Auch wenn Olympiasiege für die Ewigkeit sind, geht Vinzenz Geiger (GER) als Titelverteidiger in die Spiele von Milano-Cortina. Im Val di Fiemme, zu Deutsch Fleimstal, werden unter anderem drei Deutsche und drei Österreicher um die Medaillen kämpfen. Allerdings nur die Männer, denn die Frauen müssen zuschauen. Wer die Favoriten sind, wer dabei ist und wie man im deutschen Team die Spiele angeht, fassen wir zusammen.
Nordische Kombination vor wichtigen Tagen
Die Nordische Kombination hat bei den Olympischen Spielen derzeit einen schweren Stand. Nicht nur sind die Frauen auch 2026 immer noch nicht zugelassen. Damit ist die Nordische Kombination die einzige Sportart, bei der nur Männer antreten. Da dies gegen die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) propagierte Gleichstellung verstößt, steht nun die ganze Sportart auf dem Prüfstand. Einerseits schaut das IOC auch bei den Männern in diesem Jahr sehr genau auf die Zahlen. Nur wenn der Zuschauerzuspruch vor Ort und an den Bildschirmen zufriedenstellend ist, will man die Nordische Kombination für die Olympischen Spiele 2030 in Frankreich überhaupt im Programm behalten. Andererseits musste die Nordische Kombination bereits für die Spiele in Mailand-Cortina erhebliche Einbußen hinnehmen. So wurde vonseiten des IOC die Teilnehmerzahl im Vergleich zu Peking 2022 massiv reduziert. Durften 2022 noch 55 Athleten an den Wettbewerben teilnehmen, sind es in diesem Jahr nur noch 36. Zudem verfügt jede Nation maximal über drei Startplätze. Diese wurden außerdem nach strengeren Kriterien vergeben als zuvor. Dabei ist die Regel, dass zunächst jede Nation nur zwei Plätze bekommt. Nur falls hierbei noch Plätze freibleiben, falls also nicht genügend Athleten die Qualifikationskriterien entweder der FIS und/ oder der Nationalen Olympischen Komitees erfüllen, dürfen die anderen aufstocken. Damit ist auch der Teamwettkampf vom Tisch, bei dem vier Athleten pro Team gemeinsam antreten. Stattdessen gibt es 2026 einen Team Sprint, bei dem nur zwei Athleten pro Nation gemeinsam starten.
36 Athleten aus 15 Nationen am Start
Insgesamt werden 15 Nationen in der Nordischen Kombination vertreten sein, darunter sieben mit jeweils drei Startern. Zu ihnen gehören neben Deutschland auch Österreich, Finnland, Frankreich, Gastgeber Italien, Norwegen und Japan. Tschechien, China, Estland, Polen, Slowenien, Ukraine und USA schicken jeweils zwei Athleten ins Rennen, während Chingiz Rakparov aus Kasachstan als Einzelkämpfer unterwegs ist. Im deutschen Team konnten sich die drei Oberstdorfer Johannes Rydzek, Vinzenz Geiger und Julian Schmid qualifizieren; Österreich ist mit Johannes Lamparter sowie den beiden Rettenegger-Brüdern Thomas und Stefan vertreten. Auch im norwegischen Team gibt es ein Brüderpaar. Sowohl Jens als auch Einar Luraas Oftebro schafften den Sprung ins Team, ebenso wie Andreas Skoglund. In Japan ist Altmeister Akito Watabe dagegen ohne seinen Bruder bei seinen sechsten Olympischen Winterspielen zugegen. Yoshito schaffte die teaminterne Qualifikation nicht, er musste Ryota Yamamoto und Sora Yachi den Vortritt lassen. Italien hat neben Samuel Costa und Aaron Kostner auch Lokalmatador Alessandro Pittin im Team. Für den 35-Jährigen aus Predazzo sind es ebenfalls die sechsten Spiele. Finnland und Frankreich profitierten wie auch Italien von einer Umverteilung der frei gebliebenen Plätze. Weil weder die Schweiz (Pascal Müller) noch die Niederlande (Sean Steenbakker) ihre Athleten nach Italien schicken und Kasachstan nur einen Athleten gemeldet hat, rückten Wille Karhumaa (FIN) und Mael Tyrode (FRA) nach. Sie verstärken Ilkka Herola (FIN), Eero Hirvonen (FIN), Laurent Mühlethaler (FRA) und Marco Heinis (FRA). Die weiteren Starter: Jiri Konvalinka, Jan Vytrval (beide CZE), Jiawen Zhao, Zihe Zhao (beide CHN), Kristjan Ilves, Ruubert Teder (beide EST), Milosz Krzempek, Kacper Jarzabek (beide POL), Vid Vrhovnik, Gasper Brecl (beide SLO), Dmytro Mazurchuk, Oleksandr Shumbarets (beide UKR) sowie Benjamin Loomis und Niklas Malacinski (beide USA).
