Name: Nadja Kälin
Geburtsdatum: 20. April 2001
Geburtsort: St. Moritz
Wohnort: St. Moritz / Davos
Geschwister: Schwester Marina (*2003), mit der sie in einer WG lebt
Größe: 165 cm
Verein: SC Alpina St. Moritz
Beruf: Spitzensport-Soldatin (Schweizer Armee)
Ski: Fischer
Schuhe: Fischer
Stöcke: Swix
Instagram: Nadja Kälin
Das ist Nadja Kälin
Nadja Kälin wuchs zusammen mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Marina in Sankt Moritz im Kanton Graubünden auf, wo die Schwestern sich eine WG teilten, bis sie gemeinsam nach Davos umzogen, um von besseren Trainingsbedingungen zu profitieren. Vater Kälin stammt aus dem Kanton Schwyz – er brachte den für Graubünden ungewöhnlichen Nachnamen ins Engadin. Die Eltern sind sehr sportlich und naturverbunden, so dass sie die Kinder von klein auf immer in die Engadiner Bergwelt mitnahmen. Bald waren die Schwestern begeistert auf den schmalen und den breiten Latten unterwegs, aber „das Törli fahren“ machte Nadja nie so viel Spaß wie das Langlaufen, so dass sie sich ab der Jugend auf den Skilanglauf konzentrierte. Nadja wird als extrem bodenständig und fast schon als scheu beschrieben – und als resilient, wie Marina sagt. Nadja musste viele Phasen durchstehen, in denen es sportlich überhaupt nicht nach Wunsch lief, aber Aufgeben war für sie nie ein Thema. Sie genießt das Laufen und den Erfolg, drängt sich medial aber überhaupt nicht in den Vordergrund und meidet das klassische Star-Dasein. Sie ist leidenschaftliche Rennrad- und Gravelbike-Fahrerin, um ihre Ausdauerwerte im Sommer hochzuhalten. Wie viele Schweizer Top-Athletinnen ist sie in die Sportstrukturen der Schweizer Armee eingebunden und profitiert von der Förderung als Spitzensport-Soldatin. Seit Längerem ist sie in einer Beziehung mit Beda Klee, lebt aber weiter mit Marina in einer WG.
Großes Talent in der Jugend
Nadja Kälin galt in der Schweiz schon früh als eines der größten Versprechungen für die Zukunft und hat im nationalen sowie internationalen Nachwuchs eine erstklassige Visitenkarte hinterlassen. In der wichtigsten Schweizer Schülerrennserie in der Helvetia Trophy (Altersklassen U14 bis U16) war Nadja Kälin für ihren Heimatverein SC Alpina St. Moritz (Regionalverband BSV) eine feste Podestgarantin. Sie lief regelmäßig im Spitzenfeld um die Gesamtwertung mit. Ein typisches Beispiel für ihre damalige Klasse war die Helvetia Nordic Trophy 2017 (in der Kategorie U16), bei der sie sich in engen Duellen mit der späteren Weltcup-Kollegin Anja Weber maß und den starken dritten Platz belegte. Beim Übergang in die Altersklassen U18 und U20 dominierte sie das nationale Geschehen im BKW Swiss Cup phasenweise nach Belieben: Sie sicherte sich in dieser Zeit mehrere offizielle Titel als Schweizer Juniorenmeisterin (u.a. im Jahr 2021 in der Kategorie U20 über die 5-Kilometer-Distanz). Bemerkenswert war damals schon ihre Ausdauerstärke: Bei diesen nationalen Juniorenrennen lief sie regelmäßig Zeiten, mit denen sie sich zeitgleich mitten auf dem Elite-Podest der erwachsenen Damen platzierte. Ab 2017/18 war sie auch bei FIS-Rennen in der Juniorinnen – oder auch Elite-Klasse am Start und bestritt ihren ersten Engadiner Skimarathon als 22.
Erste internationale Medaillen
Mit 17 bestritt sie ihre ersten Junioren-Weltmeisterschaften in Lahti, wo sie als 40. und 42. erste internationale Erfahrungen bei Meisterschaften gegen deutlich ältere Athletinnen sammelte. Kurz darauf wurde sie beim European Youth Olympic Festival Silbermedaillen-Gewinnerin im Klassik-Einzelstart hinter Teamkollegin Anja Weber. Ein Jahr später sicherte sich das Schweizer Team überraschend den Titel als Junioren-Weltmeisterinnen in der Staffel bei der JWM in Oberwiesenthal, nachdem die vor ihnen liegenden Teams aus Deutschland und Polen sich verliefen und disqualifiziert wurden. „Wir durften es zuerst gar nicht richtig glauben. Als wir die Bestätigung der Jury bekamen, sind wir uns einfach nur schreiend und weinend in die Arme gefallen. Es fühlt sich total surreal an, aber diese Medaille nehmen wir unglaublich stolz mit nach Hause!“, sagte sie danach. 2021 standen wieder Titelkämpfe in Finnland an, diesmal in Vuokatti, und die inzwischen 19-jährige Nadja verpasste eine Medaille als Sechste im Massenstart nur knapp wie auch als Vierte in der Staffel.
