Mit exzellenter Gesamtleistung erreichte die deutsche Herrenstaffel beim Biathlon Weltcup in Ruhpolding erstmals in dieser Saison das Podest. Frankreich gewinnt nach anfänglichem Rückstand vor Norwegen und Schweden landet auf dem vierten Platz.
Die Ausgangslage
Die deutschen Herren erreichten im letzten Jahr in Ruhpolding ebenfalls das Podest. Hinter Frankreich und Schweden wurden sie Dritte noch vor Norwegen. In dieser Saison führen die Norweger aber in der Staffelwertung, nachdem sie in allen drei bisherigen Bewerben siegten. Egal in welcher Besetzung sie antraten, sie liefen zum Sieg. Wenn ihnen das auch in Ruhpolding gelingt, dann zeigt das von enormer mentaler Stärke. Die komplette norwegische Mannschaft reiste von Oberhof direkt nach Lillehammer um dort an der Beerdigung ihres Teamkameraden Sivert Guttorm Bakken teilzunehmen und ihm damit die letzte Ehre zu erweisen um dann anschließend wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Hinter den Norwegern sicherten sich in jedem bisherigen Staffelrennen die Franzosen den zweiten Platz vor den Schweden. Die DSV-Herren lagen vor Ruhpolding in der Staffelwertung auf dem vierten Platz.
Justus Strelow ist vorne dabei
Vor 13.400 Zuschauern in der Chiemgau-Arena starteten 22 Athleten in den letzten Staffelbewerb vor den Olympischen Spielen. Justus Strelow ist mit seinem schnellen und sicheren Liegendschießen ein prädestinierter Staffel-Startläufer um eine gute Ausgangsposition für den zweiten Läufer zu schaffen. Strelow setzte liegend den ersten Schuss, aber der ging vorbei, lud nachdem die weiteren vier Scheiben weß wurden, schnell nach und hatte 3,6 Sekunden Rückstand auf der sechsten Position bei Schießstandausgang. Der Norweger Dale-Skjevdal fiel nach zwei Nachladepatronen ans Ende des Feldes zurück und musste auf der nächsten Runde mehr investieren, um wieder heranzulaufen, wo zwischenzeitlich der Franzose Fabien Claude an der Spitze das Tempo vorgab. Ohne Windeinfluss räumte Strelow ab und unter großem Jubel von der Zuschauertribüne bog er in Führung liegend in die Schlussrunde ein. „Ich habe versucht mich nur auf mich zu konzentrieren, meinen Rhythmus abzuarbeiten. Das ist mir gut gelungen,“ so Strelow nach dem Rennen im ZDF, dem seine Schießeinlage in 19 Sekunden gar nicht so schnell vorkam. „Das hat sich nicht so angefühlt. Es war ein guter Anschlag. Ich habe den Rhythmus laufen lassen. Das ist nicht immer der Fall, aber es macht mich froh.“ Viktor Brandt für Schweden war in der Spitzengruppe dabei, der Norweger Dale-Skjevdal verbesserte sich nicht entscheidend und Fabien Claude kassierte eine Strafrunde und war sogar hinter die Norweger zurückgefallen. Richtung Wechsel gab es an der Spitze mehrere Positionskämpfe, insbesondere der Schwede und der Italiener Patrick Braunhofer wollten in Führung liegend übergeben.
