Es gibt Neuigkeiten aus Russland, wo immer mehr Athleten als neutral eingestuft werden – teilweise auch die alten Stars. In Schweden und Norwegen will man ihren aber die Einreise verwehren – aber Schweden könnte dann die WM in Falun verlieren…
Terenteva und andere Stars vor Rückkehr in den Weltcup
Im August 2024 wurden Natalia Terenteva und ihr Ehemann, der Sprinter Alexander Terentev, Eltern ihrer ersten Tochter Vasilisa. Im April 2026 folgte Sohn Ivan. Danach stieg Natalia wieder ins Training ein und soll sich in guter Form befinden. Nach Lockerung der FIS-Regularien für neutrale Athleten beantragte sie ihre Neutralität und erhielt nun grünes Licht. Sie hatte keinen offiziellen militärischen Rang, fiel bisher unter die verbotenen Militärsportverbände. Aktuell hofft Alexander Bolshunov auf seine Freigabe, die bald erwartet wird. Wie sein Trainer Yuri Borodavko inzwischen bestätigte, hat Bolshunov beim Militär gekündigt und die geforderte Neutralitätserklärung unterzeichnet. Zur Zeit nach der aktuellen Liste neutraler Athleten vom 23. Oktober führt Terenteva ein extrem junges Team der Next Generation an mit aktuell 19 Damen und 16 Herren mit neutralem Status. Dabei sind neben Terenteva die wenigen erfahrenen Ausnahmen, nämlich Ilia Semikov (Jahrgang 1993), ein erfahrener Klassisch-Spezialist, der vor der Sperre regelmäßig Top-10-Plätze im Weltcup einfuhr und Olympiateilnehmer war. Und Ivan Gorbunov (Jahrgang 1999), ein starker Sprinter und Distanzläufer, der im russischen Nationalteam trainiert und national oft auf dem Podest steht. Bei den jungen Talenten (U23 und jünger) ragen mit Savelii Korostelev (Jahrgang 2003), Daria Nepryaeva (Jahrgang 2002) und dem wohl größten weiblichen Ausnahmetalent Alina Pekletsova (Jahrgang 2006), die im Distanzbereich im Inland bereits alles in Grund und Boden läuft und regelmäßig die älteren Damen schlägt, schon einige heraus. Zu nennen sind noch Nikita Denisov (Jahrgang 2002) und Sergey Volkov (Jahrgang 2001), die bei der Junioren-WM 2022vor dem russischen Ausschluss Medaillen holten und im russischen Pokal ganz vorne mitlaufen, Elizaveta Maslakova und Arina Kalicheva (Jahrgang 2002 und 2003) sowie Dmitrii Puzanov (Jahrgang 2005), ein blutjunger Sprint-Spezialist, der im letzten Winter im russischen Pokal sensationell das Podest stürmte. Auch die anderen Stars des russischen Langlauf-Teams von 2022 versuchen, offizielle Neutralität zu erlangen – sogar Veronika Stepanova. Sogar bei ihr als klarer Krieg-Unterstützerin ist ein Start nicht ausgeschlossen, weil die FIS klare Neutralität ab dem Zeitpunkt der Antragstellung fordert. Frühere Aussagen oder Auftritte aus den Jahren 2022 bis 2024 werden von den Sportgerichten und der FIS oft als „Vergangenheit“ gewertet, solange die Athletin sich jetzt ruhig verhält und das offizielle Dokument unterschreibt. Solange Stepanova aktuell keine neuen, offensichtlichen Propaganda-Posts absetzt und die Erklärung formal korrekt unterschreibt, ist es für die FIS juristisch extrem schwer, den Antrag einfach abzulehnen. Der Verband scheut kostspielige Klagen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS).
Schweden plant Einreisesperren
Auch wenn manche Athleten durchaus nicht abgeneigt sind, die Russen wieder Willkommen zu heißen, wird die Rückkehr der Russen nun zum Politikum. Schweden hat angekündigt, keine Visa für russische Athleten erteilen zu wollen, um sie unter anderem von der WM auszuschließen. Der schwedische Migrationsminister Johan Forssell hat nach offizieller Bitte des schwedischen Skiverbandes und des nationalen Sportbundes am 21. Oktober 2026 bestätigt, dass die Regierung derzeit intensiv prüft, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um die Visa-Erteilung an die russischen Sportler komplett zu blockieren. Man wolle verhindern, dass der russische Angriffskrieg durch den Sport normalisiert wird. Auch der norwegische Skiverband betont unmissverständlich: „Wir wollen keine russische Teilnahme.“ Der neue norwegische Skipräsident Roger Finjord erklärte vor wenigen Tagen, dass man dringend auf ein klares Signal der norwegischen Behörden bezüglich der Visa-Richtlinien warte. Die Sportverbände dürfen Visa nicht selbst ablehnen, hoffen aber darauf, dass die Regierung die Einreisebedingungen so verschärft, dass die Läufer gar nicht erst ins Land kommen. Die jungen russischen Athleten reagieren frustriert auf diese Blockadeversuche. Savelii Korostelev äußerte sich dazu im schwedischen Fernsehen (SVT) und nannte den schwedischen Vorstoß eine „desperate Handlung“. Er fügte hinzu: „Es ist traurig, wenn versucht wird, Sport und Politik zu vermischen.“ Sportlich haben Terenteva, Korostelev und Co. ihre Starterlaubnis sicher – ob sie im November in Ruka oder im Februar in Falun tatsächlich an den Start gehen können, entscheidet sich in den nächsten Wochen in den Außen- und Migrationsministerien der nordischen Länder.
FIS droht Schweden Verlust der WM an
Der Internationaler Ski- und Skiverband hat den schwedischen Organisatoren der Nordischen Ski-WM 2027 in Falun ein unmissverständliches Ultimatum gestellt. Die FIS argumentiert, dass Schweden mit der Vergabe der Weltmeisterschaft einen Vertrag unterzeichnet hat. Dieser verpflichtet das Gastgeberland dazu, allen vom Weltverband rechtmäßig zugelassenen Athleten – und dazu gehören nun mal die offiziell bestätigten neutralen Läufer (AIN) – die Einreise und die Teilnahme zu ermöglichen. Sollte die schwedische Regierung ihre Pläne wahrmachen und den russischen Athleten die Visa verweigern, betrachtet die FIS dies als klaren Vertragsbruch. Die FIS-Spitze hat intern bereits klargestellt, dass Schweden in diesem Fall die Weltmeisterschaft komplett entzogen wird. „Nationale Gesetze haben Vorrang vor FIS-Entscheidungen. Die FIS ist jedoch Eigentümerin ihrer eigenen Veranstaltungen. Wenn die FIS entschieden hat, dass neutrale Athleten teilnehmen dürfen, erwartet sie, dass diese Entscheidung respektiert wird“, sagte Bruno Sassi, Mediendirektor der FIS, dem Sveriges Radio. Für diesen Fall hat die FIS bereits einen konkreten Notfallplan ausgearbeitet. Die WM würde kurzfristig von Falun nach Italien (voraussichtlich ins Val di Fiemme) verlegt werden. Die italienische Regierung gilt in Sportkreisen bei der Vergabe von Visa für neutrale Athleten als deutlich weniger strikt als die skandinavischen Länder. Für Schweden und die Stadt Falun wäre das der absolute Worst Case, da bereits Millionen in die Vorbereitung der WM investiert wurden. Die schwedischen Sportverbände sitzen damit komplett in der Klemme zwischen der harten politischen Linie ihrer eigenen Regierung und den kompromisslosen Statuten des Weltverbandes.
