Lisa Vittozzi setzte sich auf der letzten Runde des Massenstarts beim Biathlon Weltcup in Oslo gegen Hanna Oeberg durch und gewinnt den letzten Wettkampf der Saison 2025/26. Tereza Vobornikova komplettierte das Podest, nachdem Janina Hettich-Walz ihre Podestchancen im entscheidenden Schießen vergab. Julia Simon wurde Sechste und gewinnt damit die Massenstartkugel und Lou Jeanmonnot erhält als Gesamtweltcupsiegerin die große Kristallkugel von Franziska Preuß überreicht.
Die Ausgangssituation
Das letzte Rennen der Damen in der laufenden Biathlon Weltcup Saison ist der Massenstart. Es wird der vierte der Saison sein. Den ersten gewann Maren Kirkeeide und die beiden folgenden Julia Simon. Sie ging in dem roten Trikot als Führende in dieser Wertung ins Rennen und hatte einen Vorsprung von 45 Punkten vor ihrer Teamkollegin Lou Jeanmonnot. Ihr war die große Kristallkugel für den Sieg in der Gesamtweltcupführung bereits sicher. Unter den derzeit 30 Top-Athletinnen aus 14 Nationen waren vier DSV-Damen qualifiziert, fünf aus Frankreich, fünf aus Schweden, drei Norwegerinnen, zwei aus der Schweiz und aus Österreich Lisa Hauser, die nach dem Massenstart in Oslo ihre Biathlonkarriere beendet.
Simon geht in Führung
Fünf Mal war die Runde über 2,5 km zu laufen und dazwischen mussten vier Schießeinlagen absolviert werden. Es windete ordentlich als die 30 Athletinnen zum ersten Anschlag kamen. Julia Simon war als Erste fertig, gefolgt von Hanna Oeberg, Oceane Michelon und Lou Jeanmonnot. Janina Hettich-Walz war aus dem deutschen Team als Erste mit fünf Treffern durchgekommen und sortierte sich als Siebte ein. Die anderen Deutschen begannen mit Strafrunden, Julia Tannheimer sogar mit zwei und ihr Rückstand betrug eingangs der zweiten Runde bereits 1:03 Minuten. Die Streckenbedingungen war zu diesem Zeitpunkt noch fest und gut. In der Loipe hielt sich Hanna Oeberg im Windschatten von Julia Simon und mit einer kleinen Lücke zu ihren Verfolgerinnen machten sich beide zum zweiten Schießen, ebenfalls im Liegen, bereit.
Julia Simon und Hanna Oeberg an der Spitze
Julia Simon setzte Hanna Oeberg mit dem ersten Schuss gleich unter Druck und mit minimalem Vorsprung verließ die Französin den Schießstand vor Hanna Oeberg. Lena Häcki-Groß, die Schweizerin, hielt sich auch im zweiten Anschlag schadlos und rückte mit einem Abstand von 7,9 Sekunden auf die dritte Position vor. Hinter ihr sortierte sich Elvira Oeberg ein, dicht gefolgt von Janina Hettich-Walz. Sie blieb auch im zweiten Schießen fehlerfrei. Nach dem zweiten Schießen waren es noch zehn Athletinnen, die bis dahin alle ihre Scheiben abräumten und darunter eine Deutsche. Hanna und Elvira Oeberg waren schnell in der Loipe und haben sich direkt hinter die führende Julia Simon gearbeitet. Hinter den Schwedinnen klaffte eine Lücke, die Lena Häcki-Groß und Janina Hettich-Walz versuchten zu schließen. Neun Athletinnen liefen innerhalb zehn Sekunden und Lisa Vittozzi führte eine größere Verfolgergruppe an, allerdings bereits mit 30 Sekunden Abstand zur ersten Gruppe. Hanna und Elvira Oeberg zogen an Julia Simon vorbei und so standen sie aufgereiht zum ersten Stehendanschlag.
Die Oeberg´s führen, Hettich-Walz auf dem dritten Rang
Die beiden Oeberg-Schwestern brachten jeweils die Null und Julia Simon riskierte zu viel. Mit zwei Strafrunden fiel sie weit zurück, während Hanna Oeberg vor Elvira in die nächste Runde bog. Janina Hettich-Walz traf ihre fünf Scheiben, blieb bis dahin zum dritten Mal fehlerfrei und lief mit einem Rückstand von elf Sekunden als Dritte zurück in die Spur. Hinter ihr kam die Tschechin Tereza Vobornikova und danach klaffte erneut eine Lücke um die 20 Sekunden. Julia Simon hatte auf der neunten Position einen Rückstand von 46 Sekunden und lief in der vorletzten Runde sehr hohes Tempo um ihren Rückstand zu minimieren. Für sie war es wichtig mindestens den sechsten Rang zu erreichen um die kleine Kristallkugel zu gewinnen. Zum entscheidenden Schießen kam sie als Siebte hinter Lisa Vittozzi, beide Schnellschützinnen. An der Spitze bildeten die beiden Oeberg-Schwestern ein Duo und ein weiteres Duo kam mit Janina Hettich-Walz und Tereza Vobornikova an.
Hanna Oeberg führt, Hettich-Walz vergibt Podestchancen
Unter großem Beifall der Zuschauer im Stadion reihten sich Hanna Oeberg und Elvira Oeberg auf. Elvira Oeberg ist die bessere Stehendschützin der beiden, aber sie verfehlte zwei Scheiben und ihre Schwester eine. Auch Hettich-Walz kassierte zwei Extrarunden. Währenddessen die Verfolgerinnen auch kreiselten kam Hanna Oeberg aus der Strafrunde zurück und mit einem Vorsprung von 8,6 Sekunden vor Lisa Vittozzi bog sie in die Schlussrunde ein. An dritter Position war Tereza Vobornikova und 7,3 Sekunden danach Ingrid Landmark Tandrevold. Janina Hettich-Walz hat ihre hervorragende Position durch die zwei Strafrunden vergeben und mit 45,1 Sekunden Rückstand war sie bei Schießstandausgang Zehnte. Julia Simon kassierte auch nochmals eine Strafrunde und mit 33,2 Sekunden Rückstand lief sie als Siebte in die letzte Runde. Sie hatte die in der Spur extrem starke Elvira Oeberg vor sich und insofern durfte es schwer werden, ob sie die 2,9 Sekunden aufholen und an Elvira Oeberg vorbeiziehen kann um Sechste zu werden.
Lisa Vittozzi setzt sich durch
An der Spitze ergab sich ein Zweikampf zwischen Hanna Oeberg und Lisa Vittozzi. Die Italienerin hatte sich am letzten langen Anstieg an der Schwedin scheinbar mühelos vorbeigearbeitet während Tereza Vobornikova auch alles versuchte, um ihren dritten Rang ins Ziel zu bringen. Die Strecke führt Richtung Ziel um den Schießstand herum und hier setzte sich Vittozzi deutlich von Hanna Oeberg ab. Lisa Vittozzi lief die schnellste Schlussrunde und mit einer Strafrunde im Gepäck siegte sie mit 4,2 Sekunden Vorsprung vor Hanna Oeberg. Tereza Vobornikova komplettierte das Podest. Elvira Oeberg wurde Vierte vor Ingrid Landmark Tandrevold und Julia Simon sicherte sich mit einer starken Schlussrunde den sechsten Platz und stand damit als Gewinnerin der kleinen Kristallkugel in der Massenstartwertung fest.
Janina Hettich-Walz wird Zehnte
Nach drei fehlerfreien Schießen und zwei Fehlern im letzten, entscheidenden Anschlag wurde Janina Hettich-Walz mit einem Rückstand von 50 Sekunden Zehnte und damit beste Deutsche. Die Saison beendet Hettich-Walz als 17. in der Gesamtweltcupwertung. „Ich war heute ziemlich klar im Kopf,“ sagte Hettich-Walz am ZDF-Mikrofon nach dem Rennen. „Ich war verwundert über die Fehler. Ich war mir sicher, dass die treffen. Irgendwie soll es diese Saison nicht sein.“ Hier gab die Schwarzwälderin auch bekannt, dass sie überlegt habe, ob sie noch weitermacht. „Ich bin nächstes Jahr noch dabei.“ Vanessa Voigt kassierte insgesamt zwei Strafrunden und überquerte die Ziellinie auf Rang zwölf. Sie beendet die Saison als beste Deutsche auf dem 14. Platz der Gesamtweltcupwertung. Julia Tannheimer begann mit zwei Strafrunden, blieb in den folgenden drei Schießen fehlerfrei und erreichte das Ziel als 14. „Ich bin vor allem echt happy, dass es beim Schießen so gut funktioniert hat. Ich habe schlecht geschlafen und wusste, dass es läuferisch heute schwierig wird. Die Schlussrunde hat mir gestern mehr Körner gekostet.“ Ihr Ziel ist es in der kommenden Saison immer öfter zu schaffen, „auf so hohem Niveau zu laufen.“ Selina Grotian (1:0:3:0) wurde 24. Läuferisch war Vanessa Voigt aus dem DSV-Team die stärkste, Julia Tannheimer war schnellste aus dem DSV-Team in der letzten Runde.
Ergebnis
Weltcup Endstand Damen
Übergabe der Trophäen
Die Norwegerin Maren Kirkeeide sicherte sich mit einem deutlichen Vorsprung von 330 Punkten vor der Deutschen Julia Tannheimer den Sieg in der Wertung der U-23-Athletinnen. Sie wurde mit der entsprechenden Trophäe nach dem Massenstart in Oslo ausgezeichnet. Nach der Siegerehrung erhielt Julia Simon die kleine Kristallkugel für den Sieg in der Massenstartwertung und ganz besonders gefeiert wurde Lou Jeanmonnot. Franziska Preuß ist extra nach Oslo gereist um sich von allen den Weggefährtinnen zu verabschieden und sie war es, die ihrer ärgsten Konkurrentin im Jahr zuvor, die große Kristallkugel überreichte. Jeanmonnot freute sich sichtlich darüber, dass ausgerechnet Franziska Preuß, die zwischenzeitlich zu ihrer Freundin geworden ist, die Trophäe übergab. In einer langen Umarmung flossen viele Tränen der Freude.
Letztes Rennen von Lisa Theresa Hauser
Lisa Theresa Hauser kam mit einer Null gut in das letzte Rennen ihrer Karriere. Auch in der Spur war sie anfangs schnell unterwegs. In den folgenden Schießeinlagen kassierte sie vier Strafrunden, verabschiedete sich demgemäß auch von der Strafrunde und erreichte das Ziel in gemächlichem Tempo als 19. Mit Krone und viel Glitzer im Gesicht meldete sie sich, nachdem sie zuvor von vielen ihrer Teamkolleginnen emotional verabschiedet wurde am ZDF-Mikrofon. Sie verriet was bei ihr erst einmal nach der Karriere kommt: „Relaxen, in den Tag hineinleben, nicht nach Struktur und Plan, und viel Zeit mit Familie und Freunde nachholen, was ich in den letzten Jahren verpasst habe.“ Die sympathische Österreicherin sagte weiter: „Es war so ein großer Lebensabschnitt, man hat für den Sport gelebt und irgendwann ist das Ende gekommen. Es fühlt sich auch gut an, auch wenn ich heute schon weinen musste, weil jeder so viel für den Sport geopfert hat. Aber es fühlt sich gut an, wenn es vorbei ist. Es gab so viele schöne Momente. Es waren auch die kleinen Momente, es muss nicht immer ein Sieg sein.“ Neben ihr wurde auch Simon Eder, der es leider nicht in den Massenstart der Herren geschafft hat, verabschiedet. Und auch für die Slowakin Paulina Batovska Fialkova ging die Biathlonkarriere mit dem Massenstart in Oslo zu Ende.
