessa Voigt Franziska Preuß |
| Einzel Herren | NOR Johan-Olav Botn |
FRA Eric Perrot |
NOR Sturla Holm Laegreid |
| Einzel Damen | FRA Julia Simon |
FRA Lou Jeanmonnot |
BUL Lora Hristova |
| Sprint Herren | FRA Quentin Fillon-Maillet |
NOR Vetle S. Christiansen |
NOR Sturla Holm Laegreid |
| Sprint Damen | NOR Maren Kirkeeide |
FRA Oceane Michelon |
FRA Lou Jeanmonnot |
| Verfolgung Herren | SWE Martin Ponsiluoma |
NOR Sturla Holm Laegreid |
FRA Emilien Jacquelin |
| Verfolgung Damen | ITA Lisa Vittozzi |
NOR Maren Kirkeeide |
FIN Suvi Minkkinen |
| Staffel Herren | FRA Fabien Claude Quentin Fillon-Maillet Emilien Jacquelin Eric Perrot |
NOR Martin Uldal Johan-Olav Botn Sturla Holm Laegreid Vetle S. Christiansen |
SWE Viktor Brandt Jesper Nelin Martin Ponsiluoma Sebastian Samuelsson |
| Staffel Damen | FRA Camillie Bened Lou Jeanmonnot Oceane Michelon Julia Simon |
SWE Linn Gestblom Anna Magnusson Elvira Oeberg Hanna Oeberg |
NOR Marthe K. Johansen Juni Arnekleiv Karoline O. Knotten Maren Kirkeeide |
| Massenstart Herren | NOR Johannes Dale-Skjevdal |
NOR Sturla Holm Laegreid |
FRA Quentin Fillon Maillet |
| Massenstart Damen | FRA Oceane Michelon |
FRA Julia Simon |
CZE Tereza Vobornikova |