Unentdecktes Belastungsasthma bremst die Entwicklung
Bei der Tour de Ski 2021/22 debütierte die Engadinerin im Weltcup, nachdem sie erst vorher ihren ersten Continental-Cup gelaufen war, und landete im Weltcup sogar schon einmal unter den besten 20. Dann stand das Abenteuer Olympische Spiele in China auf dem Programm, wo sie unter anderem sehr gute 21. wurde. Kurz darauf verpasste sie bei ihrer ersten U23-WM zweimal knapp die Medaillen und gewann stattdessen zu Hause mit 20 Jahren den Engadiner Skimarathon. 22/23 erhielt sie wieder einige Weltcupstarts, das Ziel war aber erneut die U23-WM, wo sie wieder als Fünfte am Edelmetall vorbei lief. Bei ihrem ersten WM-Start in Planica belegte sie den 32. Platz. Im Winter darauf entschied sie die Gesamtwertung des OPA/FESA-Cups für sich und beendete ihre erste Tour de Ski als 24. Bei der U23-WM in Planica musste sie sich im Klassik-Einzelstart nur knapp Helen Hoffmann geschlagen geben und gewann somit die Silbermedaille, zudem belegte das Schweizer Mixed Team mit nur 4,6 Sekunden Rückstand den undankbaren fünften Platz. Obwohl die Medaille endlich ein verdienter Erfolg war, ging die Entwicklung aber seit einiger Zeit nicht weiter. Woran das lag, war aber lange nicht klar. Erst im Sommer 2024 wurde nach langen Untersuchungen Belastungsasthma festgestellt und nachdem sie auf ein geeignetes Asthmaspray eingestellt wurde, machte sie den erhofften Leistungssprung. „Es war, als hätte man mir tonnenschwere Steine von der Brust genommen. Jahrelang denkst du, du trainierst vielleicht falsch oder bist mental einfach nicht stark genug für das Finale, wenn dir plötzlich die Luft wegbleibt. Zu wissen, dass es eine medizinische Ursache gibt, die man behandeln kann, war der wichtigste Befreiungsschlag für meinen Kopf“, sagte die damals 23-Jährige.
Plötzlich absolute Weltspitze bei WM in Trondheim
In ihrer ersten kompletten Weltcupsaison lief sie schließlich in Falun als Achte das erste Mal unter die besten Zehn. Unmittelbar vor der WM in Trondheim war das ein wichtiger Motivationsschub und die Engadinerin reiste in Bestform nach Norwegen. Dort zeigte sie dann als Sechste und zweimal Achte sowie bei Platz fünf im Staffelrennen beachtliche Leistungen und stieß in die absolute Weltspitze vor. „Daran musste ich mich im Ziel erst einmal ein bisschen gewöhnen, dass plötzlich so viele internationale Journalisten etwas von mir wissen wollen. Diese drei Top-10-Ergebnisse zeigen mir schwarz auf weiß, dass der eingeschlagene Weg stimmt und wir den Abstand nach ganz vorne Schritt für Schritt verkürzen“, sagte sie.
Zwei olympische Medaillen – beinahe sogar drei!
Aber es kam ja noch besser, denn bei den Olympischen Spielen in Italien räumte sie gleich zwei Medaillen ab – und fast wären es sogar drei gewesen: Beim Auftakt im Skiathlon verpasste sie Edelmetall als starke Vierte knapp, dann schlug sie aber im Teamsprint mit Nadine Fähndrich zu, was die Silbermedaille bedeutete. „Ich habe beim Zusehen in der Coaching-Zone fast einen Herzinfarkt bekommen, das war nervlich kaum auszuhalten! Als Nadine über die Linie fuhr und die ‚2‘ auf der Anzeigetafel aufleuchtete, sind bei mir alle Dämme gebrochen. Mit Nadine hier gemeinsam auf dem olympischen Podium zu stehen, ist ein absoluter Traum, der heute wahr geworden ist. Wir haben als Team alles auf der Strecke gelassen“, erzählte sie nach dem großen Erfolg als Partnerin von Nadine Fähndrich, die sonst immer mit Nadjas Dauerkonkurrentin aus der Jugend, mit Anja Weber, im Teamsprint angetreten war. Bei ihrer historischen Einzelmedaille, der ersten einer Schweizer Langläuferin, setzte sie mit einer Attacke im letzten Anstieg noch einen drauf, als sie zu Bronze stürmte. „In den letzten Runden fand ich das Tempo nicht so schnell, zu früh attackieren wollte ich jedoch nicht. Ich versuchte mich daher vor allem zu schonen. Als dann der Zorzi-Aufstieg kam, dachte ich mir: Jetzt mache ich es wie Klæbo.“ Gesagt – getan: Mit dem bekannten Ergebnis, das sie selbst nicht ganz fassen konnte: „Irgendwie surreal“, sagte sie ein paar Tage danach, „es ist alles so schwer zu fassen. Als Kind träumt man davon. Aber dann wird man älter und denkt: Das ist alles so weit weg. Ich bin mit der Hoffnung an die Olympischen Spiele gekommen, ein Diplom zu holen – nun gehe ich mit zwei Medaillen nach Hause.“
Hunger auf mehr
Nach ihren zwei Medaillen und dem Diplom erklärte sie im offiziellen Interview mit Swiss-Ski: „Mit dem Appetit kommt bekanntlich der Hunger. Ich habe nicht vor, bald aufzuhören.“ Sie betonte, dass sie jetzt erst recht spüre, dass die Lücke zur absoluten Weltspitze geschlossen ist und sie ganz vorne dauerhaft mitmischen will. Ihr sportlicher Fokus richtet sich nach dem Olympia-Erfolg direkt auf den nächsten großen Meilenstein, die kommenden Nordischen Skiweltmeisterschaften in Falun. Nachdem sie bei der letzten WM in Trondheim bereits dreimal in die Top10 lief, will sie dort nun um die Medaillen mitlaufen. Ein weiteres Ziel ist es, ihre Leistungen über den gesamten Winter hinweg zu bestätigen. Sie möchte sich nach ihrem Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft fest in den Top15 des Gesamtweltcups etablieren.