Die ersten Medaillen der Nordischen Kombination bei den Olympischen Spielen sind vergeben. Johannes Lamparter (AUT) sicherte sich die Silbermedaille hinter Sieger Jens Luraas Oftebro (NOR). Bronze ging sensationell an Eero Hirvonen aus Finnland. Die deutschen Athleten gingen vorerst leer aus.
Ilves Führender nach dem Sprung
Es war, als hätte Eero Hirvonen es schon am Vormittag kommen sehen, als er grinsend auf dem Balken des Trampolino dal Ben zu Predazzo saß. Dass er am Ende des Tages mit einer Medaille um den Hals auf dem Podest stehen würde, hätte er aber wohl selbst nicht erwartet. Zu viele starke Läufer befanden sich vor ihm. Der stärkste Springer jedenfalls kam aus Estland. Kristjan Ilves kam in der Summe auf die meisten Punkte (132,6), da er bei seinem 99-Meter-Sprung die schlechtesten Bedingungen hatte. Der beste Springer der Saison, Thomas Rettenegger (AUT), musste sich trotz 100 Metern ebenso dahinter einreihen wie Ryota Yamamoto (JPN, 102,5 m). Punktgleiche Vierte nach dem Springen waren Einar Luraas Oftebro (NOR) und Stefan Rettenegger (AUT), beide mit 99 Metern. Die größte Weite lieferte jedoch Johannes Lamparter mit 104,5 Metern, der mit 55,5 Punkten zudem die besten Haltungsnoten des ganzen Feldes bekam. Allerdings sprang er auch als einer von nur zwei Athleten bei leichtem Aufwind und bekam folgerichtig sogar 1,1 Punkte abgezogen. So fand er sich nach dem Springen nur auf Zwischenrang sechs, 21 Sekunden hinter dem Führenden, wieder. Unmittelbar hinter dem Weltcup-Gesamtführenden folgte sein direkter Rivale, Jens Luraas Oftebro, der wie Lamparter ebenfalls von leichtem Aufwind profitierte und auf starke 104 Meter kam.
Geiger in Lauerstellung
Hinter ihm auf Zwischenrang acht folgte mit Vinzenz Geiger der beste Deutsche. Der Oberstdorfer hatte tags zuvor das Training ausgelassen, nachdem er am Montag bei einem Trainingssprung leichte Schmerzen im Knie verspürt hatte. Im Wettkampf landete er bei 98 Metern und 29 Sekunden hinter Ilves. Die beiden Finnen Ilkka Herola und Eero Hirvonen sprangen auf die Plätze neun und zehn. Überraschend stark auch Veteran Akito Watabe (JPN). Der 37-Jährige sprang bei seinen sechsten olympischen Spielen auf den elften Zwischenrang, womit er recht deutlich über seinen bisherigen Saisonleistungen lag. Die beiden anderen Deutschen, Johannes Rydzek und Julian Schmid, folgten fast punktgleich und nur durch eine Sekunde voneinander getrennt, hinter Watabe auf den Plätzen zwölf und 13.
Schwerer Lauf im tiefen Schnee
Die Schneefälle der vergangenen Nacht machten es den Kombinierern in der Loipe schwer. Nicht genug damit, dass die Olympia-Loipe zu den schwersten des Winters zählt. Der tiefe nasse Schnee machte das Rennen zu einem echten Kraftakt. Ilves, der als Führender ins Rennen ging, musste über die ersten zwei Runden quasi alleine den Schneepflug spielen. Thomas Rettenegger, 15 Sekunden nach Ilves gestartet, konnte dessen Tempo nicht ganz mitgehen und verlor bereits auf dem ersten Kilometer rund vier Sekunden. Im Gegenzug dazu übernahm Jens Oftebro dahinter vom Start weg die Initiative und zog eine zunächst sechsköpfige Gruppe hinter sich her. Nach eineinhalb Runden schaffte Oftebro, seinen Bruder Einar, Geiger, die beiden Finnen, Lamparter, Stefan Rettenegger und Yamamoto im Schlepptau, den Anschluss an Thomas Rettenegger. Ilves war nach Halbzeit des Wettkampfs im Stadiondurchlauf fällig. Innerhalb einer Runde machte der Norweger, seines Zeichens stärkster Läufer des Feldes, seinen Rückstand von 22,6 Sekunden auf Ilves nach Runde eins wett und übernahm zu Beginn der dritten Runde die Führung.
Spannung und Action in der zweiten Rennhälfte
Zur Halbzeit hatte sich die Spitzengruppe auf sieben reduziert. Thomas Rettenegger und Einar Oftebro konnten dem Tempo nicht folgen und begannen zurückzufallen. Hinter ihnen hatte sich mit Andreas Skoglund (NOR), Rydzek, Schmid und Watabe jedoch eine weitere Verfolgergruppe bis auf rund eine halbe Minute an die Führenden herangearbeitet und hatten Rettenegger und Oftebro bereits im Visier. In Runde drei übernahm kurzzeitig Eero Hirvonen die Spitze, gab jedoch bald wieder ab an Jens Oftebro. Als die Spitzengruppe in Runde drei aus dem Biathlonstadion hinaus wieder in den Anstieg ging, kam es fast zum Drama, als zunächst Hirvonen, der wie Oftebro kurzzeitig mitten in der Gruppe steckte, sich verhakte und strauchelte, und Oftebro hinter ihm ebenfalls in die Bredouille kam. Beide konnten einen Sturz gerade noch vermeiden.
Geiger geschlagen
Als hätte er beschlossen, dass es im Getümmel zu gefährlich sei, ging Oftebro daraufhin direkt wieder an die Spitze. Von Vinzenz Geiger dagegen war während des gesamten Rennens nicht viel zu sehen gewesen, er hielt sich auf den Rängen vier bis sechs eher bedeckt. Dies kennt man jedoch von ihm, da er gerne erst am letzten Anstieg attackiert und dann den Gegnern davonstürmt. Vorerst jedoch nutzte die siebenköpfige Gruppe den letzten Stadiondurchlauf, um noch einmal durchzuatmen und letzte Kräfte zu mobilisieren, bevor es in der letzten Runde erst einmal wieder stetig bergan ging. Und hier zog Oftebro das Tempo erneut an, beim Versuch, die Gruppe auseinanderzureißen. Dies gelang zum Teil. Lamparter, Stefan Rettenegger sowie die beiden Finnen blieben ihm auf den Fersen, während die erwartete Geiger-Attacke ausblieb. Im Gegenteil: der Oberstdorfer hatte sichtlich zu kämpfen und fiel sogar deutlich zurück. „Ich habe mich das ganze Rennen nicht gut gefühlt und dann ging es nicht mehr. Ich habe mich Mitte der Woche nicht so gut gefühlt und habe versucht, mich zu erholen, aber das hat nicht geklappt. Um Olympiasieger zu werden, muss man schon in Topform sein und das war ich heute definitiv nicht,“ bilanzierte der Olympiasieger von Peking, der am Ende sogar bis auf Rang zehn zurückfiel.
Oftebro zu stark für den Rest
Oftebro powerte dagegen weiter an der Spitze. Rettenegger musste ebenso abreißen lassen wie die beiden Finnen, einzig Lamparter konnte noch am Norweger dranbleiben. Als alles bereits nach einem Zweikampf der beiden besten Athleten des Winters aussah, bekam Hirvonen plötzlich eine zweite Luft. Wie aus dem Nichts tauchte er wieder hinter Lamparter auf und machte aus dem Zweikampf beinahe einen Dreikampf. Oftebro jedoch hatte die Sache im Griff und sicherte sich die erste olympische Einzel-Goldmedaille seiner Karriere. Lamparter musste sich um eine Sekunde geschlagen geben und freute sich über Silber, nachdem er in Peking als enttäuschter Vierter ohne Medaille geblieben war. Der Überraschungsmann des Tages jedoch war Hirvonen, der 2,5 Sekunden hinter Oftebro als Dritter ins Ziel kam, und dabei im Übrigen erstmals in diesem Winter Oftebro die schnellste Laufzeit (29:25.9 min) abnahm. Auch für den Finnen bedeutete Bronze seine erste olympische Medaille.
Starke Aufholjagd von Rydzek
Stefan Rettenegger beendete das Rennen 17,6 Sekunden hinter dem Sieger auf Platz vier, gefolgt von Herola. Ilves (+ 41,1 s) wurde Sechster vor Skoglund. Johannes Rydzek, 14 Sekunden hinter Oftebro gestartet, verlor zwar fast eine Minute auf den Norweger, machte aber dennoch vier Positionen gut und wurde Achter vor Thomas Rettenegger. Geiger schlug Watabe im Foto-Finish um Platz zehn. Einar Oftebro fiel auf Rang zwölf zurück, während der Italiener Samuel Costa vom 22. auf den 13. Platz nach vorn lief. Julian Schmid wurde am Ende 14. Von den 15 angetretenen Nationen landeten somit fünf unter den besten Acht, die Medaillen gingen an drei verschiedene Nationen.
Zwischenstand Sprung HerrenEndergebnis Herren
Stimmen zum Wettkampf
Jens Luraas Oftebro (NOR)
„Es ist ein großartiger Tag. Nach dem Springen war es sehr knapp und ein wirklich hartes Rennen. Ich habe mich stark gefühlt, aber es war auf den Runden etwas herausfordernd. Ich bin einfach wirklich glücklich, dass ich auf dem letzten Anstieg genug Vorsprung herausarbeiten konnte, um als Erster die Ziellinie zu erreichen. Ein wirklich großartiger Tag für mich und vielleicht der beste Tag überhaupt. Also ich bin wirklich glücklich.“
Johannes Lamparter (AUT)
„Ich bin wirklich erleichtert über diese Medaille. Ich muss sagen, ich hatte ziemlich viel Druck, auch von meiner Seite, weil ich die Medaille gewinnen wollte. Ich bin wirklich glücklich und nach diesem Rennen auch ziemlich erschöpft. Aber ich bin wirklich glücklich. Ich freue mich jetzt auf die zweite Woche.“
Eero Hirvonen (FIN)
„Ich bin ziemlich sprachlos. Es ist sechs Jahre her seit meinem letzten Einzelpodium im Weltcup, und natürlich verlief meine Karriere vielleicht etwas anders, als ich es mir bei meinen ersten Olympischen Spielen 2018 vorgestellt habe, bei denen ich zweimal den sechsten Platz belegte. Natürlich habe ich seitdem von dieser Medaille geträumt, und es gab viele Höhen und Tiefen und alle möglichen Momente in meiner Karriere, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Potenzial habe, es zu schaffen. Heute habe ich es geschafft, und ich kann es immer noch nicht glauben. Ich muss das erst einmal verarbeiten.“
Nächste Woche Großschanze
Für die Nordischen Kombinierer gibt es nun zunächst einige Tage Pause, bevor es in der zweiten Olympia-Woche auf die Großschanze geht. Am Dienstag, 17.02.26, folgt der Einzelwettkampf von der Großschanze, am Donnerstag, 19.02.26, der Team Sprint, ebenfalls von der Großschanze. Die Startzeiten sind dieselben wie im heutigen Wettkampf: Gesprungen wird jeweils um zehn Uhr, gelaufen um 13:45 Uhr (Einzel) beziehungsweise 14 Uhr (Team Sprint). An beiden Tagen überträgt die ARD live im Fernsehen und im Stream.
Bildergalerie
