Erster Biathlon Weltcup, vertraute Strecke, neue Flagge: In Ruhpolding erlebt Iva Moric einen ganz besonderen Moment. Zwischen Heimatgefühl, Neuanfang und großer Bühne geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
Weltcup-Debüt unter kroatischer Flagge
Ruhpolding bebt, die Tribünen sind voll, die Stimmung trägt. Für Iva Moric ist dieser Tag mehr als nur ein Weltcup. Es ist ihr erster Auftritt auf der größten Biathlon-Bühne unter kroatischer Flagge und das ausgerechnet auf jener Strecke, die sie seit Jahren kennt und die für sie Heimat bedeutet. „Ich war noch nie so nervös wie an diesem Tag. Aber es war einfach unglaublich: diese Kulisse, so viele Menschen, die einen anfeuern. Ich war wirklich sprachlos. Vom ersten Meter an wird man von den Zuschauern nach vorne getragen, das pusht extrem“, beschrieb sie ihre Eindrücke nach dem Sprint.Dass ausgerechnet Ruhpolding zum Schauplatz dieses Moments wird, passt zu ihrer Geschichte. Iva wurde in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aus Kroatien. Schon im Kindesalter entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Biathlonsport. Über mehr als zehn Jahre startete sie für den Deutschen Skiverband, durchlief sämtliche Nachwuchsklassen und machte früh international auf sich aufmerksam. Bei den Biathlon-Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften in Soldier Hollow (USA) gewann sie zwei Silbermedaillen im Einzel und in der Staffel sowie Bronze im Sprint.
Prüfungen auf und neben der Loipe
Diese Erfolge bildeten das sportliche Fundament ihrer Karriere. Doch parallel dazu wurde sie in den folgenden Jahren auf und auch abseits der Loipe vor große Herausforderungen gestellt. Die Krebserkrankung ihrer Mutter sowie eigene gesundheitliche Rückschläge, darunter Long Covid, prägten diese Zeit. „Ich stand da vor der Wahl: Höre ich auf oder gehe ich den einfachen Weg und gehe trotzdem meinem Traum nach?“, erinnerte sie sich. Rückblickend habe sie erkannt, „worum es im Leben wirklich geht und wie schnell alles vorbei sein kann. Der Sport ist für mich einfach mein Hobby, das ich gern mache.“
Neuer Fokus, neue Chancen
Diese Einsicht half ihr, Prioritäten zu setzen und darüber nachzudenken, welchen Weg sie künftig einschlagen wollte. Als es ihrer Mutter wieder besser ging, traf sie eine klare Entscheidung. Sie wollte wieder mehr bei sich selbst ankommen. Der Wechsel zum kroatischen Biathlon-Verband markierte den Start in dieses neue Kapitel. „Meine Mama war überwältigt. Sie hat sich das, glaube ich, schon immer für mich gewünscht, weil sie genau weiß, welche Ziele ihre Kinder haben. Sie war einfach überglücklich und stolz, mich im kroatischen Rennanzug zu sehen“, erzählte sie.
Der nächste Meilenstein
Der Schritt nach Kroatien ist für Iva nicht nur ein sportlicher Neustart, sondern zugleich die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Als Kind traf sie kroatische Athleten, von denen sie einen Rennanzug geschenkt bekam und sich inspirieren ließ. „Von dem Tag an habe ich geträumt, mit ihnen zu laufen und heute ist es tatsächlich so“, sagte sie. Mit diesem neuen Fokus startete sie in ihre erste Saison im kroatischen Dress und sammelte direkt internationale Erfahrungen im IBU Cup. Beim Auftakt in Obertilliach (Österreich) ging es vor allem darum, sich in der neuen Rolle zurechtzufinden. Nur eine Woche später folgte in Ridnaun (Italien) der nächste Schritt: Sie lief erstmals in die Punkteränge und zeigte, dass sie sich im internationalen Vergleich bereits gut behaupten konnte.Nun führt ihr Weg zurück nach Ruhpolding. Der Weltcup dort ist für sie kein Anfang mehr, sondern ein nächster Meilenstein. Mit neuen Erfahrungen, einem klareren Blick auf das, was wirklich zählt, und der Freude am Wettkampf geht Iva Moric ihren Weg weiter. Unter kroatischer Flagge, auf vertrautem Boden und mit dem Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.