Biathlon WM Oberhof: Deutsche Staffel Damen gewinnen Silber hinter Italien - xc-ski.de Langlauf

Biathlon WM Oberhof: Deutsche Staffel Damen gewinnen Silber hinter Italien

Denise Herrmann-Wick (GER), Sophia Schneider (GER), Hanna Kebinger (GER), Vanessa Voigt (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Die deutsche Damenstaffel gewinnt Silber bei der Biathlon Weltmeisterschaft 2023 in Oberhof. Weltmeister werden verdient mit nur zwei Nachladern die Italienerinnen und Schweden sichert sich Bronze. Österreich erreicht Rang fünf und die Schweiz platziert sich auf Rang acht. 

Italien wird verdient Weltmeister

Dorothea Wierer (ITA), Hannah Auchentaller (ITA), Lisa Vittozzi (ITA), Samuela Comola (ITA), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Mit einem beeindruckenden Schießergebnis gepaart mit überzeugender Laufleistung werden die Italienerinnen Samuela Comola, Dorothea Wierer, Hannah Auchentaller und Lisa Vittozzi verdient Weltmeister mit der Damenstaffel. Nach nur zwei Nachladern überquert die Schlussläuferin Lisa Vittozzi mit 24,7 Sek. Vorsprung die Ziellinie. Sie setzt sich in einem spannenden Showdown im letzten Anschlag gegen Denise Herrmann-Wick durch, räumt ihre fünf Scheiben in 20,7 Sek. ab und bringt den Sieg für ihr Quartett sicher ins Ziel. Das deutsche Quartett mit Vanessa Voigt, Hanna Kebinger, Sophia Schneider und Denise Herrmann-Wick holt mit Silber die dritte Medaille für Deutschland. Schweden mit Linn Persson, Anna Magnusson, Elvira Oeberg und Hanna Oeberg lag beim ersten Wechsel noch in Führung, geriet nach zwei Strafrunden von Magnusson ins Hintertreffen und Elvira Oeberg läuft die Staffel zurück auf einen Podestrang, den Hanna Oeberg schließlich gegen Julia Simon verteidigt. Frankreich kommt auf den vierten Rang, gefolgt von Österreich, Norwegen, Tschechien und der Schweiz. Alle 16 gestarteten Staffeln erreichten das Ziel. Im Gegensatz zum Staffelwettkampf der Herren am Mittag herrschten bei den Damen am Schießstand ausgeglichene Bedingungen mit kaum Bewegung auf den Windfähnchen. Sowohl die Siegerinnen als auch das deutsche Quartett legten am Schießstand die Basis für ihren Erfolg.       

Vanessa Voigt meistert die Startposition

Vanessa Voigt (GER) © Reichert/NordicFocus

„Ich bin definitiv mit etwas Aggression ins Rennen gestartet,“ so Vanessa Voigt, die es all denen beweisen wollte, die an ihrem Einsatz als Startläuferin zweifelten. In beiden Anschlägen arbeitete sie konzentriert und brachte die Null. „Grad nach den letzten Tagen, die sehr, sehr schwer für mich waren, bin ich einfach zufrieden mit meinem Rennen.“ Schweden wechselte in Führung liegend vor Tschechien, Norwegen, Italien und Deutschland.

„Ich habe bis zum letzten Meter gekämpft“

Hanna Kebinger (GER), Vanessa Voigt (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Hanna Kebinger übernahm mit 12,8 Sek. Rückstand bei ihrem ersten Staffeleinsatz in der Weltelite. Sie behauptete die fünfte Position Richtung Liegendanschlag. Schweden, Norwegen und Frankreich betraten die Schießmatte vor ihr, neben ihr reihte sich Dorothea Wierer zum Liegendanschlag ein. Die Französin hielt sich schadlos und setzte sich an die Spitze, Dorothea Wierer folgte nach einer schnellen Fünferserie, dann Schweden und Norwegen. Hanna Kebinger hatte nach zwei Nachladern einen Rückstand von 39,6 Sek., der sich im Verlauf der Runde zum Stehendanschlag noch vergrößerte. In der Runde hatte Kebinger keine Läuferin vor sich und musste das Rennen für sich gestalten. Frankreich und Norwegen kamen dann im Stehendanschlag nicht ungeschoren davon und während Ingrid Landmark Tandrevold und Anais Chevalier Bouchet kreiselten, schob sich Hanna Kebinger mit fehlerfreiem Schießen mit 43,8 Sek. Rückstand auf die Spitze an die dritte Position. „Die Schlussrunde war ziemlich hart, da habe ich bis zum letzten Meter versucht zu kämpfen und alles für das Team rauszuhauen, was in mir steckt,“ so Hanna Kebinger nach ihrem Einsatz, die auch zugab, dass sie vor ihrem ersten Staffelstart wahnsinnig aufgeregt war und ergänzte: „Ich glaube dass darf man vor so einem Rennen auch sein, dann hat man eine gewisse Grundspannung und die kann auch nützlich sein.“ Die schnellen und sauberen Schießeinlagen von Dorothea Wierer waren Basis für den entscheidenden Sprung ihres Teams an die Spitze.   