Drei Wettkämpfe für die Kombinierer
Drei Chancen haben die Nordischen Kombinierer, sich olympisches Edelmetall zu sichern. Zunächst geht es zum Einzelwettkampf auf die Normalschanze (HS 107; Mittwoch, 11.02.26), in der zweiten Woche dann zum Einzelwettkampf auf die Großschanze (HS 141; Dienstag, 17.02.26). Gesprungen wird vom Trampolino dal Ben in Predazzo, gelaufen im Langlaufstadion von Tesero. Beide Wettkämpfe werden im Gundersen-Format ausgetragen, die Läufe gehen jeweils über zehn Kilometer. Den Abschluss bildet der bereits erwähnte Team Sprint von der Großschanze (Donnerstag, 19.02.26). Hier treten pro Nation zwei Athleten gemeinsam an. Dem Sprung folgen zwei mal 7,5 Kilometer, wobei die Athleten abwechselnd je eine 1,5-Kilometer-Runde absolvieren.
Mission Titelverteidigung für Geiger
Im diesjährigen reduzierten Teilnehmerfeld finden sich dennoch einige Athleten, die bereits vor vier Jahren in Peking Medaillen gewinnen konnten. Allen voran ist da aus deutscher Sicht natürlich Vinzenz Geiger zu nennen, der den Einzelwettkampf von der Normalschanze für sich hatte entscheiden können. Der Silbermedaillengewinner aus Norwegen, Joergen Graabak, hat seine Karriere inzwischen beendet, während Österreichs Lukas Greiderer, der Bronzemedaillengewinner, die teaminterne Qualifikation in diesem Jahr verpasst hat. Die Goldmedaille auf der Großschanze ging ebenfalls an Graabak. Silber und Bronze gewannen vor vier Jahren Jens Luraas Oftebro (NOR) und Akito Watabe (JPN). Beide sind in diesem Jahr ebenfalls am Start, wobei Oftebros Chancen auf eine Wiederholung der Medaillenjagd ungleich höher sein sollten als die von Watabe. Im Team-Wettbewerb, bei dem vier Athleten pro Mannschaft antraten, war es ebenfalls Norwegen mit Graabak, Oftebro sowie Espen Bjoernstad und Espen Andersen, die sich die Goldmedaille sichern konnten. Silber ging an das deutsche Team mit Julian Schmid und Vinzenz Geiger, die beide in diesem Jahr ebenfalls dabei sind. Zudem waren Manuel Faißt und der heutige Bundestrainer Eric Frenzel in der Mannschaft. Bronze ging ebenfalls an Japan mit Akito und Yoshito Watabe sowie Hideaki Nagai und Ryota Yamamoto.
Die Aussichten der deutschen Athleten
Schaut man auf den bisherigen Saisonverlauf, gibt es keinen eindeutigen Favoriten. Die drei Deutschen gehören jedoch sicherlich dazu. Julian Schmid konnte bereits einen Sieg und fünf Podestplätze für sich verbuchen. Teamkollege Vinzenz Geiger konnte trotz verletzungsbedingtem verspäteten Saisonstart bereits zwei Siege und vier Podestplätze feiern. Der dritte Deutsche, Johannes Rydzek, ist mit all seiner Routine immer wieder für eine Überraschung gut. Der 34-Jährige, der bereits in seine fünften olympischen Spiele geht, konnte in seiner langen Karriere bereits mehrere Olympia-Medaillen gewinnen. Das Highlight gab es 2018, als er in Pyeongchang (KOR) sowohl im Einzel als auch im Team Gold gewinnen konnte. In Sochi (RUS) 2014 gab es Team-Silber, und mit Bronze im Team 2010 in Whistler (CAN) hat er einen kompletten Medaillensatz zu Hause. In der aktuellen Saison konnte er bereits zwei Podestplätze feiern und war elf Mal in den Top Ten zu finden. Alle drei sind starke Läufer und können sowohl Rückstände wettmachen als auch in Schlusssprints bestehen.
Spannende Medaillenkämpfe vorprogrammiert
Was sind die Ziele des deutschen Teams?
Eric Frenzel, Bundestrainer Nordische Kombination Männer, sieht seine Athleten auf einem guten Weg: „Die Saisonvorbereitung lief größtenteils so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Mit Julian Schmid, Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger haben sich drei Athleten herauskristallisiert, die die volle Qualifikationsnorm erfüllt haben. Bei Vinzenz war das aufgrund der Verletzung kein leichter Einstieg in den Winter. Da stand dann doch recht schnell im Vordergrund, die Norm zu schaffen. Das hat er dann aber recht schnell geschafft. Johannes ist mit seinen fünften Spielen als Athlet unser Veteran. Er hat sich sehr gut in die Saison reingekämpft. Anfangs ist er knapp an der Norm gescheitert. Je länger die Saison gedauert hat, desto besser hat er die Form erreicht, die er für Top-Resultate gebraucht hat. Julian ist von Anfang an in bestechender Form gewesen und hat recht schnell auch die interne Olympianorm geliefert. Er hat die Weltcups und die Zeit dazwischen genutzt, um auch vieles zu testen, speziell im Springen. Diese Materialanpassungen dienten dazu, das Optimum zu finden. Entsprechend waren die Ergebnisse mal besser und mal nicht so gut. Der Fokus in den letzten Wochen lag auch darauf, hier die richtige Auswahl zu treffen. Wir möchten in den Wettkämpfen Podestplätze erreichen, ohne eine konkrete Anzahl zu nennen – es gilt Tag für Tag bei den Wettkämpfen parat zu sein.“
Johannes Rydzek
„Meine Saisonsvorbereitung lief soweit echt gut. Ich konnte gut trainieren und bin ohne große Krankheiten oder Verletzungen durchgekommen. Der Erfolg beim Sommer Grand Prix war auch noch mal ein Motivations-Boost. Ich konnte jetzt in der Saison noch nicht ganz die Sprünge zeigen, die ich mir über den Sommer erarbeitet habe. Ich bin aber immer besser in Schuss gekommen, läuferisch habe ich im Vergleich zur letzten Saison noch mehr Konstanz reingebracht und konnte mich mit zwei Podestplatzierungen belohnen. Für mich sind es schon die fünften Olympischen Spiele. Ich habe das Privileg, das schon einige Male miterleben zu dürfen – und jetzt das erste Mal in Mitteleuropa. Darauf freue ich mich ganz besonders. Wenn ich meine Leistung abrufen kann, kann ich auch den Wettkampf mitbestimmen. Das ist mein Ziel. Wofür es reichen kann, habe ich in dieser Saison schon gezeigt. Aber für ein Top-Ergebnis muss wirklich alles passen.“
Vinzenz Geiger
„Die Saisonvorbereitung lief leider nicht ganz so wie geplant – ich habe mich im November verletzt und dadurch die wichtigsten Sprungtrainingswochen vor der Saison verpasst. Mit dem Punkt, an dem ich jetzt stehe, bin trotzdem sehr, sehr zufrieden. Ich habe schon zwei Saisonsiege holen können. Ich denke, ich bin jetzt auch im läuferischen Bereich schon auf einem guten Niveau. Im Springen gibt es noch ein bisschen Luft nach oben, aber ich glaube, dass ich das noch hinbekomme. In Italien bin ich jetzt bei meinen dritten Olympischen Winterspielen dabei. Meine persönlichen Erwartungen sind schon hoch. Ich bin amtierender Olympiasieger und will natürlich in einer Position sein, in der ich wieder um den Sieg mitkämpfen kann. Dafür werde ich alles geben.“
Julian Schmid
„Mit der Saisonvorbereitung bin ich sehr zufrieden gewesen. Ich hatte keine Verletzungen, konnte gut trainieren und habe mich in beiden Disziplinen weiterentwickelt – ich glaube, das haben die Leistungen auch gezeigt. Deswegen bin ich auch sehr zufrieden mit der bisherigen Saison. Vielleicht fehlt mir manchmal noch die Konstanz im Springen, aber das kann man sich nicht immer aussuchen. Im Gesamtweltcup bin ich immer vorne mit dabei, habe keine extremen Rücksetzer gehabt und bin daher im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Die Form ist sehr gut. Nach 2022 in Peking sind es in Italien jetzt meine zweiten Olympischen Spiele. Das wird das große Ziel sein. Die Erwartung ist, dass man auf jeden Fall um die Medaillen mitkämpft. Bei Olympia ist egal, ob man Vierter oder Zwanzigster wird – man muss da versuchen, aufs Podest zu kommen. Ich wünsche mir natürlich, dass ich mit einer Medaille heimfahre. Und das ist auch der Anspruch unserer Mannschaft.“
Zeitplan
Mittwoch, 11.02.2609:10 Uhr Probedurchgang NH HS 107 Gundersen10:00 Uhr Wertungsdurchgang NH HS 107 Gundersen13:45 Uhr Lauf 10km Gundersen
Dienstag, 17.02.2609:10 Uhr Probedurchgang LH HS 141 Gundersen10:00 Uhr Wertungsdurchgang LH HS 141 Gundersen13:45 Uhr Lauf 10km Gundersen
Donnerstag, 19.02.2609:10 Uhr Probedurchgang LH HS 141 Team Sprint10:00 Uhr Wertungsdurchgang LH HS 141 Team Sprint14:00 Uhr Lauf 2×7,5km Team Sprint
Übertragungen im TV und Livestream
Die Wettkämpfe der Nordischen Kombination finden alle an ARD-Tagen statt. Geplant sind Live-Übertragungen im linearen Fernsehen aller drei Wettkämpfe. Zusätzlich können alle Entscheidungen in der Mediathek im kostenlosen Livestream verfolgt werden. Die Springen werden jeweils ab ca. 9:50 Uhr übertragen, die Läufe dann ab 13:30 Uhr.