Danilo Riethmüller bringt die deutsche Staffel in Führung
In der Reihenfolge Italien, Schweden, Estland und Deutschland mit einem Rückstand von 4,2 Sekunden wurde auf den jeweils zweiten Mann gewechselt und der Norweger Dale-Skjevdal hatte seinen Rückstand aufgeholt und als Fünfter an Sturla Holm Laegreid übergeben. Oscar Lombardot übernahm mit 26,5 Sekunden Rückstand und seine Aufgabe war es, die französische Staffel weiter nach vorne zu bringen. Eine Gruppe von zwölf Athleten hatte sich zum Liegendanschlag bereits gut abgesetzt. Laegreid und Nelin und auch Niklas Hartweg für die Schweiz bogen als Erste in die nächste Runde. Riethmüller setzte den ersten Schuss vorbei, kam aber mit einem schnellen Nachlader durch und hatte 9,7 Sekunden Rückstand als er den Schießstand verließ. „Ich hätte noch einmal atmen müssen und der Engelbert Sklorz (sein Schießtrainer) wird mich rügen. Ich habe den Schuss einfach reingedrückt.“ Elf Athleten an der Spitze lieferten sich auch auf der Runde zum Stehendanschlag erneut Positionskämpfe und Riethmüller rückte auf die vierte Position vor. Mit der Null in ruhigem aber sicherem Rhythmus räumte er seine Scheiben in 25 Sekunden ab und unter den lauten Anfeuerungsanrufen von Jens Filbrich lief Riethmüller gefühlt um sein Leben, sprang die Berge an und übergab unter großem Jubel von der Zuschauertribüne als Führender vor der Schweiz, Italien, Estland und Norwegen. Schweden und Frankreich mit einem Rückstand von nahezu 30 Sekunden auf den Positionen elf und zwölf. Riethmüller, der ja nach einem kurzen Ausflug in den IBU Cup in Ruhpolding erneut das Vertrauen der Trainer bekam sagte nach dem Rennen: „Ich bin über beide Ohren glücklich, hier in Ruhpolding noch einmal die Chance bekommen zu haben um mich zu zeigen. Und vor dieser fantastischen Zuschauermasse macht es natürlich umso mehr Spaß.“ Riethmüller, mit Ausnahme in Oberhof, in der olympischen Saison stets im Weltcup am Start, hat bisher die interne Olympia-Qualifikation nicht erfüllt. Noch bleibt ihm im Sprint die Chance mit einer guten Leistung sich auch für die anschließende Verfolgung zu qualifizieren und möglicherweise die Kriterien zu erfüllen.
Zobel hält Staffel auf Kurs
Nun waren es nur noch sechs Staffeln die zusammen die Spitze bildeten, allen voran David Zobel mit Martin Uldal an den Skienden und auf der ersten Runde wurde wieder erst einmal taktiert. „Die Strecke ist extrem schnell und ist nicht so anspruchsvoll. Im Windschatten spart man doch ein paar Körner,“ so Zobel dazu nach dem Rennen. Zobel gab liegend den ersten Schuss, der letzte fiel als Randtreffer nicht, und nach einem schnellen Nachlader kam er 5,8 Sekunden nach dem führenden US-Amerikaner Paul Schommer und dem Norweger Martin Uldal als Dritter zurück in die Loipe. Schommer und Uldal gaben an der Spitze den Ton an, dahinter lief Zobel in einer Dreiergruppe mit der Schweiz und Bulgarien. Stehend positionierte sich Martin Uldal auf der ersten Schießbahn, neben ihm Jeremy Finello, dann Schommer und Zobel. Schweden, Bulgarien und David Zobel gingen mit der Null weg, dann folgte schon der Franzose Quentin Fillon Maillet, nachdem Finello für die Schweiz in die Strafrunde abbiegen musste. Fillon Maillet gelang es die französische Staffel wieder heranzulaufen. Und auch der Norweger Martin Uldal als Sechster mischte im Kampf um das Podest wieder mit. Martin Uldal zog in der Spur mit starkem Antritt an David Zobel vorbei, der Schwede Martin Ponsiluoma hatte sich bis zum Wechsel leicht abgesetzt von seinen Verfolgern und übergab mit einem Vorsprung von 4,6 Sekunden auf Norwegen aber nur 1,2 Sekunden später kam Philipp Nawrath, der deutsche Schlussläufer ins Rennen. „Ich bin ganz froh, dass ich dieses Mal nicht der Schlussläufer bin,“ meinte Zobel und erklärte wie wichtig es ist, vor heimischem Publikum die erste Scheibe zu treffen. „Sobald wir den ersten Schuss setzen und treffen, haben wir das Publikum hinter uns und die Masse jubelt und dann wissen die anderen auch, der hat getroffen.“
Perrot übernimmt Führungsarbeit
Da an der Spitze neuerlich taktiert wurde, Samuelsson wollte die Führungsarbeit nicht übernehmen, hatte der Franzose Eric Perrot die Chance an die Spitze heranzulaufen und schnell schlossen sich fünf Athleten zur Spitzengruppe, die sich einen Abstand von zehn Sekunden zu den Verfolgern erarbeitet hatte. In der Abfahrt vom Schießstandberg ging dann Eric Perrot nach ganz vorne und kam als Erster zum Liegendanschlag. Norwegen und Frankreich brachten die Null und nach einem Nachlader kam Philipp Nawrath mit einem Rückstand von 3,6 Sekunden hinter den beiden zurück in die Spur, nach ihm Estland und Schweden und diese Fünfergruppe hatte bei Schießstandausgang nun schon einen Vorsprung von 20 Sekunden. Mit Schweden, Frankreich, Deutschland und Norwegen hatten sich die vier Nationen, die zuvor in der Staffelwertung vorne lagen, von den Verfolgern abgesetzt. Auf der Runde wurde neuerlich Tempo herausgenommen und Nawrath ging nach vorne. „Ich wollte keine Spirenzchen, keine Spiele. Letztendlich ist es besser, wenn ich mein Tempo laufe und ich hatte geile Bretter unter den Füßen.“ Vetle Sjaastad Christiansen, der beste Stehendschütze von den Vieren setze den ersten Schuss, Frankreich und Deutschland zogen nach und Perrot hatte seine Scheiben zuerst abgeräumt. Nawrath musste nachladen, wie auch Norwegen und Schweden. Nawrath kam auf der zweiten Position in die Schlussrunde, 7,8 Sekunden nach Frankreich und nur 3,2 Sekunden nach ihm lief Christiansen. Ab jetzt wurde volles Tempo gesprintet und der Norweger kam mit starken Schüben an den Anstiegen an Nawrath heran und am Schießstandberg zog er schließlich vorbei. Perrot zeigte an der Spitze keine Schwäche und Nawrath kam tatsächlich noch einmal an den Norweger heran, wie es ihm Jens Filbrich, der deutsche Lauftrainer von der Strecke aus, zugerufen hatte. Der Schwede musste abreißen lassen und vorne sollte es zwischen Norwegen und Deutschland noch eng werden. „Ich weiß um seine Sprintstärke im Finish und habe versucht dagegen zu halten,“ sagte Nawrath nach dem Rennen, aber es kam es zu keinem Zielsprint mehr. „Ich hatte eine super Ausgangsposition, aber die zwei vor mir waren einen Ticken stärker. Ich habe alles reingehaut, was da war. Ich habe heute auch versucht ganz konsequent auf meine schwarzen Ziele so lange zu warten, bis ich sicher bin. Richtig schade. Hätte der noch gesessen, hätte es auch weiter nach vorne gehen können.“ Norwegen wurde Zweiter vor Deutschland und Schweden. Estland erreichte einen hervorragenden fünften Rang vor Tschechien.
Frankreich siegt vor Norwegen und Deutschland
Fabien Claude, Oscar Lombardot, Quentin Fillon Maillet und Eric Perrot gewinnen mit der Herrenstaffel nach einer Strafrunde und vier Nachladern mit einem Vorsprung von 6,2 Sekunden vor Norwegen. Frankreich feierte damit erstmals in dieser Saison einen Sieg mit der Herrenstaffel. „Das war toll mit dem Team heute zu gewinnen. Das erste Mal in dieser Saison. Meine Kollegen haben einen super Job gemacht und ich liebe es in dieser Position. Ich musste eigentlich nichts tun als vorne Druck zu machen.“ Mit seinem Schießen zeigte sich Perrot ebenfalls zufrieden. „Ich war sehr zufrieden mit meinem Schießen. Ich habe mich genau auf diesen Punkt konzentriert und dann habe ich konsequent meine Leistung abgeliefert. Und so hat Laufen und Schießen zusammengepasst,“ so ein glücklicher Eric Perrot. Johannes Dale-Skjevdal, Sturla Holm Laegreid, Martin Uldal und Vetle Sjaastad Christiansen benötigten sieben Nachlader. Nur 1,7 Sekunden danach überquerte die DSV-Staffel mit Justus Strelow, Danilo Riethmüller mit Kämpferherz, David Zobel und Philipp Nawrath nach fünf Nachladern die Ziellinie. „Das war eine Wahnsinns-Teamleistung,“ so Schlussläufer Nawrath. Schweden mit Viktor Brandt, Jesper Nelin, Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson auf Rang vier benötigte sieben Nachlader und hatte im Ziel einen Rückstand von 24 Sekunden auf die Sieger. Sebastian Stalder, Niklas Hartweg, Jeremy Finello und Joscha Burkhalter brachten die schweizerische Staffel nach einer Strafrunde und acht Nachladern mit einem Rckstand von 1:07,7 Minuten auf dem siebten Rang ins Ziel. Patrick Braunhofer, Lukas Hofer, Elia Zeni und Nicola Romanin belegten ohne Tommaso Giacomel Platz neun (sieben Nachlader) und das österreichische Quartett mit Dominic Unterweger, Simon Eder, Lukas Haslinger und David Komatz überquerte die Ziellinie nach sechs Nachladern auf Rang elf.
Der weitere Wettkampfplan in Ruhpolding
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