„Man braucht das Quäntchen Glück“

Sophia Schneider (GER) © Reichert/NordicFocus

Italien wechselte in der Spitzenposition auf Hannah Auchentaller, Chloe Chevalier übernahm für Frankreich 21,4 Sek. später und Sophia Schneider ging als Dritte mit 42,8 Sek. Rückstand ins Rennen.  Zum Liegendanschlag kamen Hannah Auchentaller und Chloe Chevalier zeitgleich und Sophia Schneider hatte ihren Rückstand auf 26,6 Sek. verringert. Wer die junge Italienerin als vermeintliche Schwäche im Team ausgemacht hatte, sollte sich irren. Liegend räumte sie sicher ab und behauptete weiterhin die Spitzenposition, nachdem Chloe Chevalier hinter ihr drei Fehlschüsse sehr zeitintensiv mit drei Nachladern korrigierte. Sophia Schneider benötigte einen Nachlader, zog am Schießstand an der Französin vorbei und war 31,1 Sek. hinter Italien deren erste Verfolgerin. Auchentaller beeindruckte in der Folge auch mit einer überzeugenden Schießeinlage im Stehen und nach zwei Nachladern war Sophia Schneider 16 Sek. hinter ihr auf die Schlussrunde eingebogen. Die 21jährige Hannah Auchentaller lief an der Spitze ein beachtliches Rennen, aber Sophia Schneider machte Richtung letztem Wechsel deutlich an Boden gut. „Man hat gesehen, es ist wie eine Lotterie. Man braucht das Quäntchen Glück und bei uns war es besser von den Bedingungen. Ich hätte auch 0/5 – 0/5 schießen können, wenn ich besser geschossen hätte,“ so Sophia Schneider. Obwohl sie nach dem Rennen zugab, dass sie auf der Runde ihre Beine stark gemerkt hatte, lief sie bis auf 5,6 Sek. an Italien heran und nun lag es an Denise Herrmann-Wick den Erfolg ins Ziel zu bringen.

„Die Medaille ist für alle“

Denise Herrmann-Wick (GER), Sophia Schneider (GER), Hanna Kebinger (GER), Vanessa Voigt (GER), (l-r) © Manzoni/NordicFocus

Für Italien übernahm Lisa Vittozzi als Schlussläuferin und hinter Deutschland kam Hanna Oeberg für Schweden. Im Regen von Oberhof schloss Denise Herrmann-Wick rasch zu Lisa Vittozzi auf und hielt sich klug im Windschatten. Zeitgleich nahmen beide auf der Schießmatte Platz. Vittozzi war schneller im Anschlag, setzte auch den ersten Schuss und räumte sicher ab. Denise Herrmann-Wick ließ sich nicht beirren und machte es ihr nach. Aus dem Dreierpack dahinter mit Schweden, Frankreich und Tschechien setzte sich schließlich Hanna Oeberg nach fünf Treffern ab, Tschechien fiel nach zwei Strafrunden zurück und auf den Positionen fünf und sechs fanden sich nun mit knapp zwei Minuten Rückstand Österreich mit Lisa Theresa Hauser und die Schweiz mit Lena Häcki-Groß. Auf der Runde folgte dasselbe Spiel. Denise Herrmann-Wick saugte sich wieder an Lisa Vittozzi heran und es sollte zum spannenden Duell Frau gegen Frau kommen. Das Publikum in der LOTTO Thüringen Arena am Rennsteig tobte, als die beiden auf die Zielgeraden Richtung Schießstand einbogen und Herrmann-Wick setzte sich dieses Mal an die Spitze und bezog auf Schießbahn eins Stellung. „Ich bin mit Absicht vorbei gefahren um vielleicht noch ein bißchen Windschatten am Schießstand zu haben.“ Lisa Vittozzi setzte Denise Herrmann-Wick mit einer tadellosen Serie in 20,7 Sek. deutlich unter Druck. Die Deutsche verfehlte zwei Scheiben, benötigte zwei Nachlader und hatte 31,2 Sek. Rückstand auf die Italienerin, als sie auf die Schlussrunde einbog. Hanna Oeberg kam nach einer sauberen Fünferserie nur 13,2 Sek. später an dritter Position.  Denise Herrmann-Wick ließ nicht locker, machte Sekunde um Sekunde in der Spur gut, aber die Strecke war zu kurz und der Vorsprung von Lisa Vittozzi zu groß um noch nach Gold greifen zu können. „Ich konnte auf der Schlussrunde noch Gas geben, hatte gute Beine und extrem schnelle Ski,“ so Denise Herrmann-Wick, und weiter „ich bin überglücklich, dass wir es heute geschafft haben. Das ist die Teammedaille, wo wir das ganze Jahr dafür kämpfen. Unser großes Ziel, das wir heute geschafft haben. Wir haben das Ziel gemeinsam geschafft. Die Medaille ist für alle,“ und der Damentrainer Kristian Mehringer schloss sich an: „Die Silbermedaille feiern wir wie eine Goldmedaille“.

Ergebnis Staffel Damen

Medaillenspiegel

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