Biathlon-Gesamtweltcup ade - Herzoperation zwingt Giacomel zum Saisonende - xc-ski.de Langlauf

Biathlon-Gesamtweltcup ade – Herzoperation zwingt Giacomel zum Saisonende

Nach seinem ungewollten Ausstieg im Massenstart bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Antholz musste Biathlet Tommaso Giacomel am Herzen operiert werden. Nun gab er das vorzeitige Ende der Saison bekannt, die beste Saison seiner Karriere, wo er berechtigte Chancen auf den Gesamtweltcupsieg hatte. 

DNF im Massenstart

Tommaso Giacomel (ITA) © Thibaut/NordicFocus

So wollte der Italiener Tommaso Giacomel (25) die olympischen Winterspiele in seinem Heimatstadion in Antholz sicher nicht beenden. Nach dem zweiten Schießen im letzten Wettkampf der Herren, dem Massenstart, lag Giacomel in Führung. Dann fingen ihn die Kameras extrem langsam laufend und bereits weit zurückgefallen ein. Als er an einem Betreuer vorbeilief, führte er seine rechte Hand an seine linke Seite, an die Herzgegend, um diesem anzuzeigen, dass er Probleme hatte. Noch im Verlaufe der Runde musste er das Rennen komplett aufgeben. Am Streckenrand musste er sich übergeben. Wie er selbst angab, hatte er enorme Probleme beim Atmen und sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Auf Instagram schrieb er dazu: „Gleich nach dem zweiten Liegendschießen funktionierte mein Körper irgendwie nicht mehr richtig, und ich hatte große Schwierigkeiten zu atmen und mich zu bewegen, deshalb musste ich aufhören.“ Er fügte an, dass es „das schlimmste Gefühl, das ich bisher in meinem Leben erlebt habe“ gewesen sei. „Ich habe versucht, den ersten Teil der dritten Runde sehr langsam zu fahren, aber mein Körper hat mir das Skifahren nicht mehr erlaubt. Im Moment gehen mir viele Gedanken durch den Kopf… Frustration, Wut, Enttäuschung… Es ist niederschmetternd. Es ist niederschmetternd, aufzugeben, aber ich konnte heute nichts gegen meinen eigenen Körper ausrichten.“ Möglicherweise hatte er dabei auch an seinen sehr guten Freund Sivert Guttorm Bakken gedacht, der am 23.12.2025 von Johan-Olav Botn tot in seinem Hotelzimmer während eines Lehrgangs der norwegischen Mannschaft zwischen den Jahren am Lavaze-Pass aufgefunden wurde. Im Anschluss an seinen Zusammenbruch unterzog sich Giacomel zur Abklärung mehreren gesundheitlichen Checks.

 

Minimalinvasive Operation

Der  italienische Wintersportverband teilte gestern in einem Update zum Gesundheitszustand von Giacomel mit: „Tommaso Giacomel hat im Mailänder Galeazzi-Krankenhaus eine Reihe von diagnostischen Tests absolviert, die von der Medizinischen Kommission des FISI in Zusammenarbeit mit Professor Daniele Andreini durchgeführt wurden. Er unterzog sich einer Computertomographie (CT), einer Magnetresonanztomographie (MRT) und einem maximalen Belastungstest, die alle unauffällig waren. Eine anschließende elektrophysiologische Untersuchung ergab eine Vorhofleitungsstörung, die eine Ablation erforderlich machte. Diese wurde bereits durchgeführt und verlief vollständig erfolgreich. Tommaso wird am Donnerstagmorgen entlassen und hat in zwei Wochen weitere planmäßige Kontrolluntersuchungen. Anschließend kann er wieder mit dem regulären Training beginnen.“ (Quelle: fisi.org) Eine Ablation ist ein minimalinvasives Verfahren zur gezielten Entfernung oder Zerstörung von krankem Körpergewebe, meist zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. Dabei wird ein Katheter über Blutgefäße zum Herzen geführt, um fehlerhafte Herzmuskelzellen durch Hitze, Kälte oder Stromstöße zu veröden. Die Ablation ist eine etablierte Therapie, um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. (Quelle: KI)

Olympische Winterspiele nicht nach Plan gelaufen

Tommaso Giacomel (ITA) © Thibaut/NordicFocus

Zu den olympischen Winterspielen 2026 in seiner Heimat kam Tommaso Giacomel als großer Favorit. Und die Spiele begannen für ihn auch erfolgsversprechend. Gleich im ersten Rennen lief er zusammen mit Lukas Hofer, Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi zu Silber mit der Mixed Staffel. Das sollte aber die einzige Medaille für ihn bleiben. Im Einzel der Herren belegte er nach drei Schießfehlern Rang sechs und im Sprint kam er nach ebenfalls drei Fehlern nur auf den enttäuschenden 22. Platz. Von da aus lief er in der Verfolgung (2 Fehler) auf den neunten Rang, mit der Staffel (zusammen mit Patrick Braunhofer, Lukas Hofer und Nicola Romanin) wurde es Platz 14. Die letzte Chance auf eine Einzelmedaille wollte der Italiener im Massenstart nutzen. Und es sah auch sehr gut aus, bis er nach dem zweiten Schießen, in Führung liegend, das Rennen aufgeben musste. „Das ist absolut nicht das Ende der Spiele, das ich mir erhofft hatte, aber ich werde niemals aufgeben. Vier Jahre vergehen wie im Flug, und ich werde es in Frankreich erneut versuchen,“ so Giacomel auf seinem Instagram-Kanal.

Gesamtweltcup adieu

Tommaso Giacomel (ITA) © Thibaut/NordicFocus

Dass Tommaso Giacomel nun nach seinem Eingriff am Herzen die Saison aufgeben muss, ist für ihn extrem enttäuschend. Insbesondere weil er in dieser Saison alle Möglichkeiten hatte, nicht nur den Gesamtweltcup- sondern auch den einen oder anderen Disziplinsieg zu holen. Er gewann den Sprint in Hochfilzen und in Oberhof, wo er auch in der Verfolgung einen Start-Ziel-Erfolg feierte, dazu kamen die Siege im Massenstart in Ruhpolding und im französischen Annecy und ein zweiter Rang im Sprint von Ruhpolding sowie in der Verfolgung von Hochfilzen. Mit nur 37 Punkten Rückstand ist er als Zweiter hinter dem Franzosen Eric Perrot platziert. In der Sprintwertung liegt er vor dem Beginn des letzten Biathlon-Trimesters, vorne und in der Verfolgungswertung liegt er 11 Punkte hinter Perrot. Zwei Weltcupstationen, 05.03.-08.03.2026 in Kontiolahti (FIN) und 12.03.-15.03.2026 in Otepää (EST) liegen noch vor dem großen Saisonfinale vom 19.03.-22.03.2026 in Oslo. Dort hätte Giacomel möglicherweise den größten Erfolg seiner Karriere mit dem Gewinn der einen oder anderen Trophäe feiern können. Nun geht Gesundheit erst einmal vor und damit endet auch die Spannung im Kampf um die große Kristallkugel zwischen Giacomel und Perrot.     

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