Nordische Kombination: "Haben Werbung für unseren Sport gemacht" - xc-ski.de Langlauf

Nordische Kombination: „Haben Werbung für unseren Sport gemacht“

Der erste Wettkampf der Nordischen Kombinierer bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen von Milano Cortina ist für das deutsche Team nicht ganz nach Plan verlaufen. Lange sah es so aus, als könne Vinzenz Geiger um eine Medaille mitkämpfen, doch am Ende wurde er Zehnter. Der Beste der drei Oberstdorfer Vereinskameraden war Johannes Rydzek als Achter; Julian Schmid beendete das Rennen auf Platz 14. Wie sahen die Aktiven und der Bundestrainer selbst den Wettkampf?

Eric Frenzel: „Hatten uns mehr erhofft“

Trainer Kai Bracht (GER) und Bundestrainer Eric Frenzel (GER) (l-r) (Archivbild) © Volk/NordicFocus

Bundestrainer Eric Frenzel zieht eine gemischte Bilanz des ersten Wettkampftages. „Man muss auf jeden Fall sagen, sie haben alles in die Waagschale geworfen. Ergebnistechnisch hat man das, denke ich, auch an den Gesichtern der Jungs gesehen. Sie sind nicht ganz zufrieden mit dem Ausgang. Wir natürlich auch nicht“, resümierte Frenzel. „Aufgrund der Ausgangssituation und des sehr guten Springens hatten wir uns schon etwas mehr erhofft – gerade auch im Hinblick darauf, was wir in den letzten Wochen läuferisch gezeigt haben. Scheinbar waren wir energetisch nicht ganz auf dem Niveau, um heute mithalten zu können. Es war ein sehr langes und hartes Rennen. Grundsätzlich würde ich sagen, das liegt dem Vinz. Aber er merkt auch, dass er körperlich seit Seefeld nicht ganz die Erholung hatte, die er eigentlich von sich kennt. Jetzt müssen wir sauber in die Analyse gehen und gut miteinander sprechen, wie wir uns für die nächsten Tage aufstellen.

„Blicken optimistisch nach vorne“

Bundestrainer Eric Frenzel (GER) (Archivbild) © Volk/NordicFocus

Trotz des nicht ganz zufriedenstellenden Ergebnisses seiner Jungs ist Frenzel guten Mutes für die weiteren Wettkämpfe: „Ich denke, das ist nichts Schwerwiegendes. Bei den Jungs kann das schnell wieder gehen. Deshalb setzen wir unsere Hoffnung auf die zweite Woche. Wir blicken weiterhin optimistisch nach vorne, vor allem, weil wir das gute Springen mitnehmen können. Und wenn es nächste Woche wieder etwas kälter und härter wird, kommt uns das, glaube ich, noch ein Stück mehr entgegen. Wir werden uns das alles noch einmal genau anschauen.“ Am Material lag es offenbar nicht, dass Geiger in den Abfahrten und am Ende so weit zurückfiel: „Uns war es wichtig, mit ihm und den Jungs zu sprechen. Wir haben dabei positives Feedback erhalten. Man sieht es ja auch an Johannes, der sehr gut durchgekommen ist. Vinz meinte ebenfalls, dass der Ski richtig gut war. Vinz war heute körperlich einfach nicht in der Lage, das entsprechend umzusetzen.“

Rydzek: „Bin zufrieden“

Der bestplatzierte Deutsche des Wettkampfs, Johannes Rydzek als Achter, war in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse nicht unzufrieden mit seinem Tagesverlauf: „Es war leider kein Powder, sondern eher ein Waten durch den Sulz. Es waren unglaublich harte Bedingungen. Das haben wir schon beim Einlaufen gesehen. Als die ersten Spuren in die noch jungfräuliche Strecke gezogen wurden, war klar, dass es ganz schwer und sehr tief werden würde. Ich habe mich darauf eingestellt und mir gesagt, dass ich mein eigenes Pacing finden muss und mich nicht verleiten lassen darf – auch wenn es zwischenzeitlich hart war und ich gerne noch einmal an die Gruppe herangekommen wäre. Aber wenn man sich übernimmt, wird es noch schwerer, die Beine zu heben, und irgendwann kommt man gar nicht mehr vorwärts,“ beschrieb der 34-jährige Routinier seine Taktik. Seine persönliche Bilanz des Wettkampfs ist positiv: „Ich bin stolz darauf, wie ich das Rennen durchgezogen und mir meine Kräfte eingeteilt habe. Natürlich hätte ich gerne um die Medaillen gekämpft, aber am Ende haben ein, zwei Meter gefehlt. So ist das nun mal. Der olympische Gedanke bedeutet ja auch, dabei zu sein und sein Bestes zu geben. Das ist mir heute auf jeden Fall gelungen – gerade auf der Strecke. Deshalb bin ich zufrieden und gehe erhobenen Hauptes aus diesem Wettkampf.“

Vinzenz Geiger: „Nicht in Topform“

Er sah nach dem Springen aus wie der heißeste deutsche Medaillenkandidat: Titelverteidiger Vinzenz Geiger. Statt der von ihm gewohnten Attacke in der letzten Runde gab es allerdings den Rückfall bis auf Platz zehn. Geiger nimmt es sportlich: „Ja, es war leider nicht ganz mein Tag heute. Ich habe mich nicht optimal gefühlt. Bei diesen schweren Bedingungen und in einem olympischen Rennen muss man schon zu 100 Prozent fit sein, um eine Medaille zu holen. Natürlich habe ich daran geglaubt, aber am Ende konnte ich das Tempo nicht ganz mitgehen – und dann war es vorbei. Als ich abreißen lassen musste und die vier, fünf vorne weg waren, war das Rennen für mich entschieden. Ich bin nicht an den Start gegangen, um Zehnter zu werden – ich will eine Medaille holen, ich will gewinnen. Und als ich gesehen habe, dass das heute nicht mehr möglich ist, war es vorbei. Da war der Stecker gezogen, die Luft war raus, und ich bin das Rennen noch zu Ende gelaufen. Trotzdem war es cool, hier dabei zu sein, bei dieser Stimmung. Ich glaube, wir haben wieder Werbung für unseren Sport gemacht.“

Nächstes Ziel: Großschanze

Geiger blickt trotz der verpassten Chance optimistisch auf die kommenden Wettkämpfe: „Im Kopf bin ich jetzt schon auf der Großschanze und greife dort wieder an. Den heutigen Wettkampf habe ich abgehakt. Auch wenn es natürlich schade ist, weil es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte. Aber wenn man eine Medaille holen will, muss man in Topform sein – und das war ich heute leider nicht. Deshalb schaue ich nach vorne, gönne mir jetzt ein bisschen Ruhe. Ein paar Tage haben wir Zeit, und ich bin mir sicher, dass es nächste Woche schon wieder besser aussieht.“

Am Dienstag, 17.02.26, folgt für die Nordischen Kombinierer der Einzelwettkampf von der Großschanze, am Donnerstag, 19.02.26, der Team Sprint, ebenfalls von der Großschanze. Die Startzeiten sind dieselben wie im heutigen Wettkampf: Gesprungen wird jeweils um zehn Uhr, gelaufen um 13:45 Uhr (Einzel) beziehungsweise 14 Uhr (Team Sprint). An beiden Tagen überträgt die ARD live im Fernsehen und im Stream.

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