Nordische Kombination: Tour de France-Feeling in Oberstdorf - xc-ski.de Langlauf

Nordische Kombination: Tour de France-Feeling in Oberstdorf

Das Nachtrennen der Nordischen Kombination war ein wahres Fest. Während Stefan Rettenegger (AUT) seinen Vorjahres-Sieg wiederholte, liefen Nathalie Armbruster (GER) und Vinzenz Geiger (GER) ebenfalls aufs Podest. Zahlreiche Zuschauer im Stadion und an der Strecke sorgten für Gänsehautstimmung.

Start-Ziel-Sieg für Rettenegger

Stefan Rettenegger (AUT) © Sandra Volk

Nightrace und Stefan Rettenegger, das passt zusammen. Der Österreicher konnte seinen Vorjahres-Sieg eindrucksvoll wiederholen. Rettenegger führte das Nachtrennen von Anfang bis Ende an. Bereits auf der Schanze setzte der PCR-Sieger die Messlatte hoch. Mit 136 Metern und 123,2 Punkten auf der HS 137 erzielte er den weitesten Sprung des Abends und startete als Erster ins 7,5 km lange Skiroller-Rennen. Kristjan Ilves (EST) folgte mit 132,5 m und 117,7 Punkten sechs Sekunden dahinter, Jens Luraas Oftebro (NOR) mit 129 m und 116,8 Punkten weitere sechs Sekunden zurück. Auch im Lauf zeigte Rettenegger eine perfekte Vorstellung: Mit der schnellsten Laufzeit ließ er der Konkurrenz keine Chance. Er baute seinen Vorsprung schnell aus: Nach 2,6 km lag er 13,5 Sekunden vor Ilves und Oftebro, nach 4,1 km bereits 15,2 Sekunden vor Oftebro. Ilves fiel auf Rang 11 zurück. „Es scheint, dass mir dieser Ort hier liegt. Auf der Schanze habe ich einen großen Schritt gemacht, das taugt mir richtig. Ich wusste von Bischofshofen, dass ich auf den Rollern fit bin, heute hab ich aber noch einen drauf gesetzt. Ich habe mich richtig gut gefühlt und den anderen keine Chance gelassen. Solche Tage gibt es nicht oft, deshalb muss ich es umso mehr genießen,“ sagte der strahlende Sieger.

Geiger mit „Aufholjagd vom Allerfeinsten“

Vinzenz Geiger (GER), Manuel Faisst (GER), (l-r) © Sandra Volk

Für Aufsehen sorgte Vinzenz Geiger (GER), der von Platz 21 gestartet war und sich kontinuierlich nach vorne arbeitete. Im Ziel lag er 1:15,4 Minuten zurück und wurde Dritter hinter Oftebro, der mit mit 1:03,8 Minuten Rückstand Platz zwei belegte. „Es ist jedes Jahr wieder genial hier, mit dieser unglaublichen Stimmung. Der letzte Anstieg mit echtem Tour-de-France-Feeling war richtig cool. Auf der Schanze hatte ich mal wieder ein paar Probleme, aber die Leute waren dafür wieder richtig stark. Es hat einfach Spaß gemacht,“ bilanzierte Geiger zufrieden. Auf der Schanze waren ihm in der Tat nur 117 Meter gelungen, er ging mit exakt einer Minute Rückstand auf die Spitze ins Rennen. An Retteneggers Zeit kam selbst Geiger an diesem Tag nicht heran.

Sechs deutsche Herren unter den Top Ten

Richard Stenzel (GER) © Sandra Volk

Doch nicht nur Geiger begeisterte das Publikum aus deutscher Sicht. Auch die anderen Herren ließen sich nicht lumpen. Nicht weniger als sechs von ihnen liefen am Ende unter die Top Neun. Besonders bemerkenswert die Leistung von Manuel Faißt, der nach langer Verletzungspause stark zurückkehrte. Bereits auf der Schanze konnte er gute Sprünge zeigen, auch wenn es im Wettkampf dann nur für den zwischenzeitlichen 14. Platz reichte. Doch als Geiger an ihm vorbeistürmte, hängte sich Faißt an dessen Fersen und folgte dem Oberstdorfer bis ins Ziel, wo er sich den vierten Platz sicherte. Fünfter wurde David Mach vor Julian Schmid und Simon Mach. Auch Richard Stenzel konnte im Lauf noch einen Platz gutmachen und wurde Neunter. Zudem wurde Felix Brieden 14.

Armbruster fordert Hagen

Nathalie Armbruster (GER) © Sandra Volk

Armbrusters Freudenschrei war trotz des großen Jubels der zahlreichen Zuschauer deutlich zu hören. Sie landete bei 127 Metern – der größten Weite im Damenwettkampf. Sie selbst hätte wohl am wenigsten damit gerechnet: „Ich habe mich gestern auf der Schanze überhaupt noch nicht wohlgefühlt. Wir haben heute Morgen noch einmal verzweifelt versucht, in den Imitationen etwas zu verändern – und anscheinend haben wir das tatsächlich geschafft. So einen coolen Sprung hinzubekommen, war einfach unglaublich. Da habe ich im Auslauf erst einmal einen Befreiungsschrei losgelassen,“ sagte die Schwarzwälderin strahlend. Da für Katharina Gruber anschließend der Anlauf verkürzt wurde, reichte es für Armbruster dennoch zunächst nur für Zwischenrang zwei. Gruber sprang 125,5 Meter bei zwei Luken weniger Anlauf und setzte sich damit vorerst an die Spitze. Mit Lisa Hirner auf Rang drei und Annalena Slamik auf Rang vier waren die Österreicherinnen erneut stark auf den vorderen Rängen vertreten. Nur auf Rang fünf fand sich dagegen Spitzenreiterin Ida Marie Hagen, die nur auf 112,5 Meter kam.

Zweikampf zwischen Armbruster und Hagen

Nathalie Armbruster (GER), Ida Marie Hagen (NOR), (l-r) © Sandra Volk

Diesen Rückstand machte die Norwegerin jedoch schnell wett. Zwar schaffte Gruber es noch, ihre Führung während der ersten Runde zu verteidigen, während Armbruster bereits nur 0,7 Sekunden zurücklag. Doch Hagen war nach 1,3 Kilometern nur noch 2,3 Sekunden hinter der Spitze. Bei der 2,5-Kilometer-Marke hatte Hagen die Führung übernommen. Armbruster blieb nur 0,4 Sekunden hinter der Norwegerin, während Gruber nicht mehr mithalten konnte und auf den dritten Platz zurückfiel. Hinter ihnen arbeitete sich Ema Volavsek (SLO), die von der siebten Position gestartet war und derzeit die Best Skier Trophy anführt, durchs Feld. Zur Hälfte des Rennens lag sie 18,8 Sekunden hinter der Führenden. Volavsek überholte Gruber in der dritten Runde und rückte auf das Podium vor, während Hagen und Armbruster an der Spitze weiter Kopf-an-Kopf kämpften, getrennt nur durch 0,4 Sekunden. Die Entscheidung fiel im Schlusssprint. Hagen fand in den letzten Metern genug Geschwindigkeit, um den Sieg zu sichern, und überquerte die Ziellinie 1,2 Sekunden vor Armbruster, Armbruster erfreute das heimische Publikum mit dem zweiten Platz. Volavsek komplettierte das Podium auf dem dritten Platz und lag 56,5 Sekunden hinter der Siegerin.

Stimmen zum Wettkampf

Eric Frenzel (GER), Bundestrainer Herren:„Oberstdorf war wieder sehr, sehr interessant und spektakulär. Allein die Zuschauermenge, die heute da war und unsere Mannschaft – Damen wie Herren – so gepusht hat, war Wahnsinn. Es war wieder ein tolles Event mit einer großartigen Atmosphäre, und dieses Ergebnis dazu macht uns natürlich sehr glücklich. Speziell Vinzenz hat hier eine Aufholjagd vom Allerfeinsten auf die Strecke gelegt. Aber auch der Rest der Mannschaft, die Jungen wie die Älteren, hat ein sehr starkes Laufergebnis gezeigt. Wir hatten wirklich viele Athleten unserer Nation unter den Top Ten, und das freut mich sehr. Beim Springen haben wir definitiv noch ein paar To-dos offen. Läuferisch merken wir aber alle, dass es in die richtige Richtung geht. Jetzt stehen in Chaux-Neuve am Wochenende die nächsten und letzten beiden Wettkämpfe an. Dort werden wir noch einmal alles geben, bevor es weiter in Richtung Winter geht.“

Florian Aichinger (GER), Bundestrainer Damen:„Wir hatten zwar ein sehr ausgedünntes Feld, aber Nathalie hat heute einen unglaublichen Sprung gezeigt und sich damit eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Uns war klar, dass es mit Ida und auch Ema Volavsek richtig eng werden würde. Nathalie hat das Rennen unglaublich clever eingeteilt, sich zu Beginn zurückgehalten, Ida kommen lassen und ist dann gemeinsam mit ihr davongezogen. Am Ende kam es zum Zielsprint – da geht es immer 50:50 aus. Es war ein tolles, unglaublich spannendes Rennen. Nathalie war danach natürlich mega happy. Das war wirklich wie Phönix aus der Asche, und ich bin sehr stolz, dass sie das so hinbekommen hat.“

Nathalie Armbruster (GER):„Ja, wow! Ich glaube, das hätte heute wirklich nicht besser laufen können. Ich habe mich gestern auf der Schanze überhaupt noch nicht wohlgefühlt. Wir haben heute Morgen noch einmal verzweifelt versucht, in den Imitationen etwas zu verändern – und anscheinend haben wir das tatsächlich geschafft. So einen coolen Sprung hinzubekommen, war einfach unglaublich. Da habe ich im Auslauf erst einmal einen Befreiungsschrei losgelassen. Es hat enorm viel Spaß gemacht! Und vor dieser Kulisse ein Rennen zu laufen, ist sowieso immer so, so cool. Auch mit meinem Rennen bin ich hochzufrieden. Mit Ida so mitgehen zu können und dann bis zum Schluss dabei zu sein – das war wirklich sehr, sehr spannend. Sie hat es letztendlich ganz clever gelöst. Es war einfach ein rundum gelungener Tag. Ich bin hochzufrieden und freue mich jetzt riesig, hier vor heimischem Publikum, vor meiner Familie und meinen Freunden und vor dieser coolen Kulisse auf dem Podest zu stehen.“

Katharina Gruber (AUT): „Auf der Schanze hab ich wieder einen richtig tollen Sprung gezeigt, da bin ich derzeit auf einem richtig tollen Niveau. Auch im Rollern kann ich mir nichts vorwerfen, die anderen sind einfach noch zu stark. Es war ein hartes Rennen, aber mit der Menschenmenge hier in Oberstdorf war es trotzdem so cool zum laufen. Ich freue mich jetzt auf Chaux Neuve, da steht dann wieder ein Gundersen am Programm. Der liegt mir derzeit fast mehr.“

Zwischenstand Sprung DamenEndergebnis DamenGesamtstand DamenZwischenstand Sprung HerrenEndergebnis HerrenGesamtstand Herren